Berner Sennenhund: die Nachteile ehrlich benannt

Berner Sennenhund: die Nachteile ehrlich benannt

Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 27.08.2026 · Lesezeit: 11 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Standard Nr. 45 nennt für Rüden 64 bis 70 Zentimeter, ideal 66 bis 68.
  • Ein Gewicht führt der Standard nicht auf, der VDH ebenfalls nicht.
  • Der VDH nennt das lange Haarkleid recht pflegeintensiv.
  • Ursprünglich ist er Wach-, Treib- und Zughund, kein Sofahund.

Die Nachteile eines Berner Sennenhundes lassen sich zum größten Teil aus einem einzigen Papier ablesen. Es ist sein Rassestandard. Dort steht, wie groß er wird, wofür er gezüchtet wurde und welches Fell er trägt. Aus diesen drei Angaben folgt fast alles, was im Alltag anstrengend wird.

Die kurze Antwort

Größe, Fellaufwand und Bewegungsbedarf sind die drei echten Nachteile. Alle drei stehen im FCI-Standard Nr. 45 und im VDH-Rasselexikon.

Was ich bewusst nicht schreibe

Keine Lebenserwartung. Weder der Rassestandard noch der VDH nennt eine Zahl. Ohne geprüfte Quelle schreibe ich keine hin.

Nachteil 1: Er wird sehr groß

Der FCI-Standard Nr. 45 nennt für Rüden 64 bis 70 Zentimeter Widerristhöhe, mit einer Idealgröße von 66 bis 68 Zentimetern. Hündinnen messen 58 bis 66 Zentimeter, ideal sind 60 bis 63.

Ein Gewicht steht dort nicht. Das ist keine Lücke, sondern die Regel bei vielen Standards. Zahlen, die im Netz kursieren, stammen nicht aus diesem Papier.

Größe ist im Alltag kein Zahlenspiel. Sie entscheidet über den Kofferraum, über die Größe der Liegefläche, über den Platz im Wartezimmer. Ein nasser Hund dieser Größe braucht ein Handtuch pro Bein.

Dazu kommt die Statik des Wachstums. Ein Welpe, der binnen eines Jahres auf fast 70 Zentimeter kommt, sollte in dieser Zeit keine Treppen rennen. Meine langjährige Erfahrung mit großen Rassen sagt: Die ersten zwölf Monate entscheiden mehr als die folgenden zehn Jahre.

Der Standard beschreibt auch die Proportionen. Widerristhöhe zu Körperlänge liegt bei etwa 9 zu 10, die Brusttiefe erreicht im Idealfall die halbe Widerristhöhe. Weitere Maße stehen im Rasseporträt Berner Sennenhund.

Wacher braun-weißer Hund liegt entspannt im Gras
Wacher braun-weißer Hund liegt entspannt im Gras Foto: Kolforn / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

So sieht der Berner Sennenhund aus

Die Dreifarbigkeit ist im Standard bis ins Detail festgelegt. Die Grundfarbe ist tiefschwarz. Dazu kommt satter, braunroter Brand an den Backen, über den Augen, an allen vier Läufen sowie auf der Brust.

Beim Weiß wird das Papier noch genauer. Verlangt wird eine saubere, symmetrische Kopfzeichnung. Die Blesse verbreitert sich zur Nase hin beidseitig zur weißen Fangzeichnung. Sie soll die Überaugenflecken nicht erreichen.

Weiter unten folgt eine mäßig breite, durchgehende Kehl- und Brustzeichnung. Weiße Pfoten und eine weiße Rutenspitze sind erwünscht. Ein kleiner weißer Nackenfleck wird toleriert, ebenso ein kleiner weißer Afterfleck.

Der Kopf ist kräftig, ohne wuchtig zu wirken. Die Ohren sind mittelgroß, hoch angesetzt, dreieckig und leicht abgerundet. In Ruhe liegen sie flach an, bei Aufmerksamkeit richtet sich der Ohransatz hinten auf.

Die Rute ist buschig und reicht mindestens bis zum Sprunggelenk. Sie hängt in Ruhe herab und schwebt in der Bewegung auf Rückenhöhe. Wer das Gangwerk sehen will, achtet auf den raumgreifenden Vortritt.

