Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 24.08.2026 · Lesezeit: 6 Minuten
Das Wichtigste in Kürze
- 🔴 Blue Line ist keine anerkannte Rasse.
- Sechs FCI-Rassen tragen blau im Namen.
- § 11b verbietet Zucht mit Leidensfolge.
- Qualzuchtmerkmale bedeuten Ausstellungsverbot.
Blaue Hunde sind teuer und gefragt. Die Bezeichnung Blue Line klingt nach einer eigenen Linie mit eigenem Standard. Ein Blick in die offiziellen Unterlagen zeigt ein anderes Bild.
Die kurze Antwort
Blue Line ist keine Rasse und keine FCI-Kategorie. Es ist eine Verkaufsbezeichnung für eine Fellfarbe.
🔴 Der entscheidende Punkt
Wo Farbe zum Zuchtziel wird, greift § 11b des Tierschutzgesetzes — und ein Ausstellungsverbot.
Was die FCI wirklich als blau führt
Ich habe alle zehn Gruppen der deutschen FCI-Rassennomenklatur durchsucht. Eine Blue Line taucht dort nicht auf. Sechs Rassen tragen dagegen blau im offiziellen Namen.

FCI-Nomenklatur, deutsche Fassung, Stand 24.08.2026.
Fünf davon stammen aus Frankreich, eine aus Irland. Bei allen sechs ist blau seit Jahrzehnten Teil des Rassebildes — nicht das Ergebnis einer Modewelle. Zu den französischen Laufhunden passt Griffon Nivernais.
🔴 Blau heißt nicht überall dasselbe
Der FCI-Standard Nr. 3 für den Kerry Blue Terrier beschreibt die Farbe knapp: Blau in jeder Schattierung, mit oder ohne schwarze Abzeichen.
Dazu kommt eine Altersregel. Schwarz ist nur bis zum Alter von 18 Monaten zulässig. Dasselbe gilt für einen lohfarbenen Anflug. Ein Welpe darf also dunkel starten und sich aufhellen.
Die Rasse stammt aus Irland und steht in Gruppe 3, Sektion 1, ohne Arbeitsprüfung. Rüden messen 45,5 bis 49,5 cm und wiegen 15 bis 18 kg. Das Wesen fasst der Standard in vier Worten: durch und durch ein Terrier.
Aus meiner Erfahrung wird genau dieser Unterschied verwischt. Bei einer anerkannten Rasse gehört die Farbe zum geprüften Gesamtbild. Bei einer Verkaufsbezeichnung steht sie allein. Ein ähnlicher Fall steht in Tamaskan Black.

Wo das Gesetz eine Grenze zieht
§ 11b des Tierschutzgesetzes verbietet das Züchten, wenn züchterische Erkenntnisse bestimmte Folgen erwarten lassen. Die erste Fallgruppe: Körperteile oder Organe fehlen erblich bedingt für den artgemäßen Gebrauch, sind untauglich oder umgestaltet — und dadurch treten Schmerzen, Leiden oder Schäden auf.
Die zweite Fallgruppe betrifft die Nachkommen. Verboten ist die Zucht, wenn mit Leiden verbundene erblich bedingte Verhaltensstörungen auftreten. Ebenso, wenn jeder artgemäße Kontakt mit Artgenossen zu Schmerzen führt oder die Haltung nur unter Schmerzen möglich ist.
Tierschutzgesetz, Stand 24.08.2026.
Absatz 4 ist der schärfste Hebel. Das Ministerium kann per Rechtsverordnung das Züchten mit bestimmten Arten, Rassen und Linien verbieten oder beschränken. Das Wort Linien steht dort ausdrücklich.
Ausstellungsverbot für Qualzuchtmerkmale

