Apportieren lernen: der Aufbau in kleinen Schritten

Apportieren lernen: der Aufbau in kleinen Schritten

Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 27.08.2026 · Lesezeit: 8 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Apportieren besteht aus vier Teilen: hin, aufnehmen, zurück, abgeben.
  • Die meisten Halter üben nur den ersten Teil.
  • Aufgebaut wird über Belohnung in kleinen Schritten.
  • Schmerzhafte Hilfsmittel im Training sind in Deutschland verboten.

Der Ball fliegt, dein Hund rennt los. Zwanzig Meter weiter bleibt er stehen und kaut zufrieden darauf herum. Zurück kommt er erst, wenn du selbst losgehst.

Die kurze Antwort

Apportieren hat vier Teile. Dein Hund läuft hin, nimmt auf, kommt zurück und gibt ab. Jeden Teil übst du einzeln.

Der entscheidende Punkt

Am Hinlaufen scheitert fast kein Hund. Es hakt beim Zurückkommen und beim Hergeben.

Was Apportieren eigentlich ist

Apportieren bedeutet holen und zurückbringen. Vier voneinander unabhängige Teilstücke stecken darin: Hinlaufen, Aufnehmen, Zurücklaufen, Abgeben.

Wacher Labrador hält einen Ball im Maul
Der Ball ist das Ende der Kette, nicht ihr Anfang. Foto: Pdpics / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Geübt wird in den allermeisten Haushalten ausschließlich der erste Teil. Es wird geworfen, der Hund rennt hinterher, alles Weitere bleibt Glückssache. Auf diese Weise entsteht ein Spiel mit vollkommen offenem Ende.

Als sinnvolle Beschäftigung steht Apportieren im MSD Veterinary Manual in einer Reihe mit Zerrspielen, Suchspielen und Training gegen Belohnung. All das gibt einem jungen Hund etwas Positives zu tun.

Aus meiner Erfahrung liegt darin der eigentliche Wert. Ein Hund, der apportiert, hat eine Aufgabe. Er rennt nicht nur.

Was dein Hund vorher können sollte

Zwei Voraussetzungen erleichtern den Einstieg erheblich. Dein Hund sollte zuverlässig auf seinen Namen reagieren. Außerdem sollte er die Erfahrung gemacht haben, dass Zurückkommen sich für ihn auszahlt.

Fehlt der zweite Punkt, übst du beim Apportieren gegen eine Lücke an. Wie du sie schließt, steht in Rückruf trainieren.

Ein sauberes Sitz brauchst du dagegen nicht. Es sieht auf Videos gut aus. Für die Sache selbst spielt es keine Rolle.

Beim jungen Hund achte ich auf die Wurfhöhe. Hohe Sprünge und scharfe Bremsmanöver auf Rasen tun keinem Gelenk gut. Flach und kurz reicht völlig.

Der Aufbau in kleinen Schritten

Hunde lernen über Belohnung. Für Tiere, die noch nicht wissen, was du willst, empfiehlt das MSD Veterinary Manual das schrittweise Annähern. Du belohnst jede Bewegung, die dem Ziel ähnelt. Danach hebst du die Latte Stück für Stück.

Praktisch heißt das: Zuerst bekommt dein Hund etwas dafür, dass er den Gegenstand überhaupt beachtet. Dann dafür, dass er ihn berührt. Dann für das Aufnehmen.

Erst danach kommt Entfernung ins Spiel. Ein halber Meter genügt am Anfang. Wirf nicht weiter, als du überblicken kannst.

Das Ankündigen einer Belohnung auf Distanz nennt dasselbe Handbuch einen Verstärker zweiter Ordnung. Gemeint sind ein Wort, ein Handzeichen oder ein Klick. Alle drei sagen deinem Hund: Es kommt gleich etwas.

Wacher schwarz-weißer Hund läuft über eine Wiese
Weite und Ablenkung kommen zuletzt dazu. Foto: Reba Spike / Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Ein Klickgerät ist dabei kein Muss. Wie es funktioniert, wenn du es magst, zeigt Clickertraining beim Hund.

