Großer Münsterländer: Größe und Wesen

Großer Münsterländer: Größe und Wesen

Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 25.08.2026 · Lesezeit: 11 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Rüden 60–65 cm, Hündinnen 58–63 cm, Gewicht um 30 kg.
  • Die Rasse entstand aus einem Farbausschluss von 1909.
  • Lebhaft, ohne Nervosität, führig und gelehrig.
  • Drei Farbvarietäten, der Kopf ist immer schwarz.

Der Große Münsterländer verdankt seine Existenz einer Zuchtentscheidung, die ihn ausschließen sollte. Ich gehe die Angaben durch.

Die kurze Antwort

Ein deutscher Vorstehhund von 58 bis 65 Zentimetern und rund 30 Kilogramm, langhaarig und schwarz-weiß.

Der entscheidende Punkt

Er ist ein Jagdgebrauchshund mit Arbeitsprüfung, gebaut für Feld, Wald und Wasser.

Entstanden aus einem Ausschluss

Der FCI-Standard Nr. 118 führt die Entwicklung weit zurück. Sie geht auf den weißbunten Vogel- und Beizhund des Mittelalters zurück, über den Stöber- und Wachtelhund zum Vorstehhund des 19. Jahrhunderts.

Wacher Großer Münsterländer steht aufmerksam im Profil
Kräftig und muskulös, dabei mit schnittigem Gesamtbild. Foto: Canarian / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Den entscheidenden Anstoß gab ein Verbot. Nachdem der Deutsch-Langhaar-Verein 1909 die schwarze Farbe endgültig von der Zucht ausschloss, standen die schwarz-weißen Langhaar ohne Zuchtbuch da.

1919 gründete sich ein Verein für die Reinzucht des langhaarigen schwarz-weißen Münsterländer Vorstehhundes. Nach Erfassung der noch vorhandenen Reste dieses bodenständigen Stammes begann er 1922 mit der planmäßigen Zucht. Die Urliste umfasst 83 Hunde. Mir ist selten eine Rasse begegnet, deren Startpunkt sich so exakt beziffern lässt.

Merkmal Rüde Hündin
MerkmalWiderristhöhe Rüde60 – 65 cm Hündin58 – 63 cm
MerkmalToleranz Rüde2 cm nach oben Hündin2 cm nach oben
MerkmalGewicht Rüdeum 30 kg Hündinum 30 kg
MerkmalFCI-Gruppe Rüde7, Vorstehhunde Hündin7, Vorstehhunde
MerkmalSektion Rüde1.2, Typ Spaniel, mit Arbeitsprüfung Hündin1.2, Typ Spaniel, mit Arbeitsprüfung

Maße nach FCI-Standard Nr. 118, deutsche Fassung.

Verwendung: vor und nach dem Schuss

Der Standard formuliert die Aufgabe in einem einzigen langen Satz. Als vielseitig einsetzbarer Jagdhund muss der Große Münsterländer alle geforderten Anlagen besitzen. Er soll für alle Arbeiten im Feld, im Wald und im Wasser brauchbar sein, vor und nach dem Schuss.

Wacher Großer Münsterländer steht auf einer Wiese
Gefordert sind Arbeiten in Feld, Wald und Wasser. Foto: Pieter Delicaat / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Diese Formulierung ist keine Floskel. Sie beschreibt eine Prüfungsordnung. Aus meiner Erfahrung unterschätzen Interessenten, was das im Alltag bedeutet — ein Hund mit dieser Anlage braucht Arbeit, nicht Auslauf. Grundlagen dazu in Erziehung des Hundes.

Beim Wesen zählt der Standard in dieser Reihenfolge auf: Der Hund soll sich führen lassen, schnell lernen und bei der Jagd zuverlässig arbeiten, vor allem nach dem Schuss. Dazu ein knapper Zusatz — lebhaft, ohne Nervosität. Wie du diese Lebhaftigkeit früh kanalisierst, steht in Sozialisierung von Welpen.

Was ein Großer Münsterländer im Alltag braucht

  • Jagdliche Arbeit in Feld, Wald und Wasser.
  • Apportiertraining — er ist ein Hund für nach dem Schuss.
  • Regelmäßiges Kämmen der Befederung an Läufen und Rute.
  • Auslauf im Freien und täglichen Umgang mit seinen Leuten.
  • Einen Führer, der Führigkeit auch abruft.

Zur Fütterung: Welpen richtig füttern.

