Beruhigende Kräuter für Hunde: was davon belegt ist

Beruhigende Kräuter für Hunde: was davon belegt ist

Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 27.08.2026 · Lesezeit: 11 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Vier der acht Kräuter sind belegt und gelten als ungiftig.
  • Hopfen führt die Giftdatenbank für Hunde als stark giftig.
  • Johanniskraut und Salbei stehen ebenfalls dort.
  • Menge und Zubereitung gehören vorher in die Sprechstunde.

Auf dem Küchentisch liegt ein Bund Kräuter. Daneben das Handy mit einer Liste, die acht davon als beruhigend für Hunde anpreist. Sieben Zeilen, kein einziger Beleg.

Die kurze Antwort

Vier dieser acht Kräuter halten einer Prüfung stand: Melisse, Lavendel, Passionsblume und Kamille. Drei stehen in einer Giftdatenbank.

Der entscheidende Punkt

Ausgerechnet Hopfen, in fast jeder Liste vertreten, gilt für Hunde als stark giftig. Der Befund stammt von einer Universität, nicht aus einem Forum.

Woher die Angaben hier stammen

Zwei Datenbanken des Instituts für Veterinärpharmakologie und Toxikologie der Universität Zürich stehen hinter diesem Artikel. Die eine heißt CliniPharm und sammelt Arzneidrogen, also pflanzliche Mittel mit Anwendung beim Tier.

Wacher braun-weißer Hund liegt entspannt im Gras
Was im Garten wächst, ist nicht automatisch harmlos. Foto: Kolforn / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Die zweite heißt CliniTox und ordnet Pflanzen nach Giftigkeit ein. Beide sind frei zugänglich, beide nennen ihre Fachliteratur.

Aus meiner Erfahrung ist genau das der Unterschied zu den üblichen Kräuterlisten. Dort steht eine Wirkung, hier steht dazu, woher die Aussage kommt.

Ich habe jede der acht Pflanzen in beiden Datenbanken nachgeschlagen. Einmal auf die Anwendung, einmal auf den Giftbefund.

Melisse: das am besten belegte Kraut

Für Melissenblätter nennt CliniPharm als traditionelle innerliche Anwendung ausdrücklich die Beruhigung. Dazu kommen nervös bedingte Einschlafstörungen und funktionelle Magen-Darm-Beschwerden.

Bei der Menge wird die Datenbank konkret. Für Hund und Katze stehen dort 1 bis 5 Gramm Droge am Tag, umgerechnet 0,5 bis 0,7 Gramm je 10 Kilogramm Körpergewicht.

Droge meint hier die getrocknete Pflanze, nicht das, was das Wort sonst bedeutet. Für Katzen steht ein Zusatz dabei: bedingt geeignet, niedrig dosieren, einschleichend beginnen.

Einen Haken gibt es. Dieselbe Seite nennt mögliche Wechselwirkungen mit Barbituraten, mit zentral dämpfenden Medikamenten und mit Schilddrüsenhormonen.

Beim Giftbefund ist die Lage eindeutig. CliniTox führt Melissa officinalis als ungiftige Pflanze.

Lavendel: mehr als nur Duft

Bei Lavendelblüten führt dieselbe Datenbank eine ungewöhnlich lange Liste. Innerlich stehen dort Einschlafstörungen, Unruhezustände, Trennungsangst sowie Ängste auf Reisen und bei Transporten.

Wacher kleiner Hund wird auf dem Behandlungstisch abgehört
Vor der ersten Gabe gehört die Frage in die Sprechstunde. Foto: Nenad Stojkovic / Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Ein Punkt fällt auf. Genannt wird auch die Aufwachphase nach einer Narkose.

Für den Hund nennt die Seite 1 bis 5 Gramm Blüten, umgerechnet 2,5 Gramm je 10 Kilogramm Körpergewicht. Dazu steht eine Zubereitung: 3 Teelöffel fein zerriebene Blüten mit 150 bis 300 Milliliter heißem Wasser übergießen.

Nach etwa 10 Minuten wird abgesiebt. Die abgekühlte Flüssigkeit bekommt der Hund über den Tag verteilt in mehreren Gaben.

Lavandula angustifolia gilt als ungiftige Pflanze. Beim ätherischen Öl liegt der Fall anders, dazu steht mehr in Ätherische Öle beim Hund.

