Hormonelle Störungen beim Hund: erkennen und behandeln

Hormonelle Störungen beim Hund: erkennen und behandeln

Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 27.08.2026 · Lesezeit: 11 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Hormone steuern Stoffwechsel, Wasserhaushalt und die Antwort auf Stress.
  • Häufig beim Hund: Schilddrüsenunterfunktion, Cushing-Syndrom, Morbus Addison.
  • Viel trinken, dünnes Fell, weniger Ausdauer — das sind frühe Hinweise.
  • Sicher feststellen kann das nur das Labor.

Dein Hund trinkt plötzlich literweise. Er legt zu, obwohl im Napf dieselbe Menge landet wie immer. Das Fell wird dünn, die Lust auf die große Runde ist weg.

Solche Beschwerden schleichen sich ein. Viele Halter schieben sie aufs Alter. Manchmal steckt ein Hormon dahinter.

Die kurze Antwort

Eine hormonelle Störung entsteht, wenn eine Drüse zu viel oder zu wenig Botenstoff bildet. Beim Hund trifft das meist Schilddrüse oder Nebenniere.

Der entscheidende Punkt

Die Anzeichen passen auf zwanzig Krankheiten. Deshalb gehört vor jede Behandlung ein Bluttest.

Was hormonelle Störungen beim Hund sind

Wacher älterer Hund liegt ruhig im Freien
Zuerst fällt oft nur auf, dass der Hund langsamer wird. Foto: Marek Ślusarczyk (Tupungato) Photo portfolio / Wikimedia Commons, CC BY 3.0

Hormone sind Botenstoffe. Eine Drüse gibt sie ins Blut ab, an anderer Stelle lösen sie etwas aus. Das MSD Veterinary Manual nennt Insulin als bekanntestes Beispiel: Es senkt den Blutzucker.

Andere wirken enger. Die Schilddrüse hebt mit ihren Hormonen den Grundumsatz. Aldosteron aus der Nebenniere hält Natrium und Wasser zurück, Kalium schickt es hinaus.

Cortisol ist der Alleskönner darunter. Es gehört zur Antwort auf Stress, hält den Blutzucker oben und dämpft Entzündungen. Fehlt es, wird es sofort ernst.

Zwei Vorsilben ordnen das ganze Feld. Hyper heißt zu viel, hypo heißt zu wenig. Eine Schilddrüsenunterfunktion trägt deshalb den Fachnamen Hypothyreose.

Zu viel Hormon entsteht meist durch einen Tumor in der Drüse. Zu wenig entsteht, wenn Drüsengewebe kaputtgeht. Oft greift das eigene Immunsystem an, weil es körpereigenes Gewebe für fremd hält.

Ein Detail daran erklärt die späte Diagnose. Solange genug Gewebe übrig ist, gleicht der Körper den Ausfall aus. Sichtbar wird die Sache erst spät.

Woran du eine hormonelle Störung erkennst

Die Anzeichen sind langweilig. Genau das macht sie tückisch.

Für das Cushing-Syndrom liegen harte Zahlen vor. LABOKLIN nennt eine Auswertung von 300 Hunden: 82 Prozent tranken und pinkelten auffällig viel.

Die Liste geht weiter. 67 Prozent hatten einen Hängebauch, 63 Prozent verloren Fell. 62 Prozent wirkten müde, 57 Prozent hatten ständig Hunger. Bei 47 Prozent kam Übergewicht dazu, bei 31 Prozent starkes Hecheln.

Der Durst fällt Haltern am ehesten auf. Was sonst noch dahinterstecken kann, steht in Hund trinkt viel und uriniert häufig.

Bei der Schilddrüse dreht sich das Bild um. Fehlen ihre Hormone, sinkt der Grundumsatz. Ein Hund, der weniger verbrennt, wirkt träger und legt zu. Das ist die Rechnung dahinter, kein Laborbefund.

Beim Morbus Addison zeigt sich ein drittes Muster. LABOKLIN beschreibt Phasen, in denen der Hund krank wirkt, im Wechsel mit Phasen absoluter Gesundheit. Unter Stress wird es schlimmer.

Wacher weißer Hund wird mit dem Stethoskop untersucht
Ohne Blutwerte bleibt es beim Verdacht. Foto: Nenad Stojkovic / Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Ein Hinweis daraus ist Gold wert. Nach einer Cortison-Gabe beim Tierarzt geht es solchen Hunden häufig vorübergehend besser. Wer das bemerkt, sagt es beim nächsten Termin.

