Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 27.08.2026 · Lesezeit: 9 Minuten
Das Wichtigste in Kürze
- Interdigitale Granulome sind tiefe Entzündungen zwischen den Zehen.
- Meist steckt ein eingewachsenes Haar mit Bakterien dahinter.
- Die Behandlung dauert Wochen, nicht Tage.
- Kommt es wieder, liegt fast immer eine zweite Erkrankung darunter.
Interdigitale Granulome sind die dicken, glänzenden Beulen zwischen den Zehen, die viele Halter für Zysten halten. Das sind sie nicht. Dahinter steckt meist eine tiefe Entzündung, die im Haarbalg beginnt.
Die kurze Antwort
Zwischen den Zehen bricht ein Haarbalg auf. Haar und Hornmaterial geraten dabei in die Haut, wo sie nichts zu suchen haben. Der Körper reagiert darauf wie auf einen Fremdkörper. Daraus wird eine pralle, schmerzhafte Beule, die sich fast immer zusätzlich mit Bakterien besetzt.
Wann du nicht selbst herumdrückst
Niemals aufdrücken, niemals aufstechen. Du presst die Entzündung dabei tiefer ins Gewebe. Ab in die Praxis, wenn dein Hund humpelt, wenn die Stelle nässt oder riecht, wenn mehrere Beulen gleichzeitig auftauchen oder wenn dein Hund die Pfote nicht mehr anfassen lässt.
Was zwischen den Zehen wirklich passiert
Der Zwischenzehenbereich ist eng, warm und feucht. Beim Laufen reibt dort alles aneinander.
Nach dem MSD Veterinary Manual steckt als häufigste Ursache eine tiefe bakterielle Infektion dahinter. Der Anfang liegt aber woanders.
Kurze, borstige Haare werden beim Laufen rückwärts in den eigenen Haarbalg gedrückt. Solche eingewachsenen Haare reizen die Haut stark.
Dann bricht der Haarbalg auf. Haar und Hornmaterial landen im Gewebe, obwohl sie dort nicht hingehören.
Der Körper behandelt sie als Fremdkörper. Er schickt Fresszellen los. Daraus entsteht der Knoten, den du zwischen den Zehen fühlst.
Fachlich heißt das Ganze Furunkulose. LABOKLIN beschreibt genau diesen Weg: aufgebrochener Haarbalg, Entzündung in der Tiefe der Haut, Knötchen und Fistelgänge als Ergebnis.
Seltener beginnt alles mit einem echten Fremdkörper. Eine Grasgranne, ein Splitter, ein Dorn.
Woran du es erkennst

