Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 16.08.2026 · Lesezeit: 8 Minuten
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Herzerkrankung beim Hund beginnt fast immer stumm. Das erste Zeichen ist meist ein Herzgeräusch, Jahre vor allen Beschwerden.
- Kleiner Hund heißt fast immer Mitralklappe, großer Hund eher DCM. Die Mitralklappe stellt rund 75 Prozent aller Herzerkrankungen (Quelle: MSD Veterinary Manual).
- Der wichtigste Selbsttest zu Hause: die Atemzüge im Schlaf zählen. Ein Anstieg über den eigenen Ausgangswert warnt am zuverlässigsten (Quelle: ACVIM-Leitlinie).
- Angestrengte Atmung in Ruhe, blaugraue Schleimhäute und Zusammenbrüche sind Notfälle.
Eine Herzerkrankung beim Hund kündigt sich selten laut an. Kein Zusammenbruch, kein dramatischer Moment. Stattdessen bleibt dein Hund auf der Runde einmal früher stehen. Vieles davon schreiben wir dem Alter zu — und liegen damit oft daneben. Ich zeige dir, welche Anzeichen zählen und welche Zahl du selbst erheben kannst.
Was sind die ersten Anzeichen einer Herzerkrankung beim Hund?
Nachlassende Ausdauer, längere Erholungspausen nach Belastung, Husten vor allem nachts und eine erhöhte Atemfrequenz im Schlaf. Später kommen ein dicker werdender Bauch und kurze Schwächeanfälle dazu. Ein Herzgeräusch beim Abhören steht meist Jahre vor allem anderen.
Wie viele Atemzüge pro Minute sind bei einem Hund in Ruhe normal?
Entscheidend ist der eigene Ausgangswert deines Hundes, nicht ein Richtwert aus dem Netz. Zähle die Atemzüge im Schlaf an mehreren ruhigen Tagen und notiere sie. Laut ACVIM-Leitlinie sagt ein Anstieg über diesen Ausgangswert eine drohende Verschlechterung am besten voraus.
Herzerkrankung beim Hund: zwei Krankheiten, zwei Hundetypen
Wenn Tierärzte über erworbene Herzerkrankungen beim Hund sprechen, meinen sie fast immer eine von zwei Formen. Welche in Frage kommt, entscheidet vor allem die Größe deines Hundes. Das klingt grob, ist aber der nützlichste erste Filter.
Bei kleinen Hunden verdickt sich die Mitralklappe zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer. Sie schließt nicht mehr sauber, bei jedem Schlag fließt etwas Blut zurück. Bei großen Hunden wird der Herzmuskel selbst dünn und schlaff. Die Pumpkraft sinkt. Das nennt sich dilatative Kardiomyopathie — eine Erkrankung des Herzmuskels, kurz DCM.
Die zwei häufigen erworbenen Herzerkrankungen beim Hund im Vergleich
Mitralklappenerkrankung: die Nummer eins beim kleinen Hund
Für dieselbe Sache gibt es viele Namen: myxomatöse Mitralklappendegeneration, Endokardiose, degenerative Klappenerkrankung. Gemeint ist immer, dass die Klappensegel knotig verdicken. Das MSD Veterinary Manual beziffert den Anteil auf rund 75 Prozent aller Herz-Kreislauf-Erkrankungen beim Hund (MSD Veterinary Manual, Myxomatous Atrioventricular Valve Degeneration).
Die Zahlen beruhigen mehr, als der Name vermuten lässt. Nach den ACVIM-Leitlinien zeigen bis zu 85 Prozent der kleinen Hunde mit 13 Jahren Veränderungen an dieser Klappe (ACVIM Consensus Guidelines, Myxomatous Mitral Valve Disease). Beschwerden bekommen längst nicht alle. Nur etwa 30 Prozent entwickeln laut MSD Veterinary Manual je eine Herzschwäche.
Der Cavalier King Charles Spaniel ist der Sonderfall. Er entwickelt die Veränderung deutlich früher als andere kleine Rassen. Die ACVIM-Leitlinie empfiehlt für ihn, für Dackel sowie für Zwerg- und Toypudel jährliches Abhören als festen Teil der Vorsorge. Bei einem Cavalier fange ich damit lieber zu früh an.

Aus meiner Erfahrung heraus ist die Wartezeit dazwischen für Halter am schwersten. Das Herzgeräusch ist da, Medikamente noch nicht dran, der Hund wirkt normal. Genau dann entscheidet sich, ob eine Verschlechterung früh auffällt oder erst in der Notaufnahme.
