Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 26.08.2026 · Lesezeit: 10 Minuten
Das Wichtigste in Kürze
- Pododermatitis heißt: Die Haut an der Pfote ist entzündet.
- Sie ist kein eigenes Leiden, sondern eine Reaktion mit vielen möglichen Auslösern.
- Die Spanne reicht von der Granne über Milben bis zur Allergie.
- Was hilft, entscheidet sich erst nach der Untersuchung.
Erst ist da nur eine rote Stelle zwischen zwei Zehen. Dein Hund schleckt daran, du denkst dir wenig dabei. Zwei Tage später ist die Pfote dick. Das helle Fell darüber hat einen rostbraunen Rand.
Die kurze Antwort
Pododermatitis ist eine Entzündung der Haut an der Pfote. Dahinter steckt immer ein Anlass. Der sitzt nicht zwangsläufig in der Pfote.
Der entscheidende Punkt
Ohne den Auslöser bleibt jede Behandlung Stückwerk. Deshalb kommt die Ursachensuche zuerst.
Was das Wort bedeutet
Pododermatitis setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Podo steht für die Pfote, der Rest für eine Entzündung der Haut. Gemeint ist also schlicht: entzündete Haut an der Pfote.
Über die Ursache sagt das Wort selbst überhaupt nichts. Es benennt nur, was du siehst. Warum die Zwischenzehenhaut so aussieht, bleibt damit vollkommen offen.
Ähnlich verhält es sich beim Fieber. Fieber zeigt zuverlässig an, dass etwas los ist. Welche Erkrankung dahintersteckt, verrät die gemessene Temperatur trotzdem nicht.
Genau deshalb führen pauschale Empfehlungen hier selten weiter. Zwei Hunde mit derselben geröteten Zehenhaut können völlig verschiedene Anlässe dafür haben.

Eine Abgrenzung vorweg. Leckt dein Hund viel, ohne dass die Pfote entzündet aussieht, geht es um sein Verhalten — darum dreht sich Hund leckt sich ständig die Pfoten. Hier geht es um die entzündete Pfote selbst.
Woran du eine entzündete Pfote erkennst
Sichtbar wird es meist zwischen den Zehen. Die Haut dort ist gerötet, oft dicker als sonst, manchmal glänzend.
Dazu kommt das Verhalten deines Hundes. Er leckt an einer bestimmten Stelle, immer wieder, gern abends in Ruhe.
Das Fell verrät den Rest. Speichel färbt helles Haar rostbraun. Wer diesen Rand einmal gesehen hat, erkennt ihn danach sofort.
Manche Hunde humpeln. Andere setzen die Pfote nur etwas vorsichtiger auf. Ein süßlicher Geruch kann dazukommen.
Aus meiner Erfahrung fällt Haltern zuerst das Geräusch auf. Dieses Schmatzen am Abend, jeden Abend zur selben Zeit.
Die möglichen Auslöser, sauber getrennt
Die Liste ist lang. Sortieren lässt sie sich trotzdem — danach nämlich, wo der Anlass sitzt.
Fremdkörper zwischen den Zehen
Eine Grasgranne ist die Ähre eines Grases mit feinen Widerhaken. Sie rutscht nur in eine Richtung weiter, nämlich nach vorn.
Zwischen den Zehen findet sie leicht Halt. Von dort bohrt sie sich in die Haut. Was daraus werden kann, steht in Grannen beim Hund.
So ein Fremdkörper gehört in die Praxis, oft unter Betäubung. Das ist keine Vorsicht aus Prinzip. Im Tierschutzgesetz steht: An einem Wirbeltier darf ohne Betäubung ein mit Schmerzen verbundener Eingriff nicht vorgenommen werden.

Der Gesetzestext regelt auch, wer betäuben darf. Bei warmblütigen Wirbeltieren ist das eine Sache für den Tierarzt. Deshalb bleibt deine Pinzette in der Schublade.
Der zweite Grund ist ganz praktisch. Was du an der Oberfläche siehst, ist oft nur das hintere Ende. Der übrige Teil steckt tiefer im Gewebe. Beim Ziehen reißt er dann ab.
Parasiten
Beim Hund kommen mehrere Milbenarten vor. ESCCAP Deutschland führt Haarbalg-Milben, Grabmilben, Ohrmilben, Pelzmilben, Herbstgrasmilben sowie Nasenmilben auf.
