Schwitzen Hunde? Die Wahrheit über Hecheln und Hitze

Schwitzen Hunde? Die Wahrheit über Hecheln und Hitze

Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 27.08.2026 · Lesezeit: 10 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Hunde schwitzen — wässriger Schweiß tritt aber nur an den Pfotenballen aus.
  • Zum Senken der Körpertemperatur reicht das nicht.
  • Gekühlt wird über das Hecheln, dabei entsteht Verdunstungskälte.
  • Ein Hitzschlag ist immer ein Notfall.

Der Hund liegt im Schatten und hechelt. Auf den Fliesen bleiben feuchte Abdrücke seiner Pfoten zurück. Schwitzt er also doch?

Die kurze Antwort

Ja. Aber kaum — und nicht dort, wo du es vermutest. Schweiß gibt dein Hund an den Pfotenballen ab.

Der entscheidende Punkt

Gekühlt wird über das Hecheln. Wer das weiß, bewertet einen hechelnden Hund im Sommer völlig anders.

Ja, Hunde schwitzen — nur nicht dort, wo du es vermutest

Über die Haut geben Hunde fast keinen Schweiß ab. Nur an den Pfotenballen tritt wässriger Schweiß aus, schreibt die Bundestierärztekammer in ihrer Mitteilung zum Hitzschlag.

Zum Senken der Körpertemperatur reicht diese Menge nicht. Spürbar kühler wird der Hund davon nicht.

Das MSD Veterinary Manual sieht es genauso. Dort heißt es, Hunde hätten Schweißdrüsen an den Pfoten. Diese Drüsen könnten eine geringe Rolle bei der Kühlung spielen.

Zwei Quellen, dieselbe Aussage. Für einen Punkt, an dem im Netz viel geraten wird, ist das eine gute Ausgangslage.

Wacher Golden Retriever steht im Freien
Über die Haut kühlt sich ein Hund kaum ab. Foto: Barras / Wikimedia Commons, CC BY 3.0

Was die Haut sonst leistet

Die Haut ist das größte Organ deines Hundes. Sie schirmt ihn gegen die Umwelt ab, sie reguliert die Temperatur, sie trägt seinen Tastsinn.

Je nach Art und Alter macht sie laut MSD Veterinary Manual 12 bis 24 Prozent des Körpergewichts aus. Ein größeres Organ trägt dein Hund nicht.

Drei Schichten liegen übereinander: außen die Epidermis, in der Mitte die Dermis, innen die Subcutis. Talgdrüsen geben dort Sebum ab — ein Gemisch aus Fettsäuren, das die Haut weich und geschmeidig hält.

Die Haut regelt die Temperatur also mit, aber nicht über Schweiß. Genau das überrascht die meisten Halterinnen, mit denen ich spreche.

Gekühlt wird über das Hecheln

Verdunstungskälte nennt die Bundestierärztekammer den Vorgang. Beim Hecheln strömt Luft über feuchte Flächen im Maul, Wasser verdunstet und entzieht dem Körper dabei Wärme.

Speicheln kommt hinzu. Überschüssige Körperwärme geben Hunde vor allem über Hecheln und Speicheln ab, so das MSD Veterinary Manual.

Damit hat der Hund einen einzigen wirklich starken Kühlweg. Fällt der aus, wird es schnell eng.

Aus meiner Erfahrung sitzt hier das größte Missverständnis im Sommer. Hecheln wirkt beunruhigend, dabei ist es die Lösung — warum Hunde hecheln, steht ausführlich in Warum hecheln Hunde.

Wacher Golden Retriever sitzt in hohem Gras
Hecheln ist die eigentliche Kühlung, nicht der Schweiß an den Pfoten. Foto: Franco Vannini / Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Hecheln ist keine erhöhte Atemfrequenz

Viele Halter zählen im Sommer die Atemzüge und erschrecken. Ein Merkblatt der Vetmeduni Wien räumt das in einem Satz aus: Hecheln ist keine erhöhte Atemfrequenz.

