Warum lecken Hunde ihren Hintern: 5 belegte Ursachen

Warum lecken Hunde ihren Hintern: 5 belegte Ursachen

Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 27.08.2026 · Lesezeit: 10 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Erkrankte Analbeutel sind die häufigste Erkrankung der Afterregion beim Hund.
  • Flöhe, Würmer und Allergien gehören jedes Mal mitgeprüft.
  • Juckreiz ist ein Zeichen, keine Diagnose.
  • Presst dein Hund beim Kotabsatz, gehört er in die Praxis.

Du sitzt auf dem Sofa, dein Hund liegt daneben. Dann fängt er an. Immer wieder dieselbe Stelle, minutenlang, mit einem Geräusch, das man schlecht überhört.

Kurzes Putzen gehört zum Hund. Stundenlanges Lecken nicht. Der Unterschied entscheidet, ob du in Ruhe abwarten kannst.

Die kurze Antwort

Fast immer juckt oder schmerzt dort etwas. Am häufigsten sind es die Analbeutel. Danach kommen Flöhe, Würmer und Allergien.

Der entscheidende Punkt

Lecken ist ein Zeichen, keine Diagnose. Welche der fünf Ursachen dahintersteckt, klärt erst der Blick auf die Stelle selbst.

Kurz putzen oder dauernd lecken: der Unterschied

Hunde putzen sich. Ein paar Sekunden am After, dann ist die Sache erledigt. Niemand muss deshalb nervös werden.

Wie oft ein gesunder Hund das am Tag tut, ist in den vier geprüften Quellen nicht beziffert. Ich nenne dir deshalb keine Zahl. Verlässlich ist nur, was sich bei deinem eigenen Hund ändert.

Wacher braun-weißer Hund liegt entspannt im Gras
Kurzes Putzen gehört zum Hund. Auffällig wird es erst, wenn das Lecken kein Ende findet. Foto: Kolforn / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Auffällig wird es, wenn das Lecken kein Ende findet. Wenn er dabei jault. Wenn die Haut rund um den After rot aussieht oder haarlos.

Dazu kommt das Schlittenfahren. Der Hund setzt sich hin und zieht das Hinterteil über den Boden. Genau dieses Rutschen führt das MSD-Handbuch als Zeichen kranker Analbeutel.

  • Sekunden statt Minuten: normales Putzen.
  • Immer dieselbe Stelle über Tage: ansehen lassen.
  • Rutschen, Pressen, Jaulen: ab in die Praxis.

Ursache 1: die Analbeutel

Rechts und links vom After sitzt je ein kleiner Beutel. Diese Analbeutel — im Alltag oft Analdrüsen genannt — sind mit den Duftdrüsen des Stinktiers verwandt. Sie geben eine kleine Menge übel riechender Flüssigkeit ab.

Normalerweise drückt der Kot diese Flüssigkeit beim Absetzen heraus. Klappt das nicht, staut sich der Inhalt.

Daraus entsteht die häufigste Erkrankung der Afterregion beim Hund. Als Ursache nennt das MSD Veterinary Manual eine Verstopfung oder eine Infektion dieser Beutel.

Drei Wege stehen dort für verstopfte Beutel. Der Kot drückt sie beim Absetzen nicht aus. Bei übergewichtigen Hunden ist die Muskelspannung zu schwach. Oder die Drüse sondert schlicht zu viel ab.

Kleine Rassen trifft es dabei besonders oft. Große und sehr große Hunde erkranken laut derselben Übersicht nur selten daran.

Weh tut das vor allem im Sitzen. Der Hund findet keine Ruhe, steht auf, legt sich wieder hin.

Zeichen Was du siehst
ZeichenUnruhe beim Sitzen Was du siehstEr rutscht hin und her, statt entspannt liegen zu bleiben
ZeichenSchlittenfahren Was du siehstEr zieht das Hinterteil über den Boden
ZeichenLecken oder Beißen Was du siehstImmer wieder dieselbe Stelle rund um den After
ZeichenKotabsatz Was du siehstEr presst, sichtbar schmerzhaft

Anzeichen erkrankter Analbeutel nach dem MSD Veterinary Manual, Abschnitt zu Enddarm und After.