DCM beim großen Hund: der Muskel wird schlaff
Die dilatative Kardiomyopathie verläuft anders und ist deshalb heimtückischer. Das Cornell Riney Canine Health Center beschreibt sie als schwere Erkrankung des Herzmuskels, bei der sich das Herz vergrößert und das Pumpen schwerer fällt (Cornell Riney Canine Health Center, Dilated Cardiomyopathy). Sichtbare Beschwerden treten erst spät auf.
Betroffen sind vor allem Dobermann, Deutsche Dogge, Boxer, Irischer Wolfshund, Riesen- und Standardschnauzer, Neufundländer sowie Cocker Spaniel. Meist trifft es ältere Rüden. Kommt eine Rhythmusstörung dazu, können Schwächeanfälle auftreten.
Deshalb gilt hier etwas anderes als beim kleinen Hund: nicht abwarten, sondern gezielt suchen. Cornell weist darauf hin, dass eine frühe Entdeckung die Aussichten verbessert, weil eine Behandlung den Verlauf verlangsamen kann. Für den Dobermann gibt es zusätzlich Gentests.
Erste Anzeichen im Alltag, die du nicht dem Alter zuschreiben solltest
Kein einzelnes dieser Zeichen beweist etwas. Zwei oder drei davon gleichzeitig sind ein guter Grund für einen Termin. Meine langjährige Erfahrung im Austausch mit Hundehaltern zeigt: Fast immer war rückblickend eines dieser Signale schon Monate vorher da.
- Weniger Ausdauer. Dein Hund bleibt auf derselben Runde früher stehen oder legt sich unterwegs hin.
- Längere Erholung. Nach dem Spielen dauert es länger, bis die Atmung ruhig wird.
- Schnellere Atmung im Schlaf. Der Brustkorb geht auffällig zügig, obwohl der Hund ganz ruhig liegt.
- Husten nachts oder im Liegen. Trockenes Hüsteln, wenn Ruhe eingekehrt ist.
- Dicker werdender Bauch. Hinweis auf Flüssigkeit im Bauch bei Belastung der rechten Herzhälfte.
- Kurze Schwächeanfälle. Der Hund knickt für Sekunden weg, meist nach Aufregung.
Zum Husten eine Einordnung: Er kommt beim Hund viel häufiger aus den Atemwegen als vom Herzen. Das MSD Veterinary Manual warnt davor, bei einem älteren kleinen Hund mit Husten und Herzgeräusch vorschnell auf Herzschwäche zu schließen. Wie du Husten sortierst, steht in unserem Beitrag zu Husten beim Hund.
Und eine Abgrenzung, die im Notfall zählt. Ein Bauch, der über Wochen runder wird, spricht für Flüssigkeit. Ein Bauch, der binnen Minuten aufgetrieben ist, während dein Hund unruhig würgt, ist etwas anderes — dann geht es um eine Magendrehung und um jede Minute.
Die Ruheatemfrequenz zählen: der beste Selbsttest zu Hause
Es gibt genau eine Zahl, die du ohne Gerät erheben kannst. Die ACVIM-Leitlinie hält fest, dass unter allen zu Hause erhobenen Werten ein Anstieg der Atemfrequenz in Ruhe über den normalen Ausgangswert eine drohende Verschlechterung am besten vorhersagt.
Der Grund ist einfach. Staut sich Blut vor der linken Herzhälfte zurück, tritt Flüssigkeit in die Lunge aus. Das Atmen wird flacher und schneller, lange bevor ein Hund nach Luft ringt. Diese Verschiebung siehst du in der Zahl früher als im Verhalten.

- Der richtige Moment. Dein Hund schläft tief oder liegt entspannt. Nicht nach dem Spaziergang, nicht bei Hitze, nicht beim Hecheln.
- Das Zählen. Ein Heben und Senken des Brustkorbs zählt als ein Atemzug. Zähle 30 Sekunden und verdopple das Ergebnis.
- Das Notieren. Datum und Wert in eine Notiz auf dem Handy. Über zwei Wochen entsteht dein Ausgangswert.
- Die Bewertung. Steigt der Wert über mehrere Messungen deutlich darüber, rufst du deine Praxis an.
Mein Tipp: Frag beim nächsten Termin direkt nach: Ab welchem Wert soll ich anrufen? Dann steht eine konkrete Zahl im Raum, statt dass du im Ernstfall abwägen musst.
