Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 27.08.2026 · Lesezeit: 12 Minuten
Das Wichtigste in Kürze
- Sektion 2.2 der FCI-Gruppe 2 heißt in den deutschen Standards „Molossoide, Berghunde".
- Der Neufundländer steht darin, obwohl sein Standard ihn als Wasserhund führt.
- Die vier Schweizer Sennenhunde stehen nicht darin, sondern in Sektion 3.
- Für den Alltag zählt die Verwendungszeile mehr als die Sektionsnummer.
Im Gebirge sehen sie gut aus. Große Hunde mit dichtem Fell, ein Pass im Hintergrund, darunter das Wort Berghund. Kaum jemand hält das für einen Fachbegriff.
Die kurze Antwort
Berghund ist keine Werbevokabel. Die FCI führt eine eigene Sektion mit diesem Namen, die Nummer 2.2 in Gruppe 2.
Der entscheidende Punkt
Über den Alltag sagt diese Sektion wenig. Was ein Hund im Gebirge leistet, steht zwei Zeilen weiter unten im Standard.
Berghund ist eine echte FCI-Kategorie
Jede von der FCI geführte Rasse bekommt eine Gruppe und eine Sektion. Beides steht im Kopf ihres Standards.

Im Standard Nr. 61 des Bernhardiners lautet dieser Eintrag: Gruppe 2, Sektion 2.2 „Molosser, Typ Berghunde". Dahinter steht der Vermerk „Ohne Arbeitsprüfung".
Bei anderen Rassen derselben Sektion heißt sie leicht anders. In den Standards Nr. 50, 145 und 230 steht „Molossoide, Berghunde", bei Nr. 357 schlicht „Berghunde".
Aus meiner Erfahrung überrascht das viele Leser. Sie halten Berghund für ein Wort aus dem Prospekt. Tatsächlich ist es eine Zeile in der Systematik.
Eines noch vorab: Die Sektion führt mehr Rassen, als hier stehen. Ich nenne die, deren Standard ich gelesen habe.
Der Bernhardiner: der Namensgeber der Kategorie
Auf der Passhöhe des Großen St. Bernhard, 2469 Meter über Meer, gründeten Mönche im 11. Jahrhundert ein Hospiz für Reisende und Pilger.
Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts hielten sie dort große Berghunde. Die Tiere sollten das Haus bewachen und schützen.
Bildlich belegt sind diese Hunde seit 1695. Der erste schriftliche Beleg stammt von 1707, aus einer Aktennotiz des Hospizes.
Bald kam eine zweite Aufgabe dazu. Die Hunde suchten Reisende, die sich in Schnee und Nebel verirrt hatten. Der legendäre Barry wurde zum Urbild des Rettungshundes.
Papiere kamen erst viel später. Im Februar 1884 öffnete das Schweizerische Hundestammbuch. Die allererste Eintragung darin war ein Bernhardiner namens Léon.
Als Verwendung nennt der Standard heute drei Aufgaben: Begleithund, Wachhund, Hofhund. Vom Rettungsdienst steht in dieser Zeile nichts mehr.

Bei der Größe wird der Text ungewöhnlich. Gemessen wird die Widerristhöhe, also der höchste Punkt des Rückens über den Schulterblättern.
Als Mindestmaß nennt er 70 cm für Rüden und 65 cm für Hündinnen. Nach oben endet er bei 90 und 80 cm.
Zum Wesen bleibt der Standard knapp. Im Wesen freundlich, das Temperament ruhig bis lebhaft, dazu wachsam.
Zwei Varietäten führt er auf. Beim Kurzhaar liegt das Deckhaar dicht, glatt und derb an. Das Langhaar ist mittellang und gerade. Reichlich Unterwolle haben beide.
Bei der Farbe bleibt das Bild einheitlich. Grundfarbe weiß mit roten Platten oder durchgehender roter Decke. Gestromtes Rotbraun ist zulässig, braungelb toleriert, dunkle Verbrämung am Kopf erwünscht.
Wer sonst noch in Sektion 2.2 steht
Fünf Rassen dieser Sektion habe ich mir im Original angesehen. Ihre Ursprungsländer liegen weit auseinander.
Der Do-Khyi kommt laut Standard Nr. 230 aus Tibet (China). Als Verwendung stehen dort Begleithund, Wach- und Schutzhund. Rüden messen mindestens 66 cm, Hündinnen mindestens 61 cm.
