Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 27.08.2026 · Lesezeit: 8 Minuten
Das Wichtigste in Kürze
- Mastitis ist eine bakterielle Entzündung der Milchleiste.
- Warme, schmerzhafte Zitzen sind das erste Zeichen.
- Fieber, Mattigkeit oder Fressunlust bedeuten: sofort losfahren.
- Nehmen die Welpen nicht zu, kann das der einzige Hinweis sein.
Die Welpen sind vier Tage alt. Die Hündin lässt sie nicht mehr richtig ran, eine Zitze ist prall, warm und offensichtlich schmerzhaft. Damit rufen Züchter meistens an.
Notfall
Fieber, Teilnahmslosigkeit, Fressunlust oder eine Hündin, die ihre Welpen liegen lässt: Damit fährst du sofort in die Praxis. Das MSD Veterinary Manual führt diese Zeichen für den Übergang in eine Allgemeininfektion.
Die kurze Antwort
Eine Mastitis ist eine bakterielle Entzündung einer oder mehrerer Milchdrüsen nach der Geburt. Behandelt gehört sie tierärztlich, unterstützt zu Hause.
Was eine Mastitis beim Hund ist
Das MSD Veterinary Manual beschreibt die Mastitis knapp: eine Entzündung der Milchdrüsen, die bei Hündinnen nach der Geburt auftritt. Ausgelöst wird sie durch eine bakterielle Infektion.

Betroffen sein kann eine einzelne Drüse oder mehrere gleichzeitig. Die Milch sieht dabei normal aus oder verändert sich in Farbe und Beschaffenheit.
Die entzündeten Drüsen fühlen sich warm an und schmerzen. Genau daran fällt es Haltern zuerst auf, oft beim Streicheln.
Der deutsche Name lautet Gesäugeentzündung. Was du zu Hause unterstützend tun kannst, steht in Gesäugeentzündung beim Hund.
Wodurch sie entsteht
Drei Risiken stehen bei MSD ganz oben. Schlechte hygienische Verhältnisse in der Wurfkiste, Verletzungen durch die Welpen sowie eine Infektion des ganzen Körpers.
Die Verletzung durch die Welpen wird regelmäßig unterschätzt. Krallen und Zähne hinterlassen winzige Eintrittsstellen. Über diese Stellen gelangen Bakterien bis in die Drüse.
Die Wurfkiste selbst ist der zweite Punkt. Feuchte Unterlagen, altes Vlies, wenig Luft: In dieser Umgebung vermehren sich Keime bestens.
Als dritter Weg gilt eine Infektion, die schon woanders im Körper sitzt. Deshalb gehört jede kränkelnde Hündin nach der Geburt untersucht — der übliche Ablauf steht in Hundegeburt.
Aus meiner Erfahrung reicht ein einziger Tag mit durchgeweichter Unterlage. Wer die Kiste zweimal täglich frisch macht, hat den größten Teil des Risikos erledigt.
Die Anzeichen, nach Schweregrad sortiert
Am Anfang bleibt alles lokal. Eine oder mehrere Zitzen sind warm, geschwollen und druckempfindlich, die Hündin selbst wirkt normal.
Die zweite Stufe erkennst du an der Hündin, nicht an der Drüse. Greift die Entzündung auf den ganzen Körper über, nennt MSD vier Zeichen: Fieber, wenig Appetit, Mattigkeit sowie ein niedergeschlagenes Tier.
Dazu kommt ein Verhalten, das Züchter erschreckt. Die Hündin kümmert sich nicht mehr um ihre Welpen.
Ausgetrocknete Tiere oder solche im Kreislaufversagen brauchen laut MSD eine Infusion. Das ist keine Frage von Abwarten mehr.
Es gibt außerdem den leisen Verlauf. Zieht sich eine Entzündung über längere Zeit hin, ist manchmal das einzige Zeichen, dass die Welpen nicht gedeihen.

Einordnung nach dem MSD Veterinary Manual, Reproductive Disorders of Female Dogs, abgerufen am 27.08.2026.
