Nackthund: Welche haarlosen Rassen es wirklich gibt

Nackthund: Welche haarlosen Rassen es wirklich gibt

Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 27.08.2026 · Lesezeit: 10 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Die FCI führt genau drei haarlose Rassen: Nr. 234, 288 und 310.
  • Die Haarlosigkeit hängt bei allen dreien am FOXI3-Gen.
  • Embryonen mit der doppelten Variante sterben laut LABOKLIN vor der Geburt.
  • Das Gebiss ist deshalb fast immer unvollständig.

Ein Nackthund fällt auf. Genau deshalb wird über ihn viel Falsches geschrieben. Ich habe die drei FCI-Standards und die Genetik dahinter nachgelesen. Was dabei herauskommt, ist ehrlicher als jede Anzeige.

Die kurze Antwort

Die FCI kennt drei haarlose Rassen: Xoloitzcuintle, Chinesischer Schopfhund und Peruanischer Nackthund. Bei allen dreien sitzt die Ursache im FOXI3-Gen. Ein Hund kann die Variante nur einfach tragen.

Der entscheidende Punkt

LABOKLIN schreibt: Embryonen, die die Genvariante doppelt tragen, sterben bereits während der Trächtigkeit ab. Deshalb fallen in jedem Wurf auch behaarte Welpen — sie sind kein Zuchtfehler.

Die drei Rassen, die es wirklich gibt

Ich habe das FCI-Register mit seinen 362 Rassen durchgesehen. Haarlos sind darin genau drei. Der Xoloitzcuintle aus Mexiko trägt die Nummer 234, der Chinesische Schopfhund die 288, der Peruanische Nackthund die 310.

Wacher kleiner Hund steht aufmerksam im Freien
Drei Rassen, drei Standards — und dieselbe Genvariante dahinter. Foto: Maciek Godlewski / Wikimedia Commons, CC BY 2.5

Zwei davon stehen in Gruppe 5 bei den Hunden vom Urtyp. Der Chinesische Schopfhund steht dagegen in Gruppe 9 — und dort in einer Sektion, die es nur einmal gibt: Sektion 4, Haarlose Hunde.

Alle drei Rassen haben eine behaarte Zweitform. Beim Xoloitzcuintle heißt sie schlicht behaarte Varietät, beim Chinesischen Schopfhund Powder Puff. Beim Peruaner spricht der Standard von der coated variety.

Rasse (FCI-Nr.) Gruppe und Sektion Größe laut Standard Gewicht
Rasse (FCI-Nr.)Xoloitzcuintle (234) Gruppe und SektionGruppe 5, Sektion 6 Größe laut Standarddrei Größen: 46–60, 36–45 und 25–35 cm Gewichtim Standard nicht angegeben
Rasse (FCI-Nr.)Chinesischer Schopfhund (288) Gruppe und SektionGruppe 9, Sektion 4 Haarlose Hunde Größe laut Standardideal Rüden 28–33 cm, Hündinnen 23–30 cm Gewichtim Standard nicht angegeben
Rasse (FCI-Nr.)Peruanischer Nackthund (310) Gruppe und SektionGruppe 5, Sektion 6 Größe laut Standarddrei Größen: 25–40, 41–50 und 51–65 cm Gewichtrichtet sich nach der Größe

Aus den FCI-Standards Nr. 234 und 288 in deutscher Fassung sowie Nr. 310 in englischer Fassung, gelesen am 27.08.2026.

Für den Standard Nr. 310 gibt es keine deutsche Fassung. Ich habe deshalb mit der englischen vom 26. Oktober 2021 gearbeitet und das hier dazugeschrieben, weil es zur Einordnung gehört.

Warum in jedem Wurf behaarte Welpen liegen

Jetzt kommt der Teil, den Anzeigen weglassen. LABOKLIN führt die Haarlosigkeit bei allen drei Rassen auf das FOXI3-Gen zurück und beschreibt den Erbgang als autosomal kodominant.

