Tricolor Hund: Wie FCI-Standards Dreifarbigkeit regeln

Tricolor Hund: Wie FCI-Standards Dreifarbigkeit regeln

Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 27.08.2026 · Lesezeit: 11 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Tricolor ist eine Zeichnung, keine Farbe.
  • 64 von 337 deutschsprachigen FCI-Standards nennen sie.
  • Nur vier Standards machen Dreifarbigkeit zur Pflicht — die Schweizer Sennenhunde.
  • Beim Dalmatiner schließt genau sie von der Zucht aus.

Tricolor Hund klingt nach einer Fellfarbe. In den Rassestandards ist es keine. Dort steht immer dasselbe Muster: eine Grundfarbe, dazu Brand und Weiß an fest benannten Stellen. Ich habe 337 deutschsprachige FCI-Standards durchsucht.

Die kurze Antwort

Tricolor heißt dreifarbig und beschreibt eine Zeichnung. Der Standard legt fest, welche Grundfarbe erlaubt ist und wo Brand und Weiß sitzen dürfen. Ein eigenes Pigment gibt es dafür nicht.

Der entscheidende Punkt

Dieselbe Zeichnung wird je nach Rasse verlangt oder verboten. Bei den vier Schweizer Sennenhunden ist fehlende Dreifarbigkeit ein Ausschlussgrund. Beim Dalmatiner ist vorhandene Dreifarbigkeit einer.

Was die Standards unter dreifarbig verstehen

Der FCI-Rassestandard Nr. 45 für den Berner Sennenhund beginnt schon im ersten Satz damit. Beschrieben wird dort ein langhaariger, dreifarbiger, übermittelgroßer Gebrauchshund mit stämmigen Gliedmaßen. Die Zeichnung steht also nicht bei der Farbe, sondern beim Erscheinungsbild.

Wacher dunkler Hund sitzt aufmerksam im Gras
Grundfarbe, Brand, Weiß — die Standards benennen jeden Ort einzeln. Foto: Kreuzschnabel / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Der Farbabsatz wird dann sehr genau. Die Grundfarbe ist tiefschwarz. Der satte braunrote Brand sitzt an den Backen, über den Augen, an allen vier Läufen und auf der Brust. Weiß darf als Blesse am Kopf stehen, dazu als durchgehende Kehl- und Brustzeichnung.

Weiße Pfoten und eine weiße Rutenspitze sind erwünscht. Ein kleiner weißer Nackenfleck und ein kleiner Afterfleck sind toleriert. Wer das liest, merkt schnell: Hier geht es um Orte, nicht um Farbtöne.

Vier Standards machen sie zur Pflicht

Bei meiner Suche bin ich auf einen Befund gestoßen, den ich so nicht erwartet hatte. In genau vier von 337 Standards steht der Satz mit der fehlenden Dreifarbigkeit unter den zuchtausschließenden Fehlern. Es sind die vier Schweizer Sennenhunde.

Der Appenzeller nach Nr. 46 beschreibt einen dreifarbigen, mittelgroßen, fast quadratisch gebauten Hund. Ausgeschlossen ist dort außerdem jede andere Grundfarbe als schwarz oder havannabraun. Der Entlebucher nach Nr. 47 formuliert es besonders schön: dreifarbig wie alle schweizerischen Sennenhunde.

