Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 28.08.2026 · Lesezeit: 10 Minuten
Das Wichtigste in Kürze
- Kreisen und Suchen vor dem Häufchen ist normal.
- Laufen während des Kotabsatzes ist es meistens nicht.
- Zur Nord-Süd-Ausrichtung gibt es genau eine Beobachtungsstudie.
- Analbeutel, harter Kot und Rückenschmerz sind die häufigen Gründe.
Warum dein Hund beim Geschäft erst minutenlang kreist und dann auch noch losläuft, wirkt von außen wie eine Marotte. Dahinter stecken zwei völlig verschiedene Vorgänge. Das Suchen vorher gehört zum normalen Verhalten. Das Laufen mittendrin hat dagegen fast immer einen körperlichen Grund.
Die kurze Antwort
Vor dem Absetzen prüft dein Hund Untergrund, Geruch und Sichtachse. Diese Suche darf dauern. Bewegt er sich dagegen, während der Kot kommt, deutet das auf Unbehagen hin: gereizte Analbeutel, harter Kot, Durchfall oder Schmerz im Rücken.
Was es mit der Nord-Süd-Ausrichtung auf sich hat
Eine Arbeit von Hart und Kollegen aus dem Jahr 2013 beobachtete 70 Hunde bei 1.893 Kotabsätzen. Sie bevorzugten die Nord-Süd-Achse, allerdings nur bei ruhigem Erdmagnetfeld. Bei unruhigem Feld verschwand die Vorliebe komplett. Mehr steht dort nicht. Mehr behaupte ich deshalb auch nicht.
Die Suche vor dem Häufchen
Ein Hund braucht für den Kotabsatz eine Sekunde völliger Wehrlosigkeit. In dieser Haltung kann er weder wegrennen noch sich verteidigen. Genau deshalb wählt er die Stelle sorgfältig aus.
Drei Dinge prüft er dabei nacheinander. Den Untergrund unter den Pfoten, die Gerüche anderer Hunde und die freie Sicht nach hinten. Erst wenn alle drei passen, geht er in die Hocke.
Aus meiner Erfahrung heraus dauert diese Suche bei unsicheren Hunden am längsten. Wer dabei zieht und drängt, verlängert sie zusätzlich. Welche Zeichen auf Anspannung hindeuten, sammelt Hundekommunikation.

Mein Tipp: Bleib beim Kreisen ruhig stehen und dreh dich leicht weg. Zwei Meter lose Leine und ein abgewandter Blick verkürzen die Suche mehr als jedes Antreiben.
Die Nord-Süd-Studie: was wirklich drinsteht
Weil die Behauptung durch halbe Internet kursiert, hier der genaue Inhalt. Vlastimil Hart und sein Team veröffentlichten 2013 in der Fachzeitschrift Frontiers in Zoology eine Beobachtungsstudie.
Erhoben wurde zwischen Dezember 2011 und Juli 2013 in Tschechien und Deutschland. Beteiligt waren 70 Hunde aus 37 Rassen sowie 37 Halter als Beobachter. Gezählt wurden 1.893 Kotabsätze und 5.582 Harnabsätze.
Gemessen wurde ausschließlich bei frei laufenden Hunden, also ohne Leine, im offenen Gelände. Straßen, Hochspannungsleitungen und größere Stahlkonstruktionen blieben außen vor.
Der beobachtete Befund: Bei ruhigem Erdmagnetfeld richteten sich die Hunde bevorzugt entlang der Nord-Süd-Achse aus. Bei unruhigem Feld war diese Vorliebe verschwunden. Zwischen Rüden und Hündinnen fand das Team keinen Unterschied.
Jetzt die Einschränkungen, die in den Schlagzeilen regelmäßig fehlen. Rechnet man alle Aufzeichnungen zusammen, ohne nach Magnetbedingungen zu trennen, streut die Ausrichtung beim Kotabsatz sehr stark. Der über alle Hunde gemittelte Richtungsvektor bestätigte sie nicht.
Dazu kommt die eigene Angabe der Arbeit, dass das Erdmagnetfeld nur an rund 20 Prozent der Tagstunden ruhig liegt. Ein Halter kann diesen Zustand weder erkennen noch beeinflussen.
So ordne ich diese Studie ein
- Es ist eine einzelne Beobachtungsstudie, kein Versuch unter kontrollierten Bedingungen.
- Eine unabhängige Wiederholung ist mir bis heute nicht bekannt.
- Der Effekt zeigt sich nur in einem schmalen Zeitfenster und verschwindet sonst.
- Für die Frage, warum dein Hund kreist, erklärt sie wenig.
- Für den Spaziergang folgt daraus überhaupt nichts.
Spannend ist sie trotzdem. Sie war der erste Nachweis dafür, dass Hunde auf kleine Schwankungen des Erdmagnetfeldes überhaupt reagieren.
Wenn er läuft, während es passiert
Jetzt zum eigentlichen Thema. Ein Hund, der sich während des Kotabsatzes vorwärts bewegt, ist selten entspannt.
Er versucht, einer unangenehmen Empfindung auszuweichen. Das ist derselbe Mechanismus, den wir vom Herumrutschen auf einem harten Stuhl kennen.
Die häufigste Erklärung sitzt direkt am Ausgang. Das MSD Veterinary Manual nennt die Erkrankung der Analbeutel als häufigste Erkrankung der Afterregion beim Hund. Was diese Drüsen tun und wann sie Ärger machen, steht ausführlich in Analdrüsen beim Hund.
Die beiden Beutel liegen links und rechts vom After. Beim Kotabsatz wird eine kleine Menge übelriechender Flüssigkeit mit herausgedrückt. Klappt das nicht mehr, staut sich der Inhalt.
Als Zeichen führt dasselbe Kapitel Schmerz und Unbehagen beim Sitzen. Der Hund rutscht mit dem Hinterteil über den Boden, leckt oder knabbert an der Aftergegend und presst beim Kotabsatz. Kleine Rassen sind anfällig, große und sehr große Hunde selten betroffen.
Als Ursachen nennt das Handbuch unter anderem, dass die Beutel beim Kotabsatz nicht mehr ausgedrückt werden, dazu schlaffe Muskulatur bei übergewichtigen Hunden sowie eine zu starke Absonderung der Drüse selbst.

