Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 27.08.2026 · Lesezeit: 8 Minuten
Das Wichtigste in Kürze
- Ohrrandnekrose ist ein Befund, keine Diagnose.
- Dahinter stecken sehr unterschiedliche Erkrankungen.
- Die Zellprobe gehört an den Anfang, nicht ans Ende.
- Ohne Ursache ist jede Salbe geraten.
Der Rand der Ohrmuschel wird dunkel und fühlt sich rau an. Beim Kraulen bleiben kleine Krusten an den Fingern. Ein paar Wochen später fehlt an der Spitze ein Stück.
Die kurze Antwort
Am Ohrrand stirbt Gewebe ab. Das kann von Gefäßen, von Kälte, von Milben oder vom eigenen Immunsystem kommen — die Ursache entscheidet über die Behandlung.
Der entscheidende Punkt
Wer nur den Ohrrand behandelt, behandelt das Zeichen. Die Ursache sitzt fast immer woanders.
Was Ohrrandnekrose beim Hund bedeutet
Nekrose heißt abgestorbenes Gewebe. Am Ohrrand zeigt sich das als dunkle, verdickte Haut, dazu kommen Krusten und offene Stellen.

Der Ohrrand ist eine dünne Hautfalte über Knorpel, gut durchblutet und schlecht geschützt. Das MSD Veterinary Manual hält fest, dass viele Hauterkrankungen die Ohrmuschel treffen und gleichzeitig an anderen Körperstellen sichtbar sind.
Damit ist der wichtigste Satz dieses Artikels gesagt. Ich schaue mir deshalb nie nur das Ohr an. Der Ohrrand ist selten das ganze Problem, er ist die Stelle, an der es zuerst auffällt.
Aus meiner Erfahrung schauen Halter deshalb zu spät weiter. Rute, Pfotenballen und Nasenrücken gehören mit auf die Liste — was Krusten sonst noch bedeuten, steht in Krusten auf der Hundehaut.
Die Ursachen, die MSD für die Ohrmuschel führt
Ganz oben steht eine eigene Erkrankung mit einem sperrigen Namen: die proliferative thrombovaskuläre Nekrose der Ohrmuschel. Dabei verstopfen kleine Blutgerinnsel die Gefäße im Ohr.
Die Folge ist genau das Bild, mit dem Halter kommen. Die Durchblutung sinkt, es entstehen offene Stellen. Die Haut wird dunkler sowie dicker, beginnend an der Ohrspitze.
Woher diese Erkrankung kommt, weiß laut MSD niemand. Medikamente helfen einem Teil der Hunde, manchmal wird abgestorbene Haut samt Knorpel operativ entfernt.
Der zweite Weg ist eine Entzündung der Blutgefäße. Sie kommt selten vor. Sichtbar werden violette Flecken, Rötung, wunde Stellen sowie Schorf, außerdem kann abgestorbene Haut sich ablösen.
Betroffen sind dabei typischerweise drei Stellen: Ohrmuscheln, Rute und Pfotenballen. Als Auslöser nennt MSD Reaktionen des Immunsystems, Medikamente, Infektionen sowie Tumoren.
Zusammenstellung nach dem MSD Veterinary Manual, Disorders of the Outer Ear in Dogs, abgerufen am 27.08.2026.
Kälte, Milben, Schuppen: die alltäglichen Verdächtigen
Erfrierungen treffen in kalten Regionen bevorzugt Ohrspitzen, Pfoten und Rute. Besonders riskant sind laut MSD nasse und windige Bedingungen — worauf es dabei ankommt, steht in Winterspaziergänge mit dem Hund.
Behandelt wird zügig und behutsam mit Wärme. Ein operatives Entfernen betroffener Stellen kommt erst infrage, wenn das Ausmaß des Schadens feststeht.
Der zweite Alltagsfall ist die Räude. Grabmilben lösen laut MSD zuerst kleine rote Knötchen aus, daraus werden durch das Kratzen Krusten und wunde Stellen — die Arten im Vergleich stehen in Milben beim Hund.

