Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 27.08.2026 · Lesezeit: 9 Minuten
Das Wichtigste in Kürze
- In der EU sind acht Insektenarten als Nutzinsekten zugelassen.
- Der größte Vorteil ist ein Eiweiß, das die meisten Hunde noch nie gefressen haben.
- Die Grenzen sind wenig Langzeiterfahrung beim Hund und ein höherer Preis.
- Insektenfutter ist eine Option für bestimmte Hunde, keine Pflicht für alle.
Hundefutter mit Insekten liegt seit ein paar Jahren in jedem größeren Regal. Die Werbung dazu ist laut. Sie verspricht ein sauberes Gewissen und einen ruhigen Hundedarm gleich mit. Beides stimmt teilweise. Der Rest gehört sauber eingeordnet.
Die kurze Antwort
Insektenfutter ist zugelassen, sicher hergestellt und für viele Hunde eine sinnvolle Alternative. Der stärkste Grund dafür ist ein neues Eiweiß, mit dem das Immunsystem noch keine Erfahrung hat. Die Grenzen liegen beim Preis und bei der dünnen Erfahrung über viele Jahre. Für einen gesunden Hund ohne Beschwerden ist der Wechsel kein Muss.
Für wen es sich wirklich lohnt
Für Hunde, die auf Rind, Huhn oder Getreide reagieren. Für Halter, die eine Ausschlussdiät planen und ein Eiweiß suchen, das der Hund nachweislich noch nie hatte. Und für alle, denen die Fläche und das Futter hinter der Futterdose nicht egal sind. Für den Rest ist es eine Geschmacksfrage.
Welche Insekten überhaupt zugelassen sind
Der Markt wirkt neu, die Regeln dahinter sind es nicht. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung zählt acht Arten auf, die in der EU als Nutzinsekten erlaubt sind.
- Schwarze Soldatenfliege (Hermetia illucens)
- Stubenfliege
- Mehlkäfer, dessen Larve als Mehlwurm bekannt ist
- Getreideschimmelkäfer
- Heimchen, Kurzflügelgrille und Steppengrille
- Seidenspinner
Bei Käfern und Fliegen werden meist die Larven verarbeitet. Bei Grillen nimmt man dagegen die ausgewachsenen Tiere.
Auf den Dosen, die mir bisher untergekommen sind, stand fast immer die Larve der Schwarzen Soldatenfliege. Die übrigen Arten habe ich dort selten gelesen.
Der Weg dorthin war lang. Nach der BSE-Krise der neunziger Jahre verbot die EU sämtliche tierischen Proteine im Tierfutter.

Erst 2017 fiel dieses Verbot schrittweise, zunächst für Fische. Seit 2021 dürfen auch Schweine und Geflügel damit gefüttert werden.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt dieselbe Zahl von acht zugelassenen Arten. Insekten wandeln ihr Futter sehr effizient in wertvolles Eiweiß um.
Was im Insektenfutter tatsächlich steckt
Der Eiweißgehalt ist der Grund für das Interesse. Er liegt zwischen 55 und 75 Prozent, je nach Art und Verarbeitung.
Dazu kommt das Fett aus der Larve. Beim Larvenfett der Schwarzen Soldatenfliege fällt ein hoher Anteil an Laurinsäure auf, einer mittelkettigen Fettsäure.
Und dann ist da die Hülle. Sie besteht aus Chitin — dem festen Material, aus dem auch der Panzer eines Käfers gebaut ist.
Chitin wirkt antimikrobiell. Verdaulich ist es allerdings kaum, weshalb es im Futter eher als Ballaststoff zählt.
In Versuchen mit Schweinen und Geflügel ersetzte ein Anteil von fünf bis zehn Prozent das Sojaschrot. Beobachtet wurden dabei gute Ergebnisse für den Darm.
Der stärkste Grund: ein Eiweiß ohne Vorgeschichte
Warum Insekten bei empfindlichen Hunden so oft empfohlen werden, hat wenig mit Insekten zu tun. Das MSD Veterinary Manual nennt als häufigste Auslöser einer Futtermittelallergie Rindfleisch, Huhn, Eier, Mais, Weizen, Soja und Milch.
Das sind genau die Bestandteile, die in fast jeder Dose stecken. Ein Immunsystem lernt nur, was es kennt.
Eine Allergie richtet sich immer gegen ein Eiweiß, mit dem der Körper schon Kontakt hatte. Ein Hund, der nie Insekten gefressen hat, bringt gegen dieses Eiweiß nichts mit.
Für die Diagnose zählt nur eine Methode. Blut- und Hauttests sind dafür nicht zuverlässig, die Ausschlussdiät schon.
Diese Diät läuft bis zu drei Monate. Danach kommt das alte Futter noch einmal in den Napf. Die Zeichen kehren dann meist zwischen einer Stunde und vierzehn Tagen zurück.

