Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 27.08.2026 · Lesezeit: 9 Minuten
Das Wichtigste in Kürze
- Die echte Hundegrippe kommt in Deutschland praktisch nicht vor.
- Eine Untersuchung an 307 Hunden fand hier keinen bestätigten Fall.
- Was Halter „Hundegrippe" nennen, ist fast immer Zwingerhusten.
- Husten über zwei Wochen, Fieber oder Atemnot gehören in die Praxis.
Hundegrippe klingt nach etwas, das jeden Winter durchs Viertel zieht. Beim Hund stimmt dieses Bild nicht. Es gibt ein echtes Hunde-Influenzavirus, nur ist es in Deutschland bisher nicht angekommen.
Die kurze Antwort
Deinen Schnupfen kann dein Hund nicht bekommen. Ein eigenes Hunde-Influenzavirus existiert, es kursiert aber in den USA und in Teilen Asiens. Hierzulande ist es bisher nicht nachweisbar.
Was es stattdessen ist
Husten, Nasenausfluss und Fieber beim Hund gehen fast immer auf Zwingerhusten zurück. Dahinter steckt kein einzelner Erreger, sondern ein Bündel aus Viren und Bakterien.
Warum das Wort Hundegrippe in die Irre führt
Zwei Dinge werden hier gern verwechselt. Das eine ist die Grippe, die du kennst. Das andere ist eine eigene Hundekrankheit, die zufällig ähnlich heißt.
Zur echten Hundegrippe führt das MSD Veterinary Manual zwei Virustypen: H3N8 und H3N2. Der erste stammt vom Pferd ab und tauchte 2004 in den USA auf. Der zweite kommt aus Asien und geht auf ein Vogelgrippevirus zurück.
Beide Typen sind bei Hunden angekommen und bleiben dort. Der große Ausbruch in Chicago 2015 machte die H3N2-Variante bekannt. Vier von fünf Hunden erkranken dabei nur leicht, ein bis fünf Prozent sterben.
Der Verlauf ähnelt einer Erkältung mehr als einem Drama. Nach ein bis fünf Tagen beginnt der Husten. Die meisten Hunde sind nach zwei bis drei Wochen wieder fit.

Aus meiner Erfahrung heraus reicht dieses Wissen aber nicht, um deine eigentliche Frage zu beantworten. Die lautet: Kann das mein Hund hier bekommen?
Was in Deutschland gemessen wurde
Genau dazu gibt es eine Zahl. An der Tierärztlichen Fakultät der LMU München wurden zwischen April 2010 und Mai 2011 Blutproben gesammelt und auf Antikörper gegen Influenzaviren getestet.
Untersucht wurden 307 Hunde: 111 gesunde Greyhounds, 58 gesunde Hunde anderer Windhunderassen sowie 103 gesunde Hunde jeder Rasse. 35 Tiere husteten, niesten oder hatten Nasenausfluss. Das Ergebnis steht in der Prüfarbeit von Christina Klinkenberg.
Zwei Proben schlugen im ersten Test an. Beide Bestätigungstests fielen negativ aus, die Virussuche per PCR ebenfalls. Damit gelten beide als falsch positiv.
Übrig bleibt eine Häufigkeit zwischen 0,0 und 1,24 Prozent. Kein einziger Hund war sicher betroffen. Für die deutsche Hundepopulation besteht danach ein sehr geringes Risiko.
Ein Vorbehalt gehört dazu. Die Arbeit stammt von 2012. Viren wandern. Wer einen Hund aus den USA oder aus Asien holt, sollte die Möglichkeit trotzdem im Kopf haben.
Gegenüberstellung nach MSD Veterinary Manual, LABOKLIN und der Münchner Prüfarbeit, alle abgerufen am 27.08.2026.
Zwingerhusten: das, was Halter wirklich meinen
Der Name ist so unglücklich wie der andere. Kein Hund braucht einen Zwinger dafür. Es reicht eine Hundeschule, ein voller Park oder eine Woche Pension.
Im Vordergrund stehen laut LABOKLIN zwei Viren: das canine Adenovirus Typ 2 und das canine Parainfluenzavirus. Influenzaviren sind dabei eher selten beteiligt.
Der wichtigste bakterielle Erreger heißt Bordetella bronchiseptica. Er heftet sich an das Flimmerepithel der Atemwege, also an die feinen Härchen, die Schleim nach oben transportieren.
Seine Giftstoffe legen diese Härchen lahm. Der Schleim bleibt liegen. Genau deshalb hustet der Hund so trocken und so hartnäckig.
Dieselben Bakterien öffnen weiteren Keimen die Tür. Aus einem harmlosen Husten wird dann eine Bronchitis oder eine Lungenentzündung.
Wie der Verlauf im Alltag aussieht und was in welcher Woche hilft, steht ausführlich in Zwingerhusten beim Hund.