Der Bukowina-Hirtenhund heißt zu Hause Ciobănesc Românesc de Bucovina. Sein Standard Nr. 357 vom 20.08.2023 führt ihn in Sektion 2.2 „Berghunde".
Entwickelt hat sie sich in der Provinz Bukowina im Nordosten Rumäniens, laut Standard einer bekannten Transhumanzgegend. Transhumanz heißt: Die Herden ziehen mit den Jahreszeiten zwischen den Weiden hin und her.
Für Rüden nennt Nr. 357 68 bis 78 cm, ideal 71 bis 75. Hündinnen liegen bei 64 bis 72 cm, Toleranz vier Zentimeter nach unten.

Beim Gewicht wird derselbe Text auffällig vage. Dort steht nur ein einziger Halbsatz: „Im Verhältnis zur Größe."
Drei weitere Namen gehören in dieselbe Sektion. Der Landseer im europäisch-kontinentalen Typ, Nr. 226, aus Deutschland und der Schweiz. Dazu der Tornjak, Nr. 355, aus Bosnien und Herzegowina sowie Kroatien. Und aus Portugal der Rafeiro do Alentejo, Nr. 96.
Angaben wörtlich aus den FCI-Standards Nr. 61, 145, 230, 50 und 357, deutsche Fassungen, abgerufen am 27.08.2026. Die Sektion führt weitere Rassen.
Der Neufundländer sprengt die Kategorie
Am deutlichsten zeigt das der Neufundländer. Sein Standard Nr. 50 stammt vom 29.10.1996 und nennt als Ursprung Kanada.
In der Verwendungszeile steht wörtlich: „Schlittenhunde für schwere Lasten, Wasserhund." Von Bergen ist keine Rede.
Trotzdem führt ihn die Klassifikation in Gruppe 2, Sektion 2.2 „Molossoide, Berghunde", ohne Arbeitsprüfung.
Beim Wesen wird der Text fast poetisch. Der Hund drücke in seiner Erscheinung Wohlwollen und Milde aus. Majestätisch, fröhlich und unternehmungslustig steht dort, dazu bekannt für stete Liebenswürdigkeit.
Bei den Maßen bleibt er sachlich. Rüden messen im Durchschnitt 71 cm, Hündinnen 66 cm. Das Gewicht liegt bei etwa 68 und 54 kg.
Einen Hinweis auf die Einordnung liefert der Leonberger. Sein Standard Nr. 145 erzählt, wie die Rasse entstand.
Ende der dreißiger, Anfang der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts kreuzte Heinrich Essig, Stadtrat in Leonberg bei Stuttgart, eine schwarzweiße Neufundländerhündin mit einem sogenannten „Barry-Rüden" aus dem Klosterhospiz Großer St. Bernhard.
Später kam ein Pyrenäen-Berghund dazu. Die ersten wirklich Leonberger genannten Hunde wurden 1846 geboren.
Damit steht die Verwandtschaft schwarz auf weiß. In einer einzigen Rasse stecken Bernhardiner, Pyrenäen-Berghund und Neufundländer.
Meine langjährige Erfahrung mit Rassesystematik geht in dieselbe Richtung. Sektionen bilden häufig Abstammung ab, nicht den Einsatzort.
Die Sennenhunde stehen woanders
Viele Leser rechnen die Schweizer Sennenhunde zu den Berghunden. Die FCI tut das nicht.
Der Berner Sennenhund steht nach Standard Nr. 45 in Gruppe 2, Sektion 3 „Schweizer Sennenhunde". Für die drei anderen gilt dasselbe.
Sein Standard vom 25.03.2003 nennt als Verwendung ursprünglich Wach-, Treib- und Zughund auf den Bauernhöfen im Kanton Bern.
Beim Wesen liest sich der Text bodenständig. Sicher, aufmerksam, wachsam und furchtlos im Alltag. Gutmütig zu vertrauten Personen, friedlich gegenüber Fremden, mittleres Temperament, gute Führigkeit.
Bei der Größe nennt er für Rüden 64 bis 70 cm, ideal 66 bis 68. Hündinnen messen 58 bis 66 cm, ideal 60 bis 63.
Angaben wörtlich aus den FCI-Standards Nr. 45, 58, 46 und 47, deutsche Fassungen, abgerufen am 27.08.2026. Alle vier stehen in Gruppe 2, Sektion 3.
