10 Dinge, die Hunde nicht mögen — und was davon belegt ist

10 Dinge, die Hunde nicht mögen — und was davon belegt ist

Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 27.08.2026 · Lesezeit: 9 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Stresszeichen kommen früh: Lefzen lecken, gähnen, abwenden, zurückweichen.
  • Umarmen und Anstarren können Hunde als Drohung lesen.
  • Eine offene Box ist ein Rückzugsort, kein Gefängnis.
  • Strafe erzeugt Angst. Angst blockiert das Lernen.

Die zehn Dinge, die Hunde nicht mögen, stehen in vielen Listen. Meist ohne Quelle und oft mit einer Behauptung, die sich beim Nachschauen auflöst. Ich habe deshalb aussortiert.

Übrig bleibt, was zwei tierärztliche Vereinigungen und ein Standardwerk hergeben. Bei einem Punkt sage ich ausdrücklich dazu, wie dünn die Beweislage ist.

Die kurze Antwort

Hunde mögen kein Anstarren, kein Umarmen und keine Berührung von hinten. Dazu kommen Bedrängen, Störung beim Fressen und lautes Schreien. Und schließlich: Strafe, ein fehlender Rückzugsort, wechselnde Regeln, Situationen ohne Ausweg.

Woran du es merkst

Lange bevor ein Hund knurrt, leckt er über die Lefzen, gähnt, wendet sich ab oder weicht zurück. Diese vier Zeichen stehen so im Merkblatt der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz. Wer sie kennt, braucht keine Liste mehr.

Zuerst die Sprache, dann die Liste

Hunde kündigen Unbehagen an. Das TVT-Merkblatt Nr. 104 nennt als Stresssignale: über die Lefzen lecken, gähnen, zurückweichen, sich abwenden.

Fachleute sprechen von Beschwichtigungssignalen. Gemeint sind kleine Gesten, mit denen ein Hund Spannung aus einer Begegnung nimmt.

Erst danach kommen die deutlichen Zeichen. Lefzen hochziehen und Knurren sind Warnungen, an denen der Kontakt abgebrochen gehört.

Wer diese Reihenfolge liest, kann fast jeden Punkt der folgenden Liste selbst herleiten — die ganze Bandbreite steht in Hundekommunikation verstehen.

Wacher dunkler Hund sitzt aufmerksam im Gras
Ein abgewandter Blick ist kein Trotz. Er ist eine höfliche Bitte um Abstand. Foto: Kreuzschnabel / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

1. Angestarrt werden

Ein langer, direkter Blick wirkt auf viele Hunde bedrohlich. Beim eigenen Hund ist das entschärft, beim fremden nicht.

Kinder machen es besonders gern, weil sie neugierig sind. Genau davon rät das Merkblatt ausdrücklich ab.

2. Umarmt werden

Bei diesem Punkt hält die bekannte Zahl nicht, was sie verspricht.

Die viel zitierte Untersuchung war eine Durchsicht von 250 Fotos aus der Bildersuche. Ein Psychologe hat sie ausgewertet und das Ergebnis 2016 in einem Blogbeitrag veröffentlicht. Ein Fachjournal hat sie nie geprüft.

Kritik gab es vor allem an einem Punkt: Es fehlte eine Vergleichsgruppe. Ob die Hunde wegen der Umarmung angespannt aussahen oder wegen der Kamera, lässt sich an Fotos nicht entscheiden.

Der Rat bleibt trotzdem richtig, nur mit einer besseren Begründung. Das TVT-Merkblatt hält fest, dass ein Hund Umarmen und Anstarren als Drohung verstehen kann.

Für den eigenen Hund heißt das: Schau hin. Legt er die Ohren an, dreht er den Kopf weg oder leckt er über die Lefzen, dann ist es keine Zärtlichkeit für ihn.

Ein Mensch hält einen wachen Hund im Freien im Arm
Umarmen liest mancher Hund als Drohung. Seine Haltung verrät, ob deiner dazugehört. Foto: Wikimedia Commons, CC0

3. Von hinten angefasst werden

Ein Hund, der die Hand nicht kommen sieht, erschrickt. Bei alten Hunden mit schlechten Augen oder Ohren passiert das häufiger, als Halter denken.

Sprich ihn an, bevor du ihn berührst. Bei fremden Hunden gilt die Regel ohne Ausnahme.

4. Bedrängt werden, wenn sie ausweichen

Zurückweichen ist eine Bitte um Abstand. Wer nachgeht, nimmt dem Hund die letzte Möglichkeit, ohne Konflikt herauszukommen.