In der Praxis geht es meist schnell. Der Tierarzt drückt die Beutel von Hand aus. Ist der Inhalt zu hart, spritzt er ein erweichendes Mittel hinein.

Kommt eine Infektion dazu, folgen Antibiotika. Hat sich ein Abszess gebildet — eine abgekapselte Eiterbeule —, helfen zusätzlich warme Umschläge.

Zusätzliche Ballaststoffe im Futter erhöhen das Kotvolumen. Mehr Volumen erleichtert das Entleeren der Beutel beim Absetzen.

Operiert wird erst, wenn nichts anderes hilft. Als häufige Folge danach nennt dieselbe Quelle die Kotinkontinenz: Der Hund kann den Kot dann nicht mehr halten.

Wacher kleiner Hund wird auf dem Behandlungstisch abgehört
Volle Analbeutel drückt die Tierärztin von Hand aus. Foto: Nenad Stojkovic / Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Aus meiner Erfahrung warten viele Halter an dieser Stelle zu lange. Wie du volle Analbeutel früh erkennst, steht in Analdrüsen beim Hund.

Ursache 2: Flöhe

Im Winter rechnet kaum jemand mit Flöhen. ESCCAP Deutschland hält dagegen: Flöhe sind in Deutschland das ganze Jahr über aktiv.

Auf dem Hund selbst sitzen nur die erwachsenen Tiere. Eier, Larven und Puppen liegen in der Umgebung: an Schlaf-, Liege- und Lieblingsplätzen, in Teppichen oder im Auto.

Manche Hunde reagieren allergisch auf den Flohspeichel. Bei ihnen juckt der ganze Körper extrem stark. Dazu kommen Haarbruch, Papeln — kleine feste Knötchen in der Haut — und entzündete Stellen mit Krusten.

Für dich ist eine Stelle davon besonders wichtig. Später kann am Rutenansatz eine nässende Hautentzündung entstehen. Genau dort, wo dein Hund leckt.

Von da aus breiten sich die schmerzhaften Entzündungen weiter aus. Der Verband nennt die Hintergliedmaßen und den Bauch.

Flöhe schleppen außerdem andere Erreger mit. Dazu zählen der Gurkenkernbandwurm und der Erreger der Katzenkratzkrankheit.

Wacher grauer Hund liegt ruhig im Gras
Ein einziger Floh reicht, wenn der Hund allergisch auf den Flohspeichel reagiert. Foto: Kreuzschnabel / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Mein Tipp: Kämm das Fell dicht an der Haut mit einem sehr engzackigen Kamm aus. Leg das ausgekämmte Material auf ein feuchtes Küchen- oder Taschentuch. Verfärbt es sich rötlich, spricht das für Flöhe: Flohkot enthält kleine Mengen Blut.

Bei einem allergischen Hund reicht ein einziger Floh. Behandeln musst du dann den Hund und seine Liegeplätze — wie das abläuft, steht in Flohbefall beim Hund.

Ursache 3: Würmer

Ob Würmer selbst am After jucken, sagt keine der vier geprüften Quellen. Ich behaupte es deshalb nicht. Belegt ist etwas anderes: wie leicht sich ein Hund ansteckt.

Vier Wurmarten stehen bei Hunden in Deutschland im Vordergrund. ESCCAP Deutschland nennt Spulwürmer, Hakenwürmer, den Fuchsbandwurm und den Hundebandwurm.

Spulwurmeier reifen binnen weniger Tage zu infektiösen Eiern heran. Danach bleiben sie dem Verband zufolge über Monate ansteckend, teils Jahre.

Eine Wurmkur räumt auf, was gerade im Darm sitzt. Sie wirkt dabei rund 24 Stunden lang, so der Verband. Vor der nächsten Ansteckung schützt sie nicht.

