Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 27.08.2026 · Lesezeit: 10 Minuten
Das Wichtigste in Kürze
- § 2 Absatz 4 TierSchHuV: Trennung erst im Alter von über acht Wochen.
- Die Verhaltensliteratur rät eher zu zehn Wochen als zu acht.
- Ab fünf Wochen ist täglicher Auslauf im Freien vorgeschrieben.
- Eine frühere Abgabe erlaubt nur ein tierärztliches Urteil.
Die ideale Verweildauer von Welpen bei ihrer Mutter ist in Deutschland keine Geschmacksfrage, denn der Gesetzgeber hat sie beziffert. Die Zahl steht in einem einzigen Satz der Tierschutz-Hundeverordnung. Sie wird trotzdem ständig falsch zitiert, meistens um eine Woche zu kurz.
Die kurze Antwort
Ein Welpe darf erst im Alter von über acht Wochen vom Muttertier getrennt werden. Das ist die gesetzliche Untergrenze, nicht der ideale Zeitpunkt. Fachlich spricht vieles für neun oder zehn Wochen, weil zwischen der achten und zehnten Woche eine Angstphase liegt.
Der teuerste Irrtum
„Mit acht Wochen darf er ausziehen.“ Genau das steht nicht im Gesetz. Verlangt ist ein Alter über acht Wochen, also mindestens ein Tag mehr. Wer am 56. Lebenstag abgibt, verstößt gegen die Verordnung.
Was das Gesetz wörtlich sagt
§ 2 Absatz 4 der Tierschutz-Hundeverordnung besteht aus drei Sätzen. Der erste lautet: Ein Welpe darf erst im Alter von über acht Wochen vom Muttertier getrennt werden.
Der zweite Satz nennt die einzige Ausnahme. Sie greift nur nach tierärztlichem Urteil und nur zum Schutz von Hündin oder Welpe vor Schmerzen, Leiden oder Schäden.
Der dritte Satz wird fast immer übersehen. Muss ein Wurf vorzeitig von der Hündin getrennt werden, sollen die Welpen bis zum Alter von acht Wochen wenigstens beieinander bleiben.

Das Merkblatt „Aufnahme eines Hundes“ der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz zieht daraus die praktische Folge: Vor diesem Alter darf ein Welpe nicht einmal zum Verkauf angeboten werden.
Mein Tipp: Ich rechne beim Züchterbesuch immer rückwärts vom Wurftag. Steht im Kaufvertrag ein Abholtermin am 56. Lebenstag, ist das ein Tag zu früh. Wer hier schludert, schludert meist auch woanders.
Warum acht Wochen die Untergrenze sind und nicht das Ziel
Das Handout zur Verhaltensentwicklung des Hundes der Vetmeduni Wien ist an dieser Stelle deutlicher als die Verordnung. Ein Welpe sollte nie vor siebeneinhalb bis acht Wochen vom Wurf weggenommen werden, besser nicht vor zehn.
Dahinter steckt eine unbequeme Überschneidung. Zwischen der achten und zehnten Lebenswoche liegt eine Angstphase, in der sich schlechte Erfahrungen besonders tief einprägen. Genau in diesem Zeitraum holen die meisten Familien ihren Welpen ab.
Ein ruhiger Umzug über eine halbe Stunde ist deshalb kein Drama. Ein Transport über zwölf Stunden im Kleinbus dagegen schon. Die Literatur rät ausdrücklich davon ab, Welpen in dieser Zeit zu versenden.
Aus meiner Erfahrung heraus lohnt sich die Frage nach dem Abholtermin früh. Viele Züchterinnen geben ihre Welpen ohnehin erst mit neun oder zehn Wochen ab. Was du danach in den ersten Nächten erwartest, steht in Die erste Nacht mit dem Welpen.
Was in diesen acht Wochen passiert
Entwicklung nach dem Handout der Vetmeduni Wien, Rechtsstand nach der Tierschutz-Hundeverordnung.
Die letzten beiden Wochen vor dem Auszug sind keine Wartezeit. In ihnen lernt ein Welpe, wie fest er zubeißen darf und wie er einen Streit vermeidet. Wohin sich seine Bindung dabei verschiebt, steht in Wann vergisst ein Welpe seine Mutter?.
Was eine zu frühe Trennung anrichtet
Die Zahlen dazu sind unangenehm konkret. Welpen, die man mit sechs Wochen von Mutter und Wurfgeschwistern trennte, blieben häufiger krank und entwickelten sich schlechter. Ohne ihre Mutter waren sie außerdem gestresst.

