Cardisure für Hunde: Pimobendan fürs schwache Herz

Cardisure für Hunde: Pimobendan fürs schwache Herz

Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 20.08.2026 · Lesezeit: 9 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Cardisure enthält Pimobendan — denselben Wirkstoff wie Vetmedin: stärkt die Pumpkraft und erweitert die Gefäße.
  • Gabe zweimal täglich, jeweils etwa eine Stunde vor dem Futter — Futter bremst die Aufnahme.
  • Früh behandelt gewinnt: Im Stadium B2 verschob Pimobendan das Herzversagen um rund 15 Monate.
  • 🔴 Aromatisierte Tabletten sicher wegsperren — Hunde fressen sie freiwillig und gern zu viele.

Cardisure für Hunde beginnt für die meisten Familien mit einem Nebensatz in der Praxis: „Da ist ein Herzgeräusch." Aus meiner Erfahrung heraus folgt darauf entweder Panik oder das Gegenteil — die Tablette wird zur Nebensache im Alltag. Beides passt nicht zu dem, was die Datenlage hergibt: Diese Behandlung ist eine der am besten belegten in der ganzen Tiermedizin. Ihr Erfolg hängt an Details, die komplett in deiner Hand liegen.

Die kurze Antwort

Ein verschreibungspflichtiges Herzmedikament mit doppelter Wirkung — mehr Pumpkraft, weniger Widerstand. Richtig eingesetzt schenkt es messbar Lebenszeit.

Der wichtigste Alltagsfaktor

Nüchtern gegeben wirkt es — mit Futter deutlich schlechter. Eine Stunde Abstand vor der Mahlzeit, zweimal täglich, jeden Tag.

Cardisure, Vetmedin, Pimobendan: ein Wirkstoff, drei Namen

Die Sortierung vorweg, weil sie ständig Verwirrung stiftet. Der Wirkstoff heißt Pimobendan. Vetmedin ist das Originalpräparat, Cardisure ein für Hunde zugelassenes Generikum — laut Packungsbeilage erhältlich in vier Stärken von 1,25 bis 10 Milligramm, aromatisiert und verschreibungspflichtig. Ein feiner Unterschied steckt im Zulassungstext: Cardisure ist für die Herzinsuffizienz durch dilatative Kardiomyopathie. Eine Erkrankung des Herzmuskels oder Klappenundichtigkeit zugelassen, Vetmedin zusätzlich ausdrücklich für die noch symptomlose Phase der Mitralklappenerkrankung mit vergrößertem Herzen. Maßgeblich ist immer die Beilage des Präparats, das deine Praxis verordnet — und „kaufen ohne Rezept" ist bei beiden kein legaler Weg.

Tierärztin hört den wachen Hund mit dem Stethoskop ab
Vom Herzgeräusch zur Diagnose: Erst der Ultraschall zeigt, ob behandelt werden muss.

Hinter den Verordnungen stehen fast immer zwei Erkrankungen: die Mitralklappenendokardiose. Mit rund 75 Prozent der Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Herzkrankheit des Hundes, typischerweise bei älteren, kleinen Rassen — und die dilatative Kardiomyopathie der großen Rassen. In beiden Fällen macht Pimobendan dasselbe: Es macht den Herzmuskel empfindlicher für Calcium, wodurch die Pumpkraft steigt, ohne den Sauerstoffhunger des Muskels zu erhöhen. Und es erweitert die Gefäße, sodass das geschwächte Herz gegen weniger Widerstand anpumpt. Diese Doppelwirkung hat den Wirkstoff zum Standard gemacht — er hat das alte Digoxin in dieser Rolle abgelöst.

Wann behandelt wird — und wann ausdrücklich nicht

Hier hat sich die Tiermedizin 2019 neu sortiert — das solltest du kennen. Der ACVIM-Konsensus teilt die Mitralklappenerkrankung in Stadien: B1 heißt Herzgeräusch ohne relevante Herzvergrößerung — dafür werden ausdrücklich keine Medikamente empfohlen, sondern Ultraschall-Kontrollen alle sechs bis zwölf Monate. B2 heißt: Das Herz ist nach festen Messkriterien vergrößert. Genau hier beginnt die Pimobendan-Behandlung, als Empfehlung der stärksten Kategorie. Ohne Herzultraschall lässt sich dieses Stadium nicht sauber feststellen — das Röntgenbild allein reicht nicht.

Der Grund für diese Neuerung hat einen Namen: die EPIC-Studie — 360 Hunde, verblindet, placebokontrolliert. Bei Hunden mit vergrößertem Herzen, aber noch ohne Symptome vergingen unter Pimobendan im Mittel 1.228 Tage bis zum Einsetzen des Herzversagens, unter Placebo 766. Das sind rund 15 Monate zusätzliche beschwerdefreie Zeit. Für die präklinische Kardiomyopathie des Dobermanns existiert mit der PROTECT-Studie ein vergleichbarer Beleg. Ich kenne wenige Tiermedikamente, deren Nutzen so hart beziffert ist.

