Können Hunde spüren, wenn man krank ist? Was belegt ist

Können Hunde spüren, wenn man krank ist? Was belegt ist

Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 28.08.2026 · Lesezeit: 9 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Belegt sind Anfallsgeruch, Unterzucker und eine Coronainfektion.
  • Hunde riechen Stoffwechselprodukte, nicht die Krankheit selbst.
  • Die Leistungen stammen von ausgebildeten Hunden, nicht vom Familienhund.
  • Migräne, Parkinson und Depression gehören nicht dazu.

Können Hunde spüren, wenn man krank ist? Diese Frage bekommt online meistens eine begeisterte Antwort und selten eine belegte. Dabei gibt es zu drei Zuständen wirklich brauchbare Untersuchungen. Ich schreibe hier auf, was darin steht. Ebenso deutlich schreibe ich auf, was eben nicht drinsteht.

Die kurze Antwort

Ausgebildete Hunde erkennen den Geruch rund um einen epileptischen Anfall. Sie schlagen bei Unterzucker an. Sie unterscheiden außerdem eine Coronainfektion von anderen Atemwegserregern. Sie riechen dabei nicht die Krankheit, sondern Stoffwechselprodukte.

Die Grenze, die überall fehlt

Alle diese Ergebnisse stammen von Hunden mit monatelanger Ausbildung, meist unter Testbedingungen. Dein Familienhund bemerkt Veränderungen an dir, doch er stellt keine Diagnose. Bei einem Verdacht ersetzt sein Verhalten keinen Arzttermin.

Was ein Hund tatsächlich riecht

Ein Missverständnis steht am Anfang fast jeder Diskussion. Ein Hund riecht keine Krankheit. Die Tierärztliche Hochschule Hannover formuliert es für die Coronaproben genau so: Die Hunde riechen nicht die Viren selbst, sondern flüchtige organische Verbindungen, die bei Stoffwechselvorgängen nach einer Infektion entstehen.

Der Körper stellt bei einer Erkrankung andere Stoffe her als sonst. Ein Teil davon gelangt in Atemluft, Schweiß und Urin. Genau dieses veränderte Gemisch nimmt ein Hund wahr.

Zur Empfindlichkeit gibt es aus derselben Mitteilung ein Zitat von Esther Schalke vom Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr. Die Geruchserkennung von Hunden sei um drei Größenordnungen empfindlicher als die derzeit verfügbaren Geräte.

Wie du diese Nase im Alltag beschäftigst, ohne gleich eine Ausbildung anzufangen, zeigt Nasenarbeit mit dem Hund.

Kopf eines wachen Golden Retrievers
Die Nase ist das Werkzeug. Alles Weitere ist Ausbildung. Foto: Pete Markham from Loretto, USA / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0

Epilepsie: der Geruch rund um den Anfall

Die für mich sauberste Arbeit stammt aus dem Jahr 2019. Amélie Catala und ihr Team prüften, ob es überhaupt einen gemeinsamen Anfallsgeruch gibt, der über verschiedene Menschen und Anfallsarten hinweg gleich bleibt.

Der Aufbau war streng. Fünf ausgebildete Hunde, sieben verschlossene Behälter je Durchgang, neun Durchgänge pro Hund. Nur ein Behälter enthielt die Anfallsprobe, alle anderen stammten von derselben Person in anderen Situationen.

Alle fünf Hunde unterschieden den Anfallsgeruch. Die Trefferquote bei den richtigen Proben lag zwischen 67 und 100 Prozent, das Erkennen der leeren Proben zwischen 95 und 100 Prozent. Drei der fünf Hunde arbeiteten fehlerfrei.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Gearbeitet wurde mit konservierten Geruchsproben, nicht am lebenden Menschen. Und die Autoren selbst schreiben, dass erst weitere Arbeiten zeigen müssen, ob sich daraus eine Vorwarnung bauen lässt. Wie ein Anfall beim Hund selbst abläuft, beschreibt Epilepsie beim Hund.

Unterzucker: die Warnhunde für Menschen mit Diabetes

Nicola Rooney und ihr Team begleiteten 2013 siebzehn Menschen mit Typ-1-Diabetes, die einen ausgebildeten Warnhund erhalten hatten.

Alle siebzehn berichteten von Verbesserungen: weniger Rettungseinsätze, weniger Bewusstlosigkeit, mehr Selbstständigkeit. Bei zehn Hunden lagen ausreichende Aufzeichnungen vor. Acht davon schlugen häufiger an, wenn der Blutzucker außerhalb des Zielbereichs lag.

Nun die Kehrseite, die in Zusammenfassungen gern verschwindet. Die Daten stammten von den Haltern selbst, was sie anfällig für Wunschdenken macht. Der Langzeitblutzuckerwert sank nach der Zuteilung nur geringfügig. Diesen Rückgang nennen die Autoren rechnerisch nicht absicherbar.