Störung Was schiefläuft Was das Labor braucht
StörungSchilddrüsenunterfunktion Was schiefläuftzu wenig Schilddrüsenhormon Was das Labor brauchtT4 unter Referenz bei erhöhtem TSH
StörungCushing-Syndrom Was schiefläuftzu viel Cortisol Was das Labor brauchtTest erst ab drei typischen Anzeichen
StörungMorbus Addison Was schiefläuftzu wenig Cortisol Was das Labor brauchtACTH-Stimulationstest als Goldstandard

Angaben aus den Fachbeiträgen von LABOKLIN zu Hypothyreose, Cushing und Addison, abgerufen am 27.08.2026.

Diese Kombination gehört ins Blutbild

  • Auffällig viel trinken und pinkeln über mehrere Wochen
  • Das Fell wird dünn, ohne dass sich am Futter etwas geändert hat
  • Hängebauch trotz dünner Beine
  • Beschwerden, die kommen und gehen und unter Stress zunehmen

Ursachen: warum das Gleichgewicht kippt

Beim Cushing sitzt die Ursache selten dort, wo man sie vermutet. LABOKLIN führt 80 bis 85 Prozent der Fälle auf einen Tumor in der Hirnanhangsdrüse zurück.

Diese Drüse schüttet dann zu viel Steuerhormon aus. Die Nebennieren gehorchen und liefern zu viel Cortisol. Nur 15 bis 20 Prozent gehen auf einen Tumor in der Nebenniere selbst zurück.

Das Alter passt dazu. Für die Form aus der Hirnanhangsdrüse nennt LABOKLIN 2 bis 16 Jahre, im Schnitt 7 bis 9. Betroffen sind eher kleinere Hunde, häufiger Pudel, Dackel und Terrier.

Die Form aus der Nebenniere trifft ältere Tiere, 6 bis 16 Jahre. Hier stehen große Rassen über 20 Kilo im Vordergrund.

Eine dritte Ursache steht in keinem Röntgenbild. Dieselben Anzeichen entstehen bei Hunden, die Steroide von außen bekommen. Cortison über Wochen macht ein Cushing-Bild.

Beim Addison läuft es umgekehrt. LABOKLIN nennt als Ursache eine vermutete Zerstörung der Nebennierenrinde durch das eigene Immunsystem. Erst wenn mehr als 90 Prozent des Gewebes weg sind, fallen beide Hormongruppen aus.

Junge bis mittelalte Hündinnen ohne Kastration trifft es überdurchschnittlich oft. Als betroffene Rassen nennt LABOKLIN unter anderem Doggen, Rottweiler, Pudel und West Highland Terrier. Ein Grund gegen das Kastrieren ist das nicht. Was dafür spricht, liest du in Kastration beim Hund.

Beim Zucker gibt es noch einen zweiten Weg. Beim Typ 2 bildet der Körper Insulin, die Zellen sprechen aber nicht mehr darauf an. Das MSD Veterinary Manual verbindet das häufig mit Übergewicht beim Hund.

Deshalb gehört das Gewicht auf den Tisch. Wie sich zu viel Zucker im Blut zeigt, steht in Diabetes beim Hund.

Was der Tierarzt macht

Hormone stecken nur in winzigen Mengen im Blut. Deshalb müssen die Tests sehr empfindlich sein, schreibt das MSD Veterinary Manual. Genau da fängt das Problem an.

Bei der Schilddrüsenunterfunktion zeigt LABOKLIN, wie schief das gehen kann. Bis zu 70 Prozent der Hunde, die L-Thyroxin bekommen, haben gar keine Unterfunktion.

Die geschätzte Zahl echter Fälle liegt bei 0,07 bis 0,23 Prozent. Das ist eine gewaltige Lücke zwischen Rezept und Krankheit.

Sauber ist die Diagnose erst bei zwei Werten zugleich. Das Schilddrüsenhormon T4 muss unter dem Referenzbereich liegen, das Steuerhormon TSH gleichzeitig erhöht sein.

Ein niedriges T4 allein reicht nicht. Viele andere Krankheiten drücken den Wert, ohne dass die Schilddrüse etwas hat. LABOKLIN nennt das die non-thyroidal illness: niedriges T4 bei normalem TSH.

Eine Frau sitzt im Freien neben einem wachen Hund
Richtig eingestellt läuft der Alltag ganz normal weiter. Foto: Susann Schweden / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Dazu kommen Störgrößen. Greyhounds und Basenjis haben von Natur aus niedrigere Werte. Cortison, das Epilepsiemittel Phenobarbital und Sulfonamide verschieben die Messung ebenfalls.