Sofort in die Praxis — Zeichen der Verschlechterung

  • Anstieg der Schlafatemfrequenz über den festgelegten Normalwert.
  • Husten, Atemnot oder schnelle Ermüdung beim Spaziergang.
  • Ohnmachtsanfälle oder Kollaps — was dann zu tun ist: .
  • Dicker werdender Bauch, Fressunlust, auffällige Mattigkeit.

Zum Symptom Husten im Detail: Hund hustet.

Der Alltag entscheidet: nüchtern, pünktlich, weggesperrt

Älterer, wacher Hund geht mit seiner Halterin in gemächlichem Tempo spazieren
Belastbarkeit im Blick behalten: schnellere Ermüdung gehört gemeldet, nicht wegtrainiert.

Drei Regeln tragen die ganze Behandlung. Erstens der Magen: Futter verringert die Aufnahme des Wirkstoffs — deshalb jede Gabe etwa eine Stunde vor der Fütterung. Zweitens der Takt: Die Tagesdosis wird auf zwei Gaben im Abstand von rund zwölf Stunden verteilt, denn die Kreislaufwirkung hält acht bis zwölf Stunden an. Drittens die Aufbewahrung — die unterschätzen fast alle: Die Tabletten sind aromatisiert, damit Hunde sie freiwillig nehmen. Genau deshalb frisst ein Hund, der die Packung findet, auch den Rest. Die Packungsbeilage warnt ausdrücklich — außer Reichweite lagern, angebrochene Tablettenhälften zurück in den Blister, binnen drei Tagen aufbrauchen.

Zu den Nebenwirkungen gehört Ehrlichkeit in beide Richtungen: Sie sind selten — erhöhte Herzfrequenz, Erbrechen, Durchfall, Appetit- oder Antriebslosigkeit betreffen ein bis zehn von zehntausend behandelten Tieren, Schleimhautblutungen noch weniger. Herzrasen und Erbrechen sind dosisabhängig und verschwinden meist mit einer Anpassung — die aber die Praxis vornimmt, nicht du. Und die empfohlene Dosis ist keine Verhandlungsbasis: In Versuchen mit drei- bis fünffacher Dosis über Monate zeigten sich Veränderungen an Klappe und Herzmuskel.

Deine wichtigste Aufgabe: Atemzüge zählen

Es gibt eine Halter-Aufgabe, die laut Leitlinie mehr Vorhersagekraft hat als alles andere: die Schlafatemfrequenz. Das MSD Veterinary Manual beschreibt das Vorgehen — zähle die Atemzüge deines schlafenden oder tief entspannten Hundes eine Minute lang und halte den Wert fest. In einer stabilen Phase legst du so den individuellen Normalwert fest. Steigt die Frequenz später dauerhaft darüber, ist das das früheste verlässliche Zeichen einer Verschlechterung — oft Tage bevor Husten oder Atemnot sichtbar werden.

Meine langjährige Erfahrung mit Herz-Patienten lässt sich in einem Bild fassen: Die Tablette ist der Motor der Behandlung, aber die Zahlenreihe in deinem Notizbuch ist das Armaturenbrett. Dazu gehören auch die Kontrolltermine mit Ultraschall und — je nach Begleitmedikation — Blutwerten. Ermüdet dein Hund schneller oder wirkt nachts unruhig, findest du Einordnung in Gesundheitsprobleme bei älteren Hunden und Hund röchelt. Und weil ein schwaches Herz vom Übergewicht doppelt bestraft wird, lohnt der Blick auf Gesundheitsprobleme bei Hunden.

Frage Antwort
FrageWirkstoff AntwortPimobendan — auch in Vetmedin, Cardisure ist das Generikum
FrageWirkung Antwortmehr Pumpkraft plus Gefäßerweiterung (Inodilatator)
FrageGabe Antwort2× täglich, je ~1 Stunde vor dem Futter, Abstand ~12 Stunden
FrageBehandlungsbeginn Antwortab Stadium B2 — messbar vergrößertes Herz im Ultraschall
FrageBelegter Nutzen AntwortEPIC: ~15 Monate längere symptomfreie Zeit
FrageHalter-Messwert AntwortSchlafatemfrequenz — Anstieg ist das früheste Warnzeichen

Cardisure beim Hund auf einen Blick.

Frau beobachtet ruhig die Atmung ihres schlafenden Hundes im Wohnzimmer
Atemzüge im Schlaf zählen: Der Anstieg über den Normalwert ist das früheste Warnzeichen.

Fazit: Cardisure ist kein Medikament, das man „mal probiert" — es ist die am besten belegte Langzeitwaffe gegen die häufigste Herzkrankheit des Hundes. Ihre Wirkung entsteht aus dem Zusammenspiel: Ultraschall-basierte Diagnose, nüchterne Gabe im Zwölf-Stunden-Takt, sichere Aufbewahrung und deine Zahlenreihe der Schlafatemfrequenz. Wer diese vier Dinge ernst nimmt, holt für seinen Hund heraus, was die Studien versprechen — Monate bis Jahre guter Zeit.

Häufige Fragen zu Cardisure beim Hund

Was ist der Unterschied zwischen Cardisure, Vetmedin und Pimobendan?

