Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 28.08.2026 · Lesezeit: 11 Minuten
Das Wichtigste in Kürze
- Für den Whippet gibt es genau einen Rassetest: die Myostatin-Mutation, das „Bully“-Gen.
- Der MDR1-Defekt betrifft ihn nicht — auf der Rasseliste steht der Langhaar-Whippet.
- Bei Narkosen gilt Vorsicht: Windhunde bauen manche Wirkstoffe schlechter ab.
- Hüfte, Herz, Augen, Knochen: Dazu nennt für diese Rasse keine geprüfte Quelle Zahlen.
Whippet Krankheiten stehen im Netz als lange Liste da. Hüfte, Herz, Augen, Haut, Magen, Knochen, Atemwege. Sieben Überschriften, keine Quelle. Ich habe für diesen Beitrag den umgekehrten Weg genommen. Genannt wird nur, was ein Labor für diese Rasse prüft oder was eine Fachredaktion belegt hat.
Die kurze Antwort
Belegt sind drei Dinge. Erstens die Myostatin-Mutation, der einzige Rassetest für den Whippet. Zweitens die Klärung zum MDR1-Defekt: Er betrifft diese Rasse nicht. Drittens das Narkoserisiko der Windhunde durch eine Mutation am Enzym CYP2B11.
Der Punkt, den viele übersehen
MDR1 und Whippet werden ständig zusammen genannt. Gemeint ist dabei der Langhaar-Whippet, eine andere Rasse. Der Whippet nach Standard Nr. 162 steht auf keiner MDR1-Liste.
Warum die üblichen Krankheitslisten nichts taugen
Ratgeber zählen gern sieben Krankheiten auf. Darunter stehen Symptome, Verlauf, Empfehlung. Ein Absender fehlt überall. Aus meiner Erfahrung entstehen solche Listen am Schreibtisch.
Eine Häufigkeit braucht einen Absender. Wie oft eine Rasse erkrankt, weiß man erst, wenn jemand viele Hunde ausgewertet hat.
Für den Whippet fand ich drei belastbare Punkte. Einen Rassetest, eine Klarstellung zu einem bekannten Gendefekt sowie ein Narkosethema, das alle Windhunde betrifft.
Alle drei sind nachprüfbar. Alle drei stehen unten mit Link. Das Gesamtbild der Rasse findest du im Porträt Whippet.

Das „Bully“-Gen: der einzige Rassetest
Ein deutsches Labor bietet für den Whippet genau eine Untersuchung an. Die Myostatin-Mutation wird per Sequenzierung geprüft, das Ergebnis liegt in ein bis zwei Wochen vor.
Myostatin ist ein Eiweiß, das Muskelwachstum bremst. Fällt diese Bremse aus, wächst mehr Muskel als vorgesehen.
Das Labor beschreibt einen klaren Zusammenhang zwischen der Mutation und der Rennleistung. Hunde mit einer Kopie waren deutlich häufiger in der obersten Rennklasse vertreten.
Hunde mit zwei Kopien sehen anders aus. Sie wirken extrem muskulös, ihre Lauffähigkeit ist dabei eingeschränkt.
Dazu kommt ein ungewöhnlicher Körperbau: breiter Kopf, betonter Überbiss, kurze Beine, dickere Taille. Diese Hunde heißen im Sprachgebrauch Bully-Whippets, wegen des Körperbaus, nicht wegen des Wesens.
Was das für die Zucht bedeutet
- Der Erbgang ist autosomal-rezessiv: Zwei Träger können betroffene Welpen bekommen.
- Ein Hund mit einer Kopie ist selbst unauffällig und läuft oft besonders gut.
- Beide Elterntiere sollten getestet sein, wenn im Wurf Renn- oder Sportlinien stecken.
- Ein Befund ohne Datum und Labornamen ist wertlos.
Meine langjährige Erfahrung mit Zuchtunterlagen sagt: Lass dir den Befund zeigen, nicht nur zusammenfassen.
