Pubertät beim Hund: Was in der Teenagerphase passiert

Pubertät beim Hund: Was in der Teenagerphase passiert

Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 23.08.2026 · Lesezeit: 6 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • 🔴 In der Adoleszenz hören Hunde schlechter — aber nur auf den eigenen Halter.
  • Der Einbruch zeigte sich mit acht Monaten, nicht mit fünf.
  • Unsichere Bindung verstärkt den Effekt.
  • Kastration ersetzt laut TVT niemals Training.

Der Welpe hat alles verstanden. Der Junghund tut plötzlich, als hätte er das Wort Sitz nie gehört. Das ist keine Einbildung, es ist gemessen — und der spannendste Teil daran ist, bei wem er nicht hört.

Die kurze Antwort

Ein vorübergehender Gehorsamseinbruch rund um den achten Monat, der sich ausschließlich gegen die Bezugsperson richtet.

🔴 Der entscheidende Punkt

Wer jetzt aufhört zu trainieren, verschenkt die Phase. Wer weitertrainiert, hat sie in ein paar Wochen hinter sich.

Was die Forschung gemessen hat

Ein Team um Lucy Asher hat 2020 in Biology Letters untersucht, was in dieser Phase passiert. Getestet wurde mit fünf, acht und zwölf Monaten, unter anderem mit dem simpelsten Kommando überhaupt.

Wacher Junghund schaut an seiner Halterin vorbei ins Feld
Der Hund hat das Kommando nicht vergessen — er zeigt es nur gerade nicht.

Das Ergebnis in einem Satz: Hunde reagierten während der Adoleszenz seltener auf das Sitz-Kommando — aber nur, wenn es von ihrer Bezugsperson kam, nicht von einer fremden Person. Der Hund hatte das Kommando also nicht vergessen.

Untersuchung Zahl der Hunde Kernbefund
UntersuchungGehorsamstest Zahl der Hunde93 Kernbefundweniger Reaktion auf „Sitz" — nur beim Halter
UntersuchungTrainierbarkeit laut Halter Zahl der Hunde285 Kernbefundniedrigere Werte mit 8 als mit 5 Monaten
UntersuchungPubertätsverlauf Zahl der Hunde70 Hündinnen Kernbefundfrühere Pubertät bei mehr Anhänglichkeit mit 5 Monaten

Daten aus Asher et al. 2020, Biology Letters.

Ich halte diesen Punkt für den entscheidenden: Der Hund kann die Übung noch, er zeigt sie nur gerade nicht. Auch die Einschätzung der Halter passte dazu. Sie vergaben ihren Hunden rund um den achten Monat niedrigere Trainierbarkeits-Werte als noch mit fünf Monaten. Beides zusammen beschreibt eine Phase, die kommt und wieder geht.

🔴 Warum es ausgerechnet dich trifft

Ich beschreibe Haltern diese Phase immer mit demselben Bild: Der Hund testet nicht dich als Person, er testet die Regel. Genau deshalb funktioniert dieselbe Übung bei einer fremden Person weiterhin.

Frau übt mit einem wachen Junghund eine kurze Trainingseinheit
Kurze Übungen, leichte Erfolge — Weitermachen schlägt Aussetzen.

Der Befund wirkt zunächst kränkend, ist aber der interessanteste Teil der Studie. Fremde Personen bekamen weiterhin, was sie verlangten. Der Konflikt richtet sich gegen die Bezugsperson, nicht gegen das Training.

Dazu kommt ein zweiter Zusammenhang. Mehr trennungsbezogenes Verhalten mit acht Monaten ging mit geringerem Gehorsam gegenüber dem Halter einher. Unsicherheit macht die Phase also nicht leichter, sondern schwerer. Mehr dazu in Trennungsangst beim Hund.

Aus meiner Erfahrung ziehen viele Halter genau jetzt die falsche Konsequenz. Sie setzen das Training aus, weil ja ohnehin nichts ankommt. Genau umgekehrt wird ein Schuh daraus. Wie regelmäßiges Üben aussieht, zeigt Hundeschule.

Kastration löst das nicht

Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz ist in ihrer Stellungnahme von 2024 deutlich. Wer einen im Verhalten problematischen Hund kastrieren lässt, spart sich das professionelle Training nicht — trainiert werden muss auch danach weiter.

Zum Zeitpunkt wird die TVT noch deutlicher. Die Kastration von Hunden vor Eintritt der Geschlechtsreife ist grundsätzlich abzulehnen. Ausgenommen sind Fälle, in denen ein medizinischer Grund dafür spricht.

Schlafender Junghund liegt zusammengerollt zuhause auf dem Boden
Nach dem Trubel: Ruhe ist Teil des Trainings.

🔴 Was die TVT zur frühen Kastration schreibt

  • Sie kann Auswirkungen auf Wachstum und Entwicklung haben.
  • Sie kann das Verhalten der Tiere beeinflussen.
  • Möglich sind langfristige gesundheitliche Folgen wie Gelenkprobleme.
  • Ein gesundes Organ prophylaktisch zu entfernen, ist medizinisch nur schwer zu rechtfertigen.
  • Bei Verhaltensproblemen ersetzt sie das Training nicht.

