Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 27.08.2026 · Lesezeit: 10 Minuten
Das Wichtigste in Kürze
- Grüner Star heißt in der Tiermedizin Glaukom.
- Der Druck im Auge steigt, weil Kammerwasser nicht abfließt.
- Ein rotes, hartes Auge mit weiter Pupille ist ein Notfall.
- Verlorene Sehkraft kommt nicht zurück — Zeit ist alles.
Ein Auge deines Hundes sieht anders aus als gestern. Es wirkt rot, die Pupille steht weit offen, die Hornhaut schimmert milchig.
Er blinzelt kaum. Stattdessen frisst er schlechter und drückt den Kopf gegen das Sofa.
Die kurze Antwort
Beim grünen Star steigt der Druck im Augapfel. Der Sehnerv nimmt Schaden. Dieser Schaden bildet sich nicht zurück.
Der entscheidende Punkt
Zwischen dem ersten roten Auge und dauerhafter Blindheit liegen manchmal nur Stunden. Deshalb gehört so ein Auge sofort in die Praxis.
Was im Auge passiert

Das MSD Veterinary Manual beschreibt es als Ungleichgewicht: Das Auge bildet mehr Flüssigkeit, als es ableiten kann. Der Druck steigt dadurch auf ungesunde Werte.
Diese Flüssigkeit heißt Kammerwasser. Sie versorgt Hornhaut und Linse, weil dort keine Blutgefäße verlaufen.
Gebildet wird sie ständig. Fließt sie nicht in gleichem Tempo ab, staut sie sich. Der Augapfel wird dabei hart.
Der Druck trifft dann das Empfindlichste im Auge. Er zerstört die Netzhaut und den Sehnervenkopf, also die Stelle, an der der Sehnerv ins Auge eintritt.
Aus meiner Erfahrung ist genau das der Punkt, den Halter unterschätzen. Ein Auge, das drei Tage unter Druck stand, sieht danach oft nichts mehr.
Zwei Verlaufsformen, zwei völlig verschiedene Bilder
MSD unterscheidet zwei Wege. Beim Weitwinkel-Glaukom, also der offenen Form, entstehen langsam blinde Flecken über einen langen Zeitraum. Schmerzen macht das dabei nicht.
Der zweite Weg ist das Gegenteil. Beim Engwinkel-Glaukom, also der verschlossenen Form, schießt der Druck plötzlich hoch. Dazu kommen starker Schmerz, Rötung und Sehverlust.
Diese Unterscheidung erklärt, warum manche Hunde erst spät auffallen. Ein langsamer Verlauf tut nicht weh, also merkt niemand etwas.
Für dich als Halter zählt vor allem der zweite Fall. Ein plötzlich verändertes Auge duldet keinen Termin am Montag.
Woran du es erkennst
Die frühen Zeichen sind laut MSD so fein, dass Halter sie in der Regel nicht bemerken. Genannt werden träge bis leicht geweitete Pupillen, gestaute Äderchen in der Bindehaut und ein leicht vergrößertes Auge.
Das akute Bild ist dagegen unübersehbar. MSD beschreibt einen sehr hohen Augendruck, eine geweitete, unbewegliche oder träge Pupille, ein rotes Weiß im Auge, eine geschwollene und verfärbte Hornhaut sowie einen festen Augapfel.
Die Beschreibung von LABOKLIN zum primären Weitwinkel-Glaukom deckt sich damit: geweitete Pupillen, rote Augen, trübe Hornhaut und ein erhöhter Augeninnendruck.
Beim Schmerz liegt die Tücke. Er zeigt sich laut MSD eher in verändertem Verhalten als im typischen Zusammenkneifen der Lider.
Das deutsche Labor wird konkreter. Bei stark steigendem Druck entstehen große Schmerzen, die zu Fressunlust, Kratzen am Auge, Reiben des Kopfes an Gegenständen und sogar zu Aggressivität führen können.
Ein rotes Auge ist deshalb nie eine Kleinigkeit. Wie du eine harmlose Reizung abgrenzt, steht in Augenentzündung beim Hund.
Zeichen aus dem MSD-Kapitel zum grünen Star und der LABOKLIN-Beschreibung zu POAG, beide abgerufen am 27.08.2026.
Wie häufig es vorkommt und wen es trifft
Eine Zahl macht die Größenordnung klar. Bei etwa 1,7 Prozent der Hunde in Nordamerika tritt laut MSD ein grüner Star auf.
Interessanter ist der zweite Satz derselben Quelle. Bei Rassehunden liegt die Häufigkeit eines rassebedingten beidseitigen Glaukoms höher als bei jeder anderen Tierart, den Menschen ausgenommen.