Als normale Atemfrequenz nennt das Merkblatt der Vetmeduni Wien 10 bis 40 Atemzüge pro Minute. Eine deutlich erhöhte Frequenz ohne vorherige körperliche Anstrengung gilt dort dagegen als Notfall.

Der Unterschied liegt im Anlass. Ein Hund, der nach dem Rennen hechelt, arbeitet. Ein Hund, der im Liegen plötzlich schnell atmet, tut das nicht.

Wert Großer Hund Kleiner Hund
WertInnere Körpertemperatur Großer Hund38 bis 38,5 Grad Kleiner Hund38,5 bis 39 Grad
WertAtemfrequenz Großer Hund10 bis 40 pro Minute Kleiner Hund10 bis 40 pro Minute
WertPulsfrequenz Großer Hund80 bis 100 Herzschläge Kleiner Hund100 bis 120 Herzschläge
WertKapilläre Rückfüllungszeit Großer Hundbis zu zwei Sekunden Kleiner Hundbis zu zwei Sekunden

Vitalwerte des gesunden Hundes nach dem Notfall-Merkblatt der Vetmeduni Wien.

Die kapilläre Rückfüllungszeit klingt sperrig, gemeint ist ein einfacher Handgriff. Stülp die Oberlippe nach außen und drück mäßig auf die Maulschleimhaut.

Bei einem gesunden Tier darf es bis zu zwei Sekunden dauern, bis die Stelle wieder rosarot ist — so das Merkblatt der Vetmeduni Wien. Dauert es länger, deutet das auf ein schweres Kreislaufproblem hin.

Auch die Farbe der Schleimhaut sagt etwas. Blasse Schleimhäute weisen auf Durchblutungsstörungen oder Blutarmut hin, gerötete auf eine Entzündung, blaue auf zu wenig Sauerstoff.

Diese vier Werte kannst du üben, wenn dein Hund gesund ist. Dann kennst du seinen Normalzustand — im Ernstfall zählt genau das.

Kurznasige Hunde haben es schwerer

Im Vergleich zum Menschen sind Hunde viel anfälliger für einen Hitzschlag. Das schreibt die Bundestierärztekammer so in ihrer Mitteilung.

Bei brachycephalen Hunden liegt das Risiko noch einmal deutlich höher. Brachycephal heißt kurznasig, gemeint sind Mops und Co. Als Grund führt die Kammer ihre anatomischen Einschränkungen an.

Aus meiner Erfahrung unterschätzen genau diese Halter die Hitze. Der Hund läuft mit, er beschwert sich nicht, er wirkt zäh — mehr zum Körperbau steht in Der Mops.

Ein zweites Signal höre ich meist, bevor ich es sehe. Ein Hund, der beim Atmen rasselt, hat weniger Luft in Reserve — was dahintersteckt, steht in Hund röchelt.

Verdacht auf Hitzschlag — das machst du sofort

  • Bring den Hund unverzüglich an einen kühlen, schattigen Ort.
  • Kühl ihn aktiv, schon bevor du losfährst.
  • Fahr in jedem Fall in die Praxis.
  • Fahr auch dann hin, wenn er sich bereits erholt zu haben scheint.

Diese Reihenfolge stammt aus der Mitteilung der Bundestierärztekammer. Dort steht der Satz, den ich mir gemerkt habe: Ein Hitzschlag ist immer ein Notfall.

Woran du einen Hitzschlag erkennst

Ein Hitzschlag kündigt sich an. Verstärktes Hecheln, Erbrechen, Durchfall, Apathie, Taumeln oder Krämpfe nennt die Kammer als mögliche Anzeichen.

Apathie meint hier Teilnahmslosigkeit. Der Hund reagiert kaum noch, er schaut durch dich hindurch.

Taumeln fällt beim Gehen auf. Die Beine tragen nicht mehr sauber, der Hund knickt weg.