Körperbau und Kopf

Der Standard beschreibt einen kräftigen, muskulösen Körperbau bei schnittigem Gesamtbild. Der Ausdruck soll Intelligenz und Adel zeigen, die Außenlinie trocken sein.

Bei den Proportionen gilt: Körperlänge und Widerristhöhe sollen möglichst gleich sein, die Länge darf die Höhe um zwei Zentimeter überschreiten. Der Kopf ist edel und langgestreckt, mit klugem Aussehen und ausgeprägter Kinnmuskulatur.

Der Stopp bleibt gering, der Nasenschwamm ist ausgeprägt schwarz. Der Fang ist kräftig, lang und für den Gebrauch gut ausgebildet, der Nasenrücken gerade. Das Gebiss soll kräftig und vollständig sein, mit allen 42 Zähnen.

Kopf eines wachen Großen Münsterländers
Der Kopf ist schwarz, edel und langgestreckt. Foto: mjk23 / Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Familienhund oder Jagdhund?

Ich bekomme diese Frage regelmäßig. Der Standard beantwortet sie indirekt. Die Rasse wird jagdlich geprüft. Beschrieben wird fast nur, wie gut sie dabei arbeitet. Ein Wesenszug wie Kinderfreundlichkeit taucht dort schlicht nicht auf.

Das heißt nicht, dass ein Großer Münsterländer nicht in einer Familie leben kann. Es heißt, dass die Familie zusätzlich zur Arbeit kommt, nicht an ihrer Stelle. Wer keinen Jagdschein hat, sollte den Bedarf ehrlich rechnen, bevor der Welpe einzieht.

Mir sind Halter begegnet, die das mit Fährtenarbeit und Dummytraining gelöst haben. Das funktioniert, kostet aber mehrere Stunden pro Woche.

Haar: lang, aber nicht lockig

Beim Haarkleid begründet der Standard seine Vorgaben ausdrücklich. Das Haar ist lang und dicht, jedoch schlicht. Nicht lockig oder abstehend, da dies der jagdlichen Verwendung hinderlich ist.

An bestimmten Stellen wird mehr verlangt. An der Rückseite der Vorder- und Hinterläufe soll das Haar besonders lang und dicht sein, also gut befedert. Auch an der Rute soll es besonders lang sein, die stärkste Befahnung etwa in der Mitte ihrer Länge.

Am Ohr fordert der Standard gute Fransenbildung. Das Haar soll den Unterrand des Ohres seitengleich deutlich überragen — Lederbehänge sind unerwünscht. Meine langjährige Erfahrung mit befederten Jagdhunden zeigt, dass genau diese Stellen im Gelände Kletten und Grannen sammeln. Mehr dazu in Fellpflege beim Hund.

Bei den Farben gibt es drei Varietäten: Weiß mit schwarzen Platten und Tupfen, schwarz geschimmelt oder rein schwarz. Der Kopf ist immer schwarz, gegebenenfalls mit weißer Schnippe oder Blesse. Die Tierschutz-Hundeverordnung regelt in § 2 den Rest: Auslauf im Freien außerhalb eines Zwingers, mehrmals täglich Umgang mit der Betreuungsperson, regelmäßiger Kontakt zu Artgenossen.

Ich achte bei einem Arbeitshund von rund dreißig Kilogramm besonders auf die Gelenke. Stundenlanges Arbeiten in unebenem Gelände fordert sie. Was dort passiert, erklärt Gelenke beim Hund. Unterstützend gibt es die Lucky Pets Gelenktabletten mit Grünlippmuschel und Kollagen.

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Größe und Gewicht

Zwei Zahlenpaare stehen im Standard. Rüden erreichen 60 bis 65 Zentimeter Widerristhöhe, Hündinnen 58 bis 63 Zentimeter. Dazu erlaubt er eine Toleranzgrenze von zwei Zentimetern nach oben.

Beim Gewicht bleibt der Standard knapp: um 30 Kilogramm. Eine Spanne führt er nicht auf. Wer eine genauere Zahl braucht, fragt beim Zuchtverband oder beim Züchter nach.

Hier lohnt eine Abgrenzung, denn zwei Rassen tragen fast denselben Namen. Der Große und der Kleine Münsterländer sind nicht dieselbe Rasse in zwei Größen. Sie haben eigene Standards, eigene Maße und eigene Farben.