Das ist eine ungewöhnlich harte Aussage für ein Standardwerk. Sie sagt: Zucht spielt hier eine größere Rolle als bei den meisten Augenkrankheiten.

Deshalb empfiehlt MSD die Druckmessung bei Rassen mit hohem Risiko als Teil der normalen Untersuchung. Nicht erst, wenn etwas auffällt.
Was die Genetik dazu sagt
Zwei Gentests aus Deutschland zeigen, wie unterschiedlich die Wege sind. LABOKLIN in Bad Kissingen bietet einen davon für den Border Collie an.
Dort geht es um die Goniodysgenesie, also eine Entwicklungsstörung in der vorderen Augenkammer. Die Abflusskanäle des Kammerwinkels verengen sich oder verschließen sich ganz.
Über genau diese Kanäle läuft das überschüssige Kammerwasser ab. Der steigende Druck beschädigt dann die Nervenzellen der Netzhaut und kann zur Blindheit führen.
Gefunden wurde beim Border Collie eine Veränderung im Gen OLFML3. Sie hängt mit der Veranlagung für eine schwere Form dieser Störung zusammen.
Ein Befund daraus verdient besondere Beachtung. Bei mehreren Hunden mit schwerer Goniodysgenesie ließ sich über 15 Jahre und länger überhaupt kein grüner Star feststellen.
Ein Gentest ist also kein Urteil. Was das für die Rasse insgesamt bedeutet, steht in Border Collie.
Der zweite Test gilt dem Shar Pei. Beim primären Weitwinkel-Glaukom liegt eine erbliche Störung des Bindegewebes im Auge vor, wodurch das Kammerwasser nicht richtig abfließt.
Der steigende Innendruck belastet Sehnerv und Netzhaut. Er tut weh und kann am Ende zur Erblindung führen.
Dieselbe Störung des Bindegewebes verschiebt oft auch die Linse im Auge. Die meisten betroffenen Hunde erkranken laut LABOKLIN etwa mit vier bis sechs Jahren.
Wer sich für die Rasse begeistert, sollte das vor dem Kauf wissen. Mehr zur Rasse steht in Shar Pei.
Was in der Praxis passiert
Die entscheidende Untersuchung dauert eine Minute. Zur Erkennung eines frühen grünen Stars benutzt die Tierärztin ein Gerät namens Tonometer.
Es misst den Druck im Auge und berührt die Hornhaut nur kurz. Eine Betäubung braucht es dafür in der Regel nicht.
Danach folgt der Blick in das Auge selbst. Die Tierärztin beurteilt Hornhaut, Linse, Sehnervenkopf und die Weite des Kammerwinkels.
Ist ein Auge betroffen, wird das zweite mitgemessen. Sehr oft folgt es nach.
Meine langjährige Erfahrung mit Augenpatienten hat mir eine Regel beigebracht. Wer den Druck einmal gemessen hat, hat einen Ausgangswert — und der ist bei jedem späteren Verdacht Gold wert.
Wie behandelt wird
Das Ziel steht klar im MSD-Kapitel. Der Druck im Auge muss so schnell wie möglich sinken, damit der Schaden klein bleibt.
Dafür kommen zwei Arten von Mitteln infrage. Die einen ziehen Flüssigkeit aus dem Auge heraus, die anderen bremsen deren Bildung.

Welcher Wirkstoff dabei zum Einsatz kommt, hängt an Form und Schwere. Eine Dosis steht hier bewusst nicht, denn die gehört in die Hand der behandelnden Praxis.
Ist der Druck einmal gesenkt, muss er stabil bleiben. MSD nennt das ausdrücklich als eigenen Behandlungsschritt.
Bei einem Auge im Endstadium ändert sich das Ziel. Ist es blind und vergrößert, nennt MSD die operative Entfernung als Weg, dem Hund die Schmerzen zu nehmen.
Das klingt hart und ist es auch. Für den Hund selbst ist ein schmerzfreier Kopf allerdings mehr wert als ein blindes Auge, das dauerhaft drückt.
Eine Erwartung sollte niemand mitbringen. Die meisten Fälle brauchen laut MSD eine dauerhafte Begleitung, keine einmalige Behandlung.
Was du zu Hause tun kannst
Vergleiche die Augen deines Hundes einmal pro Woche im Tageslicht. Du achtest auf Größe, Farbe und die Weite der Pupillen.
Ein Foto vom gesunden Zustand hilft mehr als jede Erinnerung. Bei einem Verdacht legst du beide Bilder nebeneinander.
Fass niemals selbst auf den Augapfel. Der Vergleich der Härte gehört in geübte Hände.
Halte den Kopf frei von Zug. Ein Geschirr statt eines Halsbands nimmt Druck vom Hals, was bei einem Auge unter Druck sinnvoll ist.
