Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 27.08.2026 · Lesezeit: 10 Minuten
Das Wichtigste in Kürze
- Calcinosis cutis ist Kalk in der Haut — und fast immer die Folge von zu viel Kortison.
- Sie gilt als beweisend für das Cushing-Syndrom, weil sie kaum anders entsteht.
- Auch eine lange Kortisonbehandlung von außen erzeugt dasselbe Bild.
- Behandelt wird die Ursache. Gegen den Kalk selbst gibt es keine Salbe.
Calcinosis cutis beim Hund fällt beim Streicheln auf. Der Nacken fühlt sich rau an, fast wie Sandpapier unter dem Fell. Später sieht man weiße, harte Krümel, die aus der Haut treten. Und die entscheidende Frage ist nicht, wie man diese Krümel wegbekommt. Sie lautet: Woher kommt das Kortison?
Die kurze Antwort
Calcinosis cutis sind Calciumablagerungen in der Haut. Sie treten praktisch nur dann auf, wenn ein Hund zu viel Kortison im Körper hat — durch ein Cushing-Syndrom oder durch eine lange Kortisonbehandlung. Die Haut ist dabei der Anzeiger, nicht das Problem.
Der entscheidende Punkt
Wer nur die Haut behandelt, behandelt am falschen Ende. Solange der Kortisonüberschuss läuft, kommen die Ablagerungen zurück. Erst wenn die Ursache eingestellt ist, bildet sich der Kalk über Monate zurück.
Was Calcinosis cutis überhaupt ist
In der LABOKLIN-Expertenrunde zum Cushing-Syndrom beschreibt PD Dr. Florian Zeugswetter sie knapp: Calciumablagerungen in der Haut. Bevorzugt sitzen sie am Nacken und am Rücken. Auch in der Leiste und an den Beinen kommen sie vor.
Am Anfang spürt man sie nur. Die Haut wirkt körnig, das Fell steht dort etwas ab. Später bilden sich weißliche, feste Krümel, die Haut darüber wird rot und bricht auf. Dann tut es weh. Bakterien haben dort leichtes Spiel.

Fachlich heißt das dystrophe Verkalkung — Kalk lagert sich in Gewebe ein, das vorher geschädigt wurde. Für dich als Halter ist die Einordnung wichtiger als der Name. Diese Veränderung ist kein Hautproblem im engeren Sinn. Sie ist ein Signal von innen, anders als die meisten Befunde aus Hauterkrankungen beim Hund im Überblick.
Warum fast immer Cushing dahintersteckt
Nahezu ausschließlich im Zusammenhang mit Kortison — so beschreibt die Expertenrunde das Auftreten dieser Ablagerungen. Deshalb gilt die Calcinosis cutis dort als nahezu beweisend für das Cushing-Syndrom. Ein anderer Weg dorthin ist kaum bekannt.
Beweisend heißt hier: Wer diesen Befund sieht, hat die Diagnose fast schon gestellt. In der Fachsprache nennt man so etwas pathognomonisch. Solche Befunde sind selten. Genau deshalb wiegen sie so schwer.
Beim Cushing-Syndrom produziert der Körper dauerhaft zu viel Cortisol. Meist sitzt ein kleiner gutartiger Tumor in der Hirnanhangsdrüse, seltener einer in der Nebenniere. Was dabei im Körper passiert und welche Tests es gibt, steht in Cushing-Syndrom beim Hund.
Drei Rassen fallen dabei besonders auf. Staffordshire Bull Terrier, Pitbull Terrier und Rottweiler zeigen eine besondere Neigung zur Calcinosis cutis. Das heißt nicht, dass andere Hunde sie nicht bekommen.
Wie oft welche Anzeichen auftreten
Eine viel zitierte Auswertung von 300 Hunden mit Cushing-Syndrom hat LABOKLIN in einem Fachbeitrag zusammengetragen. Sie zeigt, wie unauffällig die Haut in diesem Bild eigentlich ist.
Häufigkeit bei 300 Hunden mit Cushing-Syndrom nach der Zusammenstellung von LABOKLIN. Die Calcinosis cutis ist selten — und trotzdem der aussagekräftigste Befund.
Der Durst steht ganz oben. Genau deshalb frage ich Halter immer zuerst danach. Die Hautzeichen kommen später und werden oft einzeln behandelt, ohne dass jemand sie zusammen liest. Wie sich dunkler werdende Haut einordnen lässt, steht in Hautverfärbungen beim Hund.
Kortison von außen macht dasselbe Bild
Es gibt eine zweite Quelle für den Überschuss. Sie ist im Alltag häufiger, als viele denken. Ein Hund, der über Monate Kortison bekommt, entwickelt dieselben Anzeichen wie ein Hund mit Cushing-Syndrom. Fachlich heißt das iatrogen — vom Behandler ausgelöst.