Die Größen klaffen weit auseinander. Ein Entlebucher Rüde misst nach Nr. 47 44 bis 50 cm, ein Berner beginnt bei 64 cm.
Der Appenzeller fällt aus dem Rahmen. Nr. 46 nennt ihn lebhaft, temperamentvoll, selbstsicher und furchtlos, dazu unbestechlicher Wächter.
Für dich heißt das zweierlei. Wer einen Sennenhund sucht, sucht nicht in Sektion 2.2. Wer einen kleinen Hund will, erst recht nicht.
Was ein Hund im Gebirge wirklich braucht
Für die Praxis zählt zuerst das Haarkleid. Beim Do-Khyi steht dazu ein Satz, den ich mir gemerkt habe.
„Die Qualität des Haars ist wichtiger als die Menge." Hart und dick soll es sein, das Deckhaar nicht zu lang.
Die Unterwolle wechselt mit der Jahreszeit. In der kalten Zeit ist sie dicht und ziemlich wollig, in wärmeren Monaten eher spärlich — mehr zur Rasse steht in Tibetan Mastiff.
Bei Rüden fällt sie üppiger aus als bei Hündinnen. Seidiges, gelocktes oder gewelltes Haar schließt Nr. 230 aus.
Beim Bernhardiner steht das Gegenstück. Kurzhaar und Langhaar tragen beide reichlich Unterwolle.
Aus meiner Erfahrung liegt genau darin der doppelte Boden. Im Winter trägt der Hund seine Jacke mit. Im Sommer bekommt er sie nicht aus.
Wie lang das werden kann, zeigt der Bukowina-Hirtenhund. Nr. 357 nennt am Körper 6 bis 9 cm, glatt, gerade und rauh, die Unterwolle kürzer und sehr dicht.
Am Hals bildet das Haar eine Mähne. Ein Hund mit dieser Ausstattung gehört nicht in eine warm geheizte Wohnung.
Wer im Gebirge einen Hund sucht, schaut deshalb nicht auf die Sektion. Er schaut auf zwei Zeilen im Standard: Verwendung und Haarkleid.
Wofür diese Hunde gezüchtet wurden
Die Verwendungszeile steht bei jeder Rasse ganz oben. Sie verrät mehr über den Alltag als die Gruppennummer.
Beim Bernhardiner heißt sie Begleit-, Wach- und Hofhund. Beim Do-Khyi Begleithund, Wach- und Schutzhund. Beim Leonberger nennt Nr. 145 Wach- und Familienhund.
Anschaulich wird es beim Bukowina-Hirtenhund. Sein Standard beschreibt ihn als ausgeglichen, ruhig und treu, als sehr guten Bewacher der Herden, mutig, mit kräftiger Stimme.
Ein Halbsatz darin entscheidet über deine Nächte. Nachts patrouilliert er um Haus und Herde.
Der Do-Khyi bringt eine eigene Note mit. Nr. 230 nennt ihn unabhängig, mit Schutzinstinkt, Respekt einflößend, höchst treu gegenüber Familie und Territorium.
Seit alters her ist er der Herdenschutzhund der wandernden Hirten im Himalaya. Dazu der traditionelle Wachhund in den tibetischen Klöstern.
Ich frage Interessenten deshalb immer dasselbe. Was soll dieser Hund den ganzen Tag über tun?
Was Halter am häufigsten unterschätzen
Der erste Punkt ist der Platz. Ein Rüde von 90 cm passt durch jede Tür, liegt vor dem Sofa aber quer.
Der zweite Punkt ist die Wachsamkeit. Wachsam steht beim Bernhardiner im Wesen, furchtlos beim Berner, guter Bewacher beim Bukowina-Hirtenhund.
Im Tal wird daraus ein Balkon mit Aussicht. Ich habe erlebt, wie aus einem gemeldeten Jogger ein Dauerthema mit den Nachbarn wurde.
Der dritte Punkt ist die Hitze. Ein Hund mit dichter Unterwolle sucht im Sommer den Schatten, nicht die Mittagsrunde.
Der vierte betrifft junge Hunde. Ein schwerer Junghund gehört nicht auf lange Touren — worauf du unterwegs achtest, steht in Wandern mit Hund.
Bergab wird es kritischer als bergauf. Das Gewicht drückt bei jedem Schritt auf die Vorderhand.
