Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 21.08.2026 · Lesezeit: 9 Minuten
Das Wichtigste in Kürze
- Cushing = dauerhaft zu viel Cortisol — die wohl häufigste Hormonerkrankung älterer Hunde.
- 80–85 % gehen auf die Hirnanhangsdrüse zurück (Morbus Cushing), 10–15 % auf Nebennierentumoren.
- Leitsymptome: mehr Trinken und Urin, Heißhunger, Hängebauch, Fellverlust, Hecheln.
- Gut behandelbar: Unter Therapie verschwinden die Symptome meist innerhalb weniger Tage.
Das Cushing-Syndrom beim Hund beginnt fast nie dramatisch — es beginnt mit einem Wassernapf, der ständig leer ist. Ich halte diese Erkrankung für eine der am meisten übersehenen überhaupt. Ihre Zeichen werden monatelang für normales Altern gehalten, dabei ist sie messbar, gut behandelbar und ihre Therapie verändert das Leben betroffener Hunde oft binnen Tagen. Hier ist der komplette Überblick von den ersten Anzeichen bis zur Einstellung.
Die kurze Antwort
Eine Hormonerkrankung mit chronischem Cortisol-Überschuss — meist durch einen kleinen Tumor der Hirnanhangsdrüse. Typisch: Dauerdurst, Heißhunger, Hängebauch. Mit Medikamenten gut kontrollierbar.
Das wichtigste Frühzeichen
Deutlich mehr Trinken und Urinieren bei einem Hund ab etwa 7 Jahren — das gehört abgeklärt, nicht ans Alter abgegeben.
Was im Körper passiert: Cortisol ohne Feierabend
Cortisol ist das Stresshormon des Körpers — nützlich in Wellen, zerstörerisch im Dauerbetrieb. Beim Cushing-Syndrom, medizinisch Hyperadrenokortizismus, läuft die Produktion pausenlos. Das MSD Veterinary Manual beschreibt zwei spontane Ursachen: In 80 bis 85 Prozent sitzt ein meist gutartiger, ACTH-produzierender Tumor in der Hirnanhangsdrüse und treibt beide Nebennieren an — der Morbus Cushing. In 10 bis 15 Prozent produziert ein Tumor der Nebenniere selbst — hier ist ein relevanter Teil bösartig. Die dritte Form ist hausgemacht: langfristige Kortison-Medikamente.

Betroffen sind typischerweise Hunde zwischen 7 und 12 Jahren. Die Hirnanhangsdrüsen-Form bevorzugt kleine Rassen — Pudel, Dackel, Yorkshire und Boston Terrier, Boxer —, Nebennierentumoren eher die Großen. Wichtig für die Einordnung: Der Tumor im Kopf klingt bedrohlicher, als er meist ist. In der Mehrzahl bleibt er klein und macht ausschließlich über das Hormon Probleme — und genau die lassen sich behandeln.
Symptome: das Sextett, das keiner ernst nimmt
Die Erkrankung malt ein erstaunlich einheitliches Bild, das sich über Monate aufbaut. Am Anfang stehen fast immer drei Dinge: deutlich mehr Trinken, deutlich mehr Urin — oft meldet sich der Hund nachts — und ein Appetit, der zum Heißhunger wird. Dann formt sich die typische Silhouette: der pralle Hängebauch über dünner werdenden Beinen, entstanden aus Muskelabbau und Fettumverteilung. Dazu kommen vermehrtes Hecheln und Hitzeempfindlichkeit sowie die Haut- und Fellzeichen — symmetrischer Haarverlust an den Flanken, dünne, schlecht heilende Haut, teils Kalkeinlagerungen und wiederkehrende Hautinfektionen.
Weil Cortisol das Immunsystem dämpft, gehören auch hartnäckige Blasenentzündungen ins Bild — oft ohne die üblichen Beschwerden. Wer die Silhouette einordnen will: Der Hängebauch bei dünnen Läufen unterscheidet Cushing vom einfachen Übergewicht, der fehlende Juckreiz den Fellverlust von den meisten Allergien. Vertiefung zu den Einzelzeichen: Haarausfall beim Hund, Trinkverhalten beim Hund und Blasenentzündung beim Hund.
Abklären lassen — je früher, desto besser
- Hund ab ~7 Jahren trinkt und uriniert deutlich mehr als früher.
- Heißhunger plus wachsender Bauch bei dünner werdenden Beinen.
- Symmetrischer Fellverlust ohne Kratzen, dünne oder dunkle Haut.
