Hund leckt sich ständig die Pfoten: woran es liegen kann

Hund leckt sich ständig die Pfoten: woran es liegen kann

Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 26.08.2026 · Lesezeit: 9 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Putzen ist normal. Auffällig wird es, wenn es nicht mehr aufhört.
  • Drei Richtungen kommen infrage: Juckreiz, Schmerz oder Unterforderung.
  • Die körperlichen Ursachen gehören zuerst abgeklärt.
  • Kahle Stellen oder offene Haut gehören in die Sprechstunde.

Erst ist es ein kurzes Schlecken nach dem Spaziergang. Dann liegt dein Hund abends da und leckt. Immer dieselbe Pfote. Irgendwann hörst du das Geräusch schon, bevor du überhaupt hinsiehst.

Die kurze Antwort

Dauerndes Lecken an den Pfoten hat meistens einen körperlichen Anlass. Der Kopf kommt erst danach infrage.

Der entscheidende Punkt

Lass zuerst Juckreiz und Schmerz abklären. Über Beschäftigung redest du danach.

Wann Putzen normal ist

Hunde putzen sich — nach dem Regen, nach dem Feld, nach einem ausgiebigen Sprung in den Bach. Das gehört zum normalen Verhalten dazu.

Wacher grauer Hund liegt ruhig im Gras
Wer seinen Hund in Ruhe beobachtet, merkt Veränderungen früher. Foto: Kreuzschnabel / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Auffällig wird es an vier Punkten. Das Lecken hört gar nicht mehr auf. Es trifft immer dieselbe Stelle, oft eine einzige Zehe. Das Fell verfärbt sich. Oder die Haut geht auf.

Aus meiner Erfahrung bemerken Halter diesen Übergang ziemlich spät. Das Lecken schleicht sich über Wochen ein — es wird nicht plötzlich schlimm, sondern ganz langsam mehr.

Eine Abgrenzung vorab. Leckt dein Hund sich ständig über die eigene Nase, geht es um ein anderes Thema — nachzulesen in Warum leckt mein Hund ständig die Nase. In diesem Ratgeber geht es ausschließlich um Pfoten und Vorderbeine.

Drei Richtungen, mehr gibt es nicht

Alles, was ein Hund an seinen Pfoten treibt, führt auf drei Anlässe zurück. Es juckt. Es tut weh. Oder der Kopf hat nichts zu tun.

Diese Reihenfolge ist keine Geschmacksfrage. Sie ist die Reihenfolge, in der abgeklärt wird — die gleiche Logik wie bei Juckreiz beim Hund.

Richtung Woran du es merkst Wohin es gehört
RichtungEs juckt Woran du es merkstkratzt auch woanders, Haut gerötet Wohin es gehörtHautuntersuchung
RichtungEs tut weh Woran du es merkstlahmt, zuckt beim Anfassen der Pfote Wohin es gehörtPfote und Gelenk abtasten lassen
RichtungDer Kopf Woran du es merkstleckt in Ruhephasen, hört bei Ansprache auf Wohin es gehörterst nach der körperlichen Abklärung

Richtung eins: Es juckt

Juckt es, leckt der Hund: So kurz ist dieser Zusammenhang. Die Pfote ist dabei nur die Körperstelle, an die er am bequemsten herankommt.

Milben

Beim Hund kommen mehrere Milbenarten vor. ESCCAP Deutschland zählt Haarbalg-Milben, Grabmilben, Ohrmilben, Pelzmilben, Herbstgrasmilben und Nasenmilben auf. Notoedres-Milben bleiben beim Hund selten, sie sitzen überwiegend auf Katzen.

Für die Pfoten ist eine bestimmte Art besonders interessant. Herbstgrasmilben befallen alle bodennahen Körperregionen, besonders die Pfoten sowie auch Brust und Bauch. Es sind rostrote Milben, bei denen ausschließlich das Larvenstadium als Parasit lebt.

Grabmilben graben Gänge in die oberen Hautschichten. Dazu gehören heftiger Juckreiz und krustige Hautbeläge an Ohr, Schnauze und Bauch sowie an Ellbogen- und Sprunggelenken.

Wacher braun-weißer Hund liegt entspannt im Gras
Entspannt liegen und nichts zu tun haben sind zwei verschiedene Dinge. Foto: Kolforn / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Pelzmilben werden bis zu einem halben Millimeter groß. Als weißliche Pünktchen sind sie deshalb mit bloßem Auge zu erkennen, wenn man genau hinsieht. Nasenmilben messen einen Millimeter und mehr. Sie rufen meist Juckreiz hervor und damit häufiges Niesen.

