Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 26.08.2026 · Lesezeit: 9 Minuten
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Schlappohr ist ein Hängeohr, das den Eingang zum Gehörgang abdeckt.
- Die Ohrform steht im Rassestandard, genauso verbindlich wie Größe und Farbe.
- Unter einem anliegenden Ohr bewegt sich weniger Luft als unter einem stehenden.
- In den Gehörgang gehört nichts hinein, was du selbst hineingibst.
Zwei weiche Lappen, die bei jedem Schritt mitwippen. Bei vielen Hunden fällt das Ohr nach unten und legt sich wie ein Deckel über den Eingang zum Gehörgang. Das wirkt gemütlich. Einen handfesten Hintergrund hat diese Ohrform trotzdem.
Die kurze Antwort
Ein Schlappohr ist ein Hängeohr, das nach unten fällt, seitlich am Kopf liegt und dabei den Eingang zum Gehörgang abdeckt.
Der entscheidende Punkt
Die Ohrform ist keine Laune der Natur, sondern steht in den Rassestandards genauso verbindlich festgeschrieben wie Widerristhöhe und Fellfarbe.

Was ein Schlappohr eigentlich ist
Schlappohr ist das Alltagswort, in den Rassestandards heißt dieselbe Form Hängeohr. Züchter sprechen zusätzlich vom Behang, also vom herabhängenden Teil des Ohrleders.
Gemeint ist immer dieselbe Bauform: Das Ohr steht nicht aufrecht, sondern fällt nach unten und legt sich seitlich an den Kopf des Hundes.
Der untere Rand des Ohrleders reicht dabei über den Eingang zum Gehörgang, weshalb du von außen nur wenig von dem erkennst, was darunter liegt.
Wie sich diese Form von Stehohr und Rosenohr unterscheidet, steht in Rosenohren beim Hund. Hier geht es nur um das eine Ohr, das hängt.
Der Dackel zeigt, wie genau das festgeschrieben ist
Beim Dackel steht die Ohrform Wort für Wort im FCI-Standard Nr. 148. Der Abschnitt zu den Ohren liest sich im Original so.
„Hoch, nicht zu weit vorne angesetzt, ausreichend lang, bis zum Beginn der Lippen reichend, aber nicht viel länger, abgerundet, beweglich, mit dem vorderen Saum dicht an der Wange anliegend".
Das ist keine grobe Richtung, sondern eine Beschreibung bis ins Detail: Länge, Ansatz, Rundung, sogar wie dicht der vordere Rand an der Wange anliegen soll.
Der Dackel stammt aus Deutschland, seine Verwendung beschreibt der Standard als Jagdhund über und unter der Erde. Die FCI führt ihn in Gruppe 4.
Der Gegenpol: das Stehohr beim Deutschen Spitz
Beim Deutschen Spitz verlangt der Standard das genaue Gegenteil. Die kleinen Ohren sind dort „relativ nahe beieinander, hoch angesetzt und dreieckig zugespitzt".
Und weiter: „sie werden immer aufrecht mit steifer Spitze getragen".
Aufrecht bedeutet hier wirklich aufrecht, denn ein Ohr, das sich nicht vollständig aufrichtet, führt derselbe Rassestandard ausdrücklich unter den Fehlern auf.
Der Spitz kommt ebenfalls aus Deutschland, sein Standard beschreibt ihn als Wach- und Begleithund. Bei der FCI steht er in Gruppe 5, Sektion 4 der europäischen Spitze.
Besonders spannend wird dieser Rassestandard bei den Größenangaben, weil ein einziger Rassename gleich fünf verschiedene Schläge umfasst.
Vom kleinsten bis zum größten Schlag bleibt das Ohr unverändert aufrecht, weshalb die Ohrform mit der Körpergröße erkennbar nichts zu tun hat.
Warum Hunde überhaupt Hängeohren tragen
Ein Blick auf die ursprünglichen Arbeitsaufgaben hilft weiter, denn Hängeohren findest du auffällig oft bei Rassen, die mit der Nase dicht am Boden arbeiten.
Der Dackel ist so ein Fall, weil er unter der Erde arbeitet, in engen Röhren, dicht an Wurzeln und Steinen vorbei.
Ein Ohr, das dabei nach unten fällt, liegt wie ein Deckel über der Öffnung, sodass Erde, Pflanzenteile und Staub eher draußen bleiben.
Belegen lässt sich diese Erklärung aus den Rassestandards allerdings nicht. Dort steht ausschließlich, wie das Ohr auszusehen hat. Die Begründung dafür bleibt offen.