Damit fährst du sofort in die Praxis
- Dein Hund atmet schwer, streckt den Hals oder hat blaue Schleimhäute.
- Das Fieber steigt über 39,5 Grad und bleibt oben.
- Der Husten dauert länger als zwei Wochen.
- Dein Hund frisst zwei Tage lang nichts mehr.
- Aus der Nase kommt gelber oder grüner Ausfluss.
Welpen, Senioren und kurznasige Rassen kippen schneller. Bei ihnen zählt der halbe Tag.
Wie eine Praxis den Erreger findet
Für Viren gibt es einen Nasen- oder Rachenabstrich mit anschließender PCR. Der Zeitpunkt entscheidet über das Ergebnis.
Bei der echten Influenza ist der Tupfer nur in den ersten drei Krankheitstagen aussagekräftig. Ab Tag vier liefert die PCR häufig falsch negative Werte.
Bei schweren Verläufen genügt der Abstrich von vorn nicht. Nötig ist eine Probe tief aus dem Rachen oder aus der Luftröhre, angelegt als Kultur mit Antibiogramm.
Das Antibiogramm ist die Liste, welche Mittel gegen genau diesen Keim noch wirken. Ohne sie ist jede Antibiotikagabe geraten.
Bei unkompliziertem Verlauf laufen solche Behandlungen mindestens 14 Tage. Wann Husten überhaupt ein Fall für Medikamente ist, ordnet Hund hustet ein.
Impfen: was hier wirklich geht
Einen Impfstoff gegen die canine Influenza gibt es in Deutschland nicht. In den USA existiert einer, hier ist er nicht zugelassen.
Gegen die Zwingerhusten-Erreger gibt es dagegen Impfungen. Sie richten sich unter anderem gegen Bordetella bronchiseptica und gegen das Parainfluenzavirus.
Diese Impfungen verhindern nicht jede Ansteckung. Sie mildern den Verlauf und senken die Menge an Erregern, die dein Hund weitergibt.
Sinnvoll ist das vor Hundeschule, Pension oder Turnier. Welche Impfungen im Jahresplan stehen, steht in Impfung beim Hund.
Mein Tipp: Ruf vor der Pension an und frag nach der geforderten Vorlaufzeit. Viele Häuser wollen die Impfung mindestens zehn Tage vor dem Anreisetag im Pass sehen.
Was du zu Hause tust
Ruhe steht an erster Stelle. Kein Zerrspiel, kein Rennen, kein Halsband — ein Brustgeschirr drückt nicht auf die gereizte Luftröhre.
Feuchte Luft hilft dem Hals. Zehn Minuten im Bad, während die Dusche läuft, sind angenehmer als jedes Hausmittel aus dem Netz.
Miss die Temperatur einmal am Tag und schreib sie auf. Ab wann ein Wert wirklich hoch ist, klärt Fieber bei Hunden.
Und halte deinen Hund von anderen fern, solange er hustet. Das ist unbequem, aber es bricht die Kette.

Die Zeit nach der Behandlung
Meine langjährige Erfahrung mit Haltern zeigt, dass die Wochen nach einem Infekt am häufigsten übersprungen werden. Antibiotika treffen nicht nur den Erreger im Hals, sie treffen auch den Darm.
Wir haben für diese Phase unser Magenpulver zusammengestellt: Möhrenmehl, Ulmenrinde, Wermut, Enzianwurzel sowie Tausendgüldenkraut, dazu Natrolith-Phonolith und Bentonit.

