Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 27.08.2026 · Lesezeit: 8 Minuten
Das Wichtigste in Kürze
- Brindle heißt gestromt: viele dunkle Streifen auf hellem Grund.
- Der Aalstrich ist eine einzelne Linie vom Hinterkopf bis zur Rute.
- Der Ridge ist keine Farbe, sondern eine Haarwuchsrichtung.
- Neu aufgetretene dunkle Stellen sind kein Muster, sondern ein Befund.
Ein Hund mit Streifen auf dem Rücken bringt drei ganz verschiedene Dinge durcheinander. Manche Halter meinen die feine Stromung an den Flanken, andere die dunkle Linie entlang der Wirbelsäule. Wieder andere meinen einen Streifen, bei dem gar nicht die Farbe anders ist.
Die kurze Antwort
Es gibt drei Muster, die als Streifen auf dem Rücken durchgehen: Brindle, also die gestromte Zeichnung mit vielen dunklen Querstreifen. Der Aalstrich, eine einzelne durchgehende Linie vom Hinterkopf bis zur Rute. Und der Ridge, bei dem die Haare gegen die Wuchsrichtung stehen.
Der entscheidende Punkt
Zähl die Streifen und schau auf die Richtung. Viele Streifen quer über Rippen und Flanken sind Stromung. Eine einzige Linie in Längsrichtung ist ein Aalstrich. Ein schmaler Kamm, der sich gegen die Fellrichtung anfühlt, ist ein Ridge.
Brindle: viele Streifen, quer verlaufend
Brindle ist das englische Wort für gestromt. Die deutsche Zuchtsprache benutzt beide Begriffe nebeneinander.

Wie das aussehen soll, steht am genauesten im FCI-Standard des Deutschen Boxers. Erlaubt sind dort zwei Farbvarianten, nämlich gelb oder gestromt.
Für die gestromte Variante ist der Standard sehr präzise. Auf gelbem Grund verlaufen dunkle oder schwarze Streifen in Richtung der Rippen.
Genau dieser Satz löst die häufigste Verwechslung auf. Die Streifen laufen quer über den Körper, nicht längs über den Rücken.
Der Standard verlangt außerdem einen klaren Kontrast. Grundfarbe und Streifen müssen sich deutlich voneinander abheben.
Als Fehler gelten zwei Extreme. Streifen, die zu dicht aneinander liegen. Streifen, die nur vereinzelt erkennbar sind.
Weil der helle Grund die Stromung überhaupt erst sichtbar macht, lohnt der Blick auf die Grundfarbe in Fawn beim Hund.
Was genetisch hinter der Stromung steckt
Die Stromung entsteht an einer bestimmten Stelle im Erbgut, dem sogenannten K-Lokus. Das Labor LABOKLIN beschreibt dort das dominante Allel KB, also die Erbanlage für einfarbiges Fell in den pigmentierten Zonen.
KB setzt sich gegenüber der Anlage ky durch. Zwischen beiden liegt die Anlage für gestromt.
Für Halter ist ein Hinweis dieses Labors besonders wichtig. Gestromte Hunde zeigen im einfachen Test auf den K-Lokus den Genotyp KB/ky und lassen sich damit nicht von einfarbig schwarzen Hunden mit einer Kopie unterscheiden.
Deshalb gibt es einen zweiten, gesonderten Test. Er trennt die Genotypen KB/ky, KB/kbr, kbr/kbr und kbr/ky wirklich auf.
Aus meiner Erfahrung heraus ist genau das der Punkt, an dem Halter unnötig Geld ausgeben. Wer wissen will, ob sein Hund gestromt vererbt, braucht den passenden Test und nicht irgendeinen.
Wie stark einzelne Erbanlagen ein Fellbild verändern, zeigt auch Black and Tan beim Hund.

Die Zuordnung beschreibt das äußere Bild. Für eine gesicherte Aussage über die Vererbung braucht es einen Gentest.
