Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 25.08.2026 · Lesezeit: 8 Minuten
Das Wichtigste in Kürze
- Die Hand von oben ist das Problem, nicht die Zuwendung.
- Die TVT unterscheidet vier Absichten eines fremden Hundes.
- Häufigster Fall: Der Hund interessiert sich gar nicht für dich.
- Bei Drohverhalten: Blick abwenden, Arme unten lassen.
Über den Kopf streicheln ist gut gemeint. Für den Hund sieht die Geste aber anders aus, als die meisten annehmen.
Die kurze Antwort
Von oben über den Kopf zu greifen nimmt dem Hund die Sicht und wirkt bedrängend. Seitlich an Brust und Schulter ist die bessere Wahl.
Der entscheidende Punkt
Bei fremden Hunden zählt zuerst, deren Absicht zu erkennen — dafür gibt es eine klare Systematik.
Warum die Hand von oben problematisch ist
Ein Hund sieht eine Hand, die sich von oben nähert, spät und aus ungünstigem Winkel. In der Sekunde, in der sie über den Augen ist, verschwindet sie aus dem Blickfeld.

Dazu kommt die Körperhaltung. Wer sich über einen Hund beugt, um an den Kopf zu kommen, baut sich über ihm auf — genau die Position, die im Hundekontakt Druck signalisiert.
Aus meiner Erfahrung reicht eine kleine Änderung. Die Hand kommt von unten oder seitlich, der Mensch bleibt aufrecht oder geht in die Hocke, ohne sich über den Hund zu beugen. Wer daran arbeiten will, findet die Grundlagen in Erziehung des Hundes.
Praxisempfehlungen. Die Verhaltensregeln für fremde Hunde stammen aus TVT-Merkblatt Nr. 108.
Vier Absichten — und was jeweils zu tun ist
Das Merkblatt Nr. 108 der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz beginnt mit einem Grundsatz: Bei Begegnungen mit einem freilaufenden Hund ist es wichtig, dessen Absichten zu erkennen, um richtig reagieren zu können.
Danach folgt die Sortierung in vier Fälle. Der Hund kann mehr an der Umwelt als am Menschen interessiert sein — laut Merkblatt der häufigste Fall. Er kann Interesse am Menschen zeigen, jagdlich motiviert sein oder etwas verteidigen.

Diese Reihenfolge ist eine Entlastung. Der Normalfall ist nicht Gefahr, sondern Desinteresse. Wie du die Signale im Einzelnen liest, steht in Hundekommunikation.
Fall 1 und 2: Desinteresse und Neugier
Zum ersten Fall schreibt die TVT: Hat der Hund die Nase am Boden, läuft umher, aber nicht direkt auf mich zu? Dann besteht meist keine Gefahr. Ich bleibe gelassen, ignoriere den Hund und gehe ruhig weiter.
Der zweite Fall ist der, in dem viele Menschen zum Streicheln ansetzen. Der Hund kommt auf mich zu, ist aufmerksam, starrt mich aber nicht unentwegt an, wedelt mit der Rute und versucht mich zu beriechen.
Die Empfehlung dazu ist eindeutig: Wer keinen Kontakt möchte, zeigt es dem Hund, indem er sich abwendet und langsam weitergeht. Beriechen zu lassen ist kein Zwang.
Fall 3: Wenn Bewegung Jagdverhalten auslöst
Der dritte Fall betrifft Jogger und Radfahrer. Der Hund verfolgt ein bewegtes Objekt sehr schnell, auf direktem Weg und mit starrem Blick.