Wie so ein Durchgang abläuft, steht ausführlich in Futterallergie beim Hund.
Wer stattdessen eine einzelne bekannte Fleischsorte sucht, findet den Vergleich in Monoprotein-Futter für Hunde.
Vorteile und Grenzen nebeneinander
Beides gehört in dieselbe Tabelle, sonst entsteht ein schiefes Bild. Ich habe die Punkte so sortiert, wie sie im Alltag ins Gewicht fallen.
Zusammengestellt aus den Angaben der BLE und des BfR, abgerufen am 27.08.2026.
Was gegen die schöne Erzählung spricht
Die Ökobilanz wird gern als Argument verkauft. Die BLE zitiert dazu zwei Forscher, die genauer hingesehen haben.
Ihr Befund fällt nüchtern aus. Als Substrat dienen überwiegend Weizenkleie, Maisnebenerzeugnisse oder Biertreber.
Diese Stoffe landen ohnehin schon in Trögen, in Biogasanlagen oder auf dem Kompost. Ein zusätzlicher Kreislauf entsteht dadurch nicht.
Echte Speiseabfälle wären der große Hebel. Genau die sind in der EU als Substrat verboten, wodurch rund siebzig Prozent des möglichen Reststoffpotenzials liegen bleiben.
Wirtschaftlich sieht es ähnlich aus. Die Herstellung kostet mehr als bei etabliertem Futter. Einige große Anbieter haben sich aus diesem Bereich sogar teilweise zurückgezogen.
Das macht Insektenfutter nicht schlecht. Es macht die Werbung dazu nur ungenauer, als sie klingt.
Das Allergierisiko ehrlich benannt
Insektenfutter ist kein Freifahrtschein. Das BfR weist auf Kreuzreaktionen hin, weil bestimmte Insektenproteine denen in Krebstieren, Weichtieren und Hausstaubmilben ähneln.
Schwere allergische Reaktionen auf Insekten sind in Deutschland bisher nicht gemeldet. Der Zusatz dazu ist wichtig: Der Verzehr ist noch selten.
Reagiert dein Hund also weiter, liegt es womöglich am neuen Futter selbst. Was du bei anhaltendem Kratzen prüfst, steht in Hundefutter richtig auswählen.
Wann Insektenfutter nicht die erste Wahl ist
- Dein Hund ist gesund, frisst gut und hat keine Beschwerden — dann gibt es keinen Anlass.
- Auf der Dose steht Ergänzungsfuttermittel statt Alleinfuttermittel.
- Dein Welpe wächst noch und das Futter ist nicht für Welpen ausgewiesen.
- Der Hund hat eine bekannte Reaktion auf Krebstiere oder Hausstaubmilben.
- Du willst eine Ausschlussdiät starten, ohne sie tierärztlich begleiten zu lassen.
- Das Kratzen wird unter dem neuen Futter schlimmer statt besser.
Wie ich es zuhause halte
Aus meiner Erfahrung heraus scheitert der Wechsel selten am Futter. Er scheitert am Tempo.
Ich mische über sieben bis zehn Tage schrittweise mehr vom neuen Futter unter. Am ersten Tag ein Viertel, am Ende alles.