Meine langjährige Erfahrung mit Sommernotfällen sagt mir eines: Die Halter merken es, sie zögern nur zu lange. Lieber einmal umsonst in die Praxis fahren.

Wacher weißer Hund wird mit dem Stethoskop untersucht
Nach einem Verdacht auf Hitzschlag gehört jeder Hund untersucht. Foto: Nenad Stojkovic / Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Richtig kühlen — und wo Vorsicht gilt

Mit dem Kühlen darfst du vor dem Transport anfangen. Genau das empfiehlt das Veterinary Committee on Trauma des American College of Veterinary Emergency and Critical Care.

Bei jungen und gesunden Hunden hat sich das Eintauchen in kaltes Wasser als besonders wirksam erwiesen. Für ältere Tiere oder solche mit Vorerkrankungen wird die Verdunstungskühlung empfohlen: Haut und Fell besprühen, dazu für Luftbewegung sorgen.

Dr. Thomas Steidl aus dem Ausschuss für Kleintiere der Bundestierärztekammer mahnt trotzdem zur Vorsicht. Bei älteren und kreislaufkranken Hunden sollte man mit drastischen Maßnahmen zurückhaltend sein.

Einen überhitzten Hund im Auto rechnet er grundsätzlich dazu — auch einen gesunden oder jungen. Sein Kreislauf ist dann bereits angeschlagen.

In solchen Fällen helfen aufgelegte, mit Wasser getränkte Handtücher. Oft wechseln, wieder nass machen, wieder auflegen.

Mein Tipp: Leg dir für den Sommer ein altes Handtuch und eine gefüllte Wasserflasche fest ins Auto. Wer erst suchen muss, verliert die Minuten, die zählen.

Was das Gesetz verlangt

Wasser ist keine nette Geste, sondern Pflicht. Die Tierschutz-Hundeverordnung verlangt in § 8, dass dem Hund im gewöhnlichen Aufenthaltsbereich jederzeit Wasser in ausreichender Menge und Qualität zur Verfügung steht.

Der zweite Absatz nennt das Auto ausdrücklich. Wer einen Hund ohne Aufsicht zurücklässt, muss für ausreichende Frischluft und angemessene Lufttemperaturen sorgen.

Genannt sind Fahrzeuge, Wintergärten und sonstige abgegrenzte Bereiche, in denen die Lufttemperatur schnell ansteigen kann. Das ist keine Meinung, das ist geltendes Recht.

Wasser gehört auch auf den Spaziergang. Über das Hecheln verliert der Hund viel Flüssigkeit, deshalb rät die Bundestierärztekammer dazu, unterwegs Wasser mitzuführen und regelmäßig anzubieten.

Der Alltag im Sommer

Aktivitäten passt du den Temperaturen an. Spaziergänge legt die Kammer vor allem in die kühlen Morgen- und Abendstunden.

Asphalt heizt stark auf und speichert die Wärme lange. Es besteht Verbrennungsgefahr an den Pfoten — wie du sie pflegst, steht in Hundepfoten pflegen.

Schattenplätze müssen erreichbar sein. Ein Platz, der um zwölf noch schattig war, kann um drei in der Sonne liegen.

Beim Maulkorb hakt es oft. Er muss dem Hund immer genug Tiefe zum Hecheln lassen, bei höheren Temperaturen erst recht.

Auf längeren Autofahrten rät die Kammer spätestens alle zwei Stunden zu einer Pause. Ich plane sie fest ein, sonst fahre ich durch.

Was die Quellen offen lassen

An drei Punkten geben die vier geprüften Quellen nichts her. Ich schreibe sie hin, statt sie mit fremden Zahlen zu füllen.

  • Wie viele Schweißdrüsen ein Hund hat, steht in keiner der vier Quellen. Ob er welche an anderen Körperstellen trägt, ebenso wenig.
  • Wie warm es im geparkten Auto nach welcher Zeit wird, beziffert keine davon.
  • Ab welcher Außentemperatur ein Spaziergang zu heiß ist, nennt ebenfalls keine.

