Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 27.08.2026 · Lesezeit: 9 Minuten
Das Wichtigste in Kürze
- Kein Gesetz legt fest, was „kaltgepresst“ bei Hundefutter heißt.
- Pflicht sind Zusammensetzung, analytische Bestandteile, Zusatzstoffe und Haltbarkeit.
- Die Zutaten stehen absteigend nach Gewicht.
- Gruppennamen wie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ sind erlaubt.
Auf der Tüte steht kaltgepresst. Daneben ein Kornfeld, ein zufriedener Hund, viel Grün. Das klingt nach Handarbeit statt nach Werkshalle.
Die kurze Antwort
Für Hundefutter ist „kaltgepresst“ kein festgelegter Begriff.
Der entscheidende Punkt
Verbindlich ist allein die Deklaration auf der Rückseite. Was dort steht, kannst du lesen und vergleichen.
Pressen und Extrudieren — was die Wörter hergeben

Trockenfutter verlässt das Werk als Pellet oder als Krokette. Zwei Wörter beschreiben den Weg dorthin. Pressen und Extrudieren.
Beide meinen ein Herstellungsverfahren. Wie ein Betrieb es genau führt, steht in seinen eigenen Unterlagen.
Belastbare Angaben zu Temperatur, Druck oder Dauer habe ich für keines der beiden Verfahren in einer amtlichen Quelle gefunden. Deshalb nenne ich hier keine Gradzahlen.
Wer irgendwo eine liest, sollte fragen, woher sie stammt. Auf der Tüte findest du sie ohnehin nicht. Kein Pflichtfeld verlangt so einen Wert.
Was „kaltgepresst“ rechtlich bedeutet
Ich habe dort nachgesehen, wo eine Definition stehen müsste. Gefunden habe ich keine.
Das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch zählt in § 3 auf, welche Begriffe für Futter gelten. Herstellen steht dort. Behandeln steht dort. Kaltgepresst nicht.
Auch die deutsche Futtermittelverordnung schweigt dazu. Ich habe ihren kompletten Text durchsucht. Weder pressen noch extrudieren taucht darin auf.
Dasselbe Bild in der EU-Verordnung 767/2009, die für Hundefutter die Pflichtangaben vorgibt. Auch dort kommt kein Pressverfahren vor.
Eine Grenze gibt es trotzdem. Wer ein Verfahren auf die Tüte schreibt, muss die Angabe objektiv halten. Fragt die Behörde nach, muss er sie fachlich begründen können.
Irreführen darf die Aufmachung ebenfalls nicht, auch nicht über das Herstellungsverfahren. Nur: Eine Zahl, an der man das messen könnte, hat niemand festgelegt.
Aus meiner Erfahrung überschätzen viele Halter dieses Wort. Zwei Tüten mit demselben Aufdruck können aus zwei verschiedenen Werken mit zwei verschiedenen Verfahren kommen.
Woran du dich nicht festhalten kannst
- „Kaltgepresst“ ist kein geschützter Begriff.
- Eine Höchsttemperatur schreibt niemand vor.
- Zwei Marken über dieses eine Wort zu vergleichen führt zu nichts.
Was verbindlich auf der Tüte stehen muss
Die Pflichtangaben sind der harte Teil des Etiketts. Sie stehen in der EU-Verordnung, nicht im Werbetext.
Alleinfuttermittel deckt den Bedarf allein. Ergänzungsfuttermittel tut das nicht. Dieser eine Unterschied entscheidet, ob dein Hund von dem Sack satt und versorgt wird.

Wie du die Zusammensetzung liest
Die Zutaten stehen absteigend nach Gewicht. Was oben steht, wiegt am meisten. Das Gewicht bezieht sich dabei auf das fertige Futter.
Zwei Schreibweisen sind zulässig. Entweder nennt ein Betrieb jede Zutat einzeln. Oder er fasst sie zu Gruppen zusammen.
Anlage 3 der Futtermittelverordnung listet dafür 19 Gruppen. Gruppe 1 heißt „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“.
Dahinter dürfen alle Fleischteile geschlachteter warmblütiger Landtiere stecken. Dazu Erzeugnisse aus der Verarbeitung von Tierkörpern. Ob Rind, Huhn oder Schwein, steht dann nicht dabei.
Genau hier trennt sich Werbung von Information. Eine Liste, die Huhn mit Prozentzahl nennt, sagt dir deutlich mehr — wie weit du damit kommst, zeigt Monoprotein-Futter für Hunde.
Offene und geschlossene Deklaration heißen diese beiden Wege im Handel. Beide Wörter stehen in keinem Gesetz. Sie beschreiben nur, wie genau ein Betrieb schreibt.
Eine Regel hilft dir zusätzlich. Hebt die Tüte eine Zutat in Wort oder Bild hervor, muss der Prozentsatz dabeistehen. Steht also „mit Lachs“ groß vorne, findest du hinten eine Zahl.
Bei Insekten funktioniert das genauso, denn auch sie sind eine eigene Gruppe — was sie taugen, steht in Hundefutter mit Insekten.
Was die analytischen Bestandteile sagen
Vier Werte sind bei Alleinfutter für Hunde Pflicht. Ein fünfter kommt dazu, wenn viel Wasser im Produkt steckt.
Alle Werte beziehen sich auf das Gewicht des Futters, so wie es im Sack liegt.
Deshalb kannst du ein trockenes und ein feuchtes Produkt nicht direkt nebeneinanderlegen — warum die Zahlen so weit auseinanderliegen, erklärt Trockenfutter oder Nassfutter.
Der Fütterungshinweis bleibt eine Orientierung