Angabe Großer Münsterländer (Nr. 118) Kleiner Münsterländer (Nr. 102)
AngabeWiderristhöhe Rüden Großer Münsterländer (Nr. 118)60 bis 65 cm Kleiner Münsterländer (Nr. 102)54 cm
AngabeWiderristhöhe Hündinnen Großer Münsterländer (Nr. 118)58 bis 63 cm Kleiner Münsterländer (Nr. 102)52 cm
AngabeToleranz Großer Münsterländer (Nr. 118)2 cm nach oben Kleiner Münsterländer (Nr. 102)plus/minus 2 cm
AngabeGewicht Großer Münsterländer (Nr. 118)um 30 kg Kleiner Münsterländer (Nr. 102)im Standard nicht angegeben
AngabeGrundfarbe Großer Münsterländer (Nr. 118)schwarz-weiß, Kopf immer schwarz Kleiner Münsterländer (Nr. 102)braun-weiß oder braunschimmel
AngabeEinordnung Großer Münsterländer (Nr. 118)Gruppe 7, Sektion 1.2, mit Arbeitsprüfung Kleiner Münsterländer (Nr. 102)Gruppe 7, Sektion 1.2, mit Arbeitsprüfung

FCI-Standard Nr. 118 vom 29.10.2013 und FCI-Standard Nr. 102, deutsche Fassungen.

Der Größenunterschied ist deutlich. Bei den Rüden liegen sechs bis elf Zentimeter dazwischen. Alles Weitere zur kleineren Rasse steht in Kleiner Münsterländer.

Für die Planung heißt das: Du richtest dich nach einem großen Hund. Box, Kofferraum und Geschirr passen zu 65 Zentimetern, nicht zu einem Mittelwert.

Wesen im Alltag

Drei Eigenschaften stellt der Standard voran. Ganz vorn stehen Führigkeit und Gelehrigkeit. Dann folgt die zuverlässige Verwendbarkeit für die Jagd, insbesondere nach dem Schuss.

Danach folgt ein einziger Zusatz: Wesen lebhaft, ohne Nervosität. Mehr steht dort nicht.

Führigkeit meint, dass der Hund die Zusammenarbeit sucht. Er arbeitet auf Zuruf statt auf eigene Rechnung. Im Training macht ihn das angenehm.

Für Besuch an der Tür bedeutet das meist ein freundliches Begrüßen. Wachtrieb oder Misstrauen taucht im Standard nicht auf.

Beim Rückruf zählt die andere Hälfte des Satzes. Ein Hund für die Arbeit nach dem Schuss folgt einer Wildspur mit großer Ausdauer. Ohne sauber aufgebautes Signal löst er sich nicht von allein.

Beim Alleinbleiben hilft die enge Bindung. Sie erzeugt zugleich den Anspruch, dabei zu sein.

Gesundheit und was der Standard als Fehler führt

Eine Lebenserwartung nennt der FCI-Standard nicht. Das tut kein FCI-Standard. Wer irgendwo eine Jahreszahl liest, sollte nach der Quelle fragen.

Aufschlussreich ist stattdessen der Maßstab, den der Standard an sich selbst anlegt. Jeder Fehler wird nach seinem Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden bewertet. Dazu kommt die Frage, ob der Hund die rassetypische Arbeit noch leisten kann.

Am Rücken stehen Senkrücken und Karpfenrücken auf der Liste. Ein zu langer Rücken zählt dazu, ebenso eine kurze, schmale oder stark abfallende Kruppe.

An der Brust nennt er tonnenförmig und engbrüstig. Eine zu flache Brust gehört dazu, genauso eine fehlende Vorbrust.

An den Läufen führt der Standard zu steile Winkelungen auf. Dazu kommen abstehende Ellenbogen sowie kuhhessige oder fassbeinige Stellungen. Solche Winkel entscheiden darüber, wie lange ein Hund im Gelände durchhält.

Am Auge stehen ein zu helles Auge, sichtbare rote Nickhaut und nicht anliegende Lider. An der Rute nennt er Knickrute und Ringelrute.

Die rechtliche Grenze zieht § 11b des Tierschutzgesetzes. Verboten ist das Züchten, sobald züchterische Erkenntnisse erwarten lassen, dass Nachkommen erblich bedingt leiden.

Welpenkauf: worauf du achten solltest

Den zuchtbuchführenden Verein nennt der Standard selbst. Es ist der Verband Große Münsterländer, organisiert in derzeit acht selbständigen Landesgruppen.

Ein Wurf mit Ahnentafel läuft über diesen Verband. Lass dir die Papiere zeigen, bevor ihr über einen einzelnen Welpen sprecht.

Frag nach den Arbeitsprüfungen der Elterntiere. Die FCI führt die Rasse mit Arbeitsprüfung, ein ernsthafter Züchter kennt die Ergebnisse.