Für die Pfote zählt vor allem eine davon. Herbstgrasmilben befallen bodennahe Körperregionen, besonders die Pfoten sowie auch Brust und Bauch.
Grabmilben graben Gänge in die oberen Hautschichten. Dazu gehören heftiger Juckreiz und krustige Hautbeläge an Ohr, Schnauze, Bauch sowie an Ellbogen- und Sprunggelenken.
Haarbalg-Milben, auch Demodex genannt, leben in dem Teil des Haares, der die Haarwurzel umschließt. Trockene, schuppige, teils haarlose Stellen an Schnauze, Augenlidern, Stirn und Ohren sprechen für sie.
Ohrmilben sitzen im äußeren Gehörgang. Starker Juckreiz, häufiges Ohrenschütteln und braune, kaffeesatzartige Beläge gehören dazu. Pelzmilben sitzen im Fell und machen schuppige Haut. Nasenmilben stecken in den Nasenhöhlen und lösen Niesen aus.
Am Küchentisch klärt sich davon nichts. Die Tierärztin schabt mit einer Skalpellklinge vorsichtig etwas von der Hautoberfläche ab. Danach betrachtet sie die Probe unter dem Mikroskop. Wie sich die Arten unterscheiden, steht in Milben beim Hund.
Allergien
Juckt es auch an Bauch, Ohren oder Achseln, rückt eine Allergie näher. Das Labor LABOKLIN formuliert es so: Die Diagnose Allergie ist eine klinische Diagnose, die insbesondere auf eine gründliche Anamnese aufbaut.
Anamnese ist das Fachwort für Vorgeschichte. Seit wann geht das? Zu welcher Jahreszeit wird es schlimmer? Was liegt im Napf?
Die Testung selbst läuft in zwei Stufen. Am Anfang steht ein Screening-Test. Passen Vorgeschichte und Beschwerden dazu, folgt in der Regel ein Haupttest, der die einzelnen Allergene auseinandersortiert.
Meine langjährige Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Das Gespräch trägt weiter als das Blatt aus dem Labor. Wie eine Ausschlussdiät abläuft, steht in Futterallergie beim Hund.
Nässe, Streusalz und Reibung
Feuchtigkeit zwischen den Zehen weicht die Haut auf. Aufgeweichte Haut hält weniger aus.
Im Winter kommt Streusalz dazu. Es reizt die Haut zwischen den Ballen. Genau dort bleibt es am längsten hängen.
Reibung ist der dritte Punkt. Wer ein Bein schont, belastet die übrigen anders. Die Haut an der überlasteten Pfote reagiert darauf.
Warum die Pfote oft gar nicht die Ursache ist
Ein Hund sagt nicht, wo es zwickt. Er verlagert das Gewicht, humpelt leicht, stellt die Pfote schräg auf.
Über Wochen verändert das die Statik. Eine Pfote trägt mehr, eine andere weniger.
Die Haut spürt das. Sie wird an einer Stelle wund, an der nie ein Fremdkörper gesteckt hat.
Ich sehe darin die häufigste Falle bei diesem Thema. Der Blick bleibt an der roten Zehenhaut hängen. Das schmerzende Gelenk darüber sieht niemand an.
Deshalb tastet eine gründliche Untersuchung mehr ab als die Pfote. Zehen, Ballen, Handwurzel, Ellbogen, Schulter — alles der Reihe nach.
Was du selbst tun kannst
Fünf Sachen bringen dich weiter, bevor du überhaupt zum Hörer greifst.
- Sieh dir die Pfote bei Tageslicht an, nicht abends unter der Lampe.
- Spreiz die Zehen vorsichtig und schau in jeden Zwischenraum.
- Trockne die Pfoten nach jedem nassen Gang ab.
- Spül im Winter das Streusalz mit lauwarmem Wasser weg.
- Halte das Fell zwischen den Ballen kurz, damit sich dort nichts festsetzt.
Das klingt banal. Es wirkt trotzdem. Der größte Teil guter Pfotenpflege besteht aus solchen Kleinigkeiten — nachzulesen in Pfotenpflege beim Hund.