Herzgeräusch beim Hund: was die Grade wirklich aussagen
Die meisten Halter hören zum ersten Mal beim Impftermin davon. Ein Herzgeräusch entsteht, wenn Blut verwirbelt statt glatt fließt. Bei der Mitralklappenerkrankung liegt der lauteste Punkt links unten am Brustkorb. Das MSD Veterinary Manual kennt sechs Grade (MSD Veterinary Manual, Diagnosis of Heart Disease in Animals).
Die sechs Grade des Herzgeräuschs (Quelle: MSD Veterinary Manual)
Eine Einschränkung nennt das MSD Veterinary Manual selbst. Die Einteilung ist subjektiv. Gerade die mittleren Grade sagen über den Schweregrad wenig aus. Ein lautes Geräusch bedeutet nicht automatisch ein schwer krankes Herz. Ein leises schließt nichts sicher aus.
Praktisch heißt das: Ein neues Herzgeräusch ist kein Grund zur Panik, aber der Startschuss für die nächsten Schritte. Ab hier entscheiden Bilder, nicht Ohren.
Diagnostik: Röntgen, Herzultraschall und der Wert im Blut
Die Untersuchung läuft in fester Reihenfolge ab, weil jeder Schritt eine andere Frage beantwortet. Das Abhören findet das Geräusch. Das Röntgenbild zeigt Herzgröße und Lunge. Der Ultraschall zeigt, warum.
Die Bausteine der Herzuntersuchung beim Hund
Der Blutwert wird oft überschätzt. Laut MSD Veterinary Manual ist NT-proBNP bei einer nur leicht undichten Mitralklappe meist normal und bei den meisten Hunden mit echter Herzschwäche erhöht. Er stützt eine Vermutung. Er ersetzt weder Röntgen noch Ultraschall.

Beim Ultraschall geht es um konkrete Maße. Die ACVIM-Leitlinie nennt für eine frühe Behandlung unter anderem ein Herzgeräusch ab Grad 3, ein Verhältnis von linkem Vorhof zur Aorta ab 1,6 sowie einen röntgenologischen Herzgrößenwert über 10,5. Diese Zahlen findest du auf deinem Befund wieder.
Was du im Alltag änderst, wenn das Herz betroffen ist
Vorweg das Wichtigste: Den Verlauf steuert die tierärztliche Behandlung, nicht ein Hausmittel. Was du zu Hause tust, macht den Alltag leichter und liefert die Beobachtungen für deine Praxis.
- Gewicht runter, wenn es zu viel ist. Jedes Kilo zu viel bedeutet Mehrarbeit für Herz und Lunge. Wie du das angehst, steht in unserem Beitrag zu Übergewicht beim Hund.
- Bewegung ja, Spitzen nein. Mehrere kurze ruhige Runden statt einer langen. Kein Ballwerfen bis zur Erschöpfung.
- Hitze meiden. Spaziergänge in die kühlen Stunden legen. Schwüle Tage sind besonders anstrengend.
- Brustgeschirr statt Halsband. Nimmt Druck vom Kehlkopf und macht das Atmen an der Leine leichter.
- Medikamente auf die Minute. Sie wirken über feste Abstände. Ein Wecker im Handy hilft.
Mein Tipp: Leg dir eine einzige Notiz auf dem Handy an: Datum, Atemzüge pro Minute, Gewicht, Besonderheiten. Diese Liste ist beim nächsten Termin mehr wert als jede Beschreibung aus dem Gedächtnis.
Sofort tierärztlich abklären lassen
- Angestrengte oder sehr schnelle Atmung in Ruhe, gestreckter Hals, offenes Maul
- Blaue oder blassgraue Schleimhäute an Zahnfleisch und Zunge
- Dein Hund bricht zusammen oder wird für Sekunden bewusstlos
- Rosa gefärbter, schaumiger Auswurf beim Husten
- Die Atemzüge in Ruhe liegen über Stunden deutlich über dem gewohnten Wert
- Dein Hund mag sich nicht mehr flach hinlegen und sitzt die Nacht durch
Bei Atemnot fährst du direkt in die Klinik und rufst unterwegs an. Halte deinen Hund so ruhig wie möglich und lass das Halsband weg. Jede Aufregung kostet Sauerstoff.