- Wiederkehrende Haut- oder Blasenentzündungen trotz Behandlung.
Diese Kombination ist ein Laborfall — kein Fall für Abwarten.

Diagnose: in Stufen zur Gewissheit
Die Diagnose ist Detektivarbeit in drei Stufen, wie sie auch das Infoblatt der Uni Gießen beschreibt. Stufe eins ist das Basispaket: Blutbild und Urin. Verdächtig sind eine stark erhöhte Alkalische Phosphatase, verschobene Blutfette und auffallend verdünnter Urin. Stufe zwei ist der Hormonbeweis: Screening-Test der Wahl ist der Low-Dose-Dexamethason-Suppressionstest — ein Praxistag mit mehreren Blutproben über etwa acht Stunden. Alternativ oder ergänzend kommen ACTH-Stimulationstest und der Urin-Cortisol-Quotient zum Einsatz.
Stufe drei beantwortet die Frage nach dem Wo: Die Messung des körpereigenen ACTH und der Bauchultraschall trennen Hirnanhangsdrüse von Nebennierentumor — bei Bedarf ergänzt um CT oder MRT. Diese Unterscheidung ist keine akademische Übung: Sie entscheidet zwischen Medikament und Operation. Und sie klärt Doppelgänger ab, allen voran den Diabetes — etwa jeder zehnte Cushing-Hund hat ihn zusätzlich: Diabetes beim Hund.
Therapie: gut kontrollierbar — mit Spielregeln
Beim einseitigen Nebennierentumor ist die Operation der bevorzugte Weg und kann heilen. Für die häufige Hirnanhangsdrüsen-Form ist in Deutschland die medikamentöse Kontrolle Standard: Trilostan blockiert laut CliniPharm reversibel ein Schlüsselenzym der Cortisol-Produktion. Die dokumentierten Eckdaten — zweimal tägliche Gabe, Kontrolltests nach etwa 2, 4 und 10 Wochen, dann halbjährlich, Dosisanpassung nur in kleinen Schritten — sind Fakten aus der Fachliteratur. Die Verordnung selbst ist ausschließlich Sache der Praxis. Die gute Nachricht aus Gießen: Unter passender Einstellung verschwinden die Symptome meist innerhalb weniger Tage.
Meine langjährige Erfahrung mit Langzeit-Patienten sagt: Der Erfolg steht und fällt mit zwei Disziplinen. Erstens den Kontrollterminen: Die Dosis ist ein bewegliches Ziel. Die Tests schützen vor dem Umkippen ins Gegenteil — dem Cortisol-Mangel mit Fressunlust, Erbrechen und Schwäche. Zweitens der Aufmerksamkeit zu Hause: Trinkmenge, Appetit und Aktivität sind deine Messinstrumente. Aus meiner Erfahrung heraus lohnt ein simples Wasser-Tagebuch mehr als jede Sorge — es macht Fortschritt und Rückfall messbar. Was ältere Hunde sonst brauchen: Gesundheitsprobleme bei älteren Hunden.

Cushing-Syndrom beim Hund auf einen Blick.
Fazit: Cushing ist die Krankheit der leisen Übertreibungen — mehr Durst, mehr Hunger, mehr Bauch — und genau deshalb wird sie so oft dem Alter zugeschoben. Dabei gilt die einfache Reihenfolge: auffälliges Trink-Pipi-Verhalten ab dem mittleren Alter ernst nehmen, Labor und Hormontest machen lassen, Form klären. Dann ist aus der schleichenden Erkrankung ein managebarer Begleiter geworden — mit Symptomen, die unter Therapie meist schneller verschwinden, als sie gekommen sind.
Häufige Fragen zum Cushing-Syndrom beim Hund
Was ist das Cushing-Syndrom beim Hund?
Eine Hormonerkrankung mit dauerhaft zu viel Cortisol im Blut — vermutlich die häufigste hormonelle Erkrankung älterer Hunde. Das Stresshormon wirkt dann rund um die Uhr auf Stoffwechsel, Haut, Muskeln und Immunsystem.
Was ist der Unterschied zwischen Cushing-Syndrom und Morbus Cushing?
Morbus Cushing meint die häufigste Ursache: einen meist gutartigen Tumor der Hirnanhangsdrüse, der das Steuerhormon ACTH überproduziert — das betrifft 80 bis 85 Prozent der Fälle. Das Cushing-Syndrom ist der Oberbegriff und umfasst auch den Nebennierentumor (10–15 Prozent) und die medikamentenbedingte Form.
Welche Symptome zeigt ein Cushing-Hund zuerst?