Ich halte sie trotzdem für einleuchtend. Wer einmal beobachtet hat, wie ein Dackel kopfüber in einer engen Röhre verschwindet, versteht den praktischen Nutzen sofort.
Die Kehrseite: unter dem Ohr bewegt sich wenig Luft
Ein Deckel hält Schmutz zuverlässig draußen, genauso zuverlässig hält er allerdings die frische Luft ab.
Unter einem anliegenden Ohr zirkuliert weniger Luft als unter einem aufgestellten, weshalb Wärme und Feuchtigkeit dort länger stehen bleiben. Das ist schlicht die Bauform.
Ein Urteil über die Rasse steckt darin nicht, denn wie häufig daraus tatsächlich ein Problem entsteht, sagt dir niemand seriös in einer einzigen Prozentzahl.

Aus meiner Erfahrung reicht es völlig, diesen einen Gedanken im Kopf zu behalten. Ein hängendes Ohr braucht etwas mehr Aufmerksamkeit als ein stehendes.
Was das für die Pflege bedeutet
Der wichtigste Moment kommt unmittelbar nach dem Wasser, denn nach jedem Schwimmen und nach jedem Baden gehört das Ohr von außen gründlich abgetrocknet.
Nimm dafür ein weiches Tuch, heb den Behang an, tupfe die Ohrmuschel trocken. Den Gehörgang selbst lässt du dabei vollständig in Ruhe.
Wie du deinen Hund sicher ans Wasser gewöhnst, steht in Hund schwimmen lernen.
Der zweite Moment kommt nach dem Spaziergang, denn im Sommer gehören die Ohrtaschen kurz durchgesehen, besonders nach einer Runde durch hohes Gras.
Grannen, also die harten Spitzen reifer Grasähren, hängen sich gern ins Fell und wandern weiter. Was daraus werden kann, steht in Grannen beim Hund.
Der dritte Punkt ist der einfachste von allen, weil du dafür nur regelmäßig hineinschauen und kurz daran riechen musst.
Mein Tipp: Häng die Ohrkontrolle an eine Kuschelrunde. Ohr anheben, hineinschauen, kurz riechen — das dauert keine zehn Sekunden.
Auffällig ist alles, was gestern noch nicht vorhanden war: ein dunkler Belag, ein strenger Geruch, gerötete Haut am Übergang zum Kopf.
Ohrmilben: eine Spur, die du kennen solltest
Ein Grund für Ärger im Gehörgang sind Ohrmilben, fachlich Otodectes-Milben genannt. Sie kommen beim Hund und auch bei Katzen vor.
Diese Milben leben im Ohr, genauer gesagt im äußeren Gehörgang. Ein Befall führt deshalb zu einer Entzündung des Gehörgangs, die meist mit starkem Juckreiz und häufigem Ohrenschütteln einhergeht.
Typisch sind braune, kaffeesatzartige Beläge, während die Milben selbst als kleine weiße Pünktchen im Gehörgang erkennbar werden.
Weil sie schon mit bloßem Auge erkennbar sind, fällt die Diagnose meist leicht. Das unterscheidet Ohrmilben deutlich von den Milbenarten, die tief in der Haut sitzen.
Für Menschen sind Ohrmilben beim Hund nur selten ansteckend, aussitzen solltest du einen Befall deswegen trotzdem nicht.
Mehr zu Befall und Behandlung steht in Ohrmilben bei Hunden.
Juckt das Ohr ohne Milben, kommen andere Ursachen infrage. Die sammelt Juckende Ohren beim Hund.
Was du auf keinen Fall tun solltest
In den Gehörgang gehört nichts hinein, was du selbst dort hineingibst: kein Öl, kein Essigwasser, kein Kamillentee.
Der Grund liegt im Bau des Ohrs. Der Gehörgang beim Hund verläuft gewinkelt: erst ein Stück senkrecht nach unten, dann im Bogen nach innen.
Was ganz unten liegt, siehst du von außen niemals, weshalb dir das Trommelfell vollständig verborgen bleibt.
Flüssigkeit sammelt sich in diesem Winkel und findet von allein kaum wieder heraus. Genau das macht Hausmittel im Ohr so heikel.

Wattestäbchen sind noch eine Stufe schlimmer, weil sie vorhandenen Belag weiter nach unten schieben, statt ihn herauszubefördern.
Mein Rat dazu ist unbequem, aber kurz: Alles, was tiefer als die Ohrmuschel reicht, übernimmt die Tierarztpraxis.
