Untertemperatur beim Hund: ab wann es ein Notfall ist

Untertemperatur beim Hund: ab wann es ein Notfall ist

Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 27.08.2026 · Lesezeit: 9 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Normal sind beim Hund rektal 37,5 bis 39,2 Grad.
  • Unter 37,5 Grad ist ein Notfall. Unter 38 Grad ist ein Anruf fällig.
  • Zittern ist kein verlässliches Zeichen für Unterkühlung.
  • Aufwärmen immer langsam: erst trocknen, dann warm, nie heiß.

Untertemperatur beim Hund heißt, dass seine innere Körpertemperatur unter den Normalbereich gerutscht ist. Der Fachbegriff dafür lautet Hypothermie. Anders als beim Fieber merkst du davon oft lange nichts.

Die kurze Antwort

Miss rektal. Liegt der Wert unter 37,5 Grad, rufst du an und fährst los. Zwischen 37,5 und 38 Grad rufst du an und beschreibst den Zustand. Ab 38 Grad ist dein Hund im Normalbereich.

Der Fehler, der am meisten kostet

Zu schnelles Aufwärmen. Heizkissen auf höchster Stufe, heißes Wasser, kräftiges Reiben — das alles macht die Lage schlechter statt besser. Warm heißt handwarm.

Welche Temperatur beim Hund normal ist

Zahlen helfen hier mehr als Gefühl. Für den Hund nennt die Referenztabelle des MSD Veterinary Manual einen rektalen Bereich von 37,5 bis 39,2 Grad.

Enger fasst es die Universitätsklinik für Kleintiere der Vetmeduni Wien: große Hunde 38 bis 38,5 Grad, kleine Hunde 38,5 bis 39 Grad.

Beide Angaben widersprechen sich nicht. Die eine beschreibt, was überhaupt vorkommt. Die andere beschreibt, wo dein Hund im Alltag liegen sollte.

Für dich heißt das zweierlei. Unter 38 Grad wird es auffällig. Unter 37,5 Grad ist dein Hund aus dem Normalbereich heraus.

Dieselbe Klinik hält fest, dass Werte unter 38 Grad auf Erkrankungen hindeuten können, unter anderem auf Durchfälle sowie auf Unterkühlung.

Das Gegenstück nach oben ist Fieber. Wo dessen Grenzen liegen, steht in Fieber bei Hunden.

Wacher Border Collie sitzt aufmerksam im Schnee
Wacher Border Collie sitzt aufmerksam im Schnee Foto: Maurizio Ceol / Wikimedia Commons, CC BY 3.0
Gemessener Wert Was das bedeutet Was du tust
Gemessener Wert38,0 bis 39,0 Grad Was das bedeutetNormalbereich für den Alltag Was du tustnichts, weiter beobachten
Gemessener Wert37,5 bis 37,9 Grad Was das bedeutetunter dem Alltagsbereich Was du tustnachmessen, in der Praxis anrufen
Gemessener Wertunter 37,5 Grad Was das bedeutetunter dem Normalbereich des Hundes Was du tustanrufen und sofort losfahren
Gemessener Wertunter 37,5 Grad plus Wärmeverlust Was das bedeutetnass, kalt, windig, lange draußen Was du tusttrocknen, warm einpacken, losfahren
Gemessener Wertunter 37,5 Grad plus Bewusstsein trübe Was das bedeutetKreislauf betroffen Was du tustnicht aufregen, sofort in die Klinik

Einordnung nach der Referenztabelle des MSD Veterinary Manual und den Vitalwerten der Vetmeduni Wien, abgerufen am 27.08.2026.

So misst du richtig

Ein Griff an die Ohren sagt dir nichts. Kalte Ohren hat auch ein gesunder Hund nach dem Spaziergang. Gemessen wird rektal.

Nimm ein digitales Veterinär-Thermometer. Die Vetmeduni beschreibt den Griff genau: schräg im After anlegen, damit die Spitze Kontakt zur Schleimhaut bekommt.

Ein bisschen Vaseline erleichtert das Einführen. Zwei Zentimeter reichen bei einem mittelgroßen Hund völlig aus.

Bei einem auffälligen Wert misst du ein zweites Mal. Auch das steht dort ausdrücklich. Ein einzelner Wert ohne Kontrolle führt schnell in die falsche Richtung.

