Handtaschenhund: Welche Rassen wirklich gemeint sind

Handtaschenhund: Welche Rassen wirklich gemeint sind

Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 27.08.2026 · Lesezeit: 11 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Handtaschenhund ist ein Sammelbegriff, keine von der FCI geführte Rasse.
  • Der Chihuahua-Standard Nr. 218 erlaubt 1 bis 3 Kilogramm, sonst wird disqualifiziert.
  • Eine offene Fontanelle schließt einen Chihuahua von der Zucht aus.
  • § 2 Tierschutz-Hundeverordnung verlangt täglich Auslauf im Freien.

Handtaschenhund — dieses Wort steht in keinem einzigen Rassestandard. Es ist eine Verkaufsbeschreibung, kein Rassename. Gemeint sind rund ein halbes Dutzend echte Rassen, jede mit eigener Standardnummer und eigenem Gewichtsrahmen. Und mit zwei Punkten, die vor dem Kauf wirklich zählen.

Die kurze Antwort

Gemeint sind meist Chihuahua, Yorkshire Terrier, Malteser, Russischer Toy, Prager Rattler und Papillon. Alle wiegen laut Standard zwischen 1 und 5 Kilogramm.

Was wirklich dagegen spricht

Nicht die Größe an sich. Sondern die Zucht auf immer kleinere Hunde und der Alltag in der Tasche statt auf vier Beinen.

Diese Rassen sind gemeint

Ich habe die Rassen zusammengestellt, die in Anzeigen und Beiträgen unter diesem Etikett auftauchen. Danach habe ich in jedem deutschsprachigen FCI-Standard nachgesehen, was dort tatsächlich an Maßen steht.

Rasse Standard FCI-Gruppe Gewicht laut Standard Widerristhöhe
RasseChihuahua StandardNr. 218 FCI-GruppeGruppe 9, Sektion 6 Gewicht laut Standard1–3 kg, ideal 1,5–2,5 kg Widerristhöhewird nicht bewertet
RasseYorkshire Terrier StandardNr. 86 FCI-GruppeGruppe 3, Sektion 4 Gewicht laut Standardbis 3,2 kg Widerristhöhenicht angegeben
RasseMalteser StandardNr. 65 FCI-GruppeGruppe 9, Sektion 1 Gewicht laut Standard3–4 kg WiderristhöheRüden 21–25 cm
RasseRussischer Toy StandardNr. 352 FCI-GruppeGruppe 9, Sektion 9 Gewicht laut Standardbis 3 kg, bevorzugt 2,3 kg Widerristhöhe22–27 cm
RassePrager Rattler StandardNr. 363 FCI-GruppeGruppe 9, Sektion 9 Gewicht laut Standardideal etwa 2,6 kg Widerristhöhe21–23 cm
RassePapillon StandardNr. 77 FCI-GruppeGruppe 9, Sektion 9 Gewicht laut Standardab 1,5 kg bis 5 kg Widerristhöheungefähr 28 cm

Gewicht und Widerristhöhe wörtlich aus den deutschsprachigen FCI-Standards, Gruppe und Sektion aus der FCI-Rassennomenklatur, abgerufen am 27. August 2026.

Zwei Dinge fallen sofort auf. Beim Chihuahua zählt der Standard gar keine Größe, sondern ausschließlich das Gewicht. Und der Yorkshire Terrier steht als Einziger nicht bei den Begleithunden, sondern in Gruppe 3 bei den Terriern.

Der Prager Rattler ist außerdem erst provisorisch anerkannt. Die FCI führt ihn mit Nummer, vergibt aber noch keinen internationalen Champion-Titel.

Was der Chihuahua-Standard wirklich sagt

Beim Standard Nr. 218 steht ein Satz, den kaum jemand kennt. In dieser Rasse wird die Größe nicht berücksichtigt, sondern nur das Gewicht.

Erlaubt sind 1 bis 3 Kilogramm. Als Idealgewicht nennt das Papier 1,5 bis 2,5 Kilogramm. Hunde unter einem Kilogramm oder über drei Kilogramm werden disqualifiziert.

Damit ist die Frage nach dem Teacup-Chihuahua beantwortet. Ein Hund mit 800 Gramm entspricht nicht dem Standard, er fällt darunter. Wer damit wirbt, wirbt mit einem Zuchtausschluss.

Das Wesen beschreibt der Standard in vier Worten: lebhaft, wachsam, ruhelos und sehr mutig. Von einem ruhigen Schoßhund steht dort nichts.