Rasse (FCI-Nr.) Was der Standard zur Dreifarbigkeit sagt Widerristhöhe
Rasse (FCI-Nr.)Berner Sennenhund (45) Was der Standard zur Dreifarbigkeit sagtlanghaariger, dreifarbiger Gebrauchshund — fehlende Dreifarbigkeit schließt aus WiderristhöheRüden 64–70 cm, Hündinnen 58–66 cm
Rasse (FCI-Nr.)Appenzeller Sennenhund (46) Was der Standard zur Dreifarbigkeit sagtdreifarbiger, fast quadratisch gebauter Hund — fehlende Dreifarbigkeit schließt aus WiderristhöheRüden 52–56 cm, Hündinnen 50–54 cm
Rasse (FCI-Nr.)Entlebucher Sennenhund (47) Was der Standard zur Dreifarbigkeit sagtdreifarbig wie alle schweizerischen Sennenhunde WiderristhöheRüden 44–50 cm, Hündinnen 42–48 cm
Rasse (FCI-Nr.)Großer Schweizer Sennenhund (58) Was der Standard zur Dreifarbigkeit sagttypische Dreifarbigkeit, Grundfarbe schwarz mit rot-braunem Brand WiderristhöheRüden 65–72 cm, Hündinnen 60–68 cm
Rasse (FCI-Nr.)Beagle (161) Was der Standard zur Dreifarbigkeit sagtdreifarbig als eine von zehn erlaubten Farbangaben Widerristhöhe33 bis 40 cm
Rasse (FCI-Nr.)Cavalier King Charles Spaniel (136) Was der Standard zur Dreifarbigkeit sagtTricolour: schwarz-weiß mit lohfarbenen Abzeichen Widerristhöhenur Gewicht: 5,5 bis etwa 8 kg
Rasse (FCI-Nr.)Français Tricolore (219) Was der Standard zur Dreifarbigkeit sagtdreifarbig mit mehr oder weniger ausgedehntem Mantel WiderristhöheRüden 62–72 cm, Hündinnen 60–68 cm
Rasse (FCI-Nr.)Dalmatiner (153) Was der Standard zur Dreifarbigkeit sagtDreifarbigkeit schließt von der Zucht aus WiderristhöheRüden 56–62 cm, Hündinnen 54–60 cm

Wörtlich aus den deutschen FCI-Rassestandards, gelesen am 27.08.2026.

Kein einziger dieser Standards nennt beim Berner Sennenhund ein Gewicht. Das ist kein Versehen, sondern Absicht. Wer eine belastbare Zahl braucht, holt sie beim Zuchtverband ein.

Wacher braun-weißer Hund liegt entspannt im Gras
Beim Beagle steht dreifarbig als eine von zehn erlaubten Angaben. Foto: Kolforn / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Beim Dalmatiner ist sie der Ausschlussgrund

Jetzt die Gegenprobe. Der FCI-Rassestandard Nr. 153 für den Dalmatiner führt Dreifarbigkeit unter den zuchtausschließenden Fehlern. In Klammern steht, was gemeint ist: schwarze und braune Tupfen auf demselben Hund.

Erlaubt sind dort zwei Farbschläge. Auf rein weißer Grundfarbe entweder schwarze oder leberbraune Tupfen. Die Tupfen sollen symmetrisch verteilt sein und zwei bis drei Zentimeter messen. Beim braunen Farbschlag dürfen sie etwas kleiner ausfallen.

Aus meiner Erfahrung ist das der Satz, der Leser überrascht. Dieselbe Eigenschaft, die vier Rassen zur Pflicht haben, kostet eine fünfte die Zuchtzulassung.

Der Beagle: dreifarbig als eine Option von zehn

Der FCI-Rassestandard Nr. 161 geht einen dritten Weg. Er listet dreifarbig als erste von zehn Farbangaben und nennt in Klammern die drei Töne: schwarz, braun und weiß. Danach folgt eine zweite Dreierkombination aus blau, weiß und braun.

Es geht weiter mit dachsfarbig, hasenfarbig und zitronengelb gefleckt, dann mit vier Zweifarb-Kombinationen und schließlich mit ganz weiß. Der Standard schließt mit einem Satz, der keine Auslegung zulässt: Keine anderen Farben sind zulässig.

Eine Vorgabe gilt beim Beagle unabhängig vom Farbschlag: Die Rutenspitze ist weiß. Zur Widerristhöhe nennt er 33 Zentimeter als wünschenswertes Mindestmaß und 40 als Höchstmaß. Mehr zur Rasse steht in Beagle-Temperament.

Wo das Wort im Standard fehlt

Zwei wache Hunde liegen nebeneinander im Gras
Zwei dreifarbige Hunde, zwei völlig verschiedene Standards. Foto: Kreuzschnabel / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Zwei Rassen werden im Netz ständig als tricolor geführt. In ihren Standards steht das Wort nicht. Beim Australian Shepherd nach Nr. 342 heißt es bluemerle, schwarz, redmerle und rot, jeweils mit oder ohne weiße und kupferfarbene Abzeichen.

Auch der Bernhardiner nach Nr. 61 kennt keine Dreifarbigkeit. Sein Standard beschreibt eine weiße Grundfarbe mit roten Platten oder mit durchgehenden roten Decken über Rücken und Flanken. Wie Standards andere Zeichnungen benennen, zeigt Harlekin-Hund.