Das Merkblatt formuliert es für Kinder besonders deutlich. Einem zurückweichenden Hund geht man nicht nach. Bedrängen ist ebenfalls tabu.

Auch das Wegrennen gehört hierher. Die meisten Hunde interessieren sich für alles, was sich schnell bewegt — was Kinder sonst noch beachten sollten, steht in Hund und Kind.

5. Keinen Rückzugsort haben

Hier lag der Altartikel daneben. Er riet dazu, enge Räume zu meiden. Das MSD Veterinary Manual empfiehlt genau das Gegenteil: eine Box, ein Gitterabteil oder einen eigenen Raum als sicheren Rückzugsort.

Der Unterschied liegt in der Tür. Ein Hund, der freiwillig hineingeht und jederzeit wieder heraus kann, hat einen Zufluchtsort. Ein eingesperrter Hund hat ein Problem.

Dieser Platz gehört ihm allein. Kinder haben dort nichts zu suchen, Besuch auch nicht.

6. Beim Fressen gestört werden

Das Merkblatt nennt zwei Regeln nebeneinander. Den Hund nicht beim Fressen stören. Ihm nichts wegnehmen, weder Futter noch Gegenstände.

Wer einem Hund ständig etwas abnimmt, bringt ihm bei, dass Annäherung Verlust bedeutet. Genau daraus entsteht das Knurren am Napf.

Besser läuft es umgekehrt. Tausch statt Wegnehmen. Beim Fressen hältst du schlicht Abstand.

7. Lautes Schreien und Hektik

Lärm irritiert. Das Merkblatt warnt ausdrücklich davor, in der Nähe eines Hundes laut zu schreien.

Bei Feuerwerk kommt die Angst dazu. Vermeiden allein reicht dann nicht mehr.

Der Altartikel behauptete, ein Hund werde gelassener, je seltener er solche Reize erlebt. Das stimmt so nicht. Gegen Angst hilft Gewöhnung in kleinen Schritten, gekoppelt an etwas Angenehmes — der Ablauf steht in Hund hat Angst vor Silvester.

8. Strafe und Druck

Das Positionspapier des Deutschen Tierschutzbundes zählt unter positiver Bestrafung auf: Klaps, Leinenruck, Diskscheibe werfen. Dazu hält es fest, dass Tiere, die Angst haben, schlecht lernen.

Angst führt zur Lernblockade. Ein Hund, der aus Angst gehorcht, hat nichts verstanden.

Strafmaßnahmen sind immer mit Angst verbunden. Deshalb belohne ich erwünschtes Verhalten und ignoriere unerwünschtes — die Grundlagen stehen in Erziehung des Hundes.

9. Wechselnde Regeln und wechselnde Zeiten

Ein fester Tagesablauf gibt Sicherheit und Vorhersehbarkeit. Genau so steht es im Standardwerk.

Darf der Hund heute auf das Sofa und morgen nicht, entsteht Dauerspannung. Dasselbe gilt für Fütterungszeiten, die um Stunden schwanken.

Aus meiner Erfahrung heraus ist das der unterschätzteste Punkt dieser Liste. Er kostet nichts und wirkt schnell — woran du Anspannung erkennst, steht in Stress beim Hund.

Zwei wache Hunde liegen nebeneinander im Gras
Ein Hund, der wählen darf, wird ruhiger. Auch beim Liegeplatz. Foto: Kreuzschnabel / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

10. Keine Wahl haben

Wer einem Hund unerwünschtes Verhalten nimmt und ihm gleichzeitig brauchbare Alternativen gibt, überlässt ihm die Entscheidung. Das senkt Unsicherheit und Angst.

Praktisch heißt das: zwei Liegeplätze statt einem, ein Kauartikel statt der Schuhe, ein Ausweichweg statt der engen Begegnung auf dem Gehsteig.

Zwei Punkte gehören noch dazu, auch wenn sie selten in Listen stehen. Hitze mögen Hunde nicht, weil sie Wärme nur schwer abgeben — was daraus werden kann, steht in Hitzschlag beim Hund.

Und Berührungen am Kopf sind für viele Hunde unangenehmer als am Rumpf. Warum das so ist, steht in Hunde am Kopf streicheln.

Sechs Sätze, die ich streichen würde

  • „Er mag das, er hält ja still." Stillhalten ist oft Erstarren.
  • „Kinder haben Welpenschutz." Haben sie nicht, sagt die TVT ausdrücklich.
  • „Er muss da durch." Angst wird durch Zwang größer.
  • „Einmal knurren, dann weiß er Bescheid." Er weiß dann nur, dass du unberechenbar bist.
  • „Er ist stur." Meist ist er überfordert.
  • „Das wächst sich raus." Manches tut das, Angst eher selten.