Das oft gehörte Gegenargument fällt in derselben Untersuchung durch. Diese früh abgegebenen Welpen sozialisierten sich nicht besser mit Menschen als jene, die länger im Wurf blieben und dort täglich Kontakt zu Menschen hatten.
Meine langjährige Erfahrung sagt mir, dass genau dieser Irrtum die Käufer lockt. Wer glaubt, ein früher Welpe binde sich enger, kauft am Ende einen Hund mit Lücken in der Hundesprache.
Die Tierärztevereinigung formuliert die Rechnung noch härter. Der lebenslange Preis eines solchen Hundes ist hoch, weil sich die fehlende Frühsozialisation nicht mehr nachholen lässt. Was danach überhaupt noch geht, steht in Sozialisierung von Welpen.
Woran du ein zu frühes Angebot erkennst
- Die Mutterhündin ist angeblich gerade beim Tierarzt.
- Der Treffpunkt ist ein Parkplatz statt der Zuchtstätte.
- Der Welpe wirkt winzig, die Zähne sind noch unvollständig.
- Der Impfpass trägt keinen Stempel einer Praxis.
- Der Preis liegt weit unter dem üblichen Niveau der Rasse.
- Es sind mehrere Rassen gleichzeitig im Angebot.
Trifft mehr als einer dieser Punkte zu, kauf nicht — auch nicht aus Mitleid. Jeder Mitleidskauf finanziert den nächsten Wurf. Melde den Fall stattdessen beim zuständigen Veterinäramt.
Woran du eine gute Zuchtstätte erkennst
§ 3 der Tierschutz-Hundeverordnung beschreibt, was ein Züchter schuldet. Die Hündin bekommt spätestens drei Tage vor der Geburt eine Wurfkiste, in der sie ausgestreckt in Seitenlage liegen kann.
Ein Satz daraus ist beim Besuch sofort prüfbar. Die Hündin muss sich von ihren Welpen zurückziehen können, sonst ist die Haltung nicht in Ordnung.
Zwei weitere Zahlen helfen dir beim Einschätzen. Ab fünf Wochen brauchen Welpen mindestens einmal täglich Auslauf im Freien. Und bei gewerbsmäßiger Zucht betreut eine Person höchstens drei Hündinnen mit Welpen gleichzeitig.
- Sind Hündin und Welpen zusammen zu sehen?
- Wirkt die Hündin freundlich und menschenbezogen?
- Gibt es einen Auslauf ins Freie, nicht nur einen Raum?
- Wie viele Würfe laufen dort gleichzeitig?
- Nimmt die Züchterin den Hund im Notfall zurück?
Wer selbst mit dem Gedanken an einen Wurf spielt, findet die Pflichten in Hobbyzüchter werden. Der Ablauf der Geburt steht in Hundegeburt.
Der Abholtag
Plane den Umzug auf einen ruhigen Vormittag und fahre zu zweit. Einer lenkt, einer sitzt beim Welpen. Steht das Auto still, geht der Welpe an der Leine ins Gras.

Lass dir das gewohnte Futter mitgeben und stell frühestens nach einer Woche um. Wie viel und wie oft ein Welpe fressen sollte, steht in Welpen richtig füttern. Worauf beim Kauf sonst noch zu achten ist, steht in Hundekauf.
Nach dem Umzug wird der Kot vieler Welpen für ein paar Tage weicher. Unser Magenpulver ist ein Ergänzungsfuttermittel in einer 275-Gramm-Dose. Darin stecken Möhrenmehl, Rotulme, Wermut, Enzianwurzel und Tausendgüldenkraut, dazu Natrolith-Phonolith mit 250 Gramm je Kilogramm und Bentonit mit 90 Gramm je Kilogramm. Gefüttert wird ein halber Teelöffel je zehn Kilogramm Körpergewicht zum normalen Futter. Bei Medikamenten hältst du zwei Stunden Abstand, trächtige Hündinnen bekommen es nicht. Bei einem so jungen Hund bespreche ich die Gabe vorher in der Tierarztpraxis.