Bemerkenswert ist der letzte Satz des Labors. Diese Mutation wurde in anderen muskulösen Rassen wie Boxer oder Mastiff nicht gefunden. Auch bei Greyhound sowie Afghanischem Windhund fehlt sie.
Der Greyhound ist der größere Verwandte. Sein Porträt steht in Der Greyhound.
MDR1: warum der Whippet nicht betroffen ist
Kaum ein Thema wird beim Whippet so oft falsch wiedergegeben. Die Rasseliste des Labors zur MDR1-Genvariante führt dreizehn Rassen auf. Der Whippet steht nicht darunter.
Aufgeführt sind Australian Shepherd, Bobtail, Border Collie, Collie in beiden Haararten, Deutscher Schäferhund, Elo sowie McNab. Dazu Miniature American Shepherd, Sheltie, Silken Windhound, Weißer Schweizer Schäferhund sowie Wäller.
Der dreizehnte Eintrag sorgt für die Verwechslung. Dort steht Silken Windsprite, in Klammern Langhaar-Whippet. Das ist eine eigene, von der FCI nicht anerkannte Rasse.
Der Unterschied ist wichtig, weil an MDR1 eine echte Gefahr hängt. Betroffene Hunde zeigten schon bei 150 Mikrogramm Ivermectin je Kilogramm Störungen des Nervensystems. Nicht betroffene Tiere vertrugen bis zu 2.000 Mikrogramm.
Beschrieben sind Bewegungs- und Koordinationsstörungen, Desorientiertheit, Erbrechen, Zittern bis hin zum Koma. Auch bei Trägern mit nur einer Kopie ist mit Überempfindlichkeit zu rechnen.
Ivermectin steckt in manchen Entwurmungs- und Milbenmitteln. Welche Wirkstoffe wann eingesetzt werden, steht in Wurmkur beim Hund.
Narkose: das Thema, das alle Windhunde betrifft
Beim Whippet gibt es ein Thema, das in keiner der üblichen Listen auftaucht. Bei einer Narkose ist Vorsicht geboten, das berichtet Die Praktische Tierärztin im Januar 2020.
Auf Wirkstoffe wie Midazolam, Ketamin oder Propofol reagieren Windhunde häufig sehr empfindlich. Lange galt der geringe Körperfettanteil als Erklärung.
Diese Erklärung ist überholt. Der eigentliche Grund liegt im Abbau der Wirkstoffe. Eine Mutation sorgt dafür, dass weniger vom Enzym CYP2B11 gebildet wird.
Enzyme sind Eiweiße, die Stoffe im Körper umbauen. Fehlt davon zu viel, bleibt das Narkosemittel länger wirksam. Der Hund wacht später auf.

Bestätigt hat das eine Untersuchung der Washington State University. Gefunden wurde die Mutation außerdem bei neun nah verwandten Rassen, darunter Barsoi, Italienisches Windspiel sowie Scottish Deerhound.
Überraschend ist der zweite Teil. Auch zehn weitere Rassen tragen sie, etwa Labrador Retriever, Golden Retriever sowie Englische Bulldogge. Etwa einer von 50 Golden Retrievern könnte betroffen sein, einer von 300 Labradoren.
Was du vor einer geplanten Narkose ansprichst
- Sag in der Praxis ausdrücklich, dass dein Hund ein Windhund ist.
- Frag nach dem Narkoseprotokoll und nach der Überwachung beim Aufwachen.
- Plane für die Aufwachphase mehr Zeit ein als bei anderen Rassen.
- Halte den Hund danach warm: Ein magerer Körper kühlt schnell aus.
Über Wirkstoff und Dosis entscheidet allein die behandelnde Praxis.
Das gilt auch für planbare Eingriffe. Was vorher zu klären ist, steht in Kastration beim Hund.
Ein weiterer Windhund mit derselben Mutation ist das Italienische Windspiel. Sein Porträt steht in Italienischer Windhund.