Nachteil 2: Das Fell kostet Zeit

Das Haar ist lang und glänzend, schlicht oder leicht gewellt. So beschreibt es der Standard in einem einzigen Satz.

Das VDH-Rasselexikon wird deutlicher. Dort heißt es, das lange Haarkleid sei recht pflegeintensiv. Bürste und Kamm sollen mehrmals pro Woche zum Einsatz kommen.

Mehrmals pro Woche bedeutet nicht sonntags. Es bedeutet eine feste Zeit im Wochenplan, das ganze Jahr über. Im Fellwechsel wird daraus täglich.

Dazu kommt die Dreifarbigkeit. Tiefschwarz mit braunrotem Brand und weißen Abzeichen sieht auf dem Foto großartig aus. Auf einem dunklen Sofa sieht man jedes weiße Haar. Grundlagen zur Technik stehen in der Fellpflege beim Hund.

Nachteil 3: Ein Zughund bleibt ein Zughund

Als Verwendung nennt der Standard: ursprünglich Wach-, Treib- und Zughund auf den Bauernhöfen im Kanton Bern, heute auch Familien- und vielseitiger Arbeitshund.

Der Halbsatz vor dem Komma zählt. Diese Rasse hat Karren gezogen und Vieh getrieben. Sie ist nicht als Begleithund entstanden.

Der VDH gibt sogar einen praktischen Hinweis. Mit Wagenziehen bereite man dem traditionellen Zughund eine besondere Freude.

Rechtlich kommt § 2 der Tierschutz-Hundeverordnung dazu. Jedem Hund steht ausreichend Auslauf im Freien zu, dazu mehrmals täglich Umgang mit seiner Betreuungsperson und regelmäßiger Kontakt zu Artgenossen. Auslauf und Sozialkontakte sind der Rasse anzupassen.

Aus meiner Erfahrung unterschätzen genau das die meisten Käufer. Sie sehen einen ruhigen erwachsenen Hund im Park und schließen daraus auf einen geringen Bedarf. Der Hund ist ruhig, weil er ausgelastet ist.

Wacher Hund mit Geschirr sitzt im Freien
Wacher Hund mit Geschirr sitzt im Freien Foto: Kreuzschnabel / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Nachteil 4: Wachsamkeit ist keine Kuschelrasse

Der Standard beschreibt das Wesen in drei Teilen. Sicher, aufmerksam, wachsam und furchtlos in Alltagssituationen. Gutmütig und anhänglich mit vertrauten Personen. Selbstsicher und friedlich gegenüber Fremden, bei mittlerem Temperament und guter Führigkeit.

Wachsam heißt: Er meldet. Der VDH schreibt dazu, die Rasse neige nicht zum Kläffen. Melden und dauerhaft bellen sind zwei verschiedene Dinge, auch wenn Nachbarn das gelegentlich anders sehen.

Gute Führigkeit ist der freundlichste Satz im ganzen Papier. Er erklärt, warum diese Rasse als anfängertauglich gilt. Die Führigkeit ändert nur nichts an den 70 Zentimetern am anderen Ende der Leine.

Was der Standard von der Zucht ausschließt

Rassestandards nennen keine Krankheiten. Sie nennen Fehler. Die sind aussagekräftiger, als viele denken.

Disqualifizierende Fehler bei Standard Nr. 45

  • Entropium und Ektropium — nach innen oder nach außen gerollte Augenlider.
  • Ein oder zwei blaue Augen, im Standard Birkauge genannt.
  • Spaltnase sowie Vorbiss, Rückbiss oder Kreuzbiss.
  • Knickrute und Ringelrute.
  • Aggressive oder übermäßig ängstliche Hunde.

Der Standard endet mit dem Satz, dass zur Zucht ausschließlich funktional und klinisch gesunde, rassetypische Hunde verwendet werden sollen.

Die beiden Lidfehler stehen nicht zufällig ganz oben. Beim Auge schreibt der Standard außerdem, ein loser Lidschluss sei fehlerhaft. Wer einen Welpen ansieht, schaut deshalb zuerst auf die Augenlider der Elterntiere.