Die Bewegung selbst löst das Verhalten aus. Deshalb lautet die Empfehlung: sofort stehenbleiben. Radfahrer halten an, steigen auf der vom Hund abgewandten Seite ab und bringen das Fahrrad zwischen sich und den Hund.
Der Grund steht im Merkblatt: Wenn sich nichts mehr von ihm weg bewegt, verliert der Hund bald das Interesse.
Bei Drohverhalten — die Reihenfolge zählt
- Blick abwenden, nicht zurückstarren.
- Langsam wegdrehen, keine plötzlichen Bewegungen.
- Arme seitlich am Körper lassen — nicht hochreißen.
- Wenn er verbellt: warten, bis der Besitzer kommt.
- Im Notfall etwas hinhalten, in das er beißen kann.
Alle Punkte nach TVT-Merkblatt Nr. 108.
Fall 4: Der Hund verteidigt etwas
Das Merkblatt beschreibt die Situation genau. Man befindet sich in der Nähe eines Grundstücks, plötzlich nähert sich ein Hund. Er macht sich groß, starrt an, zeigt die Zähne, knurrt und stellt die Nackenhaare auf.
Offensichtlich verteidigt dieser Hund sein Territorium, heißt es dazu. Die Reaktion: Ich signalisiere ihm, dass ich keine Bedrohung bin — Blick abwenden, langsam wegdrehen, plötzliche Bewegungen vermeiden, Arme seitlich am Körper lassen.
Die Klammer im Original ist unmissverständlich: nicht hochreißen. Meine langjährige Erfahrung mit Hundebegegnungen bestätigt, dass genau dieser Reflex die Lage verschärft. Ein zweiter Grundsatz aus dem Merkblatt: Ein Grundstück, auf dem ein Hund frei läuft, betrete ich grundsätzlich erst nach Aufforderung des Besitzers. Mehr zum Lesen von Signalen in Sozialisierung von Welpen.
Was Halter dazu beitragen
Die TVT richtet sich im zweiten Abschnitt an die andere Seite. Kommt meinem frei laufenden Hund jemand entgegen — ein Jogger, Skater, Reiter oder Spaziergänger —, rufe ich ihn zu mir. Ich belohne ihn für das Herankommen und nehme ihn an die Leine.
Dann folgt ein Satz, der die Diskussion um „der will nur spielen" beendet: Ich respektiere, dass andere Menschen Angst haben, falsch reagieren können oder einfach keinen Kontakt haben wollen.
Rechtlich flankiert wird das durch das Tierschutzgesetz, das in § 3 den Umgang mit Tieren begrenzt. Für den Alltag zählt aber vor allem die Rückrufsicherheit. Wie du sie aufbaust, steht in Täglicher Auslauf.
Kinder und fremde Hunde
Kinder greifen typischerweise von oben und von vorn — also genau so, wie es der Hund am wenigsten mag. Dazu kommt, dass sie auf Augenhöhe sind.
Ich sehe zwei Regeln, die im Alltag tragen. Erstens: Vor jedem Kontakt den Halter fragen. Zweitens: Der Hund entscheidet, wann Schluss ist — dreht er sich weg, ist der Kontakt beendet. Wie Hunde und Kinder zusammenpassen, steht in Hund und Kind.
Direkte Beißangriffe sind laut TVT zum Glück sehr selten. Die meisten Zwischenfälle entstehen nicht aus Aggression, sondern aus überlesenen Signalen.
Fazit: Über den Kopf zu streicheln nimmt dem Hund die Sicht und baut Druck auf — seitlich an Brust und Schulter kommt die Hand besser an. Bei fremden Hunden gilt zuerst, die Absicht zu erkennen: Die TVT unterscheidet Desinteresse, Neugier, Jagdverhalten und Verteidigung und nennt für jeden Fall eine Reaktion. Der häufigste Fall ist harmlos. Bei Drohverhalten heißt es Blick abwenden, langsam wegdrehen und die Arme unten lassen.
Häufige Fragen zum Umgang mit Hunden
Warum mögen viele Hunde das Streicheln am Kopf nicht?
Die Hand kommt von oben ins Gesichtsfeld — das wirkt bedrängend statt freundlich.
Wo streichelt man stattdessen?
Seitlich an Brust und Schulter. Dort sieht der Hund die Hand kommen und kann ausweichen.
Woran erkenne ich, was ein fremder Hund vorhat?
Die TVT sortiert das in vier Fälle — von Desinteresse bis Verteidigung.
Welcher Fall ist der häufigste?
Dass der Hund mehr an der Umwelt als am Menschen interessiert ist.
Was tue ich, wenn ein Hund schnüffelnd umherläuft?
Gelassen bleiben, den Hund ignorieren und ruhig weitergehen.
Ein Hund kommt wedelnd auf mich zu — und ich will keinen Kontakt?
Abwenden und langsam weitergehen.
Was mache ich, wenn ein Hund mich anstarrt und knurrt?
Blick abwenden, langsam wegdrehen, keine plötzlichen Bewegungen, Arme unten lassen.
Warum die Arme nicht hochreißen?
Das Merkblatt warnt ausdrücklich davor — es verstärkt die Bedrohung.
Was gilt beim Joggen oder Radfahren?
Sofort stehenbleiben — bewegt sich nichts mehr von ihm weg, verliert der Hund bald das Interesse.
Sind Beißangriffe häufig?
Nein. Die TVT nennt direkte Beißangriffe zum Glück sehr selten.
Darf ich ein Grundstück mit freilaufendem Hund betreten?
Grundsätzlich erst nach Aufforderung des Besitzers.
Was ist die Pflicht des Halters?
Hund heranrufen, für das Kommen belohnen und anleinen.
Quellen
- TVT Merkblatt Nr. 108 – Verhalten beim Aufeinandertreffen mit einem freilaufenden Hund
- Tierschutzgesetz § 3 – Verbotene Handlungen
Über den Autor

Kevin Roth
Co-Gründer von Lucky Pets
Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.
Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.
Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche oder verhaltenstherapeutische Beratung.