Am meisten lernt man in der Zeit bis etwa 16 bis 20 Wochen. Danach lernt ein Hund weiter, nur langsamer und mühsamer.

Wenn die Anspannung bleibt

Meine langjährige Erfahrung aus dem Kundenpostfach zeigt ein Muster. Der Auslöser ist längst weg, der Hund bleibt trotzdem wochenlang dünnhäutig.

In solchen Phasen gebe ich eine Ergänzung mit L-Tryptophan, Magnesiumgluconat, Baldrianwurzel, Hopfenblüten und Taigawurzel zum Futter, etwa die Lucky Pets Relax Tabletten. Sie ersetzen weder Training noch tierärztliche Abklärung. Gegeben werden sie über sechs Wochen oder länger.

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Fazit: Von den zehn Punkten hält jeder einer Prüfung stand, nur einer nicht in der Form, in der er meist erzählt wird. Beim Umarmen stammt die berühmte Zahl aus einer Fotodurchsicht ohne Vergleichsgruppe. Der Rat selbst bleibt richtig, weil Hunde eine Umarmung als Drohung lesen können. Und die wichtigste Fähigkeit steht nicht in der Liste: die vier frühen Zeichen erkennen, bevor der Hund deutlicher wird.

Häufige Fragen dazu, was Hunde nicht mögen

Mögen Hunde wirklich keine Umarmungen?

Die bekannte Zahl dazu stammt aus einer Durchsicht von Internetfotos, nicht aus einer geprüften Studie. Tierärztlich wird trotzdem davon abgeraten, weil viele Hunde eine Umarmung als Drohung lesen.

Woran erkenne ich, dass mein Hund sich unwohl fühlt?

An kleinen Gesten: über die Lefzen lecken, gähnen, zurückweichen, sich abwenden. Diese Zeichen kommen lange vor dem Knurren.

Warum sollte ich einen Hund nicht anstarren?

Ein langer, direkter Blick kann bedrohlich wirken. Das gilt für fremde Hunde deutlich stärker als für den eigenen.

Darf ich meinen Hund am Kopf streicheln?

Frag ihn. Halt die Hand ruhig hin und schau, ob er den Kopf entgegenschiebt oder wegzieht. Viele Hunde mögen lieber Brust und Schulter.

Ist eine Box Tierquälerei?

Nein, sofern sie offen steht. Eine Box, ein Gitterabteil oder ein eigener Raum gilt tierärztlich als sinnvoller Rückzugsort. Zusperren ist etwas anderes als anbieten.

Hilft es, meinen Hund vor allem Lauten zu schützen?

Nur kurzfristig. Wer Angst dauerhaft abbauen will, arbeitet mit Gewöhnung in kleinen Schritten und mit angenehmen Gegenerfahrungen.

Warum reagiert mein Hund auf Besuch so gereizt?

Oft wird er bedrängt, bevor er schnuppern durfte. Bitte deine Gäste, ihn zu ignorieren, bis er von selbst kommt.

Was ist der häufigste Fehler von Kindern?

Dem Hund nachzugehen, wenn er zurückweicht. Kinder haben keinen Welpenschutz, deshalb gehören Kind und Hund nie unbeaufsichtigt zusammen.

Mag mein Hund es nicht, wenn ich schimpfe?

Nein. Es hilft ihm auch nicht weiter. Angst blockiert das Lernen. Ein Hund, der aus Angst gehorcht, hat nichts verstanden.

Warum stört Unvorhersehbarkeit?

Weil ein fester Tagesablauf Sicherheit gibt. Wechselnde Zeiten und wechselnde Regeln erzeugen dauerhafte Anspannung.

Bis wann lernt ein Hund Neues am leichtesten?

Bis etwa 16 bis 20 Wochen ist er am aufnahmefähigsten für neue Situationen. Danach lernt er weiter, nur langsamer.

Mögen Hunde es, hochgehoben zu werden?

Viele kleine Hunde ertragen es, wenige genießen es. Kündige es an, stütz den Brustkorb und lass ihn wieder herunter, sobald er zappelt.

Quellen

Über den Autor

Kevin Roth, Co-Gründer von Lucky Pets

Kevin Roth

Co-Gründer von Lucky Pets

Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.

Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.

Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Zeigt ein Hund plötzlich Abwehr oder Angst, gehört eine Schmerzursache abgeklärt.