Der Aalstrich: eine einzige Linie
Der Aalstrich hat mit Stromung nichts zu tun. Er ist genau ein Streifen. Und er verläuft längs.
Der FCI-Standard des Mopses definiert ihn wörtlich als durchgehenden schwarzen Streifen vom Hinterhauptbein bis zur Rute.
Das Hinterhauptbein sitzt hinten am Schädel, dort wo viele Hunde eine kleine Erhebung haben. Von dort zieht die Linie über den Rücken bis zum Rutenansatz.
Beim Mops ist der Aalstrich ausdrücklich erwünscht. Erlaubt sind die Farben silber, apricot, hellfalbfarben und schwarz.
Diese Farben sollen jeweils rein sein, damit der Kontrast wirkt. Maske, Ohren, die Wangenflecken, der Stirnfleck und der Aalstrich sollen so schwarz wie möglich sein.
Meine langjährige Erfahrung mit Haltern zeigt, wie oft dieser Begriff falsch benutzt wird. Ein gestromter Mischling bekommt im Gespräch schnell einen Aalstrich zugeschrieben, obwohl er gar keinen hat.
Der Ridge ist gar keine Farbe
Der dritte Streifen ist der spannendste. LABOKLIN beschreibt den Ridge als deutlich abgegrenzten Streifen auf dem Rücken, bei dem die Haare in entgegengesetzter Richtung zum übrigen Fell wachsen.
Die Farbe bleibt dabei völlig unverändert. Du siehst den Ridge, weil das Licht anders auf die gegenläufigen Haare fällt.
Dahinter steckt eine echte Veränderung im Erbgut. Ein 133 Kilobasen langer Abschnitt liegt doppelt vor. Er enthält mehrere Gene aus der FGF-Familie sowie angrenzende Abschnitte.
Vererbt wird das Merkmal autosomal-dominant mit unvollständiger Penetranz. Das heißt: Eine einzige Kopie genügt, sie setzt sich aber nicht bei jedem Hund durch.
In Zahlen liest sich das so. Rund 95 Prozent der Hunde mit einer Kopie tragen einen Ridge, bei etwa 5 Prozent bleibt das dominante Allel stumm.
Trägt ein Hund zwei Kopien, gibt er die Variante zu 100 Prozent weiter. Das ist für die Zuchtplanung der entscheidende Unterschied.

Welche Rasse dieses Merkmal im Namen trägt, ist kein Geheimnis. Ihr Porträt steht in Rhodesian Ridgeback.
Wenn Streifen plötzlich auftauchen
Ein Fellmuster ist von Geburt an angelegt. Es kann sich im ersten Lebensjahr verstärken oder verblassen, es entsteht aber nicht neu.
Deshalb ist jede dunkle Zeichnung, die plötzlich dazukommt, kein Muster. Sie ist ein Befund an der Haut.
Häufig steckt eine abgeheilte Entzündung dahinter, manchmal eine Reibestelle unter dem Geschirr. Es gibt auch Ursachen, die ins Blutbild gehören.
Woran du harmlose von auffälligen Pigmentflecken unterscheidest, steht in Schwarze Flecken auf der Hundehaut.
Das gehört angesehen statt bewundert
- Dunkle Stellen, die es vor drei Monaten noch nicht gab.
- Ein Streifen, unter dem die Haut kahl, schuppig oder verdickt ist.
- Zeichnungen, die jucken oder auf Berührung schmerzen.
- Fellverlust genau entlang der Wirbelsäule.
- Ein Muster, das nur auf einer Körperseite auftritt.
Fotografiere die Stelle mit einem Maßband daneben. So sieht die Praxis beim nächsten Termin sofort, ob sich etwas verändert hat.
Muster und Zucht
Ein Muster ist eine Zeichnung, mehr nicht. Es sagt nichts über Wesen, Gesundheit oder Leistung eines Hundes aus.