Passionsblume: das Kraut für die Reise

Passionsblumenkraut führt CliniPharm für Kleintiere bei Unruhezuständen und bei Stress durch Reise oder Transport. Beim Pferd steht sogar die Beruhigung während des Hufbeschlags dabei.

Die Menge gibt die Datenbank mit 25 bis 300 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht am Tag an, aufgeteilt auf drei Gaben. Die Spanne ist weit, das zeigt schon, wie ungenau die Grundlage ist.

Genannt werden Wechselwirkungen mit Gerinnungshemmern, mit angstlösenden Mitteln und mit Barbituraten. Wer solche Medikamente gibt, klärt das vorher ab.

Passiflora incarnata steht bei CliniTox als ungiftige Pflanze. Das macht sie zu einem der wenigen Kräuter mit sauberem Befund auf beiden Seiten.

Kamille: bekannt, aber anders als gedacht

Kamillenblüten kennt jeder als Magenmittel. Genau so führt CliniPharm sie auch, mit Krämpfen, Blähungen und Entzündungen im Verdauungstrakt.

Wacher grauer Hund liegt ruhig im Gras
Kräuter ersetzen keine Diagnose. Foto: Kreuzschnabel / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Die Beruhigung steht dort ebenfalls, allerdings knapp. Genannt werden nervöse Erscheinungen wie Reizbarkeit und Unruhe.

Für den Hund nennt die Seite 1 bis 3 Gramm Droge am Tag. Matricaria chamomilla gilt als ungiftige Pflanze.

Mein Eindruck nach dem Nachlesen: Kamille ist als Magenkraut viel besser belegt als als Nervenkraut. Wer sie gegen Unruhe gibt, sollte das wissen.

Baldrian: belegt, mit einer Warnung

Baldrianwurzel ist das einzige der acht Kräuter, zu dem CliniPharm eine Studie an Hunden nennt. Dort führte der Geruch unter anderem von Baldrian zu deutlich weniger Lautäußerungen und weniger Bewegung.

Genannt werden Unruhe- und Angstzustände. Für Hunde führt die Datenbank einen eigenen Fall auf: unsichere und aufgeregte Tiere auf Urlaubsreisen. Die Menge gibt die Datenbank mit 1 bis 5 Gramm Droge am Tag an.

Ein Satz auf dieser Seite gehört jedem Halter gesagt. Baldrian kann die Narkosewirkung verstärken.

Vor einer geplanten Operation gehört das also auf den Tisch. Wie Baldrian sonst wirkt, steht in Baldrian für Hunde.

Hopfen: das Kraut, das nicht in den Napf gehört

Hier wird es unangenehm. CliniTox führt Humulus lupulus als speziesspezifisch stark giftig, für Hunde mit einem eigenen Zusatz.

Wörtlich steht dort für den Hund: besonders für Windhunde und Golden Retriever stark giftig. Als Zielorgan nennt die Datenbank die Muskeln.

Der Mechanismus heißt maligne Hyperthermie, also eine bösartige Überhitzung des Körpers. Die Datenbank beschreibt einen Temperaturanstieg von mehr als einem Grad in fünf Minuten, bis über 41 Grad.

Dazu kommen ein rasender Puls, starkes Hecheln, Krampfanfälle und der Tod. Eine toxische Dosis ist nicht bekannt, es gibt also keine Menge, die sicher wäre.

Und jetzt der Widerspruch, den ich beim Nachlesen gefunden habe. Die Phytoarznei-Seite zu Baldrian nennt die Kombination mit Hopfenzapfen ausdrücklich als möglich.

Beide Angaben stammen von demselben Institut. Für einen Hundehalter zählt der toxikologische Eintrag, nicht die alte Teerezeptur.

Hopfen im Haushalt

  • Hopfenzapfen aus Beruhigungstees für Menschen sicher wegräumen.
  • Treber aus dem Bierbrauen gehört nicht auf den Kompost im Garten.
  • Bei Verdacht sofort in die Praxis, nicht abwarten.
  • Rasse nennen: Windhunde und Golden Retriever gelten als besonders empfindlich.