Am Anfang sieht es harmlos aus. Die Haut zwischen den Zehen ist gerötet, dazu kommen kleine Erhebungen.
Ohne Behandlung wird daraus schnell mehr. Es entstehen glänzende, rötlich bis violette Beulen von einem bis zwei Zentimetern.
Auf Druck können sie aufplatzen. Dann läuft blutige Flüssigkeit heraus.
Schmerzhaft ist das fast immer. Viele Hunde humpeln deutlich — wie du eine Lahmheit einordnest, steht in Krallen schneiden beim Hund, denn zu lange Krallen verändern die Belastung der Zehen.
Eine Beobachtung hilft dir bei der Ursache mehr als jede Salbe. Zähl die Stellen.
Nach den Angaben des MSD Veterinary Manual zur Furunkulose zwischen den Zehen, abgerufen am 27.08.2026.
Viele Halter bemerken vorher etwas anderes. Der Hund leckt schon wochenlang an den Pfoten — dazu passt Hund leckt sich ständig die Pfoten.
Welche Hunde es häufiger trifft
Die Bauweise der Pfote entscheidet mit. Zwei Merkmale erhöhen das Risiko.
Erstens kurze, borstige Haare auf der Zwischenzehenhaut. Zweitens besonders viel Haut zwischen den Zehen.
Genannt werden im Handbuch Shar-Pei, Labrador Retriever sowie die Englische Bulldogge. Andere kurzhaarige Rassen stehen ihnen kaum nach.
Ein zweiter Punkt hat mit der Rasse nichts zu tun. Hunde, die dauerhaft auf Beton oder Gitterrosten stehen, bekommen die Beulen immer wieder.
Aus meiner Erfahrung heraus lohnt hier der ehrliche Blick auf den Untergrund. Wer den nicht ändert, behandelt endlos.
Wie die Praxis vorgeht
Oft reicht das Bild für die Diagnose. Trotzdem gehören ein paar Untersuchungen dazu.
Zuerst wird nach Parasiten gesucht, meist über ein tiefes Hautgeschabsel. Dazu kommt eine Zellprobe von der Stelle selbst.
Diese Zellprobe zeigt bei einer Furunkulose ein typisches Bild aus Fresszellen. Bakterien findet man darin oft gar nicht, obwohl welche da sind.
Deshalb folgt bei tiefen Entzündungen eine Bakterienkultur mit Empfindlichkeitstest. Erst danach steht fest, welches Mittel überhaupt wirkt.
In Deutschland ist das teils sogar vorgeschrieben. Für bestimmte Antibiotika verlangt die Verordnung über tierärztliche Hausapotheken vorher ein Antibiogramm.
Bleibt eine Stelle unklar oder wächst sie ungewöhnlich, nimmt die Praxis eine Gewebeprobe. Damit lässt sich ein Tumor sauber ausschließen.
Mein Tipp: Fotografiere die Pfote von unten, bevor du losfährst. Am Termin liegt der Hund selten so, dass alle Zwischenräume sichtbar sind — dein Foto vom Morgen schon.
Die Behandlung — und warum sie so lange dauert
Hier verlieren die meisten Halter die Geduld. Zu Recht, denn es zieht sich.
Das MSD-Handbuch nennt für den ersten Durchgang vier bis sechs Wochen Antibiotikum. Kommt das Mittel schlecht an die Entzündung heran, werden mehr als acht Wochen daraus.
LABOKLIN legt für tiefe Hautinfektionen mindestens sechs bis acht Wochen fest. Der wichtigste Erreger ist dabei ein Hautbakterium, das ohnehin auf dem Hund lebt.
Ein Punkt wird dabei fast immer übersehen. Nach der äußerlichen Abheilung läuft die Behandlung noch mindestens vierzehn Tage weiter.
Der Grund ist einfach. Oben sieht die Haut heil aus, unten ist sie es noch nicht.
Wer das Mittel früher absetzt, holt sich die Beulen zurück. Genau davor warnt das MSD-Handbuch ausdrücklich. Ich rate dir deshalb zu einem Wecker im Handy für den letzten Behandlungstag.
Dazu kommen Maßnahmen an der Pfote selbst. Warme Pfotenbäder, Salbe, bei manchen Hunden ein Verband. Schmerzmittel gehören dazu, wenn der Hund humpelt.

Das gehört in die Praxis, nicht in die Hausapotheke
- Eine Beule zwischen den Zehen, die nässt, blutet oder riecht.
- Ein Hund, der auf einer Pfote humpelt oder sie kaum belastet.
- Mehrere Stellen gleichzeitig an einer oder an mehreren Pfoten.
- Eine Stelle, die trotz Behandlung nach vier Wochen unverändert aussieht.
Aufdrücken oder Aufstechen macht es schlimmer. Die Entzündung wandert dabei tiefer.
Warum es immer wiederkommt
Kehren die Beulen trotz sauberer Behandlung zurück, liegt darunter meist etwas anderes.
ESCCAP Deutschland weist darauf hin, dass fast jeder Hund einige Haarbalgmilben in der Haut trägt, ohne davon krank zu werden. Erst bei geschwächter Abwehr entsteht daraus eine Erkrankung.
Der zweite große Auslöser ist eine Umweltallergie. Das MSD-Handbuch nennt sie zusammen mit den Milben als häufigste Ursache wiederkehrender Beulen — mehr dazu in Atopische Dermatitis beim Hund, also der Hautentzündung durch Stoffe aus der Umgebung.
Auch Bakterien auf der Haut setzen sich gern obendrauf. Solche Infektionen entstehen laut LABOKLIN fast immer als Folge einer anderen Hauterkrankung — nachzulesen in Pyodermie beim Hund.
Zwei Erkrankungen der Hormondrüsen stehen ebenfalls auf der Liste. Eine Schilddrüsenunterfunktion sowie ein Überschuss an körpereigenem Kortison.
Und schließlich Milben und Pilze, die im Geschabsel auffallen. Welche vier Milbenarten es überhaupt gibt, zeigt Milben beim Hund.
Meine langjährige Erfahrung mit solchen Pfoten sagt mir: Wer nur die Beule behandelt, behandelt in zwei Monaten wieder. Wer die Ursache darunter sucht, hört irgendwann auf.
Was du zuhause tun kannst
Vier Gewohnheiten machen im Alltag den Unterschied.
Trockne die Pfoten nach jedem Spaziergang ab, besonders zwischen den Zehen. Feuchte Haut reibt stärker.
Halte die Haare zwischen den Ballen kurz. Lang gewachsenes Fell filzt dort und zieht Schmutz mit hinein.
Ich schaue mir einmal pro Woche jede Pfote einzeln an. Wie du dabei vorgehst, steht in Pfotenpflege beim Hund.
Wechsle den Untergrund. Läuft dein Hund viel auf Beton, tut ihm weicher Boden gut. Wiese, Waldboden oder Sand entlasten die Haut zwischen den Zehen deutlich.
Für die B-Vitamine gibt es fertige Ergänzungen wie den Lucky Pets Vitamin B-Komplex auf Basis von Bierhefe, den du täglich zum Futter gibst.