Aus meiner Erfahrung ist genau das die häufigste Enttäuschung. Wer beim Chihuahua-Kauf ein Accessoire erwartet, bekommt einen wachsamen kleinen Hund mit klarer Meinung.

Wacher kleiner Hund steht aufmerksam im Freien
Wacher kleiner Hund steht aufmerksam im Freien Foto: Maciek Godlewski / Wikimedia Commons, CC BY 2.5

Die offene Fontanelle und der Hirsch-Typ

Der Standard listet elf disqualifizierende Fehler. Drei davon erzählen die Geschichte der Zucht auf Miniaturgröße.

Was den Chihuahua von der Zucht ausschließt

  • Hunde mit offener Fontanelle — eine Lücke zwischen den Schädelknochen, die sich nicht geschlossen hat.
  • Hunde vom Hirsch-Typ: edler Kopf, langer Hals, schlanker Körper, lange Beine.
  • Gewicht unter einem Kilogramm oder über drei Kilogramm.

Aggressive oder ängstliche Hunde stehen ebenfalls auf der Liste, dazu Hunde mit deutlichen körperlichen Abweichungen.

Die Fontanelle ist der interessanteste Punkt. Bei sehr kleinen Hunden schließt sich diese Lücke im Schädeldach manchmal nicht. Der Standard hat sie deshalb vom Toleranzfall zum Ausschlussgrund gemacht.

Das ist kein Schönheitsurteil. Es ist eine Zuchtbremse gegen den Trend zu immer kleineren Hunden.

Wesen im Alltag: was die Standards versprechen

Jeder Rassestandard beschreibt in zwei bis drei Zeilen das Zuchtziel. Nebeneinander gelesen ergeben diese Zeilen ein überraschend klares Bild. Von Schoßhund ist nirgends die Rede.

Rasse Standard Wesen laut Standard
RasseChihuahua StandardNr. 218 Wesen laut StandardLebhaft, wachsam, ruhelos und sehr mutig.
RasseYorkshire Terrier StandardNr. 86 Wesen laut StandardReger und intelligenter Zwerg-Terrier. Lebhaft bei ausgeglichenen Wesensanlagen.
RasseMalteser StandardNr. 65 Wesen laut StandardLebhaft, zärtlich, sehr entspannt und sehr intelligent.
RasseRussischer Toy StandardNr. 352 Wesen laut StandardLebhaft, sehr fröhlich, weder ängstlich noch aggressiv. Immer neugierig auf die Außenwelt.
RassePrager Rattler StandardNr. 363 Wesen laut StandardFreundlich, neugierig und sanftmütig. Fremden gegenüber etwas zurückhaltend.
RasseMops StandardNr. 253 Wesen laut StandardViel Charme, Würde und Intelligenz. Ausgeglichen, fröhlich und lebhaft.

Wesensbeschreibungen wörtlich aus den deutschsprachigen FCI-Standards, abgerufen am 27. August 2026.

Fünf von sechs Standards nennen das Wort lebhaft. Zwei nennen ausdrücklich Neugier. Der Chihuahua ist der Einzige, dem sein Papier Mut und Wachsamkeit zuschreibt.

Solche Zeilen beschreiben eine Zuchtabsicht, nicht deinen Hund. Sie sagen trotzdem etwas über den Alltag. Ein lebhafter, neugieriger Hund will die Welt von unten sehen, nicht von oben aus einer Tasche.

Kurzköpfigkeit: was Mops und Bulldogge betrifft

Mops und Französische Bulldogge tauchen in denselben Listen auf. Beide sind mit 6 bis 14 Kilogramm eigentlich zu schwer für eine Tasche. Beide werden trotzdem so getragen.

Der Standard Nr. 253 für den Mops nennt beim Nasenschwamm ziemlich große, weit geöffnete Nasenlöcher. Eine zusammengedrückte Nase und starke Falten auf dem Nasenrücken bezeichnet er als inakzeptabel. Sie sollen schwer bestraft werden.

Ein zweiter Satz steht direkt darunter. Augen oder Nase dürfen nicht durch übermäßige Nasenfalten beeinträchtigt oder verdeckt werden.

Beim Standard Nr. 101 für die Französische Bulldogge steht es noch direkter. Die Neigung der Nasenlöcher und die aufgeworfene Nase müssen eine normale Nasenatmung erlauben.