Schritt Was du übst Woran du merkst, dass es sitzt
Schritt1 Was du übstInteresse am Gegenstand Woran du merkst, dass es sitztDein Hund schaut hin, ohne dass du ihn lockst
Schritt2 Was du übstBerühren und Aufnehmen Woran du merkst, dass es sitztEr nimmt ins Maul, ohne zu zögern
Schritt3 Was du übstHalten Woran du merkst, dass es sitztEr trägt zwei, drei Schritte weit
Schritt4 Was du übstKurze Distanz Woran du merkst, dass es sitztEr holt aus einem halben Meter zuverlässig
Schritt5 Was du übstRückweg Woran du merkst, dass es sitztEr dreht von selbst zu dir um
Schritt6 Was du übstAbgeben Woran du merkst, dass es sitztEr lässt los, ohne dass du ziehst
Schritt7 Was du übstWeite und Ablenkung Woran du merkst, dass es sitztEs klappt auch auf der Wiese mit anderen Hunden

Die Reihenfolge folgt dem schrittweisen Annähern, das das MSD Veterinary Manual unter „Behavior Modification in Dogs“ beschreibt. Abgerufen am 27.08.2026.

Der Teil, an dem die meisten scheitern

Das Abgeben ist der eigentlich schwierige Teil. Dein Hund hat gerade etwas erobert. Warum sollte er diese Beute ausgerechnet demjenigen überlassen, der sie ihm weggeworfen hat?

Meine Antwort darauf heißt Tausch. Ich halte einen zweiten Ball griffbereit. Sobald der erste zu Boden fällt, fliegt der zweite.

Wichtig ist die Reihenfolge. Erst loslassen, dann werfen. Andersherum lernt er, dass Festhalten den nächsten Wurf bringt.

Ein Prinzip aus dem Verhaltenstraining trägt diesen Trick: Wahrscheinliches Verhalten verstärkt unwahrscheinliches. Der nächste Wurf ist die beste Belohnung fürs Hergeben.

Und wenn er wegrennt? Dann laufe ich nicht hinterher. Genau diese Verfolgungsjagd ist für viele Hunde der eigentliche Spaß.

Womit du wirfst

Ein Stock gehört ausdrücklich nicht dazu. Splitterndes Holz kann im Rachen stecken bleiben und schwere Verletzungen verursachen. Für dieses vermeidbare Risiko sehe ich keinen einzigen vernünftigen Grund.

Gut geeignet sind Dummys aus Segeltuch, Futterbeutel und Bälle mit passender Größe. Eine Übersicht steht in Hundespielzeug.

Wacher Hund mit Geschirr sitzt im Freien
Kurze Einheiten wirken besser als lange Wurfrunden. Foto: Kreuzschnabel / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Zu kleine Bälle sind ausgesprochen gefährlich, weil sie tief in den Rachen rutschen können. Als Maßstab nehme ich einen Durchmesser, der deutlich breiter ausfällt als der Fang deines Hundes.

Diese Fehler kosten am meisten Zeit

  • Werfen, bevor die ersten Schritte sitzen.
  • Dem Hund hinterherlaufen, wenn er nicht zurückkommt.
  • Am Gegenstand ziehen, statt zu tauschen.
  • Zu lange üben, bis der Hund von selbst aufhört.
  • Schimpfen, wenn der Rückweg nicht klappt.

Meine langjährige Erfahrung mit Halterinnen und Haltern sagt: Der vierte Punkt ist der häufigste.

Wenn dein Hund nicht apportieren will

Begeisterung für diese Beschäftigung ist keineswegs selbstverständlich. Retriever tragen ausgesprochen gern, viele Herdenschutzhunde eher widerwillig. Mit Erziehung hat diese Unterschiedlichkeit wenig zu tun.

Manchmal liegt es schlicht am Gegenstand. Ein Ball ist hart und rund. Eine ausgediente Socke fühlt sich vollkommen anders an. Plötzlich läuft es.

Bleibt es dabei, such etwas anderes. Nasenarbeit macht müder als jede Wurfrunde.

Auch Treibball ist eine Möglichkeit. Dort schiebt der Hund große Bälle, statt sie zu tragen.

Wie viel Bewegung dein Hund wirklich braucht

Apportieren ersetzt keinen ausgiebigen Spaziergang. Es bleibt ein Bestandteil des Tagesablaufs und niemals ein Ersatz für alles Übrige.