Beim Cushing wird es ähnlich heikel. Der Urintest auf Cortisol erkennt 95 Prozent der Kranken. Trotzdem haben bis zu 76 Prozent der positiv getesteten Hunde kein Cushing.

Daraus folgt eine klare Regel. LABOKLIN empfiehlt, nur Hunde zu testen, die mindestens drei der typischen Anzeichen zeigen und beim Leberwert AP deutlich über der Norm liegen.

Beim Addison ist der Weg gerader. Goldstandard ist der ACTH-Stimulationstest: Der Hund bekommt ein Steuerhormon gespritzt, danach schaut das Labor, ob die Nebenniere antwortet.

Eine Falle steckt trotzdem darin. Rund 10 Prozent der betroffenen Hunde haben Natrium und Kalium im Normbereich. Ein unauffälliger Elektrolytwert schließt Addison also nicht aus.

Mein Tipp: Notiere zwei Wochen lang, wie viel dein Hund trinkt. Ein Messbecher am Wassernapf kostet nichts und liefert der Praxis eine harte Zahl statt eines Gefühls.

Behandlung

Die Richtung ergibt sich aus der Störung. Fehlt ein Hormon, ersetzt man es. Ist zu viel davon da, muss die Produktion runter.

Gegen ein Zuviel nennt das MSD Veterinary Manual drei Wege: Operation, Bestrahlung oder Medikament. Radioaktives Jod zerstört zum Beispiel überaktives Schilddrüsengewebe.

Beim Cushing ist in Europa der Wirkstoff Trilostan zugelassen. Er bremst ein Schlüsselenzym der Cortisolbildung. Die Bremse löst sich wieder.

Wie viel davon nötig ist, legt die Praxis fest. Eine Dosis holt man sich nie aus dem Netz. Sie hängt am Gewicht und an den Kontrollwerten deines Hundes.

Danach wird nach Plan kontrolliert. LABOKLIN nennt Termine nach 10 Tagen, nach 4 Wochen, nach 12 Wochen und danach alle 3 Monate.

Bei Addison und Schilddrüse ersetzt man das fehlende Hormon. Laut MSD Veterinary Manual läuft das meist als Tablette. In den allermeisten Fällen bleibt es dabei, ein Leben lang.

Einen Punkt daraus übersehen viele. Das MSD Veterinary Manual verlangt regelmäßiges Nachtesten, damit die Dosis stimmt. Eine falsche Dosis macht eigene Nebenwirkungen.

Warum ein Schnellschuss gefährlich ist

  • Bis zu 70 Prozent der mit L-Thyroxin behandelten Hunde haben keine Unterfunktion.
  • Ein niedriges T4 kann von einer ganz anderen Krankheit kommen.
  • Bei einer Herzerkrankung kann die unnötige Gabe zur Entgleisung führen.
  • Steckt ein unerkannter Addison dahinter, kann das laut LABOKLIN tödlich ausgehen.

Was du zuhause tun kannst

Viel liegt hier nicht in deiner Hand. Was du beitragen kannst, sind gute Beobachtung und stures Durchhalten.

Aus meiner Erfahrung entscheidet die Genauigkeit zuhause über den Erfolg. Tabletten zur gleichen Zeit, jeden Tag, ohne Auslassen.

Ich führe dafür ein simples Heft. Datum, Gewicht, Trinkmenge, Auffälligkeiten. Die Praxis liest daraus in zwei Minuten mehr heraus als aus einem langen Bericht.

Beim Futter gilt Ruhe statt Experiment. Ein Hund unter Hormonersatz braucht gleiche Mengen zur gleichen Zeit.

Haarausfall gehört bei vielen dieser Hunde dazu. Andere Gründe für dünnes Fell stehen in Haarausfall beim Hund.

Ein Punkt ist kein Ratschlag, sondern eine Warnung. Gib niemals Cortison aus der Hausapotheke auf Verdacht. Laut LABOKLIN ist eine lange Steroidgabe die häufigste Ursache der zweiten Addison-Form.

Vor einem Test gilt das erst recht. LABOKLIN verlangt 12 bis 24 Stunden ohne Cortison. Sonst stimmt das Ergebnis nicht.

Wann es sofort zum Tierarzt muss

Eine Lage duldet keinen Aufschub. Die Addison-Krise trifft Hunde, deren Nebenniere unter Stress nichts mehr liefert.