Fazit: Eine Herzerkrankung beim Hund erkennst du nicht an einem dramatischen Moment, sondern an leisen Verschiebungen im Alltag. Die Größe deines Hundes sagt dir, worauf du achtest — beim kleinen Hund auf ein Herzgeräusch, beim großen auf Leistungsabfall und Schwächeanfälle. Lass kleine Rassen ab dem sechsten Lebensjahr jährlich abhören. Und zähl die Atemzüge deines schlafenden Hundes. Diese Zahl kostet nichts und ist der beste Frühwarnwert, den du zu Hause hast.
Häufige Fragen zu Herzerkrankungen beim Hund
Woran erkenne ich eine Herzerkrankung beim Hund?
Zu Hause meist an drei Dingen: Dein Hund bleibt früher stehen als früher, er atmet im Schlaf schneller und hustet vor allem nachts. Der erste harte Befund ist ein Herzgeräusch beim Abhören.
Was ist die häufigste Herzerkrankung beim Hund?
Die Mitralklappenerkrankung. Laut MSD Veterinary Manual macht sie rund 75 Prozent aller Herz-Kreislauf-Erkrankungen beim Hund aus. Betroffen sind fast immer kleine Rassen ab mittlerem Alter, allen voran der Cavalier King Charles Spaniel.
Wie zähle ich die Ruheatemfrequenz bei meinem Hund?
Warte, bis dein Hund tief schläft oder entspannt liegt. Zähle 30 Sekunden, wie oft sich der Brustkorb hebt und senkt. Verdopple das Ergebnis und notiere es mit Datum. Wichtig ist nicht die einzelne Zahl, sondern der Anstieg über den eigenen Ausgangswert.
Mein Hund hat ein Herzgeräusch — ist das schlimm?
Nicht zwangsläufig. Ein Herzgeräusch zeigt Turbulenz im Blutfluss an, keine Diagnose. Laut MSD Veterinary Manual sagen die mittleren Grade 3 und 4 nichts über den Schweregrad aus. Wie ernst es ist, klären Röntgen und Ultraschall.
Welche Hunde bekommen eine DCM?
Vor allem große und sehr große Rassen. Das Cornell Riney Canine Health Center nennt Dobermann, Deutsche Dogge, Boxer, Irischer Wolfshund, Riesenschnauzer, Neufundländer sowie Cocker Spaniel. Meist trifft es ältere Rüden.
Wie wird eine Herzerkrankung beim Hund festgestellt?
Am Anfang stehen Abhören und Vorgeschichte. Dann folgen Röntgenbilder, ein Herzultraschall und bei Rhythmusfragen ein EKG. Der Ultraschall macht Klappen, Kammergrößen und Pumpkraft sichtbar.
Was bedeutet NT-proBNP im Blut?
NT-proBNP ist ein Eiweiß, das ein belastetes Herz vermehrt abgibt. Laut MSD Veterinary Manual ist es bei leichter Undichtigkeit meist normal und bei den meisten Hunden mit Herzschwäche erhöht. Es ergänzt Röntgen und Ultraschall, ersetzt sie aber nicht.
Wie lange kann ein Hund mit einer Herzerkrankung leben?
Das hängt von Form, Zeitpunkt der Entdeckung und Ansprechen auf die Behandlung ab. Viele kleine Hunde tragen ihr Herzgeräusch jahrelang ohne Beschwerden. Laut MSD Veterinary Manual entwickeln nur rund 30 Prozent je eine Herzschwäche.
Quellen
- ACVIM Consensus Guidelines – Myxomatous Mitral Valve Disease in Dogs (Keene et al., Journal of Veterinary Internal Medicine 2019)
- MSD Veterinary Manual – Myxomatous Atrioventricular Valve Degeneration in Dogs and Cats
- MSD Veterinary Manual – Diagnosis of Heart Disease in Animals
- Cornell Richard P. Riney Canine Health Center – Dilated Cardiomyopathy
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Über den Autor
Christoph Gärtner
Co-Gründer von Lucky Pets
Lucky Pets ist aus einer einfachen Frage entstanden: Warum ist es so schwer, für den eigenen Hund etwas zu finden, das hält, was auf der Dose steht? Statt uns mit Füllstoffen und Versprechen zufriedenzugeben, haben wir angefangen, es selbst zu machen.
Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das in den Alltag passt. In Deutschland hergestellt und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.
Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob hinter den Beobachtungen deines Hundes wirklich das Herz steckt, klärt eine Untersuchung mit Abhören, Röntgen und Herzultraschall. Bei Atemnot, blauen Schleimhäuten oder einem Zusammenbruch gehört dein Hund sofort in eine Klinik.