Auf jedem Sack steht eine Tabelle mit Gramm pro Tag. Die Verordnung verlangt einen Hinweis zur ordnungsgemäßen Verwendung.
Sie verlangt aber keinen Wert, der zu deinem Hund passt. Der Hersteller kennt ihn ja nicht.
Aus meiner Erfahrung liegt die Packungsangabe bei ruhigen Hunden regelmäßig zu hoch. Ich nehme sie als Startwert. Danach entscheidet die Waage.
Mein Tipp: Wiege deinen Hund alle zwei Wochen und notiere das Gewicht. Erst diese Reihe zeigt, ob die Menge stimmt.
Was das Gesetz von dir verlangt
Das Tierschutzgesetz formuliert es knapp. Wer ein Tier hält, muss es seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen.
Ein zweiter Satz steht direkt daneben. Der Halter muss über die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.
Für mich gehört das Etikettlesen genau dort hinein. Wer eine Zutatenliste nicht einordnen kann, entscheidet nach Bild und Werbespruch.
Meine langjährige Erfahrung mit Futterfragen zeigt immer dasselbe Muster. Halter kaufen ein Wort — wie du stattdessen ein Futter selbst bewertest, steht in Hundefutter Test.
Was am Ende zählt
Ob kaltgepresst oder extrudiert besser ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Belastbare Vergleichsdaten dazu habe ich nicht gefunden. Wer sie hat, soll sie zeigen.
Was bleibt, ist die Zusammensetzung. Dazu die Frage, ob dein Hund das Futter gut verträgt. Kot, Fell und Gewicht sagen dir darüber mehr als jede Angabe auf der Vorderseite.
Fazit: Die Vorderseite ist Werbung, die Rückseite ist Pflicht. Lies die Rückseite.
Häufige Fragen zu kaltgepresstem Hundefutter
Ist „kaltgepresst“ gesetzlich festgelegt?
Nein. Ich habe das Futtermittelrecht durchsucht. Der Begriff steht dort nicht.
Muss die Temperatur auf der Tüte stehen?
Nein. Zu Temperatur, Druck oder Dauer verlangt keine Vorschrift eine Angabe.
Ist kaltgepresstes Futter verträglicher?
Dafür fehlt mir eine belastbare Quelle. Ich behaupte es deshalb nicht.
Was bedeutet Alleinfuttermittel?
Es deckt den Bedarf allein. Ein Ergänzungsfuttermittel tut das ausdrücklich nicht.
Warum fehlt bei „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ die Tierart?
Das ist eine erlaubte Gruppenbezeichnung. Die Tierart muss dabei nicht stehen.
Was ist eine offene Deklaration?
Ein Wort aus der Werbung. Gemeint ist eine Liste mit einzeln genannten Zutaten.
Wofür steht Rohasche?
Für den mineralischen Anteil. Erlaubt ist dafür auch das Wort anorganischer Stoff.
Warum fehlt oft die Feuchtigkeit?
Sie muss erst über 14 Prozent auf die Tüte. Trockenfutter liegt meist darunter.
Wie genau ist der Fütterungshinweis?
Er ist ein Richtwert für viele Hunde. Deinen Hund kennt er nicht.
Woran erkenne ich hervorgehobene Zutaten?
An der Prozentzahl. Wirbt die Tüte mit einer Zutat, muss der Anteil dabeistehen.
Kaltgepresst oder extrudiert — was ist besser?
Pauschal lässt sich das nicht sagen. Es zählt, was drin ist und wie dein Hund es verträgt.
Was verlangt das Gesetz von mir?
Die nötigen Kenntnisse für eine angemessene Ernährung. Ein Etikett lesen zu können gehört dazu.
Quellen
- § 3 Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch – Begriffsbestimmungen
- Futtermittelverordnung – Gesamtausgabe mit Anlage 3 zu § 6 Absatz 2
- Verordnung (EG) Nr. 767/2009 über das Inverkehrbringen und die Verwendung von Futtermitteln
- § 2 Tierschutzgesetz – Pflichten des Halters
Über den Autor

Kevin Roth
Co-Gründer von Lucky Pets
Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.
Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.
Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Verliert dein Hund Gewicht oder verträgt er ein Futter dauerhaft schlecht, gehört das in die Praxis.