Dazu führe ich eine kurze Liste. Datum, Menge, Kot, Kratzen — vier Spalten reichen völlig.
Ohne diese Liste erinnert sich nach drei Wochen niemand mehr, wann es besser wurde. Ich mich eingeschlossen.
Reagiert ein empfindlicher Magen auf die Umstellung, mag ich einen ruhigen Aufbau über sechs Wochen. Ulmenrinde legt sich als Schutzfilm über die Schleimhaut, Bentonit bindet im Darm. Beides steckt neben Möhrenmehl, Wermut und Enzianwurzel in unserem Magenpulver für Hunde — ein halber Teelöffel je zehn Kilo, immer zum Futter.

Meine langjährige Erfahrung mit Futterfragen zeigt einen Klassiker. Halter wechseln dreimal in sechs Wochen und wundern sich, dass nichts eindeutig wird.
Fazit: Hundefutter mit Insekten ist zugelassen und für Hunde mit Futterproblemen eine echte Option. Der Vorteil liegt im neuen Eiweiß, nicht im Insekt an sich. Preis und fehlende Langzeiterfahrung bleiben die ehrlichen Nachteile. Und bei der Ökobilanz lohnt der zweite Blick auf das Substrat.
Häufige Fragen zu Hundefutter mit Insekten
Ist Hundefutter mit Insekten erlaubt?
Ja. In der EU sind acht Insektenarten als Nutzinsekten zugelassen, darunter die Schwarze Soldatenfliege und der Mehlkäfer.
Welche Insekten stecken meistens drin?
Auf den Dosen, die mir untergekommen sind, stand fast immer die Larve der Schwarzen Soldatenfliege. Den Mehlkäfer habe ich seltener gelesen.
Für welchen Hund lohnt sich Insektenfutter?
Vor allem für Hunde, die auf gängige Eiweißquellen reagieren. Insekten haben die wenigsten davon je gefressen.
Wie viel Eiweiß liefern Insekten?
Die BLE nennt Proteingehalte zwischen 55 und 75 Prozent. Das ist ein sehr hoher Wert.
Kann mein Hund auf Insekten allergisch reagieren?
Ja, ausschließen lässt sich das nicht. Eine Allergie kann sich gegen jedes Eiweiß richten.
Ist Insektenfutter besser für die Umwelt?
Die Zucht braucht kaum zusätzliche Fläche. In der Praxis ist der Vorsprung kleiner, als die Werbung nahelegt.
Warum ist Insektenfutter teurer?
Die Herstellung kostet mehr als bei etablierten Futtermitteln. Das schlägt bis auf den Preis im Regal durch.
Was ist Chitin?
Der feste Stoff der Insektenhülle, vergleichbar mit einem Panzer. Er wirkt antimikrobiell und ist schwer verdaulich.
Kann ich einfach umstellen?
Besser langsam. Ich mische über sieben bis zehn Tage schrittweise mehr vom neuen Futter unter.
Reicht Insektenfutter als Alleinfutter?
Ein deklariertes Alleinfuttermittel deckt den Bedarf. Ergänzungsfutter tut das ausdrücklich nicht.
Ersetzt Insektenfutter den Allergietest?
Nein. Das MSD-Handbuch hält fest, dass Blut- und Hauttests unzuverlässig sind und nur die Ausschlussdiät zählt.
Ist Insektenfutter für Welpen geeignet?
Nur als ausgewiesenes Welpenfutter. Ein wachsender Hund hat einen anderen Bedarf als ein erwachsener.
Quellen
- oekolandbau.de (Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung) – Insekten als Futtermittel
- BfR – Lupinen, Insekten oder Fleisch aus dem Labor: alternative Eiweißquellen
- MSD Veterinary Manual – Allergies in Dogs
Über den Autor

Kevin Roth
Co-Gründer von Lucky Pets
Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.
Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.
Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Eine Ausschlussdiät gehört tierärztlich begleitet, gerade bei Hunden mit starkem Juckreiz.