Ein Hund mit einer Kopie der Variante ist nackt. Er hat spärliche oder gar keine Körperbehaarung, oft ein abnormales Gebiss und gelegentlich Missbildungen am Außenohr und am Hörkanal. Ein Hund ohne die Variante trägt normales Fell.

Und der dritte Fall? Den gibt es nicht. LABOKLIN schreibt wörtlich, dass Embryonen mit der doppelten Genvariante bereits während der Trächtigkeit absterben. Zwei nackte Eltern können also nie einen ganzen Wurf nackter Welpen bekommen.

Wacher Hund sitzt aufmerksam auf einem Felsen
Ohne Haarkleid strömt die Wärme direkt ab. Die Körpertemperatur bleibt gleich. Foto: Maurizio Ceol / Wikimedia Commons, CC BY 3.0

Genau das steht auch im FCI-Standard Nr. 234, nur anders formuliert. Dort heißt es: Das Gen ist dominant, dennoch werden einige Welpen mit Haar geboren. Der Standard nennt den Erbgang dominant, LABOKLIN nennt ihn kodominant. Gemeint ist derselbe Vorgang.

Was das Gen sonst noch anrichtet

Die Haarlosigkeit kommt nicht allein. Der Standard Nr. 234 sagt es selbst: Das Gebiss ist wegen desselben Gens fast immer unvollständig. Fehlende Schneide-, Eck- und Backenzähne werden bei der unbehaarten Varietät deshalb nicht bestraft.

Beim Chinesischen Schopfhund steht ein ähnlicher Satz. Die haarlose Varietät zeigt nach vorne gerichtete Eckzähne und soll wegen eines unvollständigen Gebisses nicht abgewertet werden. Bei der behaarten Varietät verlangt der Standard dagegen 42 normal entwickelte Zähne.

LABOKLIN fasst dieses Bündel unter einem Begriff zusammen. Der Phänotyp der haarlosen Hunde gilt dort als canine ektodermale Dysplasie — eine Entwicklungsstörung, die Haut, Haar, Zähne und manchmal das Ohr betrifft.

Damit sind wir beim Recht. § 11b des Tierschutzgesetzes verbietet die Zucht unter einer Bedingung. Züchterische Erkenntnisse müssen erwarten lassen, dass bei der Nachzucht erblich bedingt Körperteile für den artgemäßen Gebrauch fehlen. Und dass dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten.

Ob eine konkrete Zucht darunter fällt, entscheidet die zuständige Behörde, nicht ich. Aus meiner Erfahrung ist es trotzdem die Frage, die vor dem Kauf gestellt gehört. Wie schnell aus einem Merkmal ein Zuchtziel wird, zeigt Blue-Line-Hund.

Fragen, die du dem Züchter stellst

  • Wie viele behaarte Welpen liegen in diesem Wurf?
  • Wurden beide Elterntiere auf die FOXI3-Variante getestet?
  • Wie vollständig ist das Gebiss der Elterntiere?
  • Gab es Auffälligkeiten an Ohren oder Hörvermögen?
  • Nach welcher Zuchtordnung und welchem Verband wird gezüchtet?

Wie eine Zuchtzulassung in Deutschland abläuft, steht in Körung beim Hund.

Die behaarten Geschwister sind keine Fehlfarbe

Wacher kleiner Hund wird tierärztlich am Kopf untersucht
Das Gebiss ist bei der haarlosen Varietät fast immer unvollständig. Foto: Army Medicine / Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Der Standard Nr. 234 regelt die Verpaarung selbst. Er tut das ziemlich streng. Die Verpaarung zweier unbehaarter Hunde bringt am wenigsten behaarte Welpen hervor und wird deshalb bevorzugt. Verpaarungen zweier behaarter Xoloitzcuintles sind dagegen nicht zulässig.

Behaarte Zuchttiere müssen mindestens drei Generationen zurück aus Verpaarungen von Unbehaarten mit Unbehaarten stammen. Bei Ausstellungen gelten sie als rasserein. Der Peruaner-Standard formuliert es kürzer: Kreuzungen zwischen zwei behaarten Hunden sind verboten.