Mach außerdem Fotos, am besten an mehreren Tagen hintereinander. In der fremden Praxis wirkt eine Pfote oft harmloser als daheim am Abend.
Mein Tipp: Schreib mit, wann dein Hund leckt und wie lange. Ein Muster über zwei Wochen sagt mehr als jede Schilderung aus dem Gedächtnis.
Was du besser lässt
- Salben oder Cremes auf eigene Faust auftragen. Was drauf ist, verändert das Bild für die Untersuchung.
- Mit der Pinzette an einem vermuteten Fremdkörper ziehen. Der Rest bleibt drin und wandert weiter.
- Einen Verband anlegen, ohne dass es jemand angeordnet hat. Darunter staut sich Wärme und Nässe.
Womit am Ende behandelt wird, hängt vom Auslöser ab. Diese Entscheidung fällt in der Sprechstunde.
Wann es in die Praxis gehört
Bei diesen Zeichen lohnt sich Abwarten nicht:
- Dein Hund humpelt oder entlastet das Bein.
- Die Haut ist offen, nässt oder blutet.
- Aus einer Stelle kommt Eiter.
- Eine Zehe oder die ganze Pfote schwillt an.
- Dieselbe Pfote wird zum wiederholten Mal wund.
Der letzte Punkt gerät am häufigsten unter den Tisch. Wenn eine Pfote dreimal im Jahr aufgeht, fehlt der Auslöser.
Ich rate dann zur gründlichen Suche statt zur nächsten Runde Creme. Sonst dreht sich das jahrelang im Kreis.
Was am Ende hilft, hängt vom Befund ab. Eine Granne muss raus. Eine Allergie verlangt einen ganz anderen Weg als ein Parasit. Aus der Ferne kann das niemand seriös entscheiden — auch ich nicht.
Fazit: Pododermatitis ist ein Befund, kein fertiges Urteil. Die entzündete Pfote sagt dir, dass etwas nicht stimmt. Was genau, klärt die Untersuchung. Danach richtet sich alles Weitere.
Häufige Fragen zur Pododermatitis beim Hund
Was bedeutet Pododermatitis beim Hund?
Eine Entzündung der Haut an der Pfote. Das Wort beschreibt den Befund, nicht dessen Ursache.
Ist Pododermatitis eine eigene Krankheit?
Nein. Die Haut reagiert auf etwas. Was das ist, muss die Untersuchung zeigen.
Pododermatitis: Woran erkenne ich sie?
An geröteter Haut zwischen den Zehen, an Schwellung, an dauerndem Lecken sowie an rostbraun verfärbtem Fell.
Können Milben die Pfoten treffen?
Ja. Herbstgrasmilben befallen bodennahe Körperregionen, besonders die Pfoten sowie auch Brust und Bauch.
Pododermatitis: Wie weist die Praxis Milben nach?
Über ein Hautgeschabsel. Die Probe kommt anschließend unter das Mikroskop.
Pododermatitis: Reicht ein Allergietest als Diagnose?
Nein. Eine Allergie ist eine klinische Diagnose, die vor allem auf einer gründlichen Vorgeschichte aufbaut.
Darf ich eine Grasgranne selbst herausziehen?
Besser nicht. Ein schmerzhafter Eingriff braucht eine Betäubung. Geben darf sie nur eine Tierärztin.
Welches Mittel hilft gegen Pododermatitis?
Das hängt vom Auslöser ab. Ohne Befund lässt sich diese Frage nicht seriös beantworten.
Was mache ich im Winter mit Streusalz?
Die Pfoten nach dem Gang mit lauwarmem Wasser abspülen. Danach gründlich abtrocknen.
Warum kommt das immer wieder?
Weil der Auslöser noch da ist. Wiederkehrende Schübe sprechen für eine gründliche Ursachensuche.
Hilft kurzes Fell zwischen den Ballen?
Gegen Nässe und festgesetzten Schmutz hilft es. Eine Behandlung ersetzt es nicht.
Pododermatitis: Wann muss ich sofort anrufen?
Bei Humpeln, bei offener Haut, bei Eiter oder bei einer deutlichen Schwellung.
Quellen
Über den Autor

Kevin Roth
Co-Gründer von Lucky Pets
Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.
Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.
Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Eine Pfote, die offen ist oder anschwillt, gehört zeitnah in die Sprechstunde.
