American Bulldog: Was du vor dem Kauf wissen musst

American Bulldog: Was du vor dem Kauf wissen musst

Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 22.08.2026 · Lesezeit: 6 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • 🔴 Keine FCI-Anerkennung — also kein verbindlicher Rassestandard.
  • Im Bundes-Einfuhrverbot steht er nicht, Landesrecht regelt jedes Land selbst.
  • Kurze Schnauze heißt Atemrisiko — § 11b TierSchG greift hier.
  • Welpen brauchen bis 20 Wochen mindestens vier Stunden Umgang täglich.

Der American Bulldog wird als robuster Familienhund verkauft. Was in solchen Anzeigen steht, lässt sich allerdings an keiner Stelle nachprüfen. Ich gehe die deutschen Rechtsgrundlagen durch und zeige, worauf es vor dem Kauf ankommt.

Die kurze Antwort

Eine nicht FCI-anerkannte Rasse ohne verbindlichen Standard. Größe, Gewicht und Wesen bestimmt niemand außer dem Züchter selbst.

🔴 Der entscheidende Punkt

Ohne Standard gibt es keinen Maßstab. Was du bekommst, entscheidet die Zuchtlinie — und die musst du selbst prüfen.

Warum es keine Standardmaße gibt

Für die meisten Rassen führt der Verband für das Deutsche Hundewesen ein Rasselexikon mit Größe, Gewicht, Fell und Wesen. Der American Bulldog steht dort nicht. Die FCI führt ihn nicht, also existiert auch kein Standard, an dem sich eine Zucht messen lassen müsste.

Kopf eines wachen American Bulldog im Freien
Ohne Rassestandard entscheidet die Zuchtlinie über Bau und Atmung.

Praktisch heißt das: Jede Zahl in einer Anzeige stammt vom Anbieter. Es gibt keine Widerristhöhe, die ein Zuchtrichter prüft. Es gibt auch keine Wesensbeschreibung, auf die man sich berufen könnte. Wer diese Rasse kauft, kauft eine Linie, keine Rasse.

Frage Belegte Antwort
FrageFCI-Standard vorhanden? Belegte Antwortnein — kein Eintrag im VDH-Rasselexikon
FrageVerbindliche Größe/Gewicht? Belegte Antwortnein, nur Angaben der Anbieter
FrageBundesweites Einfuhrverbot? Belegte Antwortnein, § 2 HundVerbrEinfG nennt ihn nicht
FrageLandesrecht Belegte Antwortunterschiedlich — vor dem Kauf selbst prüfen
FrageQualzuchtverbot Belegte Antwortgilt über § 11b TierSchG für jede Zucht

Belegter Stand am 22.08.2026.

Diese Lücke ist kein Detail für Papierfreunde. Sie entscheidet darüber, ob ein Hund mit funktionierender Nase, tragfähigen Gelenken und belastbarem Wesen bei dir einzieht — oder eben nicht.

🔴 Qualzucht: was das Gesetz verbietet

Der § 11b des Tierschutzgesetzes verbietet bestimmte Zuchten. Untersagt ist sie, wenn erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen, untauglich oder umgestaltet sind. Entscheidend ist die Folge: Schmerzen, Leiden oder Schäden.

Frau steht draußen neben einem wachen American Bulldog
Ein kräftiger Hund braucht früh klare Regeln.

Das Verbot greift auch bei den Nachkommen. Genannt werden erblich bedingte Verhaltensstörungen, die mit Leiden verbunden sind. Dazu kommen Fälle, in denen artgemäßer Kontakt zu Artgenossen Schmerzen verursacht oder die Haltung nur unter Schmerzen möglich ist. Die Behörde kann sogar das Unfruchtbarmachen anordnen.

Der Deutsche Tierschutzbund ordnet die Praxis nüchtern ein. Das Qualzuchtverbot bleibt in der Umsetzung vage und individuell, Zuchtverbote wurden nur für einzelne Zuchten angeordnet und durchgesetzt. In den Niederlanden ist die Zucht von Hunden mit extrem kurzen Schnauzen inzwischen vollständig verboten.

Aus meiner Erfahrung ist die Nase deshalb der wichtigste Prüfpunkt beim Welpenbesuch. Ein Hund, der im Stehen hörbar atmet, atmet auch beim Spaziergang hörbar. Woran du Atemnot erkennst, beschreibt Hitzschlag beim Hund.

Recht: Bund und Länder trennen

Auf Bundesebene regelt das Hundeverbringungs- und -einfuhrbeschränkungsgesetz die Einfuhr. Genannt werden dort Pitbull-Terrier, American Staffordshire-Terrier, Staffordshire-Bullterrier und Bullterrier sowie deren Kreuzungen. Der American Bulldog steht in dieser Aufzählung nicht.

Davon getrennt regelt jedes Bundesland selbst, welche Rassen es als gefährlich einstuft. Diese Listen unterscheiden sich voneinander. Sie ändern sich außerdem. Eine pauschale Aussage wäre hier falsch — die Verordnung des eigenen Landes gehört vor den Kauf, nicht danach.

Tierärztin untersucht einen wachen American Bulldog in der Praxis
Atmung und Gelenke gehören bei kräftigen Bulldoggtypen regelmäßig kontrolliert.