Das zuständige Bundesministerium beschreibt eine weitere Regel. Für Hunde, die Qualzuchtmerkmale aufweisen, gilt ein Ausstellungsverbot.
Wichtig ist die Reichweite. Das Verbot ist nicht auf reine Zuchtausstellungen beschränkt. Es umfasst alle Veranstaltungen mit Beurteilung, Prüfung oder Vergleich von Hunden.
Ausdrücklich genannt werden Zuchtleistungsprüfungen und Hundesportveranstaltungen. Wer also mit einem betroffenen Hund starten will, stößt schnell an Grenzen.
Fragen vor dem Kauf eines Farbhundes
- 🔴 Welcher anerkannte Verband stellt die Papiere aus?
- Gibt es einen veröffentlichten Rassestandard?
- Sind beide Elterntiere vor Ort zu sehen?
- Welche Gesundheitsuntersuchungen liegen vor?
- Warum kostet dieser Hund mehr als üblich?
Meine langjährige Erfahrung sagt: Ein Aufpreis allein für die Farbe ist das deutlichste Warnzeichen von allen.
Was ich Haltern rate
Ich habe nichts gegen blaue Hunde. Sechs anerkannte Rassen zeigen, dass diese Farbe ihren Platz hat. Der Unterschied liegt darin, ob die Farbe aus einem geprüften Zuchtprogramm kommt oder aus einer Werbeidee.
Mein Eindruck nach vielen Gesprächen: Wer eine anerkannte Rasse sucht, findet sie über den Standard. Wer eine Farbe sucht, findet Angebote. Einen Überblick über die Rassen gibt Hunderassen von A bis Z.
Und wenn du dich für einen dieser Hunde entscheidest, ändert das nichts an deiner Verantwortung. Was das im Alltag heißt, zeigt Giftige Pflanzen für Hunde.
Fazit: Blue Line ist keine von der FCI anerkannte Rasse und keine offizielle Kategorie. Sechs FCI-Rassen tragen blau im Namen. Das sind Kerry Blue Terrier (3), Grand Bleu de Gascogne (22) und Petit Bleu de Gascogne (31). Dazu kommen Griffon Bleu de Gascogne (32), Basset Bleu de Gascogne (35) und Epagneul Bleu de Picardie (106). Der Standard Nr. 3 erlaubt beim Kerry Blue Terrier Blau in jeder Schattierung, wobei Schwarz nur bis zum Alter von 18 Monaten zulässig ist. § 11b des Tierschutzgesetzes verbietet das Züchten, wenn erblich bedingt Körperteile oder Organe fehlen, untauglich oder umgestaltet sind und dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten. Die Behörde kann das Unfruchtbarmachen anordnen. Das Ministerium kann per Rechtsverordnung das Züchten mit bestimmten Rassen und Linien verbieten. Für Hunde mit Qualzuchtmerkmalen gilt zusätzlich ein Ausstellungsverbot, das alle Veranstaltungen mit Beurteilung, Prüfung oder Vergleich umfasst.
Häufige Fragen zu blauen Hunden
🔴 Ist Blue Line eine Hunderasse?
Nein. Der Begriff steht in keiner der zehn FCI-Gruppen.
Welche Rassen heißen offiziell blau?
Sechs: Kerry Blue Terrier und fünf französische Rassen aus Gascogne und Picardie.
Was heißt Blau beim Kerry Blue Terrier?
Der Standard erlaubt Blau in jeder Schattierung, mit oder ohne schwarze Abzeichen.
Wie lange darf ein Kerry Blue schwarz sein?
Bis zum Alter von 18 Monaten. Danach nicht mehr.
🔴 Wann ist eine Zucht verboten?
Wenn erblich bedingt Körperteile fehlen oder umgestaltet sind und dadurch Leiden entstehen.
Was steht dazu im Gesetz?
Das Zuchtverbot regelt § 11b des Tierschutzgesetzes.
Kann eine Behörde eingreifen?
Ja. Sie kann das Unfruchtbarmachen von Wirbeltieren anordnen.
Darf der Bund Zuchten verbieten?
Das Ministerium kann per Rechtsverordnung bestimmte Rassen und Linien verbieten oder beschränken.
🔴 Dürfen Qualzucht-Hunde ausgestellt werden?
Nein. Für sie gilt ein Ausstellungsverbot.
Gilt das nur für Zuchtausstellungen?
Nein. Es umfasst alle Veranstaltungen mit Beurteilung, Prüfung oder Vergleich von Hunden.
Zählt Hundesport dazu?
Ja. Hundesportveranstaltungen und Zuchtleistungsprüfungen sind ausdrücklich genannt.
Woran erkenne ich einen seriösen Züchter?
An Papieren eines anerkannten Verbands, sichtbaren Elterntieren und Gesundheitsnachweisen.
Quellen
- FCI-Rassennomenklatur, deutsche Fassung
- FCI-Rassestandard Nr. 3 – Kerry Blue Terrier, deutsche Fassung (PDF)
- Tierschutzgesetz § 11b – Verbot des Züchtens von Wirbeltieren
- Bundesministerium (BMLEH) – Mehr Tierschutz bei Hunden
Weiterlesen
Über den Autor

Kevin Roth
Co-Gründer von Lucky Pets
Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.
Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.
Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung und keine Rechtsberatung. Bei Fragen zur Gesundheit deines Hundes hilft deine Tierarztpraxis weiter.