Johanniskraut: giftig und lichtempfindlich

Johanniskraut gilt beim Menschen als Stimmungsaufheller. Bei CliniTox steht Hypericum perforatum als Giftpflanze, eingestuft als giftig.

Verantwortlich ist der rote Farbstoff Hypericin. Er wird aufgenommen, lagert sich in der Haut ab und reagiert dort auf Licht.

Die Folge nennt die Datenbank primäre Fotosensibilisierung, also eine durch Licht ausgelöste Hautschädigung. Sie hält lange an, weil der Stoff dabei nicht verbraucht wird.

Ein Detail zeigt, wie hartnäckig das ist. Die Giftigkeit bleibt zu rund 20 Prozent auch im getrockneten Futter erhalten.

Salbei, Petersilie und Schnittlauch: die Küchenfalle

Salbei landet in vielen Kräuterlisten, weil er als Hausmittel gilt. CliniTox stuft Salvia officinalis als schwach giftig ein.

Als Wirkstoffe nennt die Datenbank Thujon, Campher und Cineol. Die Blätter enthalten 1,5 bis 3,5 Prozent ätherisches Öl.

Petersilie steht ebenfalls als schwach giftig, wegen ihrer Furocumarine. Das sind Stoffe, die die Haut empfindlich für Licht machen und beim Kochen nicht zerfallen.

Beim Schnittlauch wird es ernster. Er gehört zu den Lauchgewächsen. Zwiebel und Knoblauch führt die Datenbank dort als stark giftig.

Der Schaden entsteht an den roten Blutkörperchen, die dabei zerfallen. Kochen und Trocknen zerstören die Giftstoffe nicht, mehr dazu in Was Hunde nicht essen dürfen.

Die acht Kräuter im Überblick

Kraut Was CliniPharm als Anwendung nennt Giftbefund bei CliniTox
KrautMelisse Was CliniPharm als Anwendung nenntBeruhigung, nervöse Einschlafstörungen Giftbefund bei CliniToxungiftige Pflanze
KrautLavendel Was CliniPharm als Anwendung nenntUnruhe, Trennungsangst, Reisen Giftbefund bei CliniToxungiftige Pflanze
KrautPassionsblume Was CliniPharm als Anwendung nenntUnruhe, Stress bei Reise und Transport Giftbefund bei CliniToxungiftige Pflanze
KrautKamille Was CliniPharm als Anwendung nenntMagen-Darm, dazu Reizbarkeit und Unruhe Giftbefund bei CliniToxungiftige Pflanze
KrautBaldrian Was CliniPharm als Anwendung nenntUnruhe und Angst, Aufregung auf Reisen Giftbefund bei CliniToxungiftige Pflanze
KrautHopfen Was CliniPharm als Anwendung nenntUnruhe- und Angstzustände Giftbefund bei CliniToxspeziesspezifisch stark giftig
KrautJohanniskraut Was CliniPharm als Anwendung nenntbeim Hund nicht als Nervenmittel geführt Giftbefund bei CliniToxGiftpflanze, giftig
KrautSalbei Was CliniPharm als Anwendung nenntbeim Hund nicht als Nervenmittel geführt Giftbefund bei CliniToxGiftpflanze, schwach giftig

Angaben wörtlich aus den Datenbanken CliniPharm und CliniTox des Instituts für Veterinärpharmakologie und -toxikologie der Universität Zürich, abgerufen am 27.08.2026.

Die Tabelle beantwortet die Titelfrage. Von acht Kräutern bleiben fünf mit sauberem Giftbefund übrig. Nur vier davon werden für die Beruhigung geführt.

Warum hier kaum Mengen stehen

Für die vier belegten Kräuter nenne ich oben Zahlen, weil sie in der Datenbank stehen. Für alles andere steht hier bewusst keine.

Eine Menge ohne Quelle ist eine Schätzung im Kostüm einer Anweisung. Genau daran kranken die Listen im Netz.

Dazu kommt ein zweiter Punkt. Die Datenbank gibt Tagesmengen für getrocknete Ware an, nicht für frische Blätter aus dem Beet.

Frisches Kraut wiegt anders, weil es Wasser enthält. Wer die Trockenmenge auf frische Blätter überträgt, rechnet an der Sache vorbei.

Mein Tipp: Nimm den Zettel mit der geplanten Menge mit in die Praxis. Fünf Minuten Gespräch ersparen dir das Raten am Küchentisch.