Kritisch wird es erst, wenn eine Optik zum Zuchtziel wird. Dann werden Hunde nach Aussehen verpaart statt nach Gesundheit.
Wohin das führen kann, zeigt das Beispiel in Blue Line beim Hund.
Ich schaue bei einem Welpen deshalb zuerst auf die Elterntiere und ihre Untersuchungsergebnisse. Das Muster kommt danach.
Mein Tipp: Fotografiere deinen Hund einmal im Monat von oben, immer bei Tageslicht und in derselben Position. So siehst du zuverlässig, ob sich eine Zeichnung verändert — im Alltag fällt das sonst niemandem auf.
Fazit: Streifen auf dem Rücken sind kein einheitliches Phänomen. Zähl die Streifen und prüfe ihre Richtung, dann weißt du, ob du eine Stromung, einen Aalstrich oder einen Ridge vor dir hast. Alles, was neu dazukommt, gehört dagegen untersucht.
Häufige Fragen zu Streifen auf dem Rücken
Was bedeutet Brindle beim Hund?
Brindle heißt auf Deutsch gestromt. Auf einem hellen Grund verlaufen dunkle Streifen, beim Boxer in Richtung der Rippen.
Ist der Aalstrich dasselbe wie Brindle?
Nein. Der Aalstrich ist eine einzelne dunkle Linie vom Hinterkopf bis zur Rute, Brindle besteht aus vielen Querstreifen.
Welche Rassen haben laut Standard einen Aalstrich?
Beim Mops verlangt der FCI-Standard ausdrücklich einen durchgehenden schwarzen Streifen vom Hinterhauptbein bis zur Rute.
Ist ein Ridge auch ein Streifen?
Optisch ja, biologisch nein. Beim Ridge wachsen die Haare gegen die übrige Richtung, die Farbe bleibt unverändert.
Kann ein Labortest Brindle nachweisen?
Der einfache Test auf das KB-Allel kann gestromte Hunde nicht sicher trennen. Dafür gibt es einen gesonderten Brindle-Test.
Warum sieht mein Mischling gestromt aus, obwohl beide Eltern einfarbig waren?
Weil einfarbig dominant vererbt wird. Ein Elterntier kann die Anlage für gestromt tragen, ohne sie zu zeigen.
Sind gestromte Hunde häufiger krank?
Nein. Die Stromung ist ein reines Muster und mit keiner bekannten Erkrankung verknüpft.
Vererbt sich der Ridge sicher?
Nicht ganz. Rund 95 Prozent der Hunde mit einer Kopie tragen einen Ridge, bei etwa 5 Prozent bleibt er aus.
Kann sich das Muster meines Welpen noch ändern?
Die Zeichnung kann sich im ersten Lebensjahr deutlich verstärken oder verblassen. Das Grundmuster bleibt aber bestehen.
Mein Hund hat plötzlich dunkle Streifen auf dem Rücken. Ist das eine Mutation?
Nein. Ein Muster ist von Geburt an angelegt. Neue dunkle Stellen gehören tierärztlich angesehen.
Ist gestromt eine seltene Farbe?
Sie ist bei vielen Rassen im Standard erlaubt, bei anderen nicht. Selten ist sie also nicht überall.
Sagt die Streifenzeichnung etwas über den Charakter?
Nichts. Farbe und Muster hängen an anderen Genen als das Verhalten.
Quellen
- FCI-Standard Nr. 144 – Deutscher Boxer
- FCI-Standard Nr. 253 – Mops
- LABOKLIN – K-Lokus (ausschließlich KB-Allel)
- LABOKLIN – Ridge
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Über den Autor

Kevin Roth
Co-Gründer von Lucky Pets
Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.
Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.
Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Dunkle Stellen, die neu dazukommen, sowie kahle oder schuppige Haut entlang der Wirbelsäule gehören in eine Praxis.
