Pyodermie beim Hund: Behandlung und Ursachensuche

Pyodermie beim Hund: Behandlung und Ursachensuche

Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 23.08.2026 · Lesezeit: 6 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • 🔴 45 % der befragten Tierärzte behandeln oberflächliche Formen nur antiseptisch.
  • Bei tiefen Formen behandeln 92 % systemisch.
  • Ohne Ursachensuche bleibt jede Behandlung Stückwerk.
  • 81 % lassen vorab kein Antibiogramm anfertigen.

Eine Pyodermie ist eine bakterielle Hautinfektion — und der häufigste Grund, warum Hunde in Deutschland ein Antibiotikum bekommen. Nur bekommt längst nicht jeder Hund eines. Ich zeige, wovon das abhängt.

Die kurze Antwort

Oberflächliche Formen werden oft nur antiseptisch behandelt, tiefe fast immer mit einem Antibiotikum. Entscheidend bleibt in beiden Fällen die Ursache dahinter.

🔴 Der entscheidende Punkt

Wer nur die Infektion behandelt und nicht ihren Auslöser, behandelt vergeblich. So steht es sinngemäß in der Studie.

Was die Befragung zeigt

Für die Studie von Moerer, Merle und Bäumer an der Freien Universität Berlin wurden 73 Berliner Tierärzte in Telefoninterviews befragt, unter anderem zur Pyodermie. Das Bild ist erfreulich uneinheitlich.

Frau schaut sich zuhause die Haut ihres wachen Hundes an
Die Haut wird unter der Behandlung besser — die Ursache bleibt oft bestehen.

31 Prozent gaben an, immer oder häufig ein Antibiotikum einzusetzen. 25 Prozent tun das nur zum Teil, 43 Prozent selten. Ein Automatismus ist die Antibiose also nicht.

Form der Pyodermie Vorgehen der Befragten
Form der Pyodermieoberflächlich oder lokal begrenzt Vorgehen der Befragten49 % lokale Antibiose, 45 % nur antiseptisch
Form der Pyodermietief oder großflächig Vorgehen der Befragten92 % systemisches Antibiotikum
Form der Pyodermiedabei am häufigsten Vorgehen der BefragtenAminopenicilline 67 %, Cephalosporine 1. Generation 28 %
Form der PyodermieAntibiogramm vorab Vorgehen der Befragten81 % nie oder selten

Angaben aus der Befragung von 73 Berliner Tierärzten, Moerer et al. 2022.

Diese Zahlen sind ein Stimmungsbild, keine Leitlinie. Sie zeigen, was in Praxen tatsächlich passiert — und dass die gleiche Diagnose sehr unterschiedlich behandelt wird.

🔴 Warum die Ursache wichtiger ist als das Mittel

Der zentrale Satz der Studie hat mit Wirkstoffen nichts zu tun. Die teilnehmenden Tierärzte beschrieben Pyodermien als ein ganzheitliches Problem der Tiere, sodass eine antibiotische Behandlung nicht erfolgreich sein kann, solange der Auslöser bleibt.

Tierärztin untersucht einen wachen Hund auf dem Behandlungstisch
Ob lokal oder systemisch behandelt wird, hängt von der Form ab.

Aus meiner Erfahrung erklärt genau das die Frustration vieler Halter. Die Haut wird unter der Behandlung besser und drei Wochen später ist alles zurück. Behandelt wurde dann die Infektion, nicht ihr Auslöser. Wo die Suche anfängt, steht in Juckreiz beim Hund.

Was hinter wiederkehrender Pyodermie stecken kann

  • Allergien, etwa gegen Umweltstoffe oder Futterbestandteile.
  • Parasiten wie Milben.
  • Hormonelle Erkrankungen.
  • Ständige Feuchtigkeit in Hautfalten.
  • Eine andere Hauterkrankung, die zuerst behandelt gehört.

Zur Abgrenzung gegenüber Pilzbefall: Hautpilz beim Hund.

Ein zweiter Punkt aus der Studie gehört dazu. 24 Prozent der Befragten beschrieben einen mangelnden Therapieerfolg, davon 15 Prozent bei Aminopenicillinen und 6 Prozent bei Cephalosporinen der ersten Generation. Gleichzeitig stellten 76 Prozent bei Pyodermien keine vermehrten Resistenzen fest. Was Milben anrichten, zeigt Milben beim Hund.

Antibiogramm und die Regeln seit 2018

Ein Antibiogramm prüft im Labor, gegen welche Wirkstoffe der gefundene Keim empfindlich ist. Bei Pyodermien wird es selten gemacht: 81 Prozent der Befragten ließen vor der Therapie nie oder nur selten eines anfertigen.

Für bestimmte Wirkstoffgruppen ist es allerdings Pflicht. Mit der Novelle der Verordnung über tierärztliche Hausapotheken wurde 2018 eine Antibiogrammpflicht für Cephalosporine der dritten und vierten Generation sowie für Fluorchinolone eingeführt. 58 Prozent der Befragten lassen seither häufiger Antibiogramme anfertigen.