Diese Sätze sind neu in den Fassungen von 2023. Die FCI hat sie eingefügt, weil die Zucht in eine Richtung lief, die den Hunden schadet. Wer einen kurzköpfigen Welpen ansieht, sollte ihn atmen hören. Und zwar leise.

Wacher kleiner Hund wird auf dem Behandlungstisch abgehört
Wacher kleiner Hund wird auf dem Behandlungstisch abgehört Foto: Nenad Stojkovic / Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Was § 11b Tierschutzgesetz verbietet

Die zweite Grenze zieht der Gesetzgeber. § 11b des Tierschutzgesetzes verbietet das Züchten, wenn den Nachkommen erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen. Dasselbe gilt, wenn sie untauglich oder umgestaltet sind und dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten.

Der Paragraf nennt noch drei weitere Fälle. Erblich bedingte Verhaltensstörungen mit Leiden gehören dazu. Ebenso der Fall, dass die Haltung nur unter Schmerzen möglich ist.

Zwergwuchs und Kurzköpfigkeit sind in diesem Gesetz nicht namentlich aufgeführt. Die Behörden prüfen den Einzelfall. Für dich als Käufer heißt das: Frag nach dem Gewicht der Elterntiere und sieh dir beide an.

Meine langjährige Erfahrung mit diesem Thema ist eindeutig. Der Markt macht das, was gekauft wird. Solange kleiner als Verkaufsargument funktioniert, wird kleiner gezüchtet.

Warum Tragen kein Ersatz für Laufen ist

§ 2 der Tierschutz-Hundeverordnung zählt drei Dinge auf, die jedem Hund zustehen. Ausreichend Auslauf im Freien außerhalb eines Zwingers. Mehrmals täglich Umgang mit seiner Betreuungsperson. Regelmäßig Kontakt zu Artgenossen.

Ein Satz weiter unten steht der Maßstab. Auslauf und Sozialkontakte sind der Rasse, dem Alter und dem Gesundheitszustand des Hundes anzupassen.

Ein Zwei-Kilo-Hund braucht kürzere Strecken als ein Schäferhund. Er braucht sie aber genauso regelmäßig. Wer ihn durch die Fußgängerzone trägt, nimmt ihm Boden unter den Pfoten und Begegnungen mit anderen Hunden.

Ich sehe die Folgen davon regelmäßig. Kleine Hunde, die andere Hunde nur von oben kennen und deshalb bellen. Der Prager Rattler etwa ist im Standard als freundlich und neugierig beschrieben. Diese Neugier braucht Auslauf, kein Tragetuch.

Ein Mensch hält einen wachen Hund im Freien im Arm
Ein Mensch hält einen wachen Hund im Freien im Arm Foto: Wikimedia Commons, CC0

Zähne: das Thema hinter der Größe

Bei sehr kleinen Rassen steht viel Gebiss in einem kurzen Kiefer. Der Chihuahua-Standard führt fehlende Zähne und behaltene Milchzähne deshalb als Fehler auf.

Praktisch heißt das: Der Blick ins Maul gehört bei kleinen Hunden zur Routine. Ich mache ihn einmal pro Woche, immer am selben Tag.

Zusätzlich gebe ich täglich ein Pulver ins Futter. Das Lucky Pets Zahnpflegepulver enthält Petersilie, Süßholzwurzel, Pfefferminze, Thymian und Chlorella, dazu gereinigte Kieselgur. Die Dosierung liegt bei 0,3 Gramm je Kilogramm Körpergewicht. Bei einem Chihuahua mit zwei Kilo ist das eine sehr kleine Menge.

Lucky Pets Zahnpflegepulver
Lucky Pets ZahnpflegepulverMit Petersilie, Süßholzwurzel, Pfefferminze, Thymian und Chlorella, dazu gereinigte Kieselgur. 0,3 g je kg Körpergewicht ins Futter, 250 g Dose.Zum Produkt

Welpenkauf: worauf du achten solltest

Der erste Schritt ist die Ahnentafel eines Vereins, der einem FCI-Mitgliedsverband angehört. In Deutschland ist das der VDH.

Der zweite Schritt ist die Waage. Lass dir das Gewicht beider Elterntiere nennen. Liegen sie an der unteren Grenze des Standards, werden die Welpen es auch tun.

Der dritte Schritt ist die Sprache der Anzeige. Teacup, Mini, XXS oder Micro sind keine Zuchtbegriffe. Sie kommen in keinem Standard vor.