Die Expertenrunde ist an dieser Stelle sehr deutlich. Schon sehr geringe Dosen reichen aus, wenn sie über längere Zeit laufen. Die Empfindlichkeit schwankt stark von Hund zu Hund. Große Hunde reagieren dabei oft besonders sensibel.
Das betrifft nicht nur Tabletten. Auch Augensalben, Ohrentropfen und Hautsprays mit Kortison zählen mit. Deshalb gehört jedes einzelne dieser Mittel auf die Liste, die du in die Praxis mitbringst.
Diese Beobachtungen gehören in die Praxis
- Dein Hund trinkt deutlich mehr als früher und muss nachts raus.
- Der Bauch hängt, die Muskeln am Rücken werden weniger.
- Die Haut wird dünn, du siehst die Adern am Bauch durchscheinen.
- Am Nacken oder Rücken fühlst du harte Krümel unter dem Fell.
- Dein Hund bekommt seit Wochen oder Monaten Kortison in irgendeiner Form.
Setze Kortison niemals eigenmächtig ab. Der Körper braucht Wochen, um die eigene Produktion wieder hochzufahren.
Wie die Praxis das absichert
Der erste Schritt ist unspektakulär und wichtig. Blutbild, Organwerte und Harn. Bei 86 Prozent der Cushing-Hunde ist ein bestimmter Leberwert erhöht, die alkalische Phosphatase.
Erst danach kommt der Hormontest. Eine Fachempfehlung aus dem Jahr 2012 rät ausdrücklich, nur Hunde zu testen, die mindestens drei passende Anzeichen zeigen und diesen deutlich erhöhten Leberwert haben. Der Grund ist einfach: Getestet man wahllos, kommen zu viele falsch positive Ergebnisse heraus.
Bei Verdacht auf einen hausgemachten Überschuss durch Medikamente ist der ACTH-Stimulationstest der Test der Wahl. Wichtig ist der Abstand: Als Richtlinie gelten sechs bis acht Wochen zwischen der letzten Kortisongabe und dem Test.
Noch ein Punkt aus der Expertenrunde gehört hierher. Rund 80 Prozent der Cushing-Hunde haben einen zu hohen Blutdruck. Deshalb sollte er bei jedem dieser Patienten gemessen werden.
Wie behandelt wird
Die beste Behandlung der Calcinosis cutis ist die konsequente Einstellung des Cushing-Syndroms. So formuliert es Prof. Dr. Wolfgang Bäumer in der Expertenrunde. Bei einem hausgemachten Überschuss heißt das: langsam ausschleichen, nach Plan, mit Kontrollen. Wie die medikamentöse Einstellung mit Trilostan abläuft, steht in Vetoryl für Hunde.
Eine Besonderheit nennt das MSD Veterinary Manual. Trilostan ist sonst das Mittel der Wahl. Hunde mit Calcinosis cutis sprechen aber besser auf Mitotan an, einen älteren Wirkstoff mit anderem Angriffspunkt.
Für die Haut selbst gibt es unterstützende Maßnahmen. Diskutiert werden schuppenlösende Shampoos und Spüllösungen mit DMSO, wobei die Belege dafür dünn sind. DMSO ist beim Hund außerdem nicht zugelassen und gehört ausschließlich in tierärztliche Hand.

Was fast immer dazukommt, ist eine bakterielle Entzündung der aufgebrochenen Stellen. Sie braucht eine eigene, meist mehrwöchige Behandlung — nachzulesen in Pyodermie beim Hund.
Was du zu Hause beitragen kannst
Miss den Wasserverbrauch. Ein Messbecher, drei Tage lang, alles notiert, was in den Napf geht. Diese Zahl ist der beste Einzelwert, den du selbst erheben kannst. Über 100 Milliliter je Kilogramm Körpergewicht am Tag gelten als zu viel.
Fotografiere die Stellen einmal pro Woche bei Tageslicht, mit einem Lineal daneben. Über Monate erkennst du daran, ob die Behandlung greift. Im Alltag entgeht einem diese langsame Veränderung sonst.
Aus meiner Erfahrung heraus lohnt außerdem eine ehrliche Medikamentenliste. Schreib alles auf, was dein Hund im letzten halben Jahr bekommen hat, auch Salben und Tropfen. Für Haut und Fell gebe ich im Alltag den Lucky Pets Vitamin B-Komplex auf Basis inaktivierter Bierhefe, dazu Calciumcarbonat und getrockneter Apfeltrester. Eine Tablette je zehn Kilogramm Körpergewicht am Tag. Ein Ergänzungsfuttermittel, kein Arzneimittel. Die Calcinosis cutis selbst gehört in tierärztliche Hand.