Was du vor dem Kauf klären solltest

  • 🔴 Die Rasseliste des eigenen Bundeslandes im Original lesen.
  • Beim Züchter: Atmung im Stehen und nach Bewegung prüfen.
  • Elterntiere sehen — beide, nicht nur die Mutter.
  • Nach Untersuchungen zu Hüften und Ellbogen fragen.
  • Haftpflicht und Mietvertrag vorher klären.

Zu den laufenden Kosten: Was kostet ein Hund.

Ich rate außerdem dazu, den Kaufvertrag ernst zu nehmen. Ohne Rassestandard ist der Vertrag das einzige Dokument, das etwas zusichert. Was in der Wachstumsphase auf den Teller gehört, steht in Welpen richtig füttern.

Haltung: was die Verordnung verlangt

Die Tierschutz-Hundeverordnung setzt in § 2 den Mindestrahmen für jeden Hund. Verlangt werden ausreichend Auslauf im Freien außerhalb eines Zwingers, mehrmals täglich Umgang mit der Betreuungsperson und regelmäßiger Kontakt zu Artgenossen.

Auslauf und Sozialkontakte sind der Rasse, dem Alter und dem Gesundheitszustand anzupassen. Welpen bis zwanzig Wochen brauchen mindestens vier Stunden Umgang je Tag. Bei einem kräftigen, muskulösen Hund kommt hinzu, dass Bewegung im ersten Jahr dosiert gehört.

Meine langjährige Erfahrung mit schweren Molossertypen zeigt, wie früh sich das entscheidet. Wer im Welpenalter Treppen und Sprünge zulässt, zahlt es später am Bewegungsapparat. Was dahintersteckt, erklärt Hüftdysplasie beim Hund.

Der zweite Punkt betrifft die Erziehung. Ein kräftiger Hund ohne klare Regeln entscheidet Situationen körperlich. Wo du die Grundlagen legst, steht in Hundeschule.

Fazit: Der American Bulldog ist von der FCI nicht anerkannt, im VDH-Rasselexikon fehlt er. Damit gibt es keinen verbindlichen Standard für Größe, Gewicht oder Wesen — jede Zahl stammt vom Anbieter. Im bundesweiten Einfuhrverbot wird er nicht genannt, die Landesregelungen unterscheiden sich und gehören vor dem Kauf geprüft. Das Qualzuchtverbot nach § 11b TierSchG gilt trotzdem, wird laut Tierschutzbund aber nur zurückhaltend durchgesetzt. Wer diese Rasse will, muss die Zuchtlinie selbst prüfen.

Häufige Fragen zum American Bulldog

🔴 Ist der American Bulldog eine anerkannte Rasse?

Nicht von der FCI. Im VDH-Rasselexikon taucht er nicht auf, deshalb existiert kein verbindlicher Rassestandard.

Wie groß und schwer wird er?

Dazu gibt es keinen offiziellen Standardwert. Zahlen aus Anzeigen sind Angaben der Anbieter, keine Rassevorgabe.

Warum ist das wichtig?

Ohne Standard fehlt der Maßstab für Bau, Atmung und Wesen. Was ein Züchter als typisch verkauft, prüft niemand nach.

Steht er im Einfuhrverbot des Bundes?

Nein. § 2 HundVerbrEinfG nennt nur Pitbull-Terrier, American Staffordshire-Terrier, Staffordshire-Bullterrier und Bullterrier.

Gilt er als Listenhund?

Das regeln die Bundesländer unterschiedlich. Vor dem Kauf gehört ein Blick in die Verordnung des eigenen Landes.

Was sagt das Qualzuchtverbot?

Verboten ist Zucht, bei der Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch untauglich oder umgestaltet sind.

Wird das Verbot durchgesetzt?

Nur eingeschränkt. Der Tierschutzbund nennt die Umsetzung vage und individuell, Zuchtverbote gab es nur in Einzelfällen.

🔴 Worauf muss ich beim Kopf achten?

Auf die Nase. Je kürzer die Schnauze, desto größer das Risiko für Atemprobleme — in den Niederlanden ist diese Zucht verboten.

Was kann die Behörde anordnen?

Sie kann das Unfruchtbarmachen anordnen, wenn zu erwarten ist, dass die Nachkommen entsprechende Schäden zeigen.

Wie viel Auslauf schreibt das Gesetz vor?

Ausreichend Auslauf im Freien außerhalb eines Zwingers, angepasst an Rasse, Alter und Gesundheitszustand.

Wie viel Umgang brauchen Welpen?

Bis zu einem Alter von zwanzig Wochen mindestens vier Stunden je Tag mit einer Betreuungsperson.

Was fordert der Tierschutzbund?

Eine rechtlich verbindliche Qualzuchtverordnung sowie ein Verbot von Zucht, Haltung, Import und Verkauf von Qualzuchten.

Quellen

Über den Autor

Kevin Roth, Co-Gründer von Lucky Pets

Kevin Roth

Co-Gründer von Lucky Pets

Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.

Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.

Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung und keine Rechtsberatung. Die Rasselisten der Bundesländer ändern sich — maßgeblich ist die jeweils geltende Verordnung.