Hunde verstehen: Was vier Studien wirklich zeigen

Hunde verstehen: Was vier Studien wirklich zeigen

Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 24.08.2026 · Lesezeit: 7 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • 🔴 Terrier folgten falschen Hinweisen seltener.
  • Hunde unterscheiden Necken von Ungeschick.
  • Zwölf Hunde lagen wach im MRT-Scanner.
  • Pfotegeben hat mit Erwartung zu tun.

Über Hunde wird viel behauptet. Interessanter ist, was sich tatsächlich messen lässt. Vier Studien der Vetmeduni Wien liefern erstaunlich konkrete Zahlen.

Die kurze Antwort

Hunde unterscheiden Absichten, reagieren auf falsche Überzeugungen und zeigen im Gehirn messbare Reaktionen.

🔴 Der entscheidende Punkt

Messbare Reaktion ist nicht dasselbe wie ein bewiesenes Gefühl. Die Forschung ist da vorsichtiger als viele Ratgeber.

Hunde und falsche Überzeugungen

Das Clever Dog Lab am Messerli Forschungsinstitut hat ein nonverbales Spiel entwickelt. Über 200 Hunde nahmen teil. Die Ergebnisse stehen in der Presseinformation Hunde als Gedankenleser vom Juli 2021.

Der Aufbau: Eine Versteckerin legt Futter in Behälter A und lagert es später sichtbar nach B um. Dann gibt eine zweite Person einen Hinweis — einen falschen.

Mittelgroßer wacher Hund schaut aufmerksam zu seiner Halterin auf
Hunde lesen mehr aus unserem Verhalten, als lange angenommen.

Der Trick liegt im Wissen dieser zweiten Person. Sie hat entweder alles gesehen oder nur den ersten Teil. Danach verließ sie kurz den Raum.

Ergebnis Befund
ErgebnisErstes BefundDie meisten Hunde wählten den richtigen Behälter B
ErgebnisZweites BefundSignifikanter Unterschied zwischen beiden Gruppen
ErgebnisDrittes BefundMehr Hunde folgten der falschen Überzeugung als bei Kindern
ErgebnisViertes BefundTerrier folgten dem irreführenden Hinweis seltener

Vetmeduni Wien, Presseinformation vom 21.07.2021.

Das vierte Ergebnis überrascht mich am meisten. Terrier verhielten sich wie Menschenkinder und Menschenaffen. Andere FCI-Gruppen nicht. Zur Einordnung der Gruppen hilft Hunderassen von A bis Z.

🔴 Absicht oder Versehen

Die zweite Studie ist noch anschaulicher. In Gemein oder tollpatschig vom Januar 2023 saß eine Versuchsleiterin in einer Gitterbox mit einer Kunststoffscheibe. Darin ein golfballgroßes Loch.

48 Haushunde bekamen Leckerlis angeboten. Mal ließ die Leiterin das Würstchen ungeschickt fallen. Mal zog sie es absichtlich zurück.

Die Handgesten waren fast identisch. Trotzdem reagierten die Hunde unterschiedlich. Acht Kameras und eine KI-gestützte 3D-Tracking-Software hielten jede Bewegung fest.

Mittelgroßer wacher Hund sitzt aufmerksam vor einer ausgestreckten Hand
Erwartung steuert das Verhalten stärker als gedacht.

Wer schon einmal mit einem gewitzten Terrier gearbeitet hat, wundert sich über solche Befunde nicht. Zur Rassegruppe passt Foxterrier Drahthaar.

Situation Zeit in Nähe der Box
SituationAbsichtliches Necken Zeit in Nähe der Box78 Prozent der Versuchszeit
SituationUnabsichtliches Fallenlassen Zeit in Nähe der Box11 Prozent länger als beim Necken
SituationLoch verschlossen Zeit in Nähe der Box64 Prozent der Zeit

Vetmeduni Wien, Presseinformation vom 25.01.2023.

Dazu kam ein feiner Befund. Beim ungeschickten Herumfummeln wedelten die Hunde eher auf der rechten Körperseite. Frühere Untersuchungen bringen genau das mit positiven Emotionen in Verbindung.

Warum Hunde die Pfote geben

2009 sorgte die sogenannte Pfotenaufgabe international für Aufsehen. Hunde verweigerten das Pfotegeben, wenn ein anwesender Artgenosse belohnt wurde und sie selbst nicht. Die Neubewertung steht in Erwartungshaltungen bestimmen das Handeln von Hunden.

Das Team führte eine neue Kontrollbedingung ein. Statt eines Partnerhundes stand nur eine Box mit einer Belohnung da.

Die Dauer des Pfotegebens unterschied sich nicht. Egal ob Partnerhund oder Box. Häufiger gaben die Hunde die Pfote, wenn der Experimentator das Füttern nur nachahmte.

Mittelgroßer wacher Hund liegt aufmerksam auf einem Teppich im Wohnzimmer
Auch zuhause beobachtet der Hund jede Bewegung.

Was das für dein Training heißt

  • 🔴 Erwartung steuert Verhalten stärker als gedacht.
  • Sichtbare Leckerlis verändern die Mitarbeit.
  • Ein zweiter Hund im Raum verändert die Lage.
  • Gleiche Geste, andere Absicht wird bemerkt.
  • Konsequenz schlägt Härte.