Frau tupft in der Küche eine Hautstelle bei ihrem wachen Hund ab
Sauber und trocken halten gehört zur Behandlung dazu.

Wie du eine kranke Haut im Alltag entlastest, zeigt außerdem Fellpflege beim Hund. Der Hintergrund der Regel ist die Sorge um besonders wichtige Reserveantibiotika. Wer sie zurückhält, hält sie wirksam — und genau das war das Ziel der Novelle.

Wie lange behandelt wird

Konkrete Zahlen zur Dauer liefert die Fachinformation eines zugelassenen Kombipräparats, das bei tiefen und oberflächlichen Pyodermien zugelassen ist. Dosiert wird dort mit 10 mg Amoxicillin und 2,5 mg Clavulansäure je Kilogramm alle zwölf Stunden.

In den meisten Fällen ist eine Behandlungsdauer von fünf bis sieben Tagen ausreichend. Chronische Hautinfektionen brauchen laut derselben Fachinformation 10 bis 20 Tage.

Meine langjährige Erfahrung sagt: Der häufigste Fehler ist das vorzeitige Absetzen, weil die Haut ja schon besser aussieht. Wie ein Kombipräparat funktioniert, erklärt Amoxiclav für Hunde.

Fazit: Bei der Pyodermie hängt das Vorgehen von der Form ab. Oberflächliche, lokal begrenzte Formen behandeln 49 Prozent der befragten Tierärzte mit einer lokalen Antibiose, 45 Prozent lediglich antiseptisch. Tiefe oder großflächige Formen behandeln 92 Prozent systemisch, am häufigsten mit Aminopenicillinen. Ein Antibiogramm lassen 81 Prozent vorab nie oder selten anfertigen, seit der TÄHAV-Novelle 2018 gilt es für bestimmte Wirkstoffgruppen aber als Pflicht. Entscheidend bleibt der Kernsatz der Studie: Solange der Auslöser bleibt, kann eine antibiotische Behandlung nicht erfolgreich sein.

Häufige Fragen zur Pyodermie beim Hund

Was ist eine Pyodermie?

Eine bakterielle Hautinfektion. Unterschieden wird zwischen oberflächlichen, lokal begrenzten Formen und tiefen oder großflächigen Formen.

🔴 Braucht jede Pyodermie ein Antibiotikum?

Nein. In einer Befragung Berliner Tierärzte gaben 45 Prozent an, oberflächliche Formen lediglich antiseptisch zu behandeln.

Wie wird oberflächlich behandelt?

Etwa die Hälfte der Befragten setzt eine lokale Antibiose ein, die andere Hälfte behandelt nur antiseptisch — also mit desinfizierenden Mitteln.

Wie wird tief oder großflächig behandelt?

92 Prozent der befragten Tierärzte behandeln solche Fälle mit einem Antibiotikum, das der Hund über Maul oder Spritze bekommt.

Welche Wirkstoffgruppen kommen dabei zum Einsatz?

Am häufigsten Aminopenicilline mit 67 Prozent, danach Cephalosporine der ersten Generation mit 28 Prozent.

🔴 Warum kommt die Pyodermie immer wieder?

Weil die Ursache nicht behoben wurde. Die befragten Tierärzte beschreiben die Pyodermie ausdrücklich als ganzheitliches Problem des Tieres.

Wird vorher ein Antibiogramm gemacht?

Meist nicht. 81 Prozent der Befragten ließen vor der Therapie nie oder nur selten eines anfertigen.

Gibt es bei Pyodermien ein Resistenzproblem?

Nach Einschätzung der Befragten nicht zunehmend: 76 Prozent stellten keine vermehrten Resistenzen fest. Ein Viertel berichtete allerdings von mangelndem Therapieerfolg.

Was hat die TÄHAV-Novelle geändert?

Seit 2018 gilt eine Antibiogrammpflicht für Cephalosporine der dritten und vierten Generation sowie für Fluorchinolone.

Wie lange dauert eine Behandlung?

Die Fachinformation eines zugelassenen Präparats nennt in den meisten Fällen fünf bis sieben Tage, bei chronischen Hautinfektionen 10 bis 20 Tage.

🔴 Darf ich die Kur früher beenden?

Nein. Die Haut sieht meist besser aus, lange bevor die Infektion weg ist — die Dauer legt die Praxis fest.

Was kann ich selbst tun?

Die Grunderkrankung mit abklären lassen, das Fell an betroffenen Stellen sauber und trocken halten und die verordnete Anwendung konsequent durchziehen.

Quellen

Über den Autor

Kevin Roth, Co-Gründer von Lucky Pets

Kevin Roth

Co-Gründer von Lucky Pets

Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.

Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.

Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Welche Behandlung für deinen Hund passt, entscheidet die Praxis nach Befund.