Was der Rassestandard hergibt
Krankheiten gehören nicht in einen Rassestandard. Der FCI-Standard Nr. 162 liefert trotzdem zwei nützliche Punkte.
Zum einen die Maße. Als ideale Schulterhöhe nennt er 47 bis 51 Zentimeter für Rüden sowie 44 bis 47 für Hündinnen. Ein Gewicht führt er nicht auf.
Zum anderen die Farbe. Erlaubt ist jede Farbe sowie jede Farbmischung, mit einer einzigen Ausnahme: Merle ist ausgeschlossen.
Diese Ausnahme steht dort nicht ohne Grund. Merle ist eine Fellzeichnung, die in dieser Rasse ursprünglich nicht vorkam.
Ein dritter Satz lohnt sich für Käufer. Jede Form der Übertreibung müsse vermieden werden, heißt es im Erscheinungsbild.
Beim Gebiss verlangt der Standard viel. Gefordert ist ein perfektes, regelmäßiges sowie vollständiges Scherengebiss.
Beides zusammen ergibt eine gute Prüfliste. Ein Whippet soll schlank wirken, ohne dass Knochen hervorstehen. Und sein Gebiss soll sauber schließen.
Angaben wörtlich aus dem FCI-Standard Nr. 162, deutsche Fassung, gültig seit dem 4. September 2019.
Ausgeschlossen von der Zucht sind aggressive sowie übermäßig ängstliche Hunde. Dazu Hunde mit deutlichen körperlichen Auffälligkeiten oder Verhaltensstörungen.
Am Ende steht derselbe Satz wie in vielen Standards. Zur Zucht sollen ausschließlich funktional und klinisch gesunde, rassetypische Hunde verwendet werden.
Was im Alltag wirklich hilft
Ein Whippet ist dünn gebaut, mit feinem, kurzem Haar. Das hat zwei Folgen, die nichts mit einer Krankheit zu tun haben.
Erstens: Er friert schneller als ein Hund mit Unterwolle. Bei Nässe und Wind hilft ein Mantel, ohne dass daraus eine Diagnose wird.
Zweitens: Seine Haut ist dünn. Kleine Risse an Dornen oder Zäunen sind schneller passiert als bei einem robusten Fell.
Ich schaue deshalb nach jedem Lauf im Gelände kurz über Flanken und Läufe. Ein Riss, der früh gesehen wird, macht weniger Arbeit.
Der schmale Fang bringt einen dritten Punkt mit. Die Zähne stehen eng, Belag sammelt sich am Zahnfleischrand. Ich ziehe deshalb einmal die Woche die Lefze hoch.
Beim Gewicht gilt eine andere Messlatte als bei anderen Rassen. Der Standard nennt ihn für Geschwindigkeit gebaut, die letzten Rippen dürfen sichtbar sein.

Wer roh füttert, muss dabei die Mineralien im Blick behalten. Unser Lucky Pets Barf Pulver enthält Hefe, Algenkalk sowie Seealgenmehl, dosiert wird ein Teelöffel je 10 Kilogramm Körpergewicht am Tag. Ein Ergänzungsfuttermittel ersetzt keine Rationsberechnung.

Wann du sofort in die Praxis fährst
Ein paar Zeichen dulden keinen Aufschub. Sie haben weniger mit der Rasse zu tun als mit dem Zeitfenster.
Diese Zeichen gehören noch am selben Tag angesehen
- Zittern, Torkeln oder Desorientiertheit nach der Gabe eines Medikaments.
- Der Hund wacht nach einer Narkose auffällig langsam auf.
- Eine Schnittwunde klafft oder blutet ungewöhnlich lange nach.
- Der Hund frisst zwei Mahlzeiten hintereinander nicht.
Bei einem Windhund nehme ich Reaktionen auf Medikamente besonders ernst. Genau dort liegt bei dieser Gruppe das belegte Thema.