Sieh dir das Muttertier bei den Welpen an, im selben Raum. Eine Hündin, die man dir nicht zeigt, ist ein Abbruchgrund.

Beim Fell hilft die eigene Hand. Verlangt sind langes, dichtes und schlichtes Haar sowie gute Befederung an den Läufen. Lockiges Haar gilt als Fehler.

Bei der Farbe gibt es wenig Spielraum. Der Kopf ist schwarz, höchstens mit weißer Schnippe oder Blesse. Fehlendes Pigment führt der Standard als Fehler auf.

Das Abgabealter regelt § 2 Absatz 4 der Tierschutz-Hundeverordnung. Ein Welpe darf erst mit über acht Wochen vom Muttertier getrennt werden. Impfpass und Wurmkur-Protokoll gehören schriftlich dazu.

Passt der Große Münsterländer zu dir?

Die erste Frage stellt der Standard selbst. Kannst du einem Hund Arbeit geben, den man für Feld, Wald und Wasser gebaut hat?

Wer jagdlich führt, hat es einfach. Wer nicht jagt, braucht Ersatz aus Schleppe, Verlorensuche und Wasserarbeit. Eine Runde um den Block zählt nicht.

Die Wohnungsgröße ist zweitrangig. Ein ruhiger Platz und ein fester Tagesablauf wiegen schwerer als Quadratmeter. Denk trotzdem an Treppenhaus und Auto.

Kinder sind selten das Problem. Ein Hund, den man schlafen lässt, bleibt entspannt. Kinderfreundlichkeit steht allerdings in keinem Satz dieses Standards.

Zeit ist die härtere Frage. Für Welpen bis zu einem Alter von zwanzig Wochen verlangt die Tierschutz-Hundeverordnung mindestens vier Stunden Umgang je Tag.

Für Ersthundehalter halte ich die Rasse für machbar, solange die Auslastung steht. Führigkeit und Gelehrigkeit arbeiten dabei für dich.

Nicht passend ist sie bei langen Abwesenheiten. Und für alle, die einen ruhigen Begleithund ohne Arbeitsanspruch suchen.

Fazit: Rüden erreichen 60 bis 65 Zentimeter, Hündinnen 58 bis 63, jeweils mit zwei Zentimetern Toleranz nach oben, bei rund 30 Kilogramm. Die Rasse entstand, nachdem der Deutsch-Langhaar-Verein 1909 die schwarze Farbe ausschloss. Die planmäßige Zucht begann 1922 mit 83 Hunden auf der Urliste. Ihr Wesen gilt als lebhaft ohne Nervosität, führig und gelehrig. Lockiges Haar ist unerwünscht, weil es bei der Jagd stört.

Häufige Fragen zum Großen Münsterländer

Wie groß wird ein Großer Münsterländer?

Rüden 60 bis 65 cm, Hündinnen 58 bis 63 cm, mit 2 cm Toleranz nach oben.

Wie schwer wird er?

Um 30 kg.

Zu welcher Gruppe gehört er?

Zur FCI-Gruppe 7, kontinentale Vorstehhunde vom Typ Spaniel, mit Arbeitsprüfung.

Wie ist sein Wesen?

Lebhaft, ohne Nervosität. Führigkeit und Gelehrigkeit stehen im Standard an erster Stelle.

Wofür wird er eingesetzt?

Für alle Arbeiten in Feld, Wald und Wasser, vor und nach dem Schuss.

Warum entstand die Rasse?

Weil der Deutsch-Langhaar-Verein 1909 die schwarze Farbe aus der Zucht ausschloss.

Wie viele Hunde stehen in der Urliste?

Genau 83.

Seit wann wird planmäßig gezüchtet?

Seit 1922.

Warum ist lockiges Haar unerwünscht?

Weil es der jagdlichen Verwendung hinderlich ist.

Welche Farben gibt es?

Weiß mit schwarzen Platten und Tupfen, schwarz geschimmelt oder rein schwarz.

Wie sieht der Kopf aus?

Schwarz, edel und langgestreckt, mit geringem Stopp.

Wie lang soll das Ohrhaar sein?

Es soll den Unterrand des Ohres seitengleich deutlich überragen.

Quellen

Über den Autor

Kevin Roth, Co-Gründer von Lucky Pets

Kevin Roth

Co-Gründer von Lucky Pets

Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.

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Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Zur jagdlichen Führung informiert der zuständige Landesjagdverband.