Antibiotika für Hunde: Was Halter wissen sollten

Antibiotika für Hunde: Was Halter wissen sollten

Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 23.08.2026 · Lesezeit: 6 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • 🔴 Seit 2018 gilt eine Antibiogrammpflicht für bestimmte Wirkstoffgruppen.
  • Im Median bekommen 20 % der täglich behandelten Tiere ein Antibiotikum.
  • Bei oberflächlicher Pyodermie sind zwei Wochen Behandlung vorgesehen.
  • Ein Kontrolltermin vor Therapieende gehört dazu.

Antibiotika beim Hund haben zwei Seiten. Sie retten Leben — und jeder Einsatz fördert Resistenzen. Wie deutsche Praxen damit umgehen, ist erfreulich gut dokumentiert.

Die kurze Antwort

Nicht jede Infektion braucht ein Antibiotikum. Wenn eines nötig ist, entscheiden Wirkstoffwahl und Dauer über den Erfolg.

🔴 Der entscheidende Punkt

Die Kur endet nicht, wenn es dem Hund besser geht, sondern wenn die Praxis sie beendet.

Wie oft und womit behandelt wird

Für die Studie von Moerer, Merle und Bäumer wurden 73 Berliner Tierärzte befragt. Im Median setzen sie bei 20 Prozent der täglich behandelten Hunde und Katzen ein Antibiotikum ein.

Frau gibt ihrem wachen Hund in der Küche eine Tablette mit etwas Futter
Fester Rhythmus statt Bauchgefühl: die Gabe erfolgt nach Plan.

Am häufigsten kommt die Gruppe der Penicilline zum Zug. Am seltensten greifen die Praxen zu den Reserveantibiotika. Genau diese Reihenfolge wünscht man sich.

Bereich Angabe der Befragten
BereichAnteil behandelter Tiere Angabe der Befragtenim Median 20 % der täglich behandelten Hunde und Katzen
Bereichhäufigste Gruppe Angabe der BefragtenPenicilline
Bereichseltenste Gruppe Angabe der Befragtenbesonders wichtige Reserveantibiotika
BereichBissverletzungen Angabe der Befragten91 % behandeln häufig oder immer antibiotisch
Bereichdabei am häufigsten Angabe der BefragtenAminopenicilline mit 90 %

Aus der Befragung von 73 Berliner Tierärzten, Moerer et al. 2022.

Aus meiner Erfahrung überrascht Halter vor allem der Bissverletzungs-Wert. Katzenbisse werden fast immer versorgt, auch ohne sichtbare Infektion — sie sind tief und werden spät bemerkt. Wie eine Kombination aus zwei Wirkstoffen funktioniert, erklärt Amoxiclav für Hunde.

🔴 Was die TÄHAV-Novelle geändert hat

Mit der Novelle der Verordnung über tierärztliche Hausapotheken wurde 2018 eine Antibiogrammpflicht eingeführt — für Cephalosporine der dritten und vierten Generation sowie für Fluorchinolone.

Tierärztin untersucht einen wachen Hund vor der Verordnung
Ob überhaupt ein Antibiotikum nötig ist, entscheidet der Befund.

Der Effekt lässt sich beziffern: 58 Prozent der befragten Tierärzte lassen seither häufiger Antibiogramme anfertigen. Damit war das Ziel erreicht, den Einsatz dieser Gruppen zurückzudrängen.

Ich lese darin vor allem eine gute Nachricht. Wer Reserven zurückhält, hat sie im Notfall noch. Was bei Blasenentzündung sonst gilt, steht in Blasenentzündung beim Hund.

Bemerkenswert ist die Kehrseite. Vermehrte Resistenzen stellten die Befragten in ihren Bereichen nicht fest: bei Pyodermien sagten das 76 Prozent, bei Bissverletzungen 89 Prozent, bei Blasenentzündungen 70 Prozent und bei Ohrentzündungen 66 Prozent.

Wann eine Kultur angelegt wird

Der AntibioticScout der Universität Zürich nennt vier Situationen für eine bakterielle Kultur. Erstens bei Verdacht auf Resistenzen. Zweitens, wenn die Therapie nicht anspricht. Drittens, wenn die Hautprobleme unter der Behandlung schlimmer werden. Und viertens bei Tieren, die schon mehrfach Antibiotika bekommen haben.

🔴 Vier Gründe für eine bakterielle Kultur

  • Verdacht auf Resistenzen.
  • Die Therapie spricht nicht an.
  • Die Hautprobleme verschlimmern sich unter der Behandlung.
  • Das Tier wurde bereits mehrmals mit Antibiotika behandelt.
  • Für bestimmte Wirkstoffgruppen ist das Antibiogramm ohnehin Pflicht.

Wie Praxen bei Hautinfektionen vorgehen, steht in Pyodermie beim Hund.

Wacher Hund liegt zuhause ruhig auf dem Boden
Die Kur endet nicht, wenn es besser aussieht — sondern nach Plan.