Fazit: Die Verweildauer bei der Mutter endet frühestens im Alter über acht Wochen. Das ist geltendes Recht, keine Empfehlung. Fachlich sind neun oder zehn Wochen die bessere Wahl, weil zwischen der achten und zehnten Woche eine Angstphase liegt. Wer früher abgibt, spart der Hündin ein paar Tage und kauft dem Halter Jahre Arbeit ein. Sieh dir die Mutter mit dem Wurf an, rechne den Abholtermin vom Wurftag zurück und lass dich von keinem Mitleid überreden.
Häufige Fragen zur Verweildauer von Welpen bei ihrer Mutter
Wie lange muss ein Welpe bei seiner Mutter bleiben?
Mindestens bis er älter als acht Wochen ist. Das ist keine Empfehlung, sondern § 2 Absatz 4 der Tierschutz-Hundeverordnung.
Heißt „über acht Wochen“ nicht dasselbe wie acht Wochen?
Nein. Am Tag der vollendeten achten Woche ist die Abgabe noch nicht erlaubt. Erlaubt ist sie erst danach.
Was ist die ideale Verweildauer?
Die Verhaltensliteratur nennt frühestens siebeneinhalb bis acht Wochen und rät eher zu zehn. Zwischen der achten und zehnten Woche liegt eine Angstphase, in der ein langer Transport ungünstig ist.
Darf ein Welpe früher abgegeben werden?
Nur nach tierärztlichem Urteil und nur zum Schutz von Hündin oder Welpe vor Schmerzen, Leiden oder Schäden. Ein voller Terminkalender zählt nicht dazu.
Was passiert bei einer zu frühen Trennung?
Welpen, die man mit sechs Wochen von Mutter und Wurfgeschwistern trennte, blieben häufiger krank und entwickelten sich schlechter. Ohne ihre Mutter waren sie zusätzlich gestresst.
Manche Hündinnen säugen schon mit fünf Wochen nicht mehr. Reicht das nicht?
Nein. Das Säugen endet früher als die Erziehung. Ein Welpe lernt in den Wochen danach Hundesprache und Beißhemmung, dafür braucht er Mutter und Wurf.
Muss der Züchter mir die Mutter zeigen?
Fachlich lautet die Antwort eindeutig ja. Wer die Hündin mit dem Wurf nicht sehen darf, sollte ohne Welpen wieder nach Hause fahren.
Ab wann müssen Welpen nach draußen?
Werden sie in Räumen gehalten, verlangt § 3 der Verordnung ab einem Alter von fünf Wochen mindestens einmal täglich Auslauf im Freien.
Wie warm muss es im Wurflager sein?
In den ersten zwei Lebenswochen gilt eine Lufttemperatur unter 18 Grad Celsius in der Regel als Unterkühlung.
Wie viele Würfe darf eine Betreuungsperson gleichzeitig versorgen?
Bei gewerbsmäßiger Zucht steht eine Betreuungsperson für bis zu fünf Zuchthunde samt Welpen zur Verfügung. Gleichzeitig darf sie höchstens drei Hündinnen mit Welpen betreuen.
Wie erkenne ich einen zu frühen Welpen im Angebot?
Achte auf fehlende Mutterhündin, wechselnde Treffpunkte, Barzahlung und einen Impfpass ohne Stempel. Ein Welpe unter neun Wochen im Kofferraum ist kein Schnäppchen.
Was, wenn ich schon einen zu früh abgegebenen Welpen habe?
Dann hol dir früh Unterstützung, am besten in einer Praxis mit Zusatzbezeichnung für Verhaltensmedizin. Vieles lässt sich abfedern, wenn du es nicht aussitzt.
Quellen
- Tierschutz-Hundeverordnung § 2 – Allgemeine Anforderungen an das Halten von Hunden
- Tierschutz-Hundeverordnung § 3 – Anforderungen an das Züchten
- TVT – Merkblatt Nr. 197 „Aufnahme eines Hundes“ (Oktober 2025)
- Vetmeduni Wien – Urs A. Luescher, „Die Verhaltensentwicklung des Hundes“
Über den Autor

Kevin Roth
Co-Gründer von Lucky Pets
Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.
Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.
Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Wirkt ein Welpe nach dem Umzug matt, frisst er nicht oder hat er wässrigen Durchfall, gehört er noch am selben Tag in die Tierarztpraxis.