Die Gabe ist unspektakulär: ein halber Teelöffel je 10 Kilogramm Körpergewicht, immer zum Futter, nie nüchtern. Bei Medikamenten hältst du zwei Stunden Abstand ein.
Ein Ergänzungsfutter behandelt keine Infektion. Es begleitet die Zeit danach, mehr behaupten wir nicht.
Fazit: Die Hundegrippe im engeren Sinn gibt es, in Deutschland spielt sie aber keine Rolle. Wer hier einen hustenden Hund hat, hat es fast immer mit Zwingerhusten zu tun. Bei Atemnot, hohem Fieber oder Husten über zwei Wochen gehört dein Hund vorgestellt.
Häufige Fragen zur Hundegrippe
Können Hunde die Grippe bekommen?
Die menschliche Grippe bekommen sie nicht. Es gibt ein eigenes Hunde-Influenzavirus mit den Typen H3N8 und H3N2. In Deutschland ist es bisher nicht angekommen.
Gibt es die Hundegrippe in Deutschland?
Praktisch nicht. Eine Untersuchung der LMU München prüfte 307 Hunde und fand keinen einzigen bestätigten Fall. Das Konfidenzintervall reicht von 0,0 bis 1,24 Prozent.
Was ist es dann, wenn mein Hund hustet und Fieber hat?
Fast immer Zwingerhusten. Dahinter steckt ein Bündel aus Viren und Bakterien, das ähnliche Zeichen macht wie eine Grippe beim Menschen.
Hundegrippe: Woran erkenne ich Zwingerhusten?
Typisch ist ein trockener, bellender Husten, der oft mit Würgen endet. Viele Hunde fressen dabei normal weiter und wirken sonst munter.
Hundegrippe: Wie lange dauert das?
Unkompliziert klingt der Husten in ein bis drei Wochen ab. Dauert er länger oder kommt Fieber dazu, gehört der Hund untersucht.
Kann ich meinen Hund gegen Hundegrippe impfen lassen?
In Deutschland gibt es dafür keinen zugelassenen Impfstoff. Es gibt aber Impfungen gegen Zwingerhusten-Erreger, etwa gegen Bordetella bronchiseptica und das Parainfluenzavirus.
Steckt mein Hund mich an?
Eine Übertragung vom Hund auf den Menschen ist bisher nicht beschrieben. Händewaschen nach dem Kontakt mit einem kranken Hund bleibt trotzdem sinnvoll.
Hundegrippe: Braucht mein Hund Antibiotika?
Nicht bei jedem Husten. Bei schweren Verläufen ist ein tiefer Rachenabstrich mit Antibiogramm nötig, damit das Mittel zum Erreger passt.
Was ist mit einem Hund aus dem Ausland?
Bei Importhunden aus den USA oder aus Asien lohnt der Gedanke an eine echte Influenza. Sag der Praxis, woher dein Hund kommt.
Wie lange bleibt ein Hund ansteckend?
Bei der echten Influenza gilt ein Hund bis zu vier Wochen nach dem Kontakt als ansteckend. Beim Zwingerhusten ist die Zeitspanne kürzer, aber ähnlich unangenehm.
Hilft ein Grippemittel aus der Apotheke?
Nein. Menschenmedikamente sind für Hunde zum Teil giftig. Bei der Influenza rät das MSD-Handbuch ausdrücklich von Oseltamivir ab.
Muss mein Hund zu Hause bleiben?
Ja, solange er hustet. Hundewiese, Hundeschule und Pension fallen aus, sonst gibt er den Erreger weiter.
Quellen
- Klinkenberg, LMU München 2012 – Influenza A (H3N8) in der deutschen Hundepopulation: eine Prävalenzstudie
- LABOKLIN – Husten, Schnupfen, Heiserkeit: Infektiöse Erkrankungen des Respirationstrakts beim Hund
- MSD Veterinary Manual – Canine Influenza (Flu)
Über den Autor

Kevin Roth
Co-Gründer von Lucky Pets
Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.
Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.
Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Atemnot, blaue Schleimhäute oder anhaltend hohes Fieber gehören ohne Umweg in eine Praxis.