Wann ein Kraut das falsche Werkzeug ist

Meine langjährige Erfahrung mit unruhigen Hunden geht in eine klare Richtung. Fast immer steckt hinter der Unruhe etwas, das ein Tee nicht anfasst.

Schmerz steht dabei ganz oben. Ein Hund, der nachts nicht zur Ruhe kommt, hat manchmal einfach ein Gelenk, das drückt.

Der zweite häufige Grund ist Angst vor etwas Bestimmtem. Da hilft ein Trainingsplan, kein Kraut.

Der dritte Grund ist Langeweile. Woran du echten Stress erkennst, steht in Stress beim Hund erkennen.

Was neben Kräutern sonst noch hilft, habe ich getrennt aufgeschrieben. Die Übersicht steht in Natürliche Methoden zur Beruhigung.

So gehe ich selbst vor

Ich schlage jede Pflanze erst im Giftverzeichnis nach, bevor ich über die Wirkung nachdenke. Diese Reihenfolge hat mir schon zweimal einen Fehler erspart.

Danach kommt die Frage nach dem Zweck: Wogegen genau soll das Kraut helfen? Woran würde ich merken, dass es überhaupt wirkt?

Erst dann geht es um Menge und Zubereitung. Beides kläre ich in der Praxis, denn ein Tierarzt kennt die Medikamente meines Hundes. Eine Kräuterliste kennt sie nicht.

Eins mache ich nie. Mehrere Kräuter gleichzeitig ansetzen, denn dann weiß ich hinterher nicht, was gewirkt hat.

Fazit: Von den acht Kräutern, die als beruhigend gehandelt werden, sind Melisse, Lavendel, Passionsblume und Kamille belegt und ungiftig. Baldrian kommt dazu, verstärkt aber die Narkosewirkung. Hopfen gilt für Hunde als stark giftig, Johanniskraut und Salbei stehen ebenfalls in der Giftdatenbank. Wer Kräuter geben will, klärt Menge und Zubereitung vorher in der Praxis.

Häufige Fragen zu beruhigenden Kräutern

Welche beruhigenden Kräuter sind für Hunde belegt?

Melisse, Lavendel, Passionsblume und Kamille. Alle vier gelten als ungiftig.

Ist Hopfen für Hunde gefährlich?

Ja. Die Giftdatenbank der Universität Zürich führt ihn für Hunde als stark giftig.

Warum steht Hopfen dann in Beruhigungstees?

Weil er beim Menschen als Schlafkraut gilt. Für Hunde gilt der Giftbefund.

Darf mein Hund Johanniskraut bekommen?

Die Datenbank führt es als Giftpflanze. Es gehört nicht in den Napf.

Wie viel Melisse verträgt ein Hund?

CliniPharm nennt 1 bis 5 Gramm getrocknete Blätter am Tag. Frag vorher in der Praxis nach.

Ist Kamille für Hunde geeignet?

Sie gilt als ungiftig. Als Beruhigungsmittel ist sie schwächer belegt als Melisse.

Kann ich frische Kräuter aus dem Garten geben?

Nur die, deren Giftbefund du kennst. Frisch heißt nicht harmlos.

Was ist mit Petersilie und Schnittlauch?

Beide stehen als schwach giftig in der Datenbank. Zwiebel und Knoblauch sogar als stark giftig.

Ersetzen Kräuter ein Training?

Nein. Sie ändern nichts an dem, was den Hund beunruhigt.

Wann bringt ein Kraut gar nichts?

Wenn hinter der Unruhe Schmerz steckt. Dann hilft nur die Untersuchung.

Vertragen sich Kräuter mit Medikamenten?

Nicht immer. CliniPharm nennt Wechselwirkungen mit Beruhigungs- und Narkosemitteln.

Beruhigende Kräuter: Was ist der wichtigste Rat?

Kläre Menge und Zubereitung vorher ab, statt hinterher zu googeln.

Quellen

Über den Autor

Kevin Roth, Co-Gründer von Lucky Pets

Kevin Roth

Co-Gründer von Lucky Pets

Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.

Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.

Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Pflanzliche Mittel gehören vor der ersten Gabe besprochen, besonders wenn dein Hund Medikamente bekommt.