Fast immer das Trink-Pipi-Duo: deutlich mehr Durst und Urin, oft mit nächtlichem Rauslassen-Müssen. Dazu Heißhunger. Diese drei kommen schleichend — viele Familien halten sie anfangs für normales Altern.
Wie sieht ein Hund mit Cushing aus?
Das typische Bild im fortgeschrittenen Stadium: praller Hängebauch bei dünnen Beinen, symmetrischer Haarverlust an den Flanken, dünne Haut, müder Blick, viel Hecheln. Dieses Erscheinungsbild entsteht durch Muskelabbau, Fettumverteilung und Hautveränderungen.
Welche Hunde sind besonders gefährdet?
Mittelalte bis alte Hunde von etwa 7 bis 12 Jahren. Die Hirnanhangsdrüsen-Form trifft eher kleine Rassen — Pudel, Dackel, Yorkshire und Boston Terrier, Boxer, Beagle. Nebennierentumoren finden sich häufiger bei größeren Hunden.
Wie wird Cushing diagnostiziert?
In Stufen: Erst wecken Symptome plus Laborwerte den Verdacht — klassisch die stark erhöhte Alkalische Phosphatase und verdünnter Urin. Dann folgt ein Hormontest: Screening-Test der Wahl ist der Low-Dose-Dexamethason-Test über etwa acht Stunden. Danach klären ACTH-Messung und Bauchultraschall, welche Form vorliegt.
Ist Cushing heilbar?
Die Nebennierentumor-Form kann durch Operation heilbar sein. Die häufige Hirnanhangsdrüsen-Form wird in Deutschland medikamentös kontrolliert — nicht geheilt, aber oft so gut eingestellt, dass die Symptome binnen Tagen bis Wochen verschwinden und der Hund normal lebt.
Wie funktioniert die Behandlung mit Trilostan?
Trilostan blockiert reversibel ein Schlüsselenzym der Cortisol-Produktion. Die Einstellung ist Feinarbeit der Praxis: Kontrolltests nach etwa 2, 4 und 10 Wochen, später halbjährlich — die Dosis wird in kleinen Schritten angepasst. Dokumentierte Fakten, keine Anleitung: Die Verordnung macht ausschließlich die Tierarztpraxis.
🔴 Welche Warnzeichen zählen unter der Therapie?
Plötzliche Fressunlust, Erbrechen, Durchfall, Schwäche oder Zittern können auf zu wenig Cortisol hindeuten — dann Tablette stoppen und sofort die Praxis anrufen. Genau dafür sind die engmaschigen Kontrollen da.
Was passiert ohne Behandlung?
Das Dauerhoch an Cortisol schwächt Muskeln, Haut und Abwehr: wiederkehrende Haut- und Blasenentzündungen, Bluthochdruck, erhöhtes Risiko für Diabetes, Bauchspeicheldrüsenentzündung und Thrombosen. Cushing ist kein kosmetisches Problem.
Hat mein Hund Cushing oder Diabetes — oder beides?
Beide teilen sich Durst und Heißhunger — und etwa jeder zehnte Cushing-Hund entwickelt zusätzlich Diabetes. Die Blutzucker- und Hormonwerte trennen die beiden — deshalb gehört das Laborpaket an den Anfang.
Wie ist die Lebenserwartung mit Cushing?
Gut eingestellt leben viele Hunde noch Jahre mit hoher Lebensqualität — die Symptome verschwinden unter Therapie meist rasch. Entscheidend sind Therapietreue und die regelmäßigen Kontrollen.
Quellen
- MSD Veterinary Manual – Cushing Syndrome (Hyperadrenocorticism) in Animals
- MSD Veterinary Manual – Cushing Disease (hypophysenabhängige Form)
- CliniPharm (Vetpharm, Universität Zürich) – Trilostan: Dosierung und Monitoring
- Kleintierklinik der Universität Gießen – Infoblatt Cushing
Über den Autor

Christoph Gärtner
Co-Gründer von Lucky Pets
Lucky Pets ist aus einer einfachen Frage entstanden: Warum ist es so schwer, für den eigenen Hund etwas zu finden, das hält, was auf der Dose steht? Statt uns mit Füllstoffen und Versprechen zufriedenzugeben, haben wir angefangen, es selbst zu machen.
Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das in den Alltag passt. In Deutschland hergestellt und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.
Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder Verordnung. Hormontests, Therapieentscheidung und jede Trilostan-Dosierung gehören ausschließlich in die Hände deiner Tierarztpraxis.
