Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 21.08.2026 · Lesezeit: 6 Minuten
Das Wichtigste in Kürze
- Ein zweiter Hund ist kein Ersatz für Training gegen Alleinsein.
- In der Videostudie bellten Rüden mit Artgenossen im Haushalt sogar mehr.
- 🔴 Alle laufenden Kosten fallen doppelt an — plus Betreuung und Praxis.
- Die TVT rät ausdrücklich von spontanen Entscheidungen ab.
Der Gedanke klingt naheliegend: Ein zweiter Hund leistet dem ersten Gesellschaft. Beide sind dann glücklicher. In der Praxis stimmt das manchmal — und manchmal verdoppelt sich einfach nur der Aufwand. Ich zeige dir, was die Forschung zum Alleinsein sagt, welche Kosten realistisch sind und woran du die Entscheidung festmachst.
Die kurze Antwort
Ein Zweithund ist eine eigene Entscheidung, kein Werkzeug gegen Trennungsstress. Wer sie trifft, plant doppelte Kosten, doppelte Zeit und getrennte Ressourcen ein.
🔴 Kein Grund für einen Zweithund
Der erste Hund bleibt schlecht allein. Dieses Problem gehört ins Training, nicht in einen weiteren Hund.
Was die Forschung zum Alleinsein zeigt
Eine Schweizer Untersuchung, beschrieben bei vetline, hat 77 Hunde in 54 Haushalten per Videokamera beobachtet. Bei etwa der Hälfte lebte mindestens ein weiterer Hund im Haushalt — die Studie konnte also direkt vergleichen.

Das Ergebnis widerspricht der landläufigen Annahme. Rüden zeigten deutlich mehr Jaulen und Bellen als Hündinnen. Besonders intensiv waren diese Lautäußerungen, wenn weitere Hunde im Haushalt lebten.
Beruhigend ist der zweite Befund: Den größten Teil der Alleinzeit verbrachten die Hunde mit Ruhen und Schlafen. Aus meiner Erfahrung heißt das für die Entscheidung: Wer einen Zweithund gegen Trennungsstress anschafft, riskiert zwei unruhige Hunde statt einem.
Nicht jedes Motiv trägt die Entscheidung.
Was ein zweiter Hund kostet
Das TVT-Merkblatt 197 listet die Posten auf. Genannt werden die Vermittlungsgebühr, Grundanschaffungen wie Näpfe, Geschirr und Spielzeug sowie jährliche Fixkosten: Hundesteuer, Haftpflichtversicherung, Futter, Impfungen und Entwurmungen.

Dazu kommen die Posten, die niemand plant. Das Merkblatt nennt ungeplante Tierarztbesuche, chronische Erkrankungen, den Besuch einer Hundeschule und Betreuungskosten. Wie sich das insgesamt summiert, rechnet Was ein Hund kostet vor, den Steueranteil klärt Hundesteuer.
Beim zweiten Hund steigt ein Posten überproportional: die Steuer. Ich halte diesen Punkt für den am häufigsten übersehenen bei der Planung. Fast alle Gemeinden verlangen für den zweiten Hund einen höheren Satz als für den ersten. In Berlin sind es 180 statt 120 Euro im Jahr — ein Aufschlag von der Hälfte.
🔴 Die Entscheidung sauber treffen