Eine zweite Grenze zieht § 11b des Tierschutzgesetzes. Verboten ist das Züchten, wenn Nachkommen erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen. Dasselbe gilt, wenn diese untauglich oder umgestaltet sind und dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten.

Auswertungen von Hüfte und Ellenbogen stehen in keinem Rassestandard. In einem ordentlichen Zuchtbuch stehen sie sehr wohl. Was dahintersteckt, erklärt der Beitrag zur Hüftdysplasie beim Hund.

Wacher weißer Hund wird mit dem Stethoskop untersucht
Wacher weißer Hund wird mit dem Stethoskop untersucht Foto: Nenad Stojkovic / Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Der Zeichnungsfehler, der keiner ist

Die Fehlerliste zur Zeichnung ist lang. Ein weißer Halskragen steht darauf, ein Nackenfleck über sechs Zentimeter Durchmesser, weiße Stiefel über die Mitte des Mittelfußes hinaus, eine störend asymmetrische Zeichnung sowie ein Braun- oder Rotstich im Schwarz.

Für die Ausstellung ist das relevant. Für dein Wohnzimmer ist es das nicht. Ein Hund mit weißem Halskragen ist genauso gesund wie sein Wurfbruder mit perfekter Blesse.

Ich halte das für einen der nützlichsten Punkte vor dem Kauf. Wer keinen Ausstellungshund sucht, kann gezielt nach solchen Welpen fragen. Sie stammen aus demselben Wurf, aus derselben Zucht, mit denselben Untersuchungen.

Ein Detail aus dem Standard gehört noch dazu. Die Afterkrallen sollen entfernt sein, außer in Ländern, in denen genau das gesetzlich verboten ist. Ein Berner mit Afterkrallen ist also kein Zeichen schlechter Zucht.

Die Vorteile, damit das Bild stimmt

Ein Nachteils-Artikel ohne die andere Seite wäre unehrlich. Der Standard schreibt der Rasse gute Führigkeit zu, dazu ein mittleres Temperament.

Der VDH nennt ihn einen unkomplizierten Familienhund und empfiehlt Breitensport, Fährtenarbeit sowie die Ausbildung zum Begleithund. Genau dieses Bild passt zu einem Bauernhund, der jahrzehntelang neben Menschen gearbeitet hat.

Die Geschichte im Standard erklärt den Rest. Ursprünglich hieß die Rasse Dürrbächler, nach einem Weiler bei Riggisberg. 1907 gründeten Züchter in Burgdorf einen Klub, 1910 standen dort schon 107 dieser Hunde.

Ernährung und Gelenke bei einer großen Rasse

Ein Hund dieser Größe trägt viel Gewicht auf vier Beinen. Ich achte deshalb auf die Kondition, nicht auf die Waage allein. Rippen sollen fühlbar sein, ohne dass man drücken muss.

Zum Futter gebe ich bei großen Hunden gern die Lucky Pets Gelenktabletten. Sie enthalten Grünlippmuschel, Glucosamin, MSM, Chondroitin, Ingwer, Teufelskralle sowie Weihrauch. Bis 20 Kilogramm eine halbe Tablette, von 20 bis 40 Kilogramm eine, darüber zwei.

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Was der Hund braucht, entscheidet am Ende die Tierarztpraxis. Ergänzungsfutter ist kein Ersatz für eine Untersuchung.

Welpenkauf: worauf du achten solltest

Der erste Schritt ist die Ahnentafel eines Vereins, der einem FCI-Mitgliedsverband angehört. In Deutschland ist das der VDH.

Der zweite Schritt ist der Blick auf die Elterntiere. Augenlider, Bewegung, Verhalten bei Besuch. Lass dir die Auswertungen von Hüfte und Ellenbogen zeigen.

Mein Tipp: Fahr zum Wurf und sieh dir das Muttertier an. Ein Welpe darf erst im Alter von über acht Wochen vom Muttertier getrennt werden. Über Preise schreibe ich hier bewusst nichts, weil sie über die Zucht nichts aussagen.