Harter Kot, weicher Kot
Der zweite große Grund liegt in der Beschaffenheit. Trockener, harter Kot lässt sich nur unter Pressen abgeben. Pressen wiederum tut weh. Die Einordnung liefert dir Verstopfung beim Hund.
Am anderen Ende steht der Durchfall. Flüssiger Kot kommt schneller, als der Hund stehen bleiben kann. Wie normaler Kot aussehen sollte, zeigt Gesunder Hundekot.
ESCCAP Deutschland nennt Giardien als einen der häufigsten Auslöser von Magen-Darm-Störungen beim Hund. Diese winzigen Einzeller heften sich an die Dünndarmwand und stören die Verdauung. Die Folge sind wiederkehrende, teils wässrige Durchfälle.
Ein Punkt daraus ist im Alltag entscheidend. Befallene Hunde zeigen nicht immer Krankheitszeichen, scheiden aber trotzdem große Mengen ansteckender Dauerformen aus. Ein unauffälliger Hund schließt einen Befall also nicht aus. Bei zähem, glasigem Kot hilft dir Schleimiger Kot beim Hund.
Fällt dir zusätzlich eine ungewöhnlich große Menge auf, lohnt der Blick auf die Ration. Was normal ist, klärt Hund kackt viel.
Die Zuordnung ist ein Verdacht, kein Befund. Die letzte Zeile duldet keinen Aufschub.
Der Rücken als übersehene Ursache
Für den Kotabsatz geht ein Hund in eine gebeugte Haltung und hält sie mehrere Sekunden. Wer Schmerzen in der Wirbelsäule hat, schafft das nicht.
Diese Hunde nehmen die Position kurz ein und richten sich sofort wieder auf. Manche laufen dabei ein paar Schritte, weil ihnen das Halten nicht gelingt. Wie sich ein Bandscheibenproblem sonst zeigt, beschreibt Bandscheibenerkrankung bei Hunden.
Meine langjährige Erfahrung sagt: Dieser Zusammenhang wird am spätesten erkannt. Halter beobachten wochenlang die Verdauung, während der Auslöser eine Etage höher sitzt.

Was der Alltag dazu beiträgt
Die Tierschutz-Hundeverordnung verlangt ausreichend Auslauf im Freien außerhalb eines Zwingers. Eine Stundenzahl nennt sie nicht, dafür die Anpassung an Rasse, Alter und Gesundheitszustand.
Für den Kotabsatz zählt vor allem die Regelmäßigkeit. Ein Hund, der sich zurückhält, weil die Runde kurz ausfällt oder der Ort unangenehm ist, bekommt festeren Kot. Damit beginnt der Kreislauf aus Pressen und Unbehagen.
- Feste Zeiten, mindestens dreimal am Tag hinaus
- Ruhige Stellen anbieten, an denen niemand vorbeiläuft
- Beim Absetzen nicht ansprechen und nicht anstarren
- Frisches Wasser jederzeit erreichbar halten
- Futterwechsel über zehn Tage strecken statt über Nacht
- Gewicht im Blick behalten, weil schlaffe Muskulatur mitspielt
Den Verdauungstrakt im Alltag entlasten
Weil die Frage regelmäßig kommt, hier die sachliche Einordnung. Unser Magenpulver ist ein Ergänzungsfuttermittel in einer 275-Gramm-Dose.