Haarbalgmilben, auch Demodex genannt, leben in dem Teil des Haares, der die Haarwurzel umschließt. Trockene, schuppige, teils haarlose Stellen an Schnauze, Augenlidern, Stirn und Ohren sprechen für sie. Ohrmilben dagegen sitzen im äußeren Gehörgang. Sie machen starken Juckreiz und häufiges Ohrenschütteln.

Nachweisen lässt sich das alles nicht am Küchentisch. Die Tierärztin entnimmt eine Hautprobe aus einer betroffenen Stelle, ein sogenanntes Hautgeschabsel. Sie schabt mit einer Skalpellklinge vorsichtig etwas von der Hautoberfläche ab und betrachtet die Probe anschließend unter dem Mikroskop. Welche Art wie aussieht, steht in Milben beim Hund.

Mein Rat dazu ist unspektakulär: Wenn du an Parasiten denkst, geh damit in die Sprechstunde. Rätselraten kostet nur unnötig Zeit.

Allergien

Bei einer Allergie reicht ein Testergebnis allein nicht aus. Das Labor LABOKLIN schreibt dazu: Die Diagnose Allergie ist eine klinische Diagnose, die insbesondere auf eine gründliche Anamnese aufbaut.

Anamnese ist das Fachwort für Vorgeschichte. Seit wann leckt dein Hund? Zu welcher Jahreszeit? Was steht im Futternapf? Was hat sich zu Hause verändert?

Die Testung selbst läuft in zwei Stufen: Am Anfang steht ein Screening-Test. Passen Vorgeschichte und Beschwerden dazu, folgt in der Regel ein Haupttest, der die einzelnen Allergene auseinandersortiert.

Für das Futter gibt es eigene Tests, beim selben Labor für Hund, Katze und Pferd. Was so ein Test leisten kann und was nicht, steht in Futterallergie beim Hund.

Meine langjährige Erfahrung mit solchen Fällen geht in eine klare Richtung. Die Vorgeschichte trägt mehr als das Blatt aus dem Labor. Ohne sie ist ein Testwert nur eine Zahl ohne Zusammenhang.

Richtung zwei: Es tut weh

Ein Hund beleckt die Stelle, die ihm wehtut — das ist der ganze Mechanismus dahinter. Sagen, wo es zwickt, kann er schließlich nicht.

Zwischen den Zehen steckt schnell etwas fest: ein Splitter, ein Halm, ein kleiner Stein. Groß muss so ein Ding nicht sein, damit es bei jedem Schritt stört.

Wacher Hund wird von einer Tierärztin versorgt
Was hinter dem Lecken steckt, zeigt erst die Untersuchung. Foto: Wikimedia Commons, Public domain

Der Ballen ist die zweite Stelle. Ein Riss, eine Schürfung, eine aufgeweichte Falte zwischen den Zehen — bei schlechtem Licht übersiehst du das leicht.

Manchmal liegt die eigentliche Ursache auch deutlich tiefer. Ein Hund, dem ein Gelenk am Vorderbein zu schaffen macht, beleckt gern genau die Haut darüber — mehr dazu in Arthrose beim Hund.

Ich halte das für die wichtigste Falle. Die beleckte Stelle ist nicht zwangsläufig die kranke Stelle. Deshalb tastet eine Tierärztin das ganze Bein ab, vom Ballen bis hoch zur Schulter.

Richtung drei: Der Kopf hat nichts zu tun

Ein Hund, der sich langweilt, sucht sich selbst eine Beschäftigung — manchmal ist es die eigene Pfote. Das Lecken beruhigt ihn, also wiederholt er die Bewegung.

Bevor du hier nach ausgefallenen Erklärungen suchst, schau auf den Alltag. Wie viel passiert am Tag? Wie viel davon passiert mit dir zusammen?

Die Tierschutz-Hundeverordnung zieht dafür eine Untergrenze ein. Einem Hund ist ausreichend Auslauf im Freien außerhalb eines Zwingers zu gewähren.

Zwei weitere Punkte stehen daneben: Mehrmals täglich gehört Umgang mit der Person dazu, die den Hund hält. Außerdem soll er regelmäßig Kontakt zu Artgenossen bekommen.

Für Welpen bis zwanzig Wochen nennt die Verordnung eine Zahl. Mindestens vier Stunden je Tag Umgang mit einer Betreuungsperson.

Das ist kein Erziehungsprogramm, das ist die gesetzliche Mindestausstattung eines Hundelebens.

Ich schaue an dieser Stelle immer zuerst auf den Tagesablauf. Oft fehlt weniger die Bewegung als die gemeinsame Zeit.

Warum die Reihenfolge zählt

Wer am Verhalten arbeitet, während es juckt oder wehtut, behandelt am Problem vorbei. Der Hund lernt dann höchstens, das Lecken zu verstecken. Der Anlass bleibt.