Damit fährst du sofort los
- Fieber, Teilnahmslosigkeit oder auffällige Mattigkeit der Hündin.
- Sie frisst nicht mehr oder lässt ihre Welpen liegen.
- Sie wirkt ausgetrocknet oder schwach auf den Beinen.
- Eine Drüse ist prall und heiß, aus der Zitze kommt Eiter.
Die ersten drei Punkte führt das MSD Veterinary Manual als Übergang in eine Allgemeininfektion. Betroffene Hündinnen brauchen dann oft eine Infusion.
Was in der Praxis passiert
Untersucht werden die Hündin, ihre Vorgeschichte und ihre Milch. So beschreibt MSD den Weg zur Diagnose.
Steckt eine Infektion dahinter, prüft der Tierarzt auf Bakterien. Aus diesem Ergebnis ergibt sich, welches Antibiotikum überhaupt sinnvoll ist.
Zwei Maßnahmen laufen daneben weiter. Warme Auflagen auf die betroffenen Drüsen, vier- bis sechsmal am Tag, dazu die Anregung, dass die Welpen genau dort trinken.
Das klingt gegen jedes Bauchgefühl. MSD hält es trotzdem ausdrücklich so fest, weil die Drüse dabei entleert wird.
Hat sich bereits ein Abszess gebildet, ändert sich der Plan. Die Drüse wird eröffnet, entleert und anschließend wie eine offene Wunde weiterbehandelt.
Mein Tipp: Notiere Temperatur und Trinkverhalten zweimal täglich schriftlich. In der Praxis ist diese Reihe mehr wert als jede Beschreibung aus dem Gedächtnis.
Was das Labor beisteuert
Der Erreger wird angezüchtet, nicht geraten. LABOKLIN führt die Untersuchung auf Bakterien unter der Leistungs-Nummer 1061.
Als Material dient ein Abstrich mit Nährmedium, bei einem Abszess das Material aus der Höhle. Bestimmt wird der Keim im Labor unter anderem über ein Massenspektrometer.
Bis das Ergebnis vorliegt, vergehen zwei bis sieben Tage. Deshalb beginnt die Behandlung meist vorher, auf Verdacht.
Ein Hinweis aus derselben Quelle lohnt sich zu kennen. Aus eitrigem Material lässt sich ein Erreger oft schwer anzüchten, weil die Bakterien darin schon vorgeschädigt sind.
Bei einem Abszess wird deshalb nicht der Eiter abgetupft. Entnommen wird von der Innenseite der Abszessmembran, nachdem die Höhle eröffnet wurde.
Antibiotikum: die Reihenfolge zählt
Ein Punkt entscheidet über die Aussagekraft des Befundes. LABOKLIN empfiehlt, die Probe früh im Verlauf zu gewinnen, möglichst bevor eine antibakterielle Behandlung beginnt.
Im Labor wird der Keim mindestens bis zur Gattung bestimmt, besser bis zur Art. Erst danach hat ein Antibiogramm überhaupt Aussagekraft.
Gewählt wird am Ende ein Wirkstoff mit möglichst engem Wirkbereich. Er soll sich im betroffenen Gewebe anreichern und gegen den gefundenen Keim wirken.
Meine langjährige Erfahrung mit Würfen sagt: Die Reihenfolge kippt fast immer aus Sorge. Warum sie trotzdem zählt, steht in Antibiotika für Hunde.

Die Welpen im Blick behalten
Die Welpen sind das zuverlässigste Messgerät. MSD empfiehlt, sie zu wiegen, sobald sie trocken sind. In der ersten Woche folgt das Wiegen dann zweimal täglich.
Neugeborene nehmen täglich rund zehn Prozent ihres Gewichts zu. Jeder Gewichtsverlust nach den ersten 24 Stunden gilt als Warnzeichen.
Zufriedene Welpen, die täglich zunehmen, sprechen umgekehrt für genug Milch. Was in den Wochen danach zählt, steht in Trächtigkeit bei der Hündin.
An der Hündin selbst gehören Temperatur, Wochenfluss und Milch auf die Liste. Wie du Fieber richtig misst, steht in Fieber bei Hunden.