Ein Wort noch zu einer Behauptung, die durch viele Ratgeber geistert. Angeblich riechen Hunde bei Unterzucker das Aceton. Das ist verdreht, denn Aceton entsteht bei Insulinmangel und damit bei zu hohem Blutzucker. Was Diabetes beim Hund selbst bedeutet, klärt Diabetes beim Hund.

Was der Coronaversuch gezeigt hat

Die dritte belastbare Untersuchung entstand 2021 in Hannover, gemeinsam mit der Bundeswehr. Zwölf Spürhunde sollten prüfen, ob der Geruch einer Coronainfektion überhaupt etwas Eigenes ist.

Zum Vergleich dienten Proben von Menschen mit fünfzehn anderen Atemwegserregern, darunter Grippe, Rhinoviren und mehrere andere Coronaviren. Die Hunde trennten die Gruppen mit einer mittleren Trefferquote von 74 Prozent bei den positiven Proben und 95 Prozent bei den Kontrollproben.

Diese beiden Zahlen sagen Unterschiedliches. Die erste beschreibt, wie viele Erkrankte gefunden wurden. Die zweite beschreibt, wie zuverlässig Gesunde als gesund erkannt wurden.

Damit steht der eigentliche Befund fest: Die Stoffe, die ein Hund bei einer Coronainfektion wahrnimmt, gehören zu genau dieser Infektion.

Kopf eines wachen langhaarigen Hundes im Freien
Was ein Hund wahrnimmt, bleibt für uns unsichtbar. Foto: Jakub Hałun / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Was belegt ist Woher der Beleg stammt Wo die Grenze liegt
Was belegt istGeruch rund um einen epileptischen Anfall Woher der Beleg stammtCatala et al., 2019, fünf Hunde Wo die Grenze liegtkonservierte Proben, kein lebender Mensch
Was belegt istAnschlagen bei Unterzucker Woher der Beleg stammtRooney et al., 2013, zehn ausgewertete Hunde Wo die Grenze liegtDaten von den Haltern selbst erhoben
Was belegt istUnterscheidung einer Coronainfektion Woher der Beleg stammtTiHo Hannover, 2021, zwölf Hunde Wo die Grenze liegtLaborproben, ausgebildete Spürhunde
Was belegt istKrebsgeruch Woher der Beleg stammtvon den Autoren der Anfallsstudie erwähnt Wo die Grenze liegtvon mir nicht selbst geprüft
Was belegt istMigräne Woher der Beleg stammtkein belastbarer Beleg gefunden Wo die Grenze liegtnicht behaupten
Was belegt istParkinson Woher der Beleg stammtbeim Menschen beschrieben, nicht beim Hund Wo die Grenze liegtnicht behaupten
Was belegt istDepression oder Angststörung Woher der Beleg stammtkein belastbarer Beleg gefunden Wo die Grenze liegtnicht behaupten

Die letzten drei Zeilen stehen in vielen Ratgebern trotzdem. Ich lasse sie hier bewusst offen.

Was ich ausdrücklich nicht behaupte

  • Dass ein Hund eine Erkrankung vor jedem Arzt erkennt.
  • Dass ein Familienhund ohne Ausbildung zuverlässig warnt.
  • Dass verändertes Hundeverhalten eine Untersuchung ersetzt.
  • Dass Hunde Migräne, Parkinson oder eine Depression riechen.
  • Dass es reicht, den Hund zu beobachten, statt sich untersuchen zu lassen.

Aus meiner Erfahrung heraus richtet gerade der letzte Punkt Schaden an. Wer wegen des ruhigen Hundes einen Termin verschiebt, verliert Zeit.

Der Assistenzhund im deutschen Recht

Aus der Forschung ist längst Alltag geworden. Dieser Alltag ist in Deutschland geregelt. Das Behindertengleichstellungsgesetz beschreibt einen Assistenzhund als speziell ausgebildeten Hund, der einem Menschen mit Behinderung die selbstbestimmte Teilhabe ermöglicht, erleichtert oder Nachteile ausgleicht.

Daran hängen konkrete Rechte. Öffentlich zugängliche Anlagen und Einrichtungen dürfen den Zutritt nicht wegen des Hundes verweigern, solange daraus keine unverhältnismäßige Belastung entsteht.

Zwei Pflichten stehen daneben. Der Hund ist als Assistenzhund zu kennzeichnen. Für ihn muss außerdem eine Haftpflichtversicherung bestehen. Wo die Abgrenzung zu Begleit- und Therapiehunden verläuft, erklärt Begleithund.

Und dein Hund zu Hause?

Jetzt zur Frage, die die meisten wirklich stellen. Merkt der eigene Hund, dass es einem schlecht geht?

Er merkt eine Veränderung, sogar über mehrere Kanäle gleichzeitig. Du bewegst dich anders, sprichst leiser, gehst später raus, riechst anders. Für einen Hund ist das eine Menge Information.

Meine langjährige Erfahrung sagt trotzdem: Was du daraus liest, sagt mehr über dich als über ihn. Ein Hund, der plötzlich klebt, kann Nähe suchen, verunsichert sein oder selbst Schmerzen haben. Die Bandbreite zeigt Hund sucht Körperkontakt.