In der Regel reicht eine einmalige Behandlung. Rund vier Wochen danach kannst du laut ESCCAP per Kotprobe kontrollieren lassen, ob alles weg ist.

Wie dein Hund lebt Empfehlung von ESCCAP Deutschland
Wie dein Hund lebtBeaufsichtigter Auslauf, keine Jagd, keine Beutetiere Empfehlung von ESCCAP DeutschlandKotuntersuchung oder Entwurmung alle drei Monate, also viermal im Jahr
Wie dein Hund lebtUnbeaufsichtigter freier Auslauf, Jagdnutzung oder Beutetiere Empfehlung von ESCCAP DeutschlandKotuntersuchung oder Entwurmung alle vier Wochen, also einmal im Monat

Entwurmungsintervalle nach ESCCAP Deutschland. Statt zu entwurmen, kannst du im selben Takt den Kot untersuchen lassen.

Rohes Fleisch ist ein eigener Ansteckungsweg. Für den Hundebandwurm nennt der Verband zwei Grenzen: zehn Minuten bei 65 Grad Kerntemperatur erhitzt oder eine Woche bei minus 17 bis minus 20 Grad gefroren.

Meine langjährige Erfahrung sagt mir: Die meisten Halter scheuen die Kotprobe völlig unnötig. Sie kostet wenig und beantwortet die Frage — was in eine Wurmkur gehört, steht in Wurmkur beim Hund.

Ursache 4: Allergie und Juckreiz

Juckreiz ist ein Zeichen, keine Diagnose. So steht es im Kapitel zu Juckreiz beim Hund desselben Handbuchs.

Als häufigste Ursachen führt dasselbe Kapitel drei Gruppen: Parasiten, Infektionen und Allergien. Milben und Flöhe schließt der Tierarzt als Erstes aus.

Vermutet er Bakterien oder Hefepilze, verordnet er dem Handbuch zufolge oft ein Antibiotikum über 21 bis 30 Tage. Verschwindet der Juckreiz danach, war die Infektion der Grund. Bleibt er, ist eine Allergie am wahrscheinlichsten.

Als häufigste Auslöser einer allergischen Reaktion nennt dieselbe Übersicht Insektenstiche, Futter sowie Stoffe aus der Umgebung wie Pollen, Schimmel oder Staub.

Eine Futtermittelallergie bestätigt allein die Ausschlussdiät — der Hund bekommt eine Zeit lang nur ein einziges Futter. Allergietests weisen sie nicht nach. Wie so eine Diät abläuft, steht in Futterallergie beim Hund.

Antihistaminika — Mittel gegen allergische Reaktionen — kommen dabei oft zum Einsatz. Ihr Erfolg schwankt stark. Die aktuelle Forschung stützt ihren Einsatz gegen Juckreiz beim Hund nicht.

Mein Rat dazu ist unbequem, aber ehrlich. Ohne die Ursache bleibt jede Salbe Kosmetik.

Ursache 5: die seltenen, aber ernsten Befunde

Zwei Befunde gehören auf diese Liste, obwohl sie selten sind. Beide stehen in derselben Übersicht zu Enddarm und After.

Der erste heißt Perianalfistel. Dahinter steckt eine chronische, übel riechende Wunde im Gewebe rund um den After. Woher sie kommt, ist unbekannt.

Betroffen ist am häufigsten der Deutsche Schäferhund, daneben Setter und Retriever. Für Hunde über sieben Jahre nennt die Quelle ein höheres Risiko.

Die Zeichen reichen weiter als das Lecken. Genannt werden ein verändertes Wesen, schmerzhafter Kotabsatz mit Pressen, weniger Appetit, Mattigkeit und Durchfall. Dazu Beißen und Lecken am After.

Der zweite Befund sind Tumoren rund um den After. Unkastrierte Rüden erkranken je nach Tumorart drei- bis zehnmal häufiger als Hündinnen, heißt es dort.