Wann dein Hund in die Praxis gehört
Es gibt Anzeichen, bei denen du nicht lange abwarten musst. Erkennen kannst du sie ohne jede Vorkenntnis.
Ab in die Praxis, wenn
- dein Hund den Kopf schüttelt oder ihn schief hält
- aus dem Ohr ein strenger Geruch kommt
- du dunkles Sekret oder braunen Belag siehst
- er beim Anfassen des Ohrs zusammenzuckt oder wegzieht
Meine Regel dazu ist denkbar simpel: lieber einmal zu früh in der Tierarztpraxis anrufen als einen Tag zu lange zuschauen.
So gehst du im Alltag damit um
Meine langjährige Erfahrung mit Hundehaltern zeigt vor allem eines. Kaum jemand weiß, dass die Ohrform genauso verbindlich im Rassestandard steht wie die Widerristhöhe.
Ich finde das ziemlich schade, denn wer den Standard seiner Rasse einmal in Ruhe liest, versteht den eigenen Hund anschließend ein Stück besser.
Fazit: Ein Schlappohr ist eine festgeschriebene Ohrform, keine Laune der Natur. Es hält Schmutz vom Gehörgang fern und lässt dabei weniger Luft heran. Für dich heißt das drei Dinge: nach dem Wasser abtrocknen, nach dem Spaziergang durchsehen, regelmäßig riechen. Tiefer als die Ohrmuschel greift nur die Praxis.
Häufige Fragen zu Schlappohren beim Hund
Was ist ein Schlappohr beim Hund?
Ein Hängeohr, das nach unten fällt und sich seitlich an den Kopf legt, wodurch es den Eingang zum Gehörgang abdeckt.
Steht die Ohrform wirklich im Rassestandard?
Ja. Beim Dackel verlangt der FCI-Standard Ohren, die bis zum Beginn der Lippen reichen, aber nicht viel länger sind.
Welche Rasse steht für das Gegenteil?
Der Deutsche Spitz, dessen kleine Ohren hoch angesetzt sind und laut Rassestandard immer aufrecht mit steifer Spitze getragen werden.
Warum haben manche Hunde Hängeohren?
Sie gehören auffällig oft zu Rassen, die mit der Nase am Boden arbeiten, weil ein herabhängendes Ohr Schmutz vom Gehörgang fernhält.
Sind Schlappohren ein Nachteil?
Unter einem anliegenden Ohr bewegt sich weniger Luft, mehr lässt sich seriös nicht sagen, weil belastbare Häufigkeitszahlen dazu fehlen.
Wie oft soll ich die Ohren anschauen?
Nimm es dir regelmäßig vor, zum Beispiel bei einer Kuschelrunde: Ohr anheben, hineinschauen, kurz daran riechen.
Muss ich die Ohren nach dem Schwimmen abtrocknen?
Ja, allerdings ausschließlich von außen: Tupfe die Ohrmuschel trocken und lass den Gehörgang selbst vollständig in Ruhe.
Darf ich Öl oder Kamillentee ins Ohr geben?
Nein. Der Gehörgang verläuft gewinkelt und das Trommelfell siehst du nicht, weshalb Flüssigkeit von allein kaum wieder herausfindet.
Schlappohren: Sind Wattestäbchen erlaubt?
Nein, weil sie vorhandenen Belag tiefer nach unten schieben, statt ihn herauszubefördern.
Schlappohren: Woran erkenne ich Ohrmilben?
Braune, kaffeesatzartige Beläge im Gehörgang gelten als typischer Hinweis. Die Milben selbst zeigen sich als kleine weiße Pünktchen.
Sind Ohrmilben auf Menschen übertragbar?
Ohrmilben beim Hund sind für Menschen laut ESCCAP nur selten ansteckend.
Wann muss ich in die Praxis?
Bei Kopfschütteln, Schiefhaltung des Kopfes, strengem Geruch, dunklem Sekret oder Schmerzäußerungen beim Anfassen des Ohrs.
Quellen
- FCI-Standard Nr. 148 – Dachshund, deutsche Fassung (PDF)
- FCI-Standard Nr. 97 – Deutsche Spitze, deutsche Fassung (PDF)
- ESCCAP Deutschland – Milben beim Hund
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Über den Autor

Kevin Roth
Co-Gründer von Lucky Pets
Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.
Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.
Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Kopfschütteln, strengem Geruch oder dunklem Sekret gehört dein Hund in die Praxis.