Und halte durch. Die Behandlung fühlt sich nach der dritten Woche unnötig an. Genau dann wirkt sie.
Fazit: Interdigitale Granulome sind keine Zysten, sondern tiefe Entzündungen zwischen den Zehen. Meist beginnt alles mit einem eingewachsenen Haar, danach kommen Bakterien dazu. Die Behandlung braucht Wochen und läuft nach dem Abheilen noch weiter. Kommen die Beulen zurück, gehört die Ursache darunter gesucht: meist eine Allergie oder Haarbalgmilben.
Häufige Fragen zu interdigitalen Granulomen beim Hund
Was ist ein interdigitales Granulom?
Eine tiefe Entzündung in der Haut zwischen zwei Zehen. Sie sieht aus wie eine pralle Beule.
Ist das wirklich eine Zyste?
Nein. Der Name hält sich hartnäckig, dahinter steckt aber meist eine tiefe Entzündung des Haarbalgs.
Wie sieht so eine Stelle aus?
Glänzend, rötlich bis violett, ein bis zwei Zentimeter groß. Auf Druck läuft blutige Flüssigkeit heraus.
Interdigitale Granulome: Tut das weh?
Ja. Viele Hunde humpeln deutlich auf der betroffenen Pfote und lecken ständig daran.
Welche Hunde trifft es besonders?
Rassen mit kurzen, borstigen Haaren zwischen den Zehen, etwa Labrador, Shar-Pei oder Englische Bulldogge.
Darf ich die Beule selbst aufdrücken?
Nein. Du drückst die Entzündung nur tiefer ins Gewebe und holst dir neue Keime dazu.
Warum dauert die Behandlung so lange?
Weil die Entzündung tief sitzt. LABOKLIN nennt für tiefe Hautinfektionen mindestens sechs bis acht Wochen.
Warum wird trotz Besserung weiterbehandelt?
Weil die Haut oben schon heil aussieht, während es unten noch entzündet ist. Zwei Wochen kommen obendrauf.
Warum braucht es eine Bakterienkultur?
Damit das richtige Mittel gewählt wird. In Deutschland ist ein Antibiogramm für bestimmte Antibiotika Pflicht.
Interdigitale Granulome: Warum kommt es immer wieder?
Meist steckt eine zweite Erkrankung dahinter. Am häufigsten sind das eine Umweltallergie oder Haarbalgmilben.
Hilft ein Pfotenbad?
Als Begleitung ja. Das MSD-Handbuch nennt warme Bäder neben der Salbe und den Tabletten.
Kann eine Grasgranne so etwas auslösen?
Ja. Dann sitzt meist nur eine einzelne Stelle an einer Vorderpfote. Sie kommt selten wieder.
Quellen
- MSD Veterinary Manual – Abscesses Between the Toes (Interdigital Furunculosis) in Dogs
- LABOKLIN – Klinische Präsentationen der Pyodermie bei Hunden
- ESCCAP Deutschland – Milben beim Hund
Über den Autor

Kevin Roth
Co-Gründer von Lucky Pets
Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.
Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.

Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Eine nässende, blutende oder schmerzhafte Stelle zwischen den Zehen gehört untersucht, nicht aufgedrückt.