Vor dem Kauf ehrlich beantworten
- Wie reagieren die Nachbarn, wenn dein Hund nachts sein Gebiet meldet?
- Wo verbringt ein Hund mit dichter Unterwolle den Hochsommer?
- Wer hält den Hund fest, wenn er sich entscheidet loszugehen?
- Wie kommst du mit einem Rüden von 68 kg zum Tierarzt, wenn er nicht mehr läuft?
Ektropium und Entropium stehen bei Nr. 61 unter den disqualifizierenden Fehlern. Gemeint sind ein nach außen und ein nach innen gerolltes Augenlid.
Daneben stehen aggressive oder übermäßig ängstliche Hunde sowie Wesensschwäche. Diese Merkmale will der Standard nicht weitergeben.
Für wen ein Berghund passt
Er passt zu Menschen mit Platz, Zeit und ruhigen Nerven. Ein eingezäuntes Grundstück hilft ihm mehr als jedes Sportprogramm der Welt.
Er passt zu Haushalten, die Besuch ankündigen können. Auch zu Leuten, die Hundehaare im ganzen Haus gelassen hinnehmen.
Er passt nicht in eine kleine Wohnung mit dünnen Wänden. Ebenso wenig zu jemandem, der einen Hund für schnelle lange Touren sucht.
Die Gegenprobe mache ich gern mit einer einzigen Frage. Willst du den Hund vom Foto oder den Hund aus der Verwendungszeile?
Fazit: Berghund ist bei der FCI eine echte Sektion, aber keine Beschreibung des Alltags. Wer im Gebirge lebt, liest Verwendung und Haarkleid — und lässt die Gruppennummer Gruppennummer sein.
Häufige Fragen zu Berghunden
Was ist ein Berghund?
Eine Rasse aus Sektion 2.2 der FCI-Gruppe 2. In den deutschen Standardtexten heißt diese Sektion „Molossoide, Berghunde".
Welche Rassen stehen in dieser Sektion?
Unter anderem Bernhardiner, Leonberger, Do-Khyi, Neufundländer, Bukowina-Hirtenhund, Landseer, Tornjak sowie Rafeiro do Alentejo.
Gehört der Berner Sennenhund dazu?
Nein. Er steht in Sektion 3.
Warum steht ausgerechnet der Neufundländer bei den Berghunden?
Seine Verwendung nennt Schlittenhund und Wasserhund. Die Sektion bildet hier eine Verwandtschaft ab.
Berghunde: Wie groß wird ein Bernhardiner?
Rüden mindestens 70 cm, Hündinnen mindestens 65 cm. Das Höchstmaß liegt bei 90 und 80 cm.
Berghunde: Wie schwer wird ein Neufundländer?
Standard Nr. 50 nennt im Durchschnitt etwa 68 kg für Rüden.
Berghunde: Wie alt werden diese Hunde?
Zur Lebenserwartung sagt keiner dieser Standards etwas. Feste Jahreszahlen im Netz sind Schätzungen ohne Beleg.
Sind Berghunde Familienhunde?
Beim Bernhardiner steht Begleit-, Wach- und Hofhund in der Verwendungszeile. Wachsamkeit gehört fest dazu.
Wie viel Fellpflege brauchen sie?
Alle vier Standards beschreiben dichte Unterwolle. Rechne fest damit.
Berghunde: Passt so ein Hund in eine Wohnung?
Selten. Platz, Ruhe und ein Grundstück machen beiden Seiten das Leben leichter.
Darf ein Junghund mit auf Bergtouren?
Lange Touren sind nichts für einen schweren Junghund. Bergab belastet ihn stärker als bergauf.
Woher kommt der Name Bernhardiner?
Vom Hospiz auf der Passhöhe des Großen St. Bernhard, 2469 m über Meer.
Quellen
- FCI-Standard Nr. 61 – St. Bernhardshund (Bernhardiner), deutsche Fassung
- FCI-Standard Nr. 50 – Neufundländer, deutsche Fassung
- FCI-Standard Nr. 45 – Berner Sennenhund, deutsche Fassung
- FCI-Standard Nr. 230 – Do-Khyi (Tibet-Mastiff), deutsche Fassung
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Über den Autor

Kevin Roth
Co-Gründer von Lucky Pets
Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.
Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.
Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Sehr große Rassen gehören regelmäßig auf Gelenke und Herz untersucht.