Fazit: Über Whippet Krankheiten lässt sich weniger behaupten, als die Listen im Netz vorgeben. Belegt ist genau ein Rassetest, die Myostatin-Mutation, im Alltag „Bully“-Gen genannt. Belegt ist außerdem, dass der MDR1-Defekt diese Rasse nicht betrifft: Auf der Liste steht der Silken Windsprite, also der Langhaar-Whippet. Und belegt ist das Narkoserisiko der Windhunde, das an einer Mutation am Enzym CYP2B11 hängt, nicht am geringen Körperfett. Hüfte, Herz, Augen und Knochen stehen dagegen in keiner geprüften Quelle für diese Rasse. Alles Weitere wäre geraten. Geraten hilft deinem Hund nicht.
Häufige Fragen zu Krankheiten beim Whippet
Welcher Gentest existiert speziell für den Whippet?
Die Myostatin-Mutation, im Alltag „Bully“-Gen genannt. Ein deutsches Labor bietet sie als Rassetest für den Whippet an.
Was ist ein Bully-Whippet?
Ein Hund mit zwei Kopien der Myostatin-Mutation. Er wirkt extrem muskulös, seine Lauffähigkeit ist dabei eingeschränkt.
Ist der Whippet vom MDR1-Defekt betroffen?
Nein. Auf der Rasseliste des Labors steht der Silken Windsprite, auch Langhaar-Whippet genannt. Der kurzhaarige Whippet nach Standard Nr. 162 steht dort nicht.
Was ist der Unterschied zwischen Whippet und Langhaar-Whippet?
Der Whippet ist von der FCI unter Nr. 162 anerkannt. Der Langhaar-Whippet läuft als Silken Windsprite und ist keine FCI-Rasse.
Warum sind Windhunde bei einer Narkose empfindlich?
Weil die Wirkstoffe schlechter abgebaut werden. Verantwortlich ist eine Mutation, durch die weniger vom Enzym CYP2B11 gebildet wird.
Liegt das Narkoserisiko am geringen Körperfett?
Nach dem Stand von 2020 nicht. Früher galt das als Erklärung, belegt ist inzwischen die Mutation am Enzym.
Welche Narkosemittel sind bei Windhunden heikel?
Genannt werden Midazolam, Ketamin sowie Propofol. Die Auswahl trifft die Tierarztpraxis, nicht ein Ratgeber.
Bekommen Whippets häufig Hüftdysplasie?
Dazu nennt keine geprüfte Quelle eine Zahl. Einen Rassetest gibt es dafür ebenfalls nicht.
Haben Whippets oft Herzprobleme?
Für diese Rasse nennt keine geprüfte Quelle eine Häufigkeit. Der Standard beschreibt lediglich eine sehr tiefe Brust mit viel Platz für das Herz.
Whippet Krankheiten: Wie groß wird ein Whippet?
Der FCI-Standard Nr. 162 nennt als ideale Schulterhöhe 47 bis 51 Zentimeter für Rüden sowie 44 bis 47 für Hündinnen.
Welche Fellfarben sind erlaubt?
Jede Farbe sowie jede Farbmischung, mit einer Ausnahme: Merle ist ausgeschlossen.
Wie alt wird ein Whippet?
Eine Lebenserwartung steht in keiner der geprüften Quellen. Ich schreibe deshalb keine hin.
Quellen
- FCI-Rassestandard Nr. 162 – Whippet, deutsche Fassung (PDF)
- LABOKLIN Bad Kissingen – Myostatin-Mutation („Bully“-Gen)
- LABOKLIN Bad Kissingen – MDR1-Genvariante (Ivermectin-Überempfindlichkeit)
- vetline.de / Die Praktische Tierärztin – Eine Mutation erhöht das Narkoserisiko
Über den Autor

Kevin Roth
Co-Gründer von Lucky Pets
Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.
Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.
Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Über Narkose, Wirkstoff und jeden Befund entscheidet die behandelnde Tierarztpraxis.