Black Tri und Red Tri sind also Züchtersprache, keine Standardbegriffe. Das macht sie nicht falsch. Es heißt nur, dass du sie nicht im Standard nachschlagen kannst.

Woran du eine ernst gemeinte Farbangabe erkennst

  • Sie nennt die Standardnummer, nicht nur den Rassenamen.
  • Sie sagt, wo Brand und Weiß sitzen dürfen.
  • Sie unterscheidet erwünscht, toleriert und ausschließend.
  • Sie erfindet keine Farbnamen, die im Standard fehlen.
  • Sie verspricht nichts über Wesen oder Gesundheit.

Eine Farbangabe ohne Standardnummer ist eine Behauptung, keine Auskunft.

Wie viele Standards überhaupt dreifarbig sagen

Ich habe die Suche über den ganzen Bestand laufen lassen. In 58 der 337 deutschsprachigen Standards kommt das Wort dreifarbig oder Dreifarbigkeit vor. Rechnet man tricolor und tricolour dazu, sind es 64.

Die Formulierungen unterscheiden sich stark. Der Shetland Sheepdog nach Nr. 88 nennt tiefschwarz am Körper, vorzugsweise mit satten lohfarbenen Abzeichen. Der Collie nach Nr. 156 schreibt vorwiegend schwarz mit satten lohfarbenen Abzeichen an Beinen und Kopf.

Der Pudel nach Nr. 172 macht es am kürzesten: schwarz, weiß und falb gefleckt. Und der Cavalier King Charles Spaniel nach Nr. 136 nutzt gleich die englische Schreibweise Tricolour für schwarz-weiß mit lohfarbenen Abzeichen.

Eine Rasse trägt das Wort sogar im Namen. Der Français Tricolore nach Nr. 219 ist ein französischer Laufhund mit 62 bis 72 Zentimetern bei Rüden. Sein Farbabsatz besteht aus einem Satz: dreifarbig mit mehr oder weniger ausgedehntem Mantel.

Was die Zeichnung für den Alltag bedeutet

Ehrlich gesagt: nichts. Die Pflege hängt am Haar, nicht an der Zeichnung. Der VDH nennt das lange Haarkleid des Berner Sennenhundes recht pflegeintensiv und empfiehlt Bürste und Kamm mehrmals pro Woche.

Beim Beagle mit seinem kurzen, dichten Haar sieht das völlig anders aus. Beide sind dreifarbig. Der eine braucht zwanzig Minuten Kamm in der Woche, der andere einen Handschuh.

Auch das Wesen steht in einem eigenen Abschnitt. Der VDH beschreibt den Berner Sennenhund als wachsam, ohne zum Kläffen zu neigen. Wie unterschiedlich zwei dreifarbige Sennenhunde sein können, zeigt Appenzeller Sennenhund.

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Welpenkauf: worauf du bei der Zeichnung achtest

Frag nach dem Zuchtverband und den Papieren. Daraus siehst du, nach welchem Standard gezüchtet wird. Bei den Sennenhunden ist die Zeichnung Teil der Zuchtzulassung, nicht Geschmackssache.

Sieh dir den Wurf bei Tageslicht an. Meine langjährige Erfahrung sagt: Weiß wirkt auf Handyfotos aus Innenräumen breiter, als es ist. Beim Berner entscheidet genau das über zu breite Blesse oder nicht.

Frag nach dem Muttertier und lass es dir zeigen. Frag nach Impfstatus und Entwurmung. Und frag, welche Untersuchungen die Elterntiere haben — bei großen Rassen zählt das mehr als jede Zeichnung.

Mein Tipp: Lass dir die Zuchtbewertung der Elterntiere zeigen. Dort steht schwarz auf weiß, wie ein Richter die Zeichnung bewertet hat.

Passt ein dreifarbiger Hund zu dir?

Die Frage lässt sich so nicht beantworten. Genau das ist der Befund. Zwischen einem Entlebucher mit 44 Zentimetern und einem Großen Schweizer mit 72 liegen Welten. Beide tragen dieselbe Zeichnung.

Entscheidend ist die Aufgabe hinter der Rasse. Der Berner Sennenhund war Wach-, Zug- und Treibhund auf Berner Bauernhöfen. Der Beagle ist ein Laufhund mit Arbeitsprüfung, gezüchtet für die Fährte.