Notiere Uhrzeit und Wert. Aus meiner Erfahrung heraus erinnert sich am Telefon niemand mehr an die genaue Zahl, sobald es hektisch wird.

Mein Tipp: Miss deinem gesunden Hund an drei ruhigen Abenden die Temperatur und schreib die Werte ins Handy. Damit kennst du seinen persönlichen Normalwert — und im Ernstfall siehst du eine Abweichung, die kein Referenzbereich der Welt dir zeigt.

Woran du Unterkühlung erkennst

Die Zeichen sind still. Das MSD Veterinary Manual nennt einen langsamen Puls, flache Atmung, Verwirrtheit, einen Zusammenbruch sowie Bewusstlosigkeit.

Ein Punkt daraus überrascht die meisten Halter. Zittern gilt dort ausdrücklich als kein verlässliches Zeichen für Unterkühlung.

Das ergibt Sinn, wenn man es einmal durchdenkt. Zittern ist Muskelarbeit. Ein stark ausgekühlter Körper hat dafür irgendwann keine Reserve mehr.

Wer die vielen anderen Gründe fürs Zittern sortieren will, findet sie in Hund zittert.

Wacher Golden Retriever steht im Schnee
Wacher Golden Retriever steht im Schnee Foto: Lub0t / Wikimedia Commons, CC BY 3.0

Schau dazu auf das Zahnfleisch. Blass deutet nach den Vitalwerten derselben Wiener Klinik auf eine Durchblutungsstörung hin — mehr dazu in Blasse Schleimhäute beim Hund.

Warum Kälte nicht die einzige Ursache ist

Der klassische Fall ist der offensichtliche: nasses Fell, Wind, lange draußen, kleiner Hund. Das MSD-Handbuch beschreibt Unterkühlung genau so, als Folge von Kälte.

Der zweite Fall ist der stille. Ein Hund liegt zu Hause im Warmen und hat trotzdem 37,2 Grad. Dann kommt die Kälte nicht von außen.

Die Vetmeduni nennt für Werte unter 38 Grad ausdrücklich Durchfälle als möglichen Grund. Ein Hund, der viel Flüssigkeit verliert, verliert auch Wärme.

Was ich sonst noch als Auslöser kenne, sind starker Blutverlust, ein einbrechender Kreislauf sowie die Stunden nach einer Narkose. Das sind Beobachtungen aus dem Alltag, keine Zahlen aus einer der hier genannten Quellen.

Für dich ändert das nichts an der Reihenfolge. Erst messen, dann anrufen, dann fahren. Die Ursache klärt die Praxis.

Bei diesen Werten fährst du sofort los

  • Das Thermometer zeigt zweimal hintereinander unter 37,5 Grad.
  • Dein Hund reagiert verlangsamt, wirkt verwirrt oder ist nicht mehr richtig wach.
  • Die Atmung ist flach, der Puls auffallend langsam.
  • Das Zahnfleisch ist blass und färbt sich nach dem Drücken langsamer als in zwei Sekunden zurück.
  • Er war lange nass draußen und lässt sich nicht mehr aufrichten.

Ruf vorher an. Die Vetmeduni bittet ausdrücklich darum, das Tier telefonisch anzumelden — dann steht die Wärmezufuhr bereit, wenn du ankommst.

Was du in den ersten Minuten tust

Zuerst raus aus der Kälte. Rein ins Warme, weg vom Wind, weg vom kalten Boden.

Ist dein Hund nass, trocknest du ihn ab. Nasses Fell zieht weiter Wärme ab, jede Decke darüber bringt vorher nichts.

Danach kommt die Wärme von außen. Das Handbuch nennt warme Wärmflaschen, die du um den Körper legst. Warm heißt dabei ausdrücklich nicht heiß.

Leg immer ein Handtuch dazwischen. Ein ausgekühlter Hund spürt Hitze schlechter und zieht sich sonst eine Verbrennung zu, ohne sich zu wehren.

Bei Verdacht auf Erfrierungen an Ohren, Rute oder Pfoten gilt dieselbe Regel noch strenger: langsam auftauen, nicht reiben, kein Schnee, kein sehr heißes Wasser.

Bewegt wird so wenig wie möglich. Wie du einen geschwächten Hund transportierst, steht in Erste Hilfe beim Hund.

Welpen und kleine Hunde kühlen schneller aus

Bei ganz jungen Welpen ist die Wärmeregulation noch nicht fertig. LABOKLIN beschreibt, dass sie sich erst bei älteren Welpen vollständig ausbildet.