Die TVT formuliert zwei Bedingungen, die vor jedem Einzug gelten. Erstens sollte ein soziales Netzwerk zur Versorgung des Hundes bestehen, etwa bei Krankheit oder im Urlaub. Zweitens: keine emotionalen oder spontanen Kaufentscheidungen.
Praktisch heißt das, vorher zu klären, wer beide Hunde übernimmt, wenn du zwei Wochen ausfällst. Ein Betreuungsplatz für einen Hund findet sich schnell, für zwei deutlich seltener. In meinem Umfeld war das regelmäßig der Punkt, an dem Urlaubspläne kippten. Wie du dein Alleinbleib-Training stattdessen aufbaust, steht in Hund alleine lassen.
Ist die Entscheidung gefallen, zählt die Zusammenführung. Neutraler Boden, keine Ressourcen in Reichweite, genug Abstand und getrennte Futterplätze von Anfang an. Das erste Treffen findet am besten draußen statt, nicht in der Wohnung des Ersthundes. Meine langjährige Erfahrung sagt, dass die ersten zwei Wochen den Ton für Jahre setzen. Die Grundlagen dazu stehen in Hund erziehen.
Trainiere danach getrennt weiter. Ein Junghund, der sich nur am älteren Hund orientiert, lernt deine Signale nie richtig. Für den Rückruf gilt das besonders, siehe Rückruf trainieren.
Vor dem zweiten Hund klären
- Ist der erste Hund sozial verträglich mit anderen Hunden?
- Trägst du die doppelten laufenden Kosten dauerhaft?
- Wer versorgt beide Hunde bei Krankheit oder Urlaub?
- 🔴 Ist die Entscheidung spontan oder aus Mitleid entstanden?
- Hast du Platz für zwei getrennte Rückzugsorte?
- Bleibt Zeit für getrennte Trainingseinheiten?
Zur Zusammenführung mit Katzen: Hund und Katze.
Fazit: Ein Zweithund ist eine schöne Entscheidung, aber keine Lösung für ein Problem. Die Videostudie zeigt, dass Artgenossen im Haushalt das Bellen beim Alleinsein eher verstärken. Die TVT rät zu einem Versorgungsnetzwerk und warnt vor spontanen Entscheidungen. Wer beides berücksichtigt und die doppelten Kosten einplant, trifft die Wahl aus den richtigen Gründen.
Häufige Fragen zum Zweithund
Löst ein Zweithund das Alleinsein-Problem?
Meist nicht. In einer Schweizer Videostudie bellten und jaulten Rüden besonders intensiv, wenn weitere Hunde im Haushalt lebten.
🔴 Was macht ein Hund allein zu Hause?
Er schläft. Laut derselben Untersuchung verbrachten die Hunde den größten Teil der Alleinzeit mit Ruhen und Schlafen.
Wie viele Hunde wurden untersucht?
77 Hunde in 54 Haushalten, beobachtet per Videokamera. Bei etwa der Hälfte lebte mindestens ein weiterer Hund im Haushalt.
Was kostet ein zweiter Hund?
Das Doppelte an laufenden Kosten. Die TVT nennt Vermittlungsgebühr, Grundanschaffung, Hundesteuer, Haftpflicht, Futter, Impfungen und Entwurmungen.
Welche Kosten kommen dazu?
Ungeplante Tierarztbesuche, chronische Erkrankungen, Hundeschule und Betreuung. Auch das listet das TVT-Merkblatt ausdrücklich auf.
Was ist vor der Entscheidung wichtig?
Keine emotionale oder spontane Entscheidung. Genau davor warnt die TVT — und rät, vorher ein soziales Netzwerk für die Versorgung zu klären.
Wann ist ein Zweithund sinnvoll?
Wenn der erste Hund sozial verträglich ist, du Zeit für zwei hast und die Entscheidung nicht aus Mitleid oder Langeweile entsteht.
Rüde oder Hündin dazu?
Gemischte Paare vertragen sich häufig leichter als gleichgeschlechtliche. Entscheidend bleibt aber das Individuum, nicht das Geschlecht.
Muss ich beide getrennt trainieren?
Ja, zumindest anfangs. Jeder Hund braucht eigene Einheiten, sonst orientiert sich der Neue nur am anderen Hund.
Was ändert sich im Alltag?
Zeit, Platz und Aufmerksamkeit verdoppeln sich nicht — sie vervielfachen sich. Spaziergänge, Tierarztbesuche und Urlaubsplanung werden aufwendiger.
Wie führe ich beide zusammen?
Auf neutralem Boden, ohne Ressourcen in Reichweite, mit ausreichend Abstand. Danach getrennte Futterplätze und getrennte Rückzugsorte.
Woran erkenne ich, dass es nicht passt?
An Dauerspannung: ständiges Meiden, Knurren an Ressourcen oder ein Hund, der sich zurückzieht. Dann gehört eine Beratung dazu.
Quellen
- vetline – Hunde alleine zu Hause: wie gehen die Vierbeiner damit um?
- TVT-Merkblatt 197 – Aufnahme eines Hundes (Stand 10/2025)
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Über den Autor

Kevin Roth
Co-Gründer von Lucky Pets
Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.
Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.
Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung und kein individuelles Training. Bei Spannungen zwischen zwei Hunden gehört eine Verhaltensberatung dazu.