Passt der Berner Sennenhund zu dir?

Er passt zu dir, wenn du Platz hast, Zeit für Fell einplanst und ihm eine Aufgabe geben willst. Zughundesport, Fährtenarbeit, lange Wanderungen.

Er passt nicht zu dir, wenn ein Hund bei euch acht Stunden allein wartet. Und er passt nicht zu dir, wenn du eine haarfreie Wohnung brauchst.

Die ehrlichste Frage vor dem Kauf ist die nach dem Alltag in fünf Jahren. Wohnung, Auto, Urlaub, Treppenhaus. Ein Hund mit 70 Zentimetern verändert alle vier.

Fazit: Die Nachteile eines Berner Sennenhundes sind Größe, Fellaufwand und Bewegungsbedarf. Standard Nr. 45 nennt für Rüden 64 bis 70 Zentimeter und verzichtet auf eine Gewichtsangabe. Der VDH bezeichnet das lange Haarkleid als recht pflegeintensiv und empfiehlt Bürste und Kamm mehrmals pro Woche. Als Verwendung führt der Standard Wach-, Treib- und Zughund auf. Eine Lebenserwartung nennt keine der beiden Quellen, deshalb steht hier auch keine Zahl.

Häufige Fragen zu den Nachteilen des Berner Sennenhundes

Was ist der größte Nachteil eines Berner Sennenhundes?

Seine Größe. Der FCI-Standard Nr. 45 nennt für Rüden 64 bis 70 Zentimeter Widerristhöhe, ideal sind 66 bis 68.

Wie schwer wird ein Berner Sennenhund?

Ein Gewicht steht weder im Standard Nr. 45 noch im VDH-Rasselexikon. Wer eine belastbare Zahl braucht, holt sie beim Züchter ein.

Wie alt wird ein Berner Sennenhund?

Eine Lebenserwartung nennen weder der Rassestandard noch der VDH. Die im Netz kursierenden Zahlen habe ich in keiner geprüften Quelle gefunden.

Berner Sennenhund: Wie viel Fellpflege braucht er?

Der VDH schreibt, das lange Haarkleid sei recht pflegeintensiv. Bürste und Kamm sollen mehrmals pro Woche zum Einsatz kommen.

Haart ein Berner Sennenhund stark?

Er trägt langes Haar mit Unterwolle. Wer eine haarfreie Wohnung will, ist mit dieser Rasse an der falschen Adresse.

Berner Sennenhund: Bellt er viel?

Der VDH beschreibt ihn als wachsam, aber nicht zum Kläffen neigend. Der Standard nennt ihn wachsam und furchtlos im Alltag.

Berner Sennenhund: Ist er ein Anfängerhund?

Der Standard bescheinigt ihm mittleres Temperament und gute Führigkeit. Die Größe bleibt trotzdem eine Übungsfrage für den Halter.

Welche Fehler schließen ihn von der Zucht aus?

Unter anderem Entropium und Ektropium, also nach innen oder außen gerollte Augenlider, dazu blaue Augen, Knickrute und Ringelrute.

Was bedeutet ein weißer Halskragen?

Er gilt im Standard als Fehler in der Zeichnung. Für die Gesundheit des Hundes sagt das nichts aus.

Berner Sennenhund: Wie viel Bewegung braucht er?

Der Standard führt ihn als ursprünglichen Wach-, Treib- und Zughund. Das Erbe verlangt tägliche Arbeit, nicht nur Spaziergänge.

Berner Sennenhund: Passt er in eine Wohnung?

Ein Hund von 70 Zentimetern braucht Platz zum Liegen und einen Weg nach draußen ohne enge Wendeltreppe.

Was frage ich den Züchter?

Nach der Ahnentafel, nach den Augen der Elterntiere und nach den Auswertungen von Hüfte und Ellenbogen.

Quellen

Über den Autor

Kevin Roth, Co-Gründer von Lucky Pets

Kevin Roth

Co-Gründer von Lucky Pets

Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.

Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.

Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Fragen zu Augen, Gelenken und Belastbarkeit eines großen Hundes gehören in eine Tierarztpraxis.