Wacher weißer Hund wird mit dem Stethoskop untersucht
Wacher weißer Hund wird mit dem Stethoskop untersucht Foto: Nenad Stojkovic / Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Deshalb ist eine abgesunkene Körpertemperatur beim Neugeborenen kein Randbefund. Sie öffnet Infektionen die Tür, die einen älteren Hund kaum umwerfen.

Bei kleinen erwachsenen Hunden liegt es an der Bauform. Ein kleiner Körper hat im Verhältnis zu seinem Gewicht viel mehr Oberfläche als ein großer.

Über diese Oberfläche geht Wärme verloren. Ein Chihuahua kühlt bei demselben Wetter schneller aus als ein Berner Sennenhund. Meine langjährige Erfahrung mit kleinen Hunden im Winter deckt sich damit.

Wie lange ein Hund bei welchem Wetter draußen bleiben sollte, steht in Winterspaziergänge mit dem Hund.

Fazit: Untertemperatur beim Hund ist keine Frage des Gefühls, sondern eine Frage von zwei Zahlen. Unter 38 Grad rufst du an, unter 37,5 Grad fährst du. Wärme deinen Hund dabei langsam auf, denn schnell heißt hier gefährlich.

Häufige Fragen zur Untertemperatur beim Hund

Was ist Untertemperatur beim Hund?

Eine innere Körpertemperatur unterhalb des Normalbereichs. Der Fachbegriff dafür lautet Hypothermie.

Welche Temperatur ist beim Hund normal?

Das MSD Veterinary Manual gibt für den Hund rektal 37,5 bis 39,2 Grad an. Die Vetmeduni Wien nennt 38 bis 38,5 Grad für große und 38,5 bis 39 Grad für kleine Hunde.

Ab wann wird es gefährlich?

Unter 37,5 Grad liegt dein Hund unterhalb des Normalbereichs. Das ist ein Notfall. Schon unter 38 Grad lohnt der Anruf in der Praxis.

Untertemperatur: Wie messe ich richtig?

Mit einem digitalen Veterinär-Thermometer, schräg im After angelegt, damit es Kontakt zur Schleimhaut bekommt. Bei einem auffälligen Wert misst du ein zweites Mal.

Ist Zittern ein sicheres Zeichen?

Nein. Das MSD-Handbuch hält ausdrücklich fest, dass Zittern kein verlässliches Zeichen für Unterkühlung ist. Ein Hund kann stark unterkühlt sein und trotzdem nicht zittern.

Woran erkenne ich es sonst?

An einem langsamen Puls, an flacher Atmung, an Verwirrtheit, an einem Zusammenbruch oder an Bewusstlosigkeit.

Wie wärme ich meinen Hund auf?

Langsam. Ist er nass, trocknest du ihn zuerst ab. Dann legst du warme, nicht heiße Wärmflaschen um seinen Körper.

Warum darf es nicht schnell gehen?

Weil schnelles Aufwärmen von außen den Kreislauf zusätzlich belastet. Bei Verdacht auf Erfrierungen sagt dieselbe Quelle klar: langsam auftauen, nicht reiben, kein Schnee, kein sehr heißes Wasser.

Kommt Untertemperatur nur von Kälte?

Nein. Die Vetmeduni Wien nennt für Werte unter 38 Grad auch Durchfälle als Ursache. Dazu kommt alles, was den Kreislauf schwächt.

Warum kühlen Welpen schneller aus?

Weil ihre Wärmeregulation noch nicht fertig ist. LABOKLIN beschreibt, dass sie sich erst bei älteren Welpen vollständig ausbildet.

Und kleine Hunde?

Ein kleiner Körper hat im Verhältnis zu seinem Gewicht viel mehr Oberfläche. Über diese Oberfläche geht Wärme verloren, deshalb geht es bei ihnen schneller.

Was sage ich am Telefon?

Den gemessenen Wert, die Uhrzeit der Messung, die Farbe der Schleimhäute und wie ansprechbar dein Hund ist.

Quellen

Über den Autor

Kevin Roth, Co-Gründer von Lucky Pets

Kevin Roth

Co-Gründer von Lucky Pets

Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.

Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.

Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Eine Körpertemperatur unter 37,5 Grad, ein getrübtes Bewusstsein oder blasse Schleimhäute gehören ohne Umweg in eine Klinik.