Der Grund ist die genetische Vielfalt. Ohne die behaarten Geschwister wäre die Zuchtbasis dieser Rassen deutlich kleiner. Wer einen behaarten Welpen kauft, kauft also keinen Ausschuss.

Haut statt Fell: was der Alltag verlangt

Der Standard Nr. 234 beschreibt die Haut der unbehaarten Varietät genau. Sie ist glatt, sehr berührungsempfindlich und fühlt sich wärmer an. Die Körpertemperatur liegt trotzdem genauso hoch wie bei behaarten Hunden.

Der Unterschied liegt in der Abgabe. Bei behaarten Rassen filtert das Fell die Wärme, hier strömt sie direkt ab. Und ein Satz aus demselben Absatz sollte jeden Halter erreichen: Die Haut bietet keinen natürlichen Schutz vor Sonneneinstrahlung und ungünstigem Wetter.

Auffällig ist noch etwas. Der Xoloitzcuintle schwitzt gewöhnlich über die Pfoten und hechelt außer bei extremer Hitze praktisch nicht. Was Sonne mit ungeschützter Haut macht, steht in Sonnenbrand beim Hund.

Vereinzelte Vernarbungen werden im Ring übrigens nicht bestraft. Offensichtliche Hautprobleme dagegen schon. Welche Hauterkrankungen häufig sind, zeigt 7 häufige Hauterkrankungen.

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Wesen und Haltung laut Standard

Der Xoloitzcuintle gilt im Standard als ruhiger und leiser Hund. Er ist fröhlich, wachsam und intelligent. Fremden gegenüber kann er misstrauisch sein. Ein Satz steht ohne Einschränkung da: Er ist niemals aggressiv.

Der Chinesische Schopfhund bekommt nur drei Worte: fröhlich, niemals bösartig. Sein Standard unterscheidet zwei Schläge, den feinknochigen Deer type und den gedrungenen Cobby type. Beide dürfen jede Farbe tragen.

Die Verwendung sagt dir mehr über den Alltag als jede Beschreibung. Beim Xoloitzcuintle stehen Standard- und Zwischenvarietät als Wachhund im Text, die Miniaturvarietät als Begleithund. Der Peruaner ist im Standard schlicht Begleithund.

Meine langjährige Erfahrung sagt: Ein wachsamer Hund ohne Aufgabe wird laut. Das gilt für einen 60 Zentimeter großen Xoloitzcuintle genauso wie für jeden anderen Wachhund.

Was nicht dazugehört

Zwei Angaben aus dem Netz halte ich für falsch. Der American Hairless Terrier ist keine Mischung, sondern eine eigenständig gezüchtete Rasse. Die FCI führt ihn allerdings nicht. LABOKLIN weist ausdrücklich darauf hin, dass der FOXI3-Test bei ihm nicht greift.

Beim Scottish Deerhound gibt es eine ganz andere Haarlosigkeit. LABOKLIN ordnet sie einer Variante im SGK3-Gen zu, der Erbgang ist dort autosomal-rezessiv. Betroffene Welpen verlieren in den ersten Lebenswochen ihr Fell. Das bleibt dauerhaft so.

Und die Sphynx ist eine Katze. Sie taucht in vielen Listen haarloser Hunderassen auf. Dort hat sie nichts verloren.

Passt ein Nackthund zu dir?

Wer einen Hund ohne Fellpflege sucht, sucht falsch. Statt Bürste kommt Hautpflege, dazu Schutz vor Sonne und vor Kälte. Der Aufwand verschwindet nicht, er verschiebt sich.

Wer Zahnprobleme scheut, sollte ehrlich zu sich sein. Ein unvollständiges Gebiss ist bei der haarlosen Varietät der Regelfall, nicht die Ausnahme. Der Standard sagt es selbst.

Und wer die genetische Seite kennt, kauft anders ein. Ich frage nach dem Testergebnis, nach den Zähnen der Elterntiere und nach dem Ohr. Danach erst nach dem Aussehen.