Meine langjährige Erfahrung sagt: Wer immer erst das Leckerli zeigt, trainiert die Erwartung mit — nicht das Verhalten.

Was im Gehirn passiert

Die vierte Studie geht am weitesten. Für Was fühlt der Hund lagen zwölf Haushunde wach im MRT-Scanner. Ohne Fixierung, mit Gehörschutz, bis zu fünf Minuten.

Sie sahen zehn Sekunden lange Videos. Darin begrüßte und streichelte entweder die eigene Bezugsperson oder eine fremde Person einen anderen Hund. In der neutralen Variante kontrollierte sie Ohren und Zähne.

Bei den positiv-sozialen Handlungen nahm die Aktivität in Amygdala und Insula zu. Beide Areale sind an der Bewertung von Reizen und der Verarbeitung von Emotionen beteiligt. Wie stark Hunde ihre Umwelt sonst wahrnehmen, zeigt Können Hunde im Dunkeln sehen.

Wichtig ist der Vorbehalt der Forschenden. Aus der Aktivität lässt sich die Emotion selbst nicht eindeutig feststellen. Sie deutet auf starke physiologische Erregung hin, mehr nicht.

Was ich daraus mitnehme

Aus meiner Erfahrung erklären diese vier Studien viel vom Alltag. Der Hund merkt, ob du ihn veräppelst. Er merkt, ob jemand etwas wissen kann. Und er reagiert auf das, was er erwartet.

Ich lese das als Aufforderung zu Ehrlichkeit im Umgang. Wer ein Leckerli zeigt und wieder wegzieht, verspielt Vertrauen — messbar.

Mein Rat für den Alltag: klare Signale, verlässliche Konsequenzen, keine Spielchen. Wie sich das bei sehr selbständigen Rassen auswirkt, beschreibt Griffon Nivernais.

Und noch etwas: Rasse ist offenbar keine Nebensache. Der Terrier-Befund zeigt, dass kognitive Aufgaben nicht bei allen gleich ausfallen.

Fazit: Vier Studien der Vetmeduni Wien zeigen, wie viel Hunde von uns mitbekommen. Ein Verhaltenstest mit über 200 Hunden legt ein implizites Verständnis falscher Überzeugungen nahe, wobei Terrier dem irreführenden Hinweis seltener folgten als andere FCI-Gruppen. Ein zweites Experiment nutzte 48 Hunde und KI-gestütztes 3D-Tracking. Beim absichtlichen Necken blieben die Tiere nur 78 Prozent der Versuchszeit in der Nähe der Box. Beim scheinbar unabsichtlichen Fallenlassen verharrten sie 11 Prozent länger. Eine dritte Studie zeigt, dass hinter dem Pfotegeben eher eine Erwartungshaltung als reiner Gerechtigkeitssinn steckt. Und im MRT nahm bei zwölf wachen, unfixierten Hunden die Aktivität in Amygdala und Insula zu, wenn ihre Bezugsperson einen anderen Hund freudig begrüßte. Die Emotion selbst lässt sich daraus nicht eindeutig ableiten.

Häufige Fragen zur Wahrnehmung von Hunden

🔴 Können Hunde Gedanken lesen?

Eine Studie mit über 200 Hunden legt ein implizites Verständnis falscher Überzeugungen nahe.

Welche Rassegruppe fiel dabei auf?

Terrier. Sie folgten dem irreführenden Hinweis seltener als alle anderen FCI-Gruppen.

🔴 Merkt ein Hund, ob ich ihn ärgere?

Ja. In einer Studie reagierten 48 Hunde messbar anders auf Necken als auf Ungeschicklichkeit.

Wie wurde das gemessen?

Mit acht Kameras und einer KI-gestützten 3D-Tracking-Software.

Wie groß war der Unterschied?

Beim Necken blieben die Hunde nur 78 Prozent der Zeit in der Nähe. Sonst verharrten sie 11 Prozent länger.

Was bedeutet Wedeln nach rechts?

Frühere Untersuchungen bringen Schwanzbewegungen nach rechts mit positiven Emotionen in Verbindung.

Warum geben Hunde die Pfote?

Eine Studie deutet auf eine Erwartungshaltung hin, nicht nur auf Gerechtigkeitssinn.

Was zeigte die Pfotenaufgabe von 2009?

Hunde verweigern das Pfotegeben, wenn ein anwesender Artgenosse belohnt wird und sie nicht.

🔴 Ist der Hund eifersüchtig?

Die Bildgebung zeigt Erregung in Amygdala und Insula. Die Emotion selbst lässt sich daraus nicht ableiten.

Wie liefen die MRT-Versuche ab?

Zwölf Hunde lagen wach, unfixiert und mit Gehörschutz bis zu fünf Minuten im Scanner.

Waren die Hunde betäubt?

Nein. Der Hund sollte aufmerksam Videos betrachten, deshalb war das nicht möglich.

Wo wurde geforscht?

Am Clever Dog Lab des Messerli Forschungsinstituts der Vetmeduni Wien.

Quellen

Über den Autor

Kevin Roth, Co-Gründer von Lucky Pets

Kevin Roth

Co-Gründer von Lucky Pets

Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.

Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.

Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Verhaltensproblemen hilft deine Tierarztpraxis oder eine qualifizierte Verhaltensberatung weiter.