Unabdingbar und lebensrettend ist eine Kastration nur bei bestimmten Erkrankungen, etwa einer Gebärmuttervereiterung oder einer Hodentorsion.

Bei Hündinnen kommt ein eigener Punkt hinzu. Nach jeder Läufigkeit tritt physiologischerweise die Scheinträchtigkeit ein. Sie kann mit körperlichen Veränderungen wie einem Anschwellen des Gesäuges einhergehen, ebenso mit Nestbauverhalten oder gesteigerter Aggressivität.

Was im Alltag jetzt zählt

Der gesetzliche Rahmen bleibt in dieser Phase unverändert. Nach § 2 der Tierschutz-Hundeverordnung braucht jeder Hund ausreichend Auslauf im Freien außerhalb eines Zwingers. Dazu kommen mehrmals täglich Umgang mit der Betreuungsperson und regelmäßiger Kontakt zu Artgenossen. Angepasst wird das an Rasse, Alter und Gesundheitszustand.

Meine langjährige Erfahrung mit Junghunden lässt sich auf drei Punkte eindampfen: Übungen kurz halten, Erfolge leicht machen, Bindung pflegen. Wenn das Ziehen an der Leine zurückkommt, hilft Hund zieht an der Leine.

Und der Kopf will beschäftigt sein. Ein pubertierender Hund, der sich langweilt, erfindet eigene Aufgaben. Passende Ideen sammelt Hundespielzeug.

Ein Punkt zum Futter gehört noch dazu. In der Wachstumsphase ändert sich der Bedarf. Ein Junghund, der zu knapp oder zu üppig versorgt wird, ist im Training schlechter bei der Sache. Was auf den Teller gehört, steht in Welpen richtig füttern.

Fazit: Die Pubertät beim Hund ist eine vorübergehende Phase mit einem messbaren Effekt. In der Studie von Asher und Kollegen reagierten Hunde während der Adoleszenz seltener auf das Sitz-Kommando, allerdings nur bei der eigenen Bezugsperson und nicht bei Fremden. Halter bewerteten die Trainierbarkeit mit acht Monaten schlechter als mit fünf. Mehr trennungsbezogenes Verhalten ging mit geringerem Gehorsam einher. Eine Kastration ersetzt laut TVT niemals das Training. Vor Eintritt der Geschlechtsreife lehnt die TVT sie ohne medizinischen Grund grundsätzlich ab.

Häufige Fragen zur Pubertät beim Hund

🔴 Hört mein Hund in der Pubertät wirklich schlechter?

Ja — und das ist messbar. In der Studie von Asher und Kollegen reagierten Hunde in der Adoleszenz seltener auf das Sitz-Kommando.

Bei wem hört er schlechter?

Nur beim eigenen Halter. Von einer fremden Person ließen sich dieselben Hunde weiterhin zuverlässig lenken.

In welchem Alter wurde getestet?

Mit fünf, acht und zwölf Monaten. Der Einbruch lag bei acht Monaten.

Wie groß war die Studie?

Am Gehorsamstest nahmen 93 Hunde teil, am Trainierbarkeits-Fragebogen 285. Die Pubertätsdaten stammen von 70 Hündinnen.

Geht das wieder vorbei?

Ja. Die Autoren beschreiben eine vorübergehende Phase, nicht einen dauerhaften Zustand.

🔴 Was verschlimmert die Phase?

Eine unsichere Bindung. Mehr trennungsbezogenes Verhalten mit acht Monaten ging mit geringerem Gehorsam gegenüber dem Halter einher.

Kommen manche Hunde früher in die Pubertät?

Bei den untersuchten Hündinnen ja. Wer mit fünf Monaten mehr Anhänglichkeit zeigte, hatte den ersten Proestrus früher.

Hilft eine Kastration gegen Pubertätsprobleme?

Nein. Die TVT hält fest, dass eine Kastration professionelles Training nie ersetzt — das muss auch danach weiterlaufen.

🔴 Darf man vor der Geschlechtsreife kastrieren?

Die TVT lehnt das grundsätzlich ab. Eine Ausnahme gilt nur, wenn ein medizinischer Grund dafür vorliegt.

Warum ist eine frühe Kastration problematisch?

Sie kann Wachstum, Entwicklung und Verhalten beeinflussen und langfristige Folgen wie Gelenkprobleme haben.

Was passiert nach jeder Läufigkeit?

Physiologischerweise die Scheinträchtigkeit. Möglich sind Anschwellen des Gesäuges, Nestbauverhalten und gesteigerte Aggressivität.

Was hilft konkret im Alltag?

Weitertrainieren statt aussetzen, Bindung stärken und den gesetzlichen Rahmen aus Auslauf, Umgang und Hundekontakt zuverlässig einhalten.

Quellen

Über den Autor

Kevin Roth, Co-Gründer von Lucky Pets

Kevin Roth

Co-Gründer von Lucky Pets

Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.

Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.

Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche oder verhaltenstherapeutische Beratung. Zu Kastration und Verhaltensproblemen berät die Tierarztpraxis individuell.