Andere Seiten liefern zu allen drei Punkten exakte Werte. Nachprüfen lässt sich davon wenig.

Mir ist eine offene Lücke lieber als eine erfundene Zahl. Wer eine Angabe liest, sollte fragen dürfen, woher sie stammt.

Wann du in die Praxis fährst

Bei Verdacht auf Hitzschlag immer. Das ist die eine Regel, über die ich nicht diskutiere.

Daneben gibt es Anlässe, die harmloser aussehen. Ein Hund, der in Ruhe schnell atmet, gehört angeschaut — dazu passt Schnelle Atmung im Ruhezustand.

Auch die Körpertemperatur ist ein Hinweis. Werte unter 38 oder über 39 Grad können laut dem Merkblatt der Vetmeduni Wien auf Durchfall, Unterkühlung, Fieber, körperliche Anstrengung oder eine hohe Umgebungstemperatur zurückgehen.

Gemessen wird schräg im After, mit einem digitalen Veterinär-Thermometer. Das Merkblatt beschreibt es genau so.

Fazit: Hunde schwitzen an den Pfotenballen, mehr gibt ihre Haut nicht her. Kühlen kann sie das nicht, dafür sorgt das Hecheln. Wer im Sommer Schatten, Wasser und kühle Tageszeiten organisiert, nimmt dem Hitzschlag den größten Teil seiner Chance.

Häufige Fragen zum Schwitzen beim Hund

Schwitzen Hunde überhaupt?

Ja, aber nur sehr eingeschränkt über die Haut. Wässriger Schweiß tritt an den Pfotenballen aus.

Warum sehe ich feuchte Pfotenabdrücke auf den Fliesen?

Das ist genau dieser Schweiß. Die Körpertemperatur senkt er nicht spürbar.

Wie kühlt sich ein Hund dann ab?

Über das Hecheln. Dabei entsteht Verdunstungskälte, so beschreibt es die Bundestierärztekammer.

Ist Hecheln ein Alarmzeichen?

Nein. Hecheln ist keine erhöhte Atemfrequenz, schreibt die Vetmeduni Wien in ihrem Notfall-Merkblatt.

Wann wird schnelles Atmen zum Notfall?

Wenn die Atemfrequenz ohne vorherige körperliche Anstrengung deutlich erhöht ist.

Schwitzen: Welche Körpertemperatur ist normal?

Große Hunde 38 bis 38,5 Grad, kleine Hunde 38,5 bis 39 Grad — Werte aus dem Merkblatt der Vetmeduni Wien.

Woran erkenne ich einen Hitzschlag?

Die Bundestierärztekammer nennt verstärktes Hecheln, Erbrechen, Durchfall, Apathie, Taumeln oder Krämpfe.

Was mache ich sofort?

Den Hund an einen kühlen, schattigen Ort bringen, aktiv kühlen, zum Tierarzt fahren. Immer.

Darf ich mit kaltem Wasser kühlen?

Bei jungen und gesunden Hunden hat sich das Eintauchen in kaltes Wasser als besonders wirksam erwiesen.

Und bei alten oder kranken Hunden?

Dort wird Verdunstungskühlung empfohlen: Haut und Fell besprühen, dazu für Luftbewegung sorgen.

Muss im Auto Wasser bereitstehen?

Ja. Im gewöhnlichen Aufenthaltsbereich muss jederzeit Wasser in ausreichender Menge und Qualität bereitstehen, so § 8 der Tierschutz-Hundeverordnung.

Ab wie viel Grad ist Gassi zu heiß?

Dazu nennt keine der vier geprüften Quellen eine Zahl. Die Bundestierärztekammer rät allgemein zu den kühlen Morgen- und Abendstunden.

Quellen

Über den Autor

Kevin Roth, Co-Gründer von Lucky Pets

Kevin Roth

Co-Gründer von Lucky Pets

Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.

Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.

Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Verdacht auf einen Hitzschlag gehört der Hund sofort in eine Praxis, auch wenn er sich erholt zu haben scheint.