LABOKLIN beschreibt das Bild sehr deutlich. Die Tiere sind lebensbedrohlich krank, zusammengebrochen, der Herzschlag ist langsam, der Puls schwach. Dazu kommen Erbrechen, Austrocknung und Schmerzen im Oberbauch.

Diese Hunde sind absolute Notfälle. Ohne rasche Infusion sterben sie. Warten bis Montag ist keine Option.

Sofort in die Praxis

  • Der Hund bricht zusammen oder wirkt schlagartig teilnahmslos.
  • Der Puls ist schwach, der Herzschlag auffällig langsam.
  • Erbrechen und Durchfall über Stunden, dazu Austrocknung.
  • Bauchschmerz nach einer stressigen Lage wie einem Umzug.

Vorbeugung

Ehrlich bleiben heißt hier: Vorbeugen kannst du diese Krankheiten kaum. Ein Tumor in der Hirnanhangsdrüse lässt sich nicht wegfüttern.

Zwei Hebel bleiben trotzdem. Der erste ist das Gewicht, weil das MSD Veterinary Manual den Typ-2-Diabetes häufig damit verbindet.

Der zweite ist der Umgang mit Cortison. Wochenlange Steroidgaben erzeugen laut LABOKLIN dasselbe Bild wie ein echtes Cushing. Nötig ist so etwas manchmal trotzdem — nur eben nie nebenbei.

Meine langjährige Erfahrung mit älteren Hunden führt zu einem dritten Punkt. Ich lasse ab dem siebten Lebensjahr einmal im Jahr Blut abnehmen. Das ist mein Vorgehen, keine Vorschrift.

Das MSD Veterinary Manual liefert dafür das Argument. Solange noch Gewebe übrig ist, gleicht der Körper den Ausfall aus. Ein Bluttest sieht die Verschiebung, bevor du sie siehst.

Fazit: Hormonelle Störungen sehen banal aus und sind es nie. Wer bei Durst, Fellverlust oder wechselnder Schwäche früh ins Labor geht, spart seinem Hund Monate. Wer auf Verdacht behandelt, riskiert das Gegenteil.

Häufige Fragen zu hormonellen Störungen beim Hund

Was ist eine hormonelle Störung beim Hund?

Eine Drüse bildet zu viel oder zu wenig Botenstoff. Der Stoffwechsel läuft dann falsch.

Welche Formen kommen am häufigsten vor?

Die Unterfunktion der Schilddrüse, das Cushing-Syndrom, Morbus Addison und Diabetes.

Woran merke ich das zuerst?

Meist am Durst. Beim Cushing tranken laut LABOKLIN 82 von 100 Hunden auffällig viel.

Kann der Tierarzt das ansehen?

Nein. Hormone liegen in winzigen Mengen im Blut, nur ein empfindlicher Test zeigt sie.

Wie wird eine Schilddrüsenunterfunktion sicher festgestellt?

Das T4 muss unter dem Referenzbereich liegen, das Steuerhormon TSH gleichzeitig erhöht sein.

Warum ist ein niedriges T4 allein kein Beweis?

Viele andere Krankheiten drücken den Wert. LABOKLIN nennt das die non-thyroidal illness.

Ist die Behandlung gefährlich?

Eine unnötige Gabe schon. Bei Herzerkrankung oder unerkanntem Addison kann sie fatal enden.

Hormonelle Störungen: Wie lange dauert die Behandlung?

Meist lebenslang. Das MSD Veterinary Manual nennt nur wenige Ausnahmen nach einer Operation.

Hormonelle Störungen: Was ist eine Addison-Krise?

Der Hund bricht zusammen, der Puls ist schwach. Ohne rasche Infusion stirbt er.

Schließt ein normales Blutbild Addison aus?

Nein. Rund 10 Prozent der Betroffenen haben Natrium und Kalium im Normbereich.

Hormonelle Störungen: Kann ich vorbeugen?

Kaum. Du kannst das Gewicht halten und beim Cortison zurückhaltend sein.

Ab wann lohnt ein jährlicher Blutcheck?

Ich lasse ab dem siebten Lebensjahr einmal im Jahr Blut abnehmen. Das ist mein Vorgehen.

Quellen

Über den Autor

Kevin Roth, Co-Gründer von Lucky Pets

Kevin Roth

Co-Gründer von Lucky Pets

Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.

Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.

Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Verdacht auf eine hormonelle Störung gehört dein Hund in die Praxis, nicht auf eine Tablette aus dem Netz.