Mein Tipp: Lass dir den ganzen Wurf zeigen, nicht nur die nackten Welpen. Wie viele behaarte Geschwister dabei liegen, sagt dir mehr über die Verpaarung als jede Ahnentafel.

Fazit: Die FCI führt genau drei haarlose Rassen — den Xoloitzcuintle mit Standard Nr. 234, den Chinesischen Schopfhund mit Nr. 288 und den Peruanischen Nackthund mit Nr. 310. Bei allen dreien sitzt die Ursache im FOXI3-Gen. LABOKLIN beschreibt den Erbgang als autosomal kodominant und hält fest, dass Embryonen mit der doppelten Genvariante bereits während der Trächtigkeit absterben. Deshalb fallen in jedem Wurf behaarte Welpen. Aus demselben Grund verbieten die Standards Nr. 234 und Nr. 310 die Verpaarung zweier behaarter Tiere. Dasselbe Gen macht das Gebiss fast immer unvollständig. LABOKLIN ordnet das Erscheinungsbild als canine ektodermale Dysplasie ein. § 11b des Tierschutzgesetzes verbietet Zucht, wenn erblich bedingt Körperteile für den artgemäßen Gebrauch fehlen und dadurch Leiden auftreten.

Häufige Fragen zu haarlosen Hunderassen

Welche haarlosen Hunderassen führt die FCI?

Genau drei: den Xoloitzcuintle mit Standard Nr. 234, den Chinesischen Schopfhund mit Nr. 288 und den Peruanischen Nackthund mit Nr. 310.

Warum fallen in einem Wurf auch behaarte Welpen?

Weil die Variante nur einfach vorliegen kann. LABOKLIN schreibt, dass Embryonen mit der doppelten Genvariante schon während der Trächtigkeit absterben.

Was ist ein Powderpuff?

Ein Hund derselben Rasse ohne die Genvariante. Er trägt laut LABOKLIN ein normales Haarkleid und ist voll zuchtfähig.

Warum haben Nackthunde oft Zahnlücken?

Der Standard Nr. 234 nennt den Grund: Das Gebiss ist wegen desselben Gens, das die Haarlosigkeit auslöst, fast immer unvollständig.

Was bedeutet canine ektodermale Dysplasie?

So ordnet LABOKLIN das Erscheinungsbild ein. Betroffen sind Haut, Haar, Zähne und gelegentlich das Außenohr.

Ist das eine Qualzucht?

Das entscheidet die zuständige Behörde im Einzelfall. § 11b des Tierschutzgesetzes verbietet Zucht, wenn erblich bedingt Körperteile fehlen und dadurch Leiden auftreten.

Wie groß wird ein Xoloitzcuintle?

Der Standard nennt drei Größen: 46 bis 60 Zentimeter, 36 bis 45 und 25 bis 35. Ein Gewicht führt er nicht auf.

Und der Chinesische Schopfhund?

Ideal sind laut Standard Nr. 288 bei Rüden 28 bis 33 Zentimeter, bei Hündinnen 23 bis 30. Auch hier fehlt ein Gewicht.

Wie empfindlich ist die Haut?

Der Standard Nr. 234 schreibt, dass sie keinen natürlichen Schutz vor Sonneneinstrahlung und ungünstigem Wetter bietet.

Frieren Nackthunde schneller?

Ihre Körpertemperatur ist laut Standard dieselbe wie bei behaarten Hunden. Die Wärme strömt aber direkt ab, weil das Haarkleid fehlt.

Sind Nackthunde für Allergiker geeignet?

Dafür habe ich keine belastbare Quelle gefunden. Weder die Standards noch LABOKLIN sagen etwas dazu.

Gehört der American Hairless Terrier dazu?

Die FCI führt ihn in ihrem Register nicht. LABOKLIN weist darauf hin, dass der FOXI3-Test bei ihm nicht greift.

Quellen

Über den Autor

Kevin Roth, Co-Gründer von Lucky Pets

Kevin Roth

Co-Gründer von Lucky Pets

Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.

Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.

Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Zu Haut, Gebiss und Gehör des einzelnen Hundes berät die Tierarztpraxis.