Bestätigt wird der Verdacht über Hautgeschabsel unter dem Mikroskop, zusammen mit dem klinischen Bild und der Vorgeschichte. Behandelt werden alle Tiere im Haushalt, dazu kommen Decken und Bürsten.
Der dritte Fall ist harmloser und wird trotzdem oft verwechselt. Sehr fettige Haut am Ohrrand kommt laut MSD häufig bei Dackeln und anderen Schlappohr-Rassen vor — mehr dazu in Schuppen beim Hund.
Typisch sind graue bis gelbe wachsige Schuppen, die an den Haaren kleben. In schweren Fällen reißt die Haut ein und schwillt an.
Wenn das Immunsystem der Auslöser ist
Eine eigene Gruppe bilden die Autoimmunerkrankungen. LABOKLIN beschreibt den kutanen Lupus erythematodes als Gruppe von Erkrankungen, bei denen sich das Immunsystem gegen die eigenen Hautzellen richtet.
Beim Hund ist das seit 1979 beschrieben. Eine der Formen tritt vor allem bei Collies und Shelties auf.
Die Hautveränderungen sitzen bei dieser Form unter anderem an den Ohrmuscheln. Dazu kommen Achseln, Leisten, Innenseiten der Oberschenkel, Maulhöhle sowie die Übergänge zur Schleimhaut.
Juckreiz gehört zunächst nicht dazu. Wenn ein Hund kratzt, steckt meist eine zusätzliche Infektion dahinter.
Eine zweite Form wurde beim Deutsch Kurzhaar beschrieben, später beim Magyar Vizsla. Sichtbar sind dort Schuppen, Haarausfall und Manschetten aus Horn um die Haarbündel, unter anderem an den Ohren.
Für den Alltag zählt ein Rat aus derselben Quelle. Betroffene Hunde gehören vor Sonnenlicht geschützt. Manche Verläufe verschlechtern sich ausgerechnet in den Sommermonaten.
Was in der Praxis passiert
Der erste Schritt ist keine Salbe, sondern eine Zellprobe. LABOKLIN empfiehlt, jede Hautveränderung schon bei der Erstvorstellung zytologisch zu beurteilen.
Der Grund ist praktisch. Erst dieser Befund zeigt, welche weiteren Schritte sinnvoll sind und wohin die Behandlung von Anfang an zielen soll.
Für die Probe wird ein Objektträger auf die Stelle gedrückt. Wichtig ist dabei, nicht darüber zu wischen, weil die Zellen sonst zerstört werden.
Bei größeren Krusten lohnt sich ein zweiter Abdruck von der Unterseite. Dort finden sich häufig viele Zellen. Mikroorganismen lassen sich an dieser Stelle besonders gut nachweisen.
Ein Hautgeschabsel taugt für diese Zellprobe dagegen wenig, weil das Schaben die Zellen zerstört. Für den Nachweis von Milben bleibt es trotzdem das Mittel der Wahl.
Steht eine Autoimmunerkrankung im Raum, folgt eine Gewebeprobe. Die Diagnose stützt sich laut LABOKLIN auf das klinische Bild zusammen mit der feingeweblichen Untersuchung.
Mein Tipp: Fotografiere den Ohrrand alle sieben Tage bei Tageslicht, immer aus demselben Abstand. Diese Reihe zeigt in der Praxis besser als jede Beschreibung, ob es weitergeht oder steht.

Damit wartest du nicht bis nächste Woche
- Der Ohrrand blutet oder es fehlt bereits ein Stück Gewebe.
- Die Stelle riecht, nässt oder wirkt deutlich schmerzhaft.
- Der Hund kratzt sich blutig und findet keine Ruhe mehr.
- Ähnliche Stellen tauchen an Rute, Pfotenballen oder Nase auf.
Der letzte Punkt ist besonders wichtig: Trifft es mehrere Körperstellen gleichzeitig, kommen laut MSD Gefäßentzündungen und Autoimmunerkrankungen infrage.