Mein Tipp: Bring die Verpackungen mit, nicht nur die Namen. Bei Kortison entscheidet die Wirkstärke. Die steht auf der Schachtel. Aus der Erinnerung wird daraus schnell die falsche Angabe.
Meine langjährige Erfahrung sagt: Der Durst wird am häufigsten übersehen, weil er sich schleichend ändert. Wer einmal misst, statt zu schätzen, hat die halbe Diagnose in der Hand.
Fazit: Calcinosis cutis beim Hund ist Kalk in der Haut. Für sich allein steht sie fast nie. Die LABOKLIN-Expertenrunde beschreibt ihr Auftreten nahezu ausschließlich im Zusammenhang mit Kortison und nennt sie deshalb nahezu beweisend für das Cushing-Syndrom. In einer Auswertung von 300 betroffenen Hunden trat sie bei 8 Prozent auf, während 82 Prozent auffällig viel tranken. Auch eine lange Kortisonbehandlung erzeugt dasselbe Bild, schon in geringer Dosis. Behandelt wird deshalb die Ursache. Die Haut folgt nach, über Monate.
Häufige Fragen zu Calcinosis cutis beim Hund
Was ist Calcinosis cutis beim Hund?
Kalk in der Haut. Der Körper lagert Calcium in die Lederhaut ein. Von außen fühlt sich das an wie harte, weiße Krümel unter oder in der Haut.
Wo sitzen die Ablagerungen meistens?
Bevorzugt am Nacken und am Rücken. Auch in der Leiste und an den Beinen kommen sie vor.
Calcinosis cutis: Was steckt dahinter?
Fast immer ein Überschuss an Kortison. Entweder produziert der Hund selbst zu viel davon. Oder er bekommt es seit Längerem als Medikament.
Ist Calcinosis cutis ein Beweis für Cushing?
Nahezu. Die LABOKLIN-Expertenrunde nennt sie beweisend für das Cushing-Syndrom, weil sie praktisch nur bei Kortisonüberschuss auftritt.
Calcinosis cutis: Wie häufig ist sie?
Selten. In einer Auswertung von 300 Hunden mit Cushing-Syndrom zeigten 8 Prozent eine Calcinosis cutis.
Kann eine Kortisonbehandlung allein sie auslösen?
Ja. Schon geringe Dosen reichen, wenn sie über längere Zeit laufen. Die Empfindlichkeit ist von Hund zu Hund sehr verschieden.
Welche Rassen trifft es öfter?
Staffordshire Bull Terrier, Pitbull Terrier und Rottweiler zeigen eine besondere Neigung.
Woran erkenne ich Cushing sonst noch?
Am auffälligsten ist der Durst. 82 Prozent der betroffenen Hunde trinken und urinieren deutlich mehr. Dazu kommen Hängebauch, Haarverlust und ständiger Hunger.
Wie sichert die Praxis das ab?
Erst Blutbild, Organwerte und Harn, danach ein Hormontest. Getestet wird nur bei mindestens drei passenden Anzeichen und deutlich erhöhter alkalischer Phosphatase.
Calcinosis cutis: Wie wird behandelt?
Über die Ursache. Wird der Kortisonüberschuss eingestellt, bilden sich die Ablagerungen über Monate zurück. Eine Creme gegen den Kalk gibt es nicht.
Warum bekommen manche Hunde Mitotan statt Trilostan?
Weil Hunde mit Calcinosis cutis laut MSD-Handbuch besser auf Mitotan ansprechen. Sonst ist Trilostan das Mittel der Wahl.
Wie lange dauert es, bis die Haut besser aussieht?
Monate, nicht Wochen. In dieser Zeit entzünden sich die Stellen häufig. Die Behandlung dieser Entzündung läuft parallel.
Quellen
- LABOKLIN – Expertenrunde zum Cushing-Syndrom
- LABOKLIN – Die Diagnose des Hyperadrenokortizismus beim Hund
- MSD Veterinary Manual – Cushing Disease in Animals
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Über den Autor

Kevin Roth
Co-Gründer von Lucky Pets
Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.
Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.
Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Ob hinter den Ablagerungen ein Cushing-Syndrom oder eine Kortisonbehandlung steckt, klärt die Praxis mit Blutbild und Hormontest.