Enthalten sind Möhrenmehl, Rotulme, Wermut, Enzianwurzel und Tausendgüldenkraut, dazu 250 Gramm Natrolith-Phonolith sowie 90 Gramm Bentonit je Kilogramm. Gefüttert wird ein halber Teelöffel je 10 Kilogramm Körpergewicht, immer zum Futter. Hergestellt wird in Deutschland.
Zwei Hinweise werden gern überlesen. Bei gleichzeitiger Medikamentengabe hältst du zwei Stunden Abstand, weil Tonminerale auch Wirkstoffe binden. Für trächtige Hündinnen ist das Pulver nicht vorgesehen. Ein Ergänzungsfuttermittel ersetzt keine Untersuchung.
Fazit: Beim Geschäft passieren zwei Dinge, die nichts miteinander zu tun haben. Das Kreisen vorher ist die Suche nach einer sicheren Stelle und völlig normal. Zur beliebten Nord-Süd-Ausrichtung gibt es genau eine Beobachtungsstudie aus dem Jahr 2013, deren Effekt nur bei ruhigem Erdmagnetfeld auftrat und sonst verschwand. Bewiesen ist damit nichts, was dir am Wegrand hilft. Läuft dein Hund dagegen weiter, während der Kot kommt, schau auf Analbeutel, Kotkonsistenz und Rücken. Rutscht er anschließend mit dem Hinterteil über den Boden, gehört er in die Praxis.
Häufige Fragen zum Kotabsatz beim Hund
Warum kreist mein Hund vor dem Häufchen?
Er sucht die passende Stelle. Untergrund, Geruch und freie Sicht spielen dabei zusammen. Kreisen an sich ist völlig normales Verhalten.
Richten sich Hunde dabei wirklich nach Norden und Süden aus?
Eine Arbeit von Hart und Kollegen aus dem Jahr 2013 fand genau das, allerdings nur bei ruhigem Erdmagnetfeld. Bei unruhigem Feld verschwand die Vorliebe.
Wie belastbar ist diese Studie?
Es handelt sich um eine einzelne Beobachtungsstudie mit 70 Hunden. Eine unabhängige Wiederholung ist mir nicht bekannt. Für deinen Alltag folgt daraus nichts.
Und wenn er läuft, während der Kot kommt?
Dann wird es interessant. Häufig steckt Unbehagen dahinter: verstopfte Analbeutel, harter Kot, Durchfall oder Schmerzen im Rücken.
Was sind Analbeutel?
Zwei kleine Drüsen links und rechts vom After. Sie geben beim Kotabsatz eine kleine Menge übelriechender Flüssigkeit ab.
Welche Hunde trifft das besonders?
Kleine Rassen. Das MSD Veterinary Manual nennt sie als anfällig, während große und sehr große Hunde selten betroffen sind.
Woran erkenne ich ein Problem mit den Analbeuteln?
Er rutscht mit dem Hinterteil über den Boden, leckt oder knabbert an der Aftergegend und presst beim Kotabsatz sichtbar.
Kann Durchfall der Grund sein?
Ja. Er gehört in jedem Fall abgeklärt. ESCCAP nennt Giardien als einen der häufigsten Auslöser von Magen-Darm-Störungen beim Hund.
Mein Hund wirkt gesund, hatte aber wiederholt Durchfall. Reicht eine Kotprobe?
Frag in der Praxis nach einer Sammelprobe über drei Tage. Einzelproben übersehen Erreger, die nicht täglich ausgeschieden werden.
Kann der Rücken schuld sein?
Durchaus. Zum Koten geht ein Hund in eine gebeugte Haltung. Tut die Wirbelsäule weh, hält er sie nicht durch und läuft weiter.
Soll ich ihn drängen, wenn es lange dauert?
Nein. Druck erzeugt Anspannung, die den Darm zusätzlich ausbremst. Gib ihm Leine, Zeit und ein paar Meter Abstand.
Wie viel Auslauf braucht er dafür?
Die Tierschutz-Hundeverordnung nennt keine Stundenzahl. Sie verlangt ausreichend Auslauf im Freien, angepasst an Rasse, Alter und Gesundheit.
Quellen
- Hart et al. (2013): Dogs are sensitive to small variations of the Earth's magnetic field. Frontiers in Zoology 10:80
- MSD Veterinary Manual – Disorders of the Rectum and Anus in Dogs
- ESCCAP Deutschland – Giardien beim Hund
- Tierschutz-Hundeverordnung § 2
Über den Autor

Kevin Roth
Co-Gründer von Lucky Pets
Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.
Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.
Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Erfolgloses Pressen, blutiger Kot und ein matter Hund gehören ohne Umweg in eine Praxis.