Ich frage deshalb zuerst nach der Gruppe und der Verwendung im Standard. Danach nach Größe und Fellpflege. Die Zeichnung kommt bei mir ganz zum Schluss. Wie stark sich zwei Sennenhunde unterscheiden, zeigt Großer Schweizer Sennenhund.

Fazit: Tricolor ist eine Zeichnung, keine Farbe. Der FCI-Rassestandard Nr. 45 beschreibt den Berner Sennenhund als langhaarigen, dreifarbigen Gebrauchshund. Die Grundfarbe ist tiefschwarz, der braunrote Brand sitzt an Backen, über den Augen, an allen vier Läufen und auf der Brust. Dazu kommen weiße Kopf-, Kehl- und Brustzeichnung. In genau vier von 337 deutschsprachigen Standards ist fehlende Dreifarbigkeit ein zuchtausschließender Fehler, nämlich bei den Nummern 45, 46, 47 und 58. Beim Dalmatiner nach Standard Nr. 153 schließt umgekehrt vorhandene Dreifarbigkeit von der Zucht aus. Der Beagle nach Standard Nr. 161 führt dreifarbig als eine von zehn erlaubten Angaben und endet mit dem Satz, dass keine anderen Farben zulässig sind. Beim Australian Shepherd und beim Bernhardiner kommt das Wort in den Standards Nr. 342 und Nr. 61 nicht vor.

Häufige Fragen zu dreifarbigen Hunden

Was heißt tricolor beim Hund?

Dreifarbig. Gemeint ist eine Zeichnung aus Grundfarbe, Brand und Weiß — jeweils an Stellen, die der Rassestandard benennt.

Ist Tricolor eine Farbe?

Nein, eine Zeichnung. Der Berner Sennenhund hat laut Standard Nr. 45 eine tiefschwarze Grundfarbe, dazu braunroten Brand und weiße Abzeichen.

Bei welchen Rassen ist Dreifarbigkeit Pflicht?

Bei den vier Schweizer Sennenhunden. Ihre Standards Nr. 45, 46, 47 und 58 führen fehlende Dreifarbigkeit als zuchtausschließenden Fehler.

Wo darf ein Hund gerade nicht dreifarbig sein?

Beim Dalmatiner. Standard Nr. 153 schließt schwarze und braune Tupfen auf demselben Hund von der Zucht aus.

Wie beschreibt der Beagle-Standard die Farbe?

Er listet dreifarbig als eine von zehn erlaubten Varianten und schließt mit dem Satz: Keine anderen Farben sind zulässig.

Wo sitzt der Brand beim Berner Sennenhund?

An den Backen, über den Augen, an allen vier Läufen und auf der Brust. So steht es im Standard Nr. 45.

Tricolor: Wie groß wird ein Berner Sennenhund?

Rüden 64 bis 70 Zentimeter mit Idealgröße 66 bis 68, Hündinnen 58 bis 66 mit Idealgröße 60 bis 63.

Tricolor: Nennt der Standard ein Gewicht?

Nein. Beim Berner Sennenhund steht keines. Wer eine belastbare Zahl braucht, fragt beim Zuchtverband nach.

Ist der Australian Shepherd tricolor?

Sein Standard Nr. 342 nennt bluemerle, schwarz, redmerle und rot, mit oder ohne weiße und kupferfarbene Abzeichen. Das Wort tricolor fehlt.

Und der Bernhardiner?

Standard Nr. 61 beschreibt eine weiße Grundfarbe mit roten Platten oder Decken. Von Dreifarbigkeit ist dort keine Rede.

Sagt die Zeichnung etwas über das Wesen?

Nein. Farbe und Wesen stehen in jedem Standard in getrennten Abschnitten. Aus der einen folgt nichts für das andere.

Wie viel Fellpflege braucht ein dreifarbiger Hund?

Das hängt am Haar, nicht an der Zeichnung. Der VDH empfiehlt beim Berner Sennenhund Bürste und Kamm mehrmals pro Woche.

Quellen

Über den Autor

Kevin Roth, Co-Gründer von Lucky Pets

Kevin Roth

Co-Gründer von Lucky Pets

Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.

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Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Zu Gesundheit und Belastbarkeit des einzelnen Hundes berät die Tierarztpraxis.