Pimobendan ist der Wirkstoff. Vetmedin ist das Originalpräparat, Cardisure ein zugelassenes Generikum mit demselben Wirkstoff. Kleine Unterschiede gibt es im Zulassungstext — maßgeblich ist immer die Packungsbeilage des verordneten Präparats.

Wofür bekommt mein Hund Cardisure?

Zur Behandlung der Herzinsuffizienz durch dilatative Kardiomyopathie — eine Erkrankung des Herzmuskels oder undichte Herzklappen. Vetmedin ist zusätzlich für die noch symptomlose Phase der Mitralklappenerkrankung zugelassen, wenn das Herz messbar vergrößert ist.

Wie wirkt Pimobendan?

Doppelt: Es macht den Herzmuskel empfindlicher für Calcium — die Pumpkraft steigt, ohne dass der Sauerstoffbedarf wächst. Und es erweitert die Gefäße, sodass das Herz gegen weniger Widerstand arbeiten muss. Fachleute nennen das einen Inodilatator.

Warum muss die Tablette auf leeren Magen gegeben werden?

Weil Futter die Aufnahme des Wirkstoffs deutlich verringert. Die Regel aus der Packungsbeilage: zwei Gaben täglich im Abstand von etwa zwölf Stunden, jede ungefähr eine Stunde vor der Fütterung. Das ist Pharmakologie, keine Förmelei.

Wie schnell wirkt Cardisure?

Auf nüchternen Magen erreicht die Kreislaufwirkung nach etwa einer Stunde ihr Maximum und hält acht bis zwölf Stunden an — deshalb der Zwölf-Stunden-Rhythmus.

Was bringt die frühe Behandlung wirklich?

Die EPIC-Studie an 360 Hunden mit vergrößertem Herzen. Aber ohne Symptome, hat es beziffert: Unter Pimobendan vergingen im Mittel 1.228 Tage bis zum Herzversagen, unter Placebo 766 — rund 15 Monate mehr beschwerdefreie Zeit.

Mein Hund hat ein Herzgeräusch. Muss er sofort Tabletten bekommen?

Nein. Ein Herzgeräusch allein ist Stadium B1 — dafür empfiehlt die Leitlinie ausdrücklich keine Medikamente, sondern Kontrolle per Herzultraschall in sechs bis zwölf Monaten. Behandelt wird ab Stadium B2, wenn das Herz messbar vergrößert ist. Diese Messung braucht die Echokardiographie.

Welche Nebenwirkungen hat Cardisure?

Selten: schnellerer Herzschlag, Erbrechen, Durchfall, Appetit- oder Antriebslosigkeit. Sehr selten punktförmige Schleimhautblutungen. Herzrasen und Erbrechen sind dosisabhängig — melde sie der Praxis, statt selbst zu reduzieren.

🔴 Was mache ich, wenn mein Hund die Packung erwischt hat?

Sofort die Praxis oder den Notdienst anrufen. Die Tabletten sind aromatisiert — Hunde fressen sie freiwillig und gern mehrere. Eine Überdosis kann Herzrasen und Erbrechen auslösen. Deshalb gehört die Packung grundsätzlich außer Reichweite.

Was ist die Schlafatemfrequenz und warum soll ich sie zählen?

Die Zahl der Atemzüge pro Minute im Schlaf. Ihr Anstieg über den individuellen Normalwert ist laut Leitlinie das beste Frühwarnzeichen für eine Verschlechterung. Normalwert in einer stabilen Phase festlegen, dann regelmäßig zählen und Steigerungen melden.

Darf Cardisure mit anderen Herzmedikamenten kombiniert werden?

Häufig ist das sogar nötig — die Kombination legt die Praxis fest. Wichtig zu wissen: Bestimmte Wirkstoffe wie Verapamil, Diltiazem oder Propranolol schwächen die Pumpkraft-Wirkung ab. Alle Medikamente gehören deshalb auf den Tisch der Praxis.

Wie lange muss mein Hund Cardisure nehmen?

In der Regel dauerhaft. Die Erkrankung dahinter ist fortschreitend — das Medikament verlangsamt sie, heilt sie aber nicht. Eigenmächtiges Absetzen nimmt dem Herzen die Unterstützung von einem Tag auf den anderen.

Quellen

Über den Autor

Christoph Gärtner, Co-Gründer von Lucky Pets

Christoph Gärtner

Co-Gründer von Lucky Pets

Lucky Pets ist aus einer einfachen Frage entstanden: Warum ist es so schwer, für den eigenen Hund etwas zu finden, das hält, was auf der Dose steht? Statt uns mit Füllstoffen und Versprechen zufriedenzugeben, haben wir angefangen, es selbst zu machen.

Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das in den Alltag passt. In Deutschland hergestellt und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.

Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder Verordnung. Cardisure ist verschreibungspflichtig — Anwendungsgebiet, Dosis und Kontrollen legt ausschließlich deine Tierarztpraxis fest. Die genannten Dosierungs- und Studienangaben sind dokumentierte Fakten, keine Anleitung zur Selbstmedikation.