Ausreichend Auslauf im Freien verlangt die Tierschutz-Hundeverordnung ausdrücklich, dazu mehrmals täglich Umgang mit der Betreuungsperson. Bei Welpen bis zwanzig Wochen sind es mindestens vier Stunden am Tag.

Sie schreibt außerdem vor, Auslauf und Kontakte an Rasse, Alter und Gesundheit anzupassen. Für einen alten Hund gilt also etwas anderes als für einen Junghund.

Das Tierschutzgesetz formuliert die Untergrenze noch grundsätzlicher. Niemand darf die Möglichkeit zu artgemäßer Bewegung so einschränken, dass Leiden entstehen.

Mein Tipp: Beende jede Einheit, solange dein Hund noch mehr will. Zwei gelungene Würfe wirken besser als zwanzig, nach denen er lustlos danebensteht.

Woran du gute Anleitung erkennst

Wer sich Unterstützung holen möchte, findet unübersichtlich viele Angebote. Ein Handbuchkapitel zur Trainerwahl nennt dafür überprüfbare Merkmale. Sie decken sich weitgehend mit meiner Erfahrung.

Empfohlen wird, wer mit Belohnung arbeitet statt mit Strafe. Abgeraten wird von Garantien, von Ablehnung gegenüber Futter als Belohnung und von Würgehalsbändern.

Ein hartes Verbot steht daneben im deutschen Recht. Stachelhalsbänder und andere schmerzhafte Mittel sind in Ausbildung, Erziehung und Training untersagt.

Wie ein sinnvoller Unterricht abläuft, beschreibt Erziehung des Hundes.

Fazit: Apportieren scheitert selten am Hund. Es scheitert daran, dass wir mit dem Wurf anfangen statt mit dem Aufnehmen. Bau die vier Teile einzeln auf, tausche statt zu ziehen und hör früh genug auf. Dann bringt dein Hund den Ball irgendwann von selbst.

Häufige Fragen zum Apportieren

Ab welchem Alter kann ich anfangen?

Sehr früh, in winzigen Einheiten. Für neue Situationen sind Hunde laut MSD Veterinary Manual bis etwa 16 bis 20 Wochen besonders aufnahmefähig.

Mein Hund holt, gibt aber nicht her.

Dann fehlt der Tausch. Übe das Hergeben getrennt vom Werfen, mit einem zweiten Gegenstand in der Hand.

Soll ich hinterherlaufen, wenn er wegrennt?

Besser nicht. Für viele Hunde ist genau das die Belohnung, die sie suchen.

Ist ein Stock geeignet?

Nein. Ein Stock kann splittern und im Rachen stecken bleiben. Ein Dummy oder ein Ball ist die bessere Wahl.

Braucht es einen Clicker?

Nötig ist er nicht. Ein Wort oder ein Handzeichen leistet dasselbe, wenn du es sauber mit der Belohnung koppelst.

Wie lang sollte eine Übungseinheit sein?

Kurz. Hör auf, solange dein Hund noch will — nicht erst, wenn ihm die Lust ausgeht.

Mein Hund interessiert sich nicht für den Ball.

Dann probier Futterbeutel, Socke oder Schlüsselbund. Manche Hunde tragen lieber weich als rund.

Darf ich schimpfen, wenn er nicht kommt?

Davon rate ich ab. Strafbasiertes Training führt laut MSD Veterinary Manual eher zu Angst und Vermeidung.

Ist Ballwerfen als einzige Beschäftigung genug?

Aus meiner Sicht nicht. Ein Hund braucht Auslauf, Nasenarbeit und Kontakt zu Menschen und Artgenossen.

Apportieren lernen: Was ist mit alten Hunden?

Auch die apportieren gern. Werf flach und kurz, damit keine harten Bremsmanöver nötig werden.

Welche Hilfsmittel sind verboten?

Stachelhalsbänder und andere schmerzhafte Mittel. Die Tierschutz-Hundeverordnung untersagt sie in Ausbildung und Training.

Und wenn er einfach nicht mag?

Dann lass es. Nasenarbeit oder Treibball machen manchen Hunden deutlich mehr Freude.

Quellen

Über den Autor

Kevin Roth, Co-Gründer von Lucky Pets

Kevin Roth

Co-Gründer von Lucky Pets

Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.

Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.

Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Zeigt dein Hund beim Rennen oder Bremsen Schmerzzeichen, gehört er vor dem nächsten Training untersucht.