Deshalb lohnt der Blick in beide Richtungen. Verändert sich sein Verhalten deutlich, prüfe zuerst ihn. Was Anspannung im Alltag anrichtet, steht in Stress beim Hund. Den Rückzug ordnet Hund zieht sich zurück ein.

Für die Deutung der kleinen Zeichen lohnt sich außerdem ein geschulter Blick. Welche Körperhaltung was bedeutet, sammelt Hundekommunikation.

Ein Mensch hält einen wachen Hund im Freien im Arm
Nähe tut gut. Eine Untersuchung ersetzt sie nicht. Foto: Wikimedia Commons, CC0

Mein Tipp: Notiere über zwei Wochen, wann dein Hund auffällig anhänglich wird. Fällt das immer auf dieselben Situationen, geht es meist um deinen Tagesablauf und nicht um deine Gesundheit.

Fazit: Hunde nehmen wahr, wenn sich am Menschen etwas ändert. Belegt ist das für drei Bereiche. Ausgebildete Hunde unterscheiden den Geruch rund um einen epileptischen Anfall. Sie schlagen bei Unterzucker häufiger an. Und sie trennen eine Coronainfektion von fünfzehn anderen Atemwegserregern. Gerochen wird dabei nie die Krankheit selbst, sondern die Stoffe, die dein Stoffwechsel gerade herstellt. Alle diese Ergebnisse stammen von Hunden mit langer Ausbildung, meist an Proben im Labor. Für Migräne, Parkinson oder eine Depression habe ich keinen belastbaren Beleg gefunden. Dein Hund bemerkt also etwas, doch er ersetzt keinen Arzttermin.

Häufige Fragen dazu, ob Hunde Krankheiten erkennen

Können Hunde riechen, wenn ein Mensch krank ist?

Für einige Zustände ja, allerdings nur nach Ausbildung. Belegt sind der Geruch rund um epileptische Anfälle, Unterzucker bei Diabetes sowie eine Infektion mit SARS-CoV-2.

Was genau riecht ein Hund dabei?

Nicht die Krankheit selbst. Die Tierärztliche Hochschule Hannover beschreibt flüchtige organische Verbindungen, die bei Stoffwechselvorgängen entstehen.

Wie gut treffen ausgebildete Hunde?

In der Anfallsstudie von 2019 erkannten alle fünf Hunde den Anfallsgeruch, mit Trefferquoten zwischen 67 und 100 Prozent. Drei von fünf lagen bei 100 Prozent.

Erkennen Hunde Krebs?

Dazu gibt es Arbeiten, die ich hier nicht selbst geprüft habe. Die Autoren der Anfallsstudie verweisen einleitend darauf, dass Hunde dies für Krebs und Diabetes bereits gezeigt haben.

Warnen Diabetes-Hunde zuverlässig?

Sie schlagen häufiger an, wenn der Blutzucker außerhalb des Zielbereichs liegt. In der Arbeit von 2013 traf das auf acht von zehn ausgewerteten Hunden zu.

Wie belastbar ist diese Diabetes-Arbeit?

Nur bedingt. Die Daten stammten von den Haltern selbst. Zudem sank der Langzeitblutzuckerwert nur geringfügig, was die Autoren rechnerisch nicht absichern konnten.

Kann mein Familienhund das auch?

Ohne Ausbildung nicht als verlässliche Warnung. Er bemerkt allerdings Veränderungen an dir: Geruch, Stimme, Tempo, Tagesablauf. Darauf reagiert er.

Mein Hund weicht mir seit Tagen nicht von der Seite. Was heißt das?

Meistens hat sich etwas an deinem Verhalten geändert. Das ist keine Diagnose und ersetzt keinen Arzttermin.

Erkennen Hunde Migräne oder Depressionen?

Dafür kenne ich keinen belastbaren Beleg. Solche Aussagen stehen in vielen Ratgebern, tragen aber keine Quelle.

Was ist ein Assistenzhund im Sinne des Gesetzes?

Ein speziell ausgebildeter Hund, der einem Menschen mit Behinderung die Teilhabe ermöglicht oder erleichtert. So steht es im Behindertengleichstellungsgesetz.

Darf ein Assistenzhund überall mit hinein?

In öffentlich zugängliche Anlagen und Einrichtungen ja, solange der Zutritt keine unverhältnismäßige Belastung darstellt. Der Hund muss gekennzeichnet und haftpflichtversichert sein.

Wie fördere ich die Nase meines Hundes?

Mit Suchspielen im Alltag. Zehn Minuten Schnüffelarbeit lasten viele Hunde stärker aus als eine halbe Stunde Rennen.

Quellen

Über den Autor

Kevin Roth, Co-Gründer von Lucky Pets

Kevin Roth

Co-Gründer von Lucky Pets

Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.

Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.

Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung und keine ärztliche Abklärung. Ein verändertes Verhalten deines Hundes ist kein Befund, weder für ihn noch für dich.