Deshalb steht der Termin in der Praxis vor jedem Beschäftigungsplan. Erst wenn Haut, Pfote und Gelenk unauffällig sind, ist der Kopf an der Reihe.

Diese Reihenfolge hat einen ganz praktischen Grund. Ein Fremdkörper zwischen den Zehen ist in der Sprechstunde schnell gefunden, ein Beschäftigungsprogramm dagegen verlangt Geduld von euch beiden. Wer hinten anfängt, verschenkt genau diese Zeit.

Ich weiß, dass diese Reihenfolge unbequem klingt — sie erspart dir am Ende trotzdem einige Umwege. Ein Hund, dem etwas zwischen den Zehen steckt, wird von keinem Suchspiel ruhiger.

Was du selbst tun kannst

Vier Dinge helfen, bevor du überhaupt in der Praxis anrufst.

  • Sieh dir die Pfote bei hellem Licht an, nicht abends bei Lampenlicht.
  • Spreiz die Zehen vorsichtig auseinander und schau dazwischen.
  • Notiere, wann dein Hund leckt und wie lange er dabei bleibt.
  • Fotografiere die Stelle, am besten an mehreren Tagen hintereinander.

Diese vier Sachen sind mehr wert, als du vermutlich denkst. In der fremden Sprechstunde leckt sich kaum ein Hund. Deine Fotos zeigen dagegen, was zu Hause tatsächlich passiert.

Nimm deine Aufzeichnungen mit zum Termin. Wann es angefangen hat, ob es nach dem Spaziergang schlimmer wird und ob dein Hund auch woanders kratzt: damit fängt jede vernünftige Untersuchung an.

Was du besser lässt

  • Salben oder Hausmittel auf eigene Faust auftragen. Was drauf ist, verändert das Bild für die Untersuchung.
  • Den Hund nur am Lecken hindern. Der Anlass bleibt bestehen, die Unruhe wächst.

Ob hinter dem Lecken eine Milbe, eine Allergie oder ein Gelenk steckt, klärt sich in der Sprechstunde. Aus der Ferne lässt sich das nicht entscheiden.

Fazit: Ständiges Pfotenlecken ist ein Signal, kein eigenes Krankheitsbild. Geh die drei Richtungen der Reihe nach durch, das Körperliche zuerst. Was am Ende dahintersteckt, sagt dir die Praxis.

Häufige Fragen zum Pfotenlecken

Wie viel Pfotenlecken ist normal?

Kurzes Putzen nach dem Spaziergang gehört dazu. Auffällig wird es, wenn es nicht mehr aufhört.

leckt sich ständig die Pfoten: Woran merke ich, dass es zu viel wird?

An einer immer gleichen Stelle, an verfärbtem Fell oder an offener Haut.

Können Milben die Pfoten betreffen?

Ja. Herbstgrasmilben befallen alle bodennahen Körperregionen, besonders die Pfoten sowie Brust und Bauch.

leckt sich ständig die Pfoten: Wie weist die Praxis Milben nach?

Häufig über ein Hautgeschabsel aus einer betroffenen Stelle. Die Probe kommt danach unter das Mikroskop.

leckt sich ständig die Pfoten: Reicht ein Allergietest als Diagnose?

Nein. Eine Allergie ist eine klinische Diagnose, die vor allem auf einer gründlichen Vorgeschichte aufbaut.

Wie läuft eine Allergietestung ab?

Sie beginnt mit einem Screening-Test. Passen Vorgeschichte und Beschwerden dazu, folgt in der Regel ein Haupttest.

Gibt es eigene Tests für das Futter?

Ja. Futtermittelallergietests werden für Hund, Katze und Pferd angeboten.

leckt sich ständig die Pfoten: Kann Schmerz der Grund sein?

Ja. Etwas zwischen den Zehen, ein verletzter Ballen oder ein Gelenk darunter kommen infrage.

Leckt mein Hund immer dort, wo es wehtut?

Nicht zwingend. Die Ursache kann tiefer liegen als die Stelle, die er beleckt.

leckt sich ständig die Pfoten: Kann Langeweile dahinterstecken?

Ja. Vorher gehören Juckreiz und Schmerz abgeklärt.

Was schreibt die Tierschutz-Hundeverordnung vor?

Auslauf im Freien außerhalb eines Zwingers, mehrmals täglich Umgang mit der Person, die den Hund hält, sowie regelmäßig Kontakt zu Artgenossen.

Darf ich eine Salbe auftragen?

Besser nicht auf eigene Faust. Aufgetragene Mittel verändern das Bild für die Untersuchung.

Quellen

Über den Autor

Kevin Roth, Co-Gründer von Lucky Pets

Kevin Roth

Co-Gründer von Lucky Pets

Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.

Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.

Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Eine Pfote, die kahl wird oder offen ist, gehört zeitnah in die Sprechstunde.