Kleine Hündinnen unter zwanzig Kilogramm haben ein zusätzliches Risiko. Bei ihnen sackt der Kalziumspiegel im Blut nach der Geburt am ehesten ab.
Wenn es gar keine Mastitis ist
Zwei Zustände sehen ähnlich aus. Bei einer Scheinträchtigkeit schwillt das Gesäuge an und produziert Milch, obwohl es keine Welpen gibt — Details in Scheinschwangerschaft beim Hund.
Ausmelken ist dabei der häufigste Fehler. Es regt laut MSD nur weitere Milchbildung an. Von allein endet der Zustand meist innerhalb von ein bis drei Wochen.
Der zweite Fall tritt beim Absetzen auf. Die Drüsen sind warm, geschwollen und druckempfindlich, die Hündin selbst bleibt aber wach und gesund.
Genau dieser Unterschied trägt die Entscheidung. Eine gesunde Hündin mit vollem Gesäuge braucht weniger Futter und Wasser als in der Säugezeit, keine Behandlung.
Fazit: Eine Mastitis fängt harmlos an und kann innerhalb von Stunden in eine Allgemeininfektion übergehen. Warme Zitzen sind ein Termin, Fieber und eine matte Hündin sind ein Notfall.
Häufige Fragen zur Mastitis beim Hund
Was ist eine Mastitis beim Hund?
Eine Entzündung einer oder mehrerer Milchdrüsen nach der Geburt. Auslöser ist laut MSD eine bakterielle Infektion.
Mastitis: Woran erkenne ich sie?
Die betroffene Zitze ist warm, geschwollen und schmerzhaft. Die Milch kann verändert aussehen.
Mastitis: Wann wird es gefährlich?
Sobald Fieber, Fressunlust, Teilnahmslosigkeit oder Kreislaufprobleme dazukommen. Dann geht es sofort in die Praxis.
Was passiert bei einer Allgemeininfektion?
MSD nennt Fieber, Niedergeschlagenheit, wenig Appetit und Mattigkeit. Ausgetrocknete Hündinnen brauchen eine Infusion.
Kann eine Mastitis unbemerkt bleiben?
Ja. Bei einem langen Verlauf ist laut MSD manchmal das einzige Zeichen, dass die Welpen nicht zunehmen.
Mastitis: Dürfen die Welpen weiter trinken?
Laut MSD sollen sie sogar an der betroffenen Drüse trinken. Das entscheidet aber der Tierarzt am Einzelfall.
Was hilft neben Medikamenten?
Warme Auflagen, vier- bis sechsmal am Tag. So beschreibt es das MSD Veterinary Manual.
Was ist mit einem Abszess?
Der wird eröffnet, entleert und wie eine offene Wunde weiterbehandelt. Das ist ein Eingriff in der Praxis.
Wie findet das Labor den Erreger?
Über eine Kultur aus dem Abstrich. LABOKLIN gibt dafür zwei bis sieben Tage an.
Mastitis: Warum die Probe vor dem Antibiotikum?
Weil eine begonnene Behandlung das Ergebnis verfälscht. LABOKLIN empfiehlt die Probe früh im Verlauf.
Meine Hündin ist scheinträchtig und hat Milch. Ausmelken?
Nein. Ausmelken regt laut MSD nur weitere Milchbildung an.
Wie kontrolliere ich die Welpen?
Wiegen. Laut MSD nehmen Neugeborene täglich zehn Prozent ihres Gewichts zu.
Quellen
- MSD Veterinary Manual – Reproductive Disorders of Female Dogs
- MSD Veterinary Manual – Management of Reproduction in Dogs
- LABOKLIN – Bakteriologie (aerob + anaerob), Abstriche und Punktate
- LABOKLIN – Antibiogramme und die neue TÄHAV
Über den Autor

Kevin Roth
Co-Gründer von Lucky Pets
Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.
Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.
Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Eine Hündin mit warmem, schmerzhaftem Gesäuge gehört untersucht, bevor irgendetwas aufgetragen oder gegeben wird.