Damit gehört dein Hund in die Praxis

  • Das Lecken hört über Tage nicht auf.
  • Er presst beim Kotabsatz oder es tut ihm sichtbar weh.
  • Die Haut rund um den After ist wund, nass oder riecht übel.
  • Er frisst weniger, wirkt matt oder hat Durchfall.
  • Du tastest eine Schwellung neben dem After.

Was du zu Hause tun kannst — und was nicht

Ansehen darfst du dir die Stelle jederzeit. Heb die Rute an, schau bei gutem Licht auf Haut und After.

Eins solltest du lassen: die Analbeutel selbst ausdrücken. Das gehört in geübte Hände.

Auch Salben aus dem eigenen Schrank haben dort nichts verloren. Dein Hund leckt sie ohnehin sofort wieder ab.

Ballaststoffe im Futter kannst du dagegen ansprechen. Mehr Volumen im Kot erleichtert das Entleeren der Beutel beim Absetzen.

Flohschutz und Entwurmung laufen ohnehin nebenher. Beides nimmt zwei der fünf Ursachen aus dem Spiel.

Mein Tipp: Film das Lecken einmal mit dem Handy. Zehn Sekunden reichen. Ein Video zeigt in der Praxis mehr als jede Beschreibung am Tresen.

Ich notiere in solchen Fällen zwei Dinge: seit wann es läuft und wie oft am Tag. Damit kann der Tierarzt sofort etwas anfangen.

Fazit: Hinter dem Lecken am Hintern steckt fast immer eine Stelle, die juckt oder wehtut. Am häufigsten sind es die Analbeutel. Flöhe, Würmer, Allergien und die seltenen Befunde rund um den After gehören jedes Mal mitgedacht.

Häufige Fragen zum Lecken am Hintern

Warum leckt mein Hund ständig seinen Hintern?

Meist juckt oder schmerzt dort etwas. Am häufigsten stecken erkrankte Analbeutel dahinter.

Wie oft ist Lecken am After normal?

Kurzes Putzen gehört dazu. Eine Zahl dafür nennt keine der vier geprüften Quellen.

Was heißt Schlittenfahren beim Hund?

Der Hund rutscht mit dem Hinterteil über den Boden. Das MSD-Handbuch führt es als Zeichen erkrankter Analbeutel.

Darf ich die Analbeutel selbst ausdrücken?

Besser nicht. Das übernimmt die Praxis, meist von Hand.

lecken Hunde ihren Hintern: Welche Hunde trifft es besonders oft?

Kleine Rassen sind anfällig für kranke Analbeutel. Große und sehr große Hunde erkranken selten daran.

Können Flöhe der Grund sein?

Ja. Bei einer Flohspeichelallergie kann am Rutenansatz eine nässende Hautentzündung entstehen.

Sind Würmer schuld am Lecken?

Ob Würmer am After jucken, sagen die vier geprüften Quellen nicht. Eine Kotprobe klärt den Befall.

Wie oft soll ich entwurmen?

ESCCAP Deutschland nennt viermal im Jahr bei beaufsichtigtem Auslauf. Bei freiem Auslauf oder Jagd einmal im Monat.

Helfen Antihistaminika gegen den Juckreiz?

Ihr Erfolg schwankt stark. Die aktuelle Forschung stützt ihren Einsatz bei Hunden nicht.

Können Ballaststoffe helfen?

Mehr Volumen im Kot erleichtert das Entleeren der Beutel. Besprich das mit deiner Praxis.

lecken Hunde ihren Hintern: Was ist eine Perianalfistel?

Eine chronische, übel riechende Wunde rund um den After. Sie trifft vor allem Deutsche Schäferhunde.

lecken Hunde ihren Hintern: Wann muss ich sofort zum Tierarzt?

Bei Pressen, offener Haut, üblem Geruch oder einer Beule neben dem After.

Quellen

Über den Autor

Kevin Roth, Co-Gründer von Lucky Pets

Kevin Roth

Co-Gründer von Lucky Pets

Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.

Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.

Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Leckt dein Hund über Tage an derselben Stelle, gehört er untersucht.