Der häufigste Anwendungsfall ist die Hautinfektion. Ausgelöst wird sie meist von koagulasepositiven Staphylokokken, vor allem von Staphylococcus pseudintermedius. Bei oberflächlichen Formen ist die Oberhaut betroffen, oft auch die Hülle der Haarwurzeln.

Wie lange behandelt wird

Für die oberflächliche Pyodermie nennt der AntibioticScout zwei Wochen — mit einem Kontrolltermin vor Therapieende und einer möglichen Verlängerung bis eine Woche nach der klinischen Abheilung.

Andere Infektionen haben andere Zeiten. Die Fachinformation eines zugelassenen Kombipräparats nennt in den meisten Fällen fünf bis sieben Tage, bei chronischen Hautinfektionen 10 bis 20 Tage und bei chronischer Blasenentzündung 10 bis 28 Tage.

Meine langjährige Erfahrung sagt: Der häufigste Fehler ist nicht die falsche Tablette, sondern die abgebrochene Kur. Nach drei Tagen sieht alles gut aus, die Packung bleibt liegen — und vier Wochen später geht es von vorn los. Was das für den Darm bedeutet, steht in Darmsanierung beim Hund.

Praktisch hilft ein fester Rhythmus. Die genannte Fachinformation sieht eine Gabe alle zwölf Stunden vor. Die Tabletten dürfen direkt ins Maul oder zerkleinert mit wenig Futter sofort verfüttert werden. Was eine Behandlung kostet, ordnet Tierarztkosten beim Hund ein.

Fazit: In einer Befragung von 73 Berliner Tierärzten wird im Median bei 20 Prozent der täglich behandelten Hunde und Katzen ein Antibiotikum eingesetzt, am häufigsten aus der Gruppe der Penicilline. Seit der TÄHAV-Novelle 2018 gilt eine Antibiogrammpflicht für Cephalosporine der dritten und vierten Generation sowie für Fluorchinolone. 58 Prozent lassen seither häufiger Antibiogramme anfertigen. Eine bakterielle Kultur ist bei Resistenzverdacht, fehlendem Ansprechen, Verschlimmerung unter Therapie und bei mehrfach vorbehandelten Tieren empfohlen. Bei oberflächlicher Pyodermie sind zwei Wochen Behandlung vorgesehen, mit Kontrolltermin vor Therapieende.

Häufige Fragen zu Antibiotika

Wie oft bekommen Hunde ein Antibiotikum?

In einer Befragung Berliner Tierärzte im Median bei 20 Prozent der täglich behandelten Hunde und Katzen.

Welche Gruppe wird am häufigsten eingesetzt?

Die Penicilline. Am seltensten kommen die besonders wichtigen Reserveantibiotika zum Einsatz.

🔴 Was hat sich 2018 geändert?

Die TÄHAV-Novelle führte eine Antibiogrammpflicht für Cephalosporine der dritten und vierten Generation sowie für Fluorchinolone ein.

Hat das gewirkt?

58 Prozent der befragten Tierärzte lassen seitdem häufiger Antibiogramme anfertigen.

Wann ist eine bakterielle Kultur angezeigt?

Bei Verdacht auf Resistenzen, wenn die Therapie nicht anspricht, bei Verschlimmerung unter Therapie und bei mehrfach vorbehandelten Tieren.

Welcher Erreger steckt bei Hautinfektionen dahinter?

Meist koagulasepositive Staphylokokken, vor allem Staphylococcus pseudintermedius.

🔴 Wie lange dauert eine Behandlung?

Bei oberflächlicher Pyodermie zwei Wochen, mit Kontrolltermin und möglicher Verlängerung bis eine Woche nach klinischer Abheilung.

Und bei anderen Infektionen?

Die Fachinformation eines Kombipräparats nennt in den meisten Fällen fünf bis sieben Tage, bei chronischer Blasenentzündung 10 bis 28 Tage.

Werden Bissverletzungen immer behandelt?

91 Prozent der befragten Tierärzte therapieren häufig oder immer antibiotisch, am häufigsten mit Aminopenicillinen.

🔴 Darf ich die Kur früher beenden?

Nein. Die Dauer legt die Praxis fest. Ein Kontrolltermin vor Therapieende ist ausdrücklich vorgesehen.

Nehmen Resistenzen zu?

Nach Einschätzung der Befragten nicht: bei Pyodermien sahen 76 Prozent keine vermehrten Resistenzen, bei Bissverletzungen 89 Prozent.

Kann ich Humanpräparate geben?

Nein. Was dein Hund bekommt, entscheidet ausschließlich die Tierarztpraxis.

Quellen

Über den Autor

Kevin Roth, Co-Gründer von Lucky Pets

Kevin Roth

Co-Gründer von Lucky Pets

Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.

Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.

Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Verordnung. Antibiotika sind verschreibungspflichtig — Wirkstoff, Dosis und Dauer legt ausschließlich die Tierarztpraxis fest.