Was du zu Hause tun kannst — und was nicht
Halte den Ohrrand sauber und trocken. Mehr Pflege braucht es vor der Diagnose nicht. Mehr hilft an dieser Stelle auch nicht.
Lass die Finger von Salben aus der eigenen Hausapotheke. Manche Wirkstoffe reizen die dünne Haut zusätzlich. Außerdem verändert sich der Befund, bevor ihn überhaupt jemand beurteilt hat.
Bei Wind und Nässe rate ich im Winter zu kurzen Runden. Ein Hund mit vorgeschädigtem Ohrrand hat dort nichts verloren.
Wasch Decken und Bürsten, wenn Milben im Raum stehen. Wie hartnäckig solche Erreger sind, zeigt auch Leishmaniose beim Hund, die am Ohrrand ganz ähnliche Knötchen machen kann.
Meine langjährige Erfahrung mit Ohrrändern sagt: Der teuerste Fehler ist das Abwarten. Vier Wochen Salbe kosten mehr als ein Termin mit Zellprobe.
Fazit: Ohrrandnekrose ist ein Befund mit vielen möglichen Ursachen, von Gefäßverschlüssen über Kälte und Milben bis zum eigenen Immunsystem. Sinnvoll behandeln lässt sie sich erst, wenn feststeht, welche davon es ist.
Häufige Fragen zur Ohrrandnekrose beim Hund
Was ist eine Ohrrandnekrose beim Hund?
Absterbendes Gewebe am Rand der Ohrmuschel. Das ist ein Befund, keine fertige Diagnose.
Ohrrandnekrose: Woran erkenne ich sie?
Der Ohrrand wird dunkler und dicker, es bilden sich Krusten, offene Stellen und kahle Ränder.
Ohrrandnekrose: Was steckt am häufigsten dahinter?
MSD nennt für die Ohrmuschel Gefäßverschlüsse, Gefäßentzündungen, Erfrierung, Milben, fettige Haut und Autoimmunerkrankungen.
Kann Kälte schuld sein?
Ja. Laut MSD trifft Erfrierung besonders Ohrspitzen, Pfoten und Rute, vor allem bei Nässe und Wind.
Warum juckt es bei manchen Hunden stark?
Dann steckt oft Räude dahinter. Der Milbenbefall geht laut MSD mit starkem Juckreiz einher.
Können sich Menschen anstecken?
Bei Räude ist eine vorübergehende Hautreizung nach engem Kontakt möglich. So beschreibt es MSD.
Ohrrandnekrose: Was macht der Tierarzt zuerst?
Er schaut sich die Stelle an und nimmt eine Zellprobe. LABOKLIN empfiehlt das schon beim ersten Termin.
Wann braucht es eine Gewebeprobe?
Bei Verdacht auf eine Autoimmunerkrankung. Die Diagnose stützt sich laut LABOKLIN auf die feingewebliche Untersuchung.
Hilft eine Salbe aus der Hausapotheke?
Nein. Ohne bekannte Ursache ist jede Salbe geraten. Manche Mittel reizen die Haut zusätzlich.
Ohrrandnekrose: Muss operiert werden?
Manchmal. Bei abgestorbener Haut und abgestorbenem Knorpel nennt MSD einen Eingriff als Möglichkeit.
Wächst der Ohrrand wieder zusammen?
Abgestorbenes Gewebe kommt nicht zurück. Das Ziel ist, den Rest zu erhalten.
Ist Sonne ein Thema?
Bei Lupus ja. LABOKLIN rät ausdrücklich, betroffene Hunde vor Sonnenlicht zu schützen.
Quellen
- MSD Veterinary Manual – Disorders of the Outer Ear in Dogs
- LABOKLIN – Der kutane Lupus erythematodes beim Hund
- LABOKLIN – Dermatologische Zytologie
Über den Autor

Kevin Roth
Co-Gründer von Lucky Pets
Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.
Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.
Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Ein veränderter Ohrrand gehört untersucht, bevor irgendetwas aufgetragen wird.