Und gib keine Tropfen aus der Hausapotheke. Manche Augentropfen für Menschen weiten die Pupille und verschlimmern genau die Situation.
Mein Tipp: Notiere bei jedem Termin den gemessenen Druckwert in Millimeter Quecksilbersäule. Diese Reihe zeigt beim nächsten Besuch sofort, ob die Behandlung trägt.
Wann es sofort zum Tierarzt muss
MSD wird an dieser Stelle sehr deutlich. Zeigt ein Hund Anzeichen eines grünen Stars, gehört er unverzüglich zur Tierärztin.
Die Zeichen, die keine Stunde Aufschub dulden, stehen unten. Ruf vorher an, damit das Gerät bereitliegt.
Sofort in die Klinik
- Ein Auge ist plötzlich rot und die Hornhaut wirkt trüb.
- Die Pupille steht weit offen und reagiert nicht auf Licht.
- Der Augapfel wirkt größer oder fühlbar fester als der andere.
- Der Hund reibt den Kopf an Möbeln oder kratzt am Auge.
- Er frisst nicht mehr und reagiert gereizt auf Berührung am Kopf.
Auch nachts. Beim akuten Druckanstieg entscheidet die Zeit bis zur ersten Messung darüber, ob das Auge sehend bleibt.
Was du vorbeugend tun kannst
Vorbeugen heißt hier: früh messen. Bei Rassen mit bekanntem Risiko gehört die Druckmessung zur jährlichen Untersuchung.
Wer einen Welpen sucht, fragt beim Züchter nach Augenuntersuchungen der Elterntiere. Bei Border Collie und Shar Pei gibt es zusätzlich die genannten Gentests.
Ein zweites Auge braucht besondere Aufmerksamkeit. Nach einem Glaukomanfall auf einer Seite behalten viele Praxen die andere engmaschig im Blick.
Und wenn die Sehkraft doch geht, ist nicht alles verloren. Wie ein plötzlich blinder Hund zurechtkommt, steht in Hund plötzlich blind.
Ich habe genug Hunde erlebt, die blind ein gutes Leben führen. Was sie brauchen, ist eine Wohnung, in der niemand die Möbel verrückt.
Fazit: Der grüne Star ist eine Uhr, die läuft. Wer bei einem veränderten Auge sofort messen lässt, kauft seinem Hund Sehkraft — wer wartet, verliert sie.
Häufige Fragen zum Glaukom beim Hund
Was ist ein Glaukom beim Hund?
Ein zu hoher Druck im Auge. Er entsteht, wenn zu viel Kammerwasser da ist oder zu wenig abfließt.
Heißt Glaukom dasselbe wie grüner Star?
Ja. Beide Wörter meinen dieselbe Erkrankung des Auges.
Wie oft kommt es vor?
Laut MSD bei etwa 1,7 Prozent der Hunde in Nordamerika.
Welche Zeichen sehe ich zuerst?
Oft gar keine. MSD nennt die frühen Zeichen so fein, dass Halter sie übersehen.
Woran erkenne ich einen akuten Anfall?
Rotes Auge, weite starre Pupille, trübe Hornhaut, harter Augapfel. Das ist ein Notfall.
Hat mein Hund Schmerzen?
Ja. LABOKLIN nennt Fressunlust, Kratzen am Auge, Kopfreiben und Aggressivität als Folgen.
Wie wird der Druck gemessen?
Mit einem Tonometer. Das Gerät berührt die Hornhaut nur kurz und braucht keine Narkose.
Glaukom: Welche Rassen sind gefährdet?
MSD nennt Rassehunde als besonders betroffen. LABOKLIN führt Gentests für Border Collie und Shar Pei.
Kann mein Hund erblinden?
Ja. Der Druck schädigt Sehnerv und Netzhaut. Dieser Schaden bleibt.
Glaukom: Wie wird behandelt?
Mit Mitteln, die Flüssigkeit herausziehen oder deren Bildung bremsen. Dazu kommen oft Eingriffe.
Muss das Auge raus?
Manchmal. Bei einem blinden, vergrößerten Auge nennt MSD die Entfernung als Weg gegen den Schmerz.
Geht das je wieder weg?
Nein. MSD hält fest, dass die meisten Fälle dauerhaft begleitet werden müssen.
Quellen
- MSD Veterinary Manual – Glaucoma in Dogs
- LABOKLIN Bad Kissingen – Glaukom und Goniodysgenesie (GG)
- LABOKLIN Bad Kissingen – Primäres Weitwinkel-Glaukom und Linsenluxation (POAG/PLL)
Über den Autor

Kevin Roth
Co-Gründer von Lucky Pets
Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.
Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.
Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Ein plötzlich rotes, trübes oder hartes Auge gehört noch am selben Tag in eine Praxis.