Mein Tipp: Fahr zum Wurf und sieh dir das Muttertier an. Ein Welpe darf erst im Alter von über acht Wochen vom Muttertier getrennt werden, so steht es in § 2 der Tierschutz-Hundeverordnung. Über Preise schreibe ich hier bewusst nichts, weil sie über die Zucht nichts aussagen.

Passt ein kleiner Hund zu dir?

Kleine Rassen passen gut in eine Wohnung, das stimmt. Sie passen auch gut zu Menschen, die nicht mehr weit laufen können.

Sie passen nicht zu jemandem, der ein ruhiges Deko-Objekt sucht. Der Chihuahua-Standard sagt wachsam und ruhelos, der Yorkshire-Standard nennt den Jagdinstinkt. Beides bleibt im Wohnzimmer erhalten.

Und sie passen schlecht in Haushalte mit sehr kleinen Kindern. Ein Hund mit zwei Kilo verträgt keinen Sturz vom Sofa und keinen unbedachten Griff. Das ist keine Charakterfrage, sondern Statik.

Fazit: Handtaschenhund ist ein Etikett, keine Rasse. Dahinter stecken Chihuahua (Nr. 218, 1 bis 3 Kilogramm), Yorkshire Terrier (Nr. 86, bis 3,2 Kilogramm), Malteser (Nr. 65, 3 bis 4 Kilogramm), Russischer Toy (Nr. 352), Prager Rattler (Nr. 363) und Papillon (Nr. 77). Gegen die Rassen selbst spricht nichts. Gegen die Zucht unter das Standardgewicht spricht der Standard selbst. Gegen das Leben in der Tasche spricht § 2 der Tierschutz-Hundeverordnung.

Häufige Fragen zum Handtaschenhund

Welche Rassen nennt man Handtaschenhunde?

Meist Chihuahua, Yorkshire Terrier, Malteser, Russischer Toy, Prager Rattler und Papillon. Eine Rasse dieses Namens gibt es nicht.

Wie schwer darf ein Chihuahua sein?

Der FCI-Standard Nr. 218 nennt 1 bis 3 Kilogramm. Unter 1 Kilogramm oder über 3 Kilogramm wird ein Hund disqualifiziert.

Gibt es Teacup-Chihuahuas?

Nicht im Standard. Ein Hund unter einem Kilogramm ist dort ausdrücklich von der Zucht ausgeschlossen.

Was ist eine offene Fontanelle?

Eine Lücke zwischen den Schädelknochen, die sich nicht geschlossen hat. Standard Nr. 218 führt sie als disqualifizierenden Fehler.

Handtaschenhund: Wie schwer wird ein Yorkshire Terrier?

Bis 3,2 Kilogramm, so steht es in Standard Nr. 86.

Und ein Malteser?

Standard Nr. 65 nennt 3 bis 4 Kilogramm bei 21 bis 25 Zentimetern Widerristhöhe für Rüden.

Ist es erlaubt, einen Hund in der Tasche zu tragen?

Tragen ist nicht verboten. § 2 der Tierschutz-Hundeverordnung verlangt aber täglich Auslauf im Freien, dazu Umgang mit Menschen und Kontakt zu Artgenossen.

Was hat der Mops mit dem Thema zu tun?

Er wird oft mitgemeint. Sein Standard verlangt weit geöffnete Nasenlöcher und lehnt eine zusammengedrückte Nase ausdrücklich ab.

Was verbietet § 11b Tierschutzgesetz?

Zuchten, bei denen Nachkommen erblich bedingt Körperteile fehlen oder umgestaltet sind und dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten.

Wie erkenne ich einen seriösen Züchter?

Er zeigt dir Ahnentafel, Muttertier und Wurfumgebung. Er wirbt nicht mit Miniaturgröße und nennt dir das Gewicht der Elterntiere.

Handtaschenhund: Ab wann darf ein Welpe abgegeben werden?

Erst im Alter von über acht Wochen. Das regelt § 2 der Tierschutz-Hundeverordnung.

Braucht ein Zwei-Kilo-Hund weniger Bewegung?

Er braucht kürzere Strecken, aber genauso regelmäßig raus. Die Verordnung nennt ausdrücklich Rasse, Alter und Gesundheitszustand als Maßstab.

Quellen

Über den Autor

Kevin Roth, Co-Gründer von Lucky Pets

Kevin Roth

Co-Gründer von Lucky Pets

Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.

Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.

Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Fragen zu Atmung, Schädel oder Gebiss eines kleinen Hundes gehören in eine Tierarztpraxis.