Dobermann mit spitzen Ohren: Was dahintersteckt

Dobermann mit spitzen Ohren: Was dahintersteckt

Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 24.08.2026 · Lesezeit: 6 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • 🔴 Der Dobermann hat von Natur aus Hängeohren.
  • Kupieren ist in Deutschland verboten.
  • Ausnahmen gelten nur im Einzelfall.
  • Kupierte Hunde dürfen nicht ausgestellt werden.

Der Dobermann mit aufrecht stehenden, spitzen Ohren ist ein bekanntes Bild. Es zeigt allerdings keinen natürlichen Zustand — und in Deutschland auch keinen erlaubten.

Die kurze Antwort

Spitze Stehohren beim Dobermann entstehen durch Kupieren. Das ist ein Amputieren von Körperteilen.

🔴 Der entscheidende Punkt

§ 6 des Tierschutzgesetzes verbietet solche Eingriffe. Ausnahmen sind eng begrenzt.

Was der Rassestandard sagt

Der FCI-Standard Nr. 143 beschreibt die Ohren in einem Satz. Die naturbelassenen Ohren sind an der höchsten Stelle des Oberkopfes seitlich angesetzt und liegen im Idealfall an den Wangen an.

Dobermann mit naturbelassenen Hängeohren steht wach auf einer Wiese
Der Standard beschreibt naturbelassene, anliegende Ohren.

Das Wort naturbelassen steht dort nicht zufällig. Der Standard beschreibt keinen kupierten Hund, sondern den unveränderten.

Merkmal Angabe laut Standard 143
MerkmalOhren Angabe laut Standard 143naturbelassen, seitlich hoch angesetzt
MerkmalIdealfall Angabe laut Standard 143an den Wangen anliegend
MerkmalHaar Angabe laut Standard 143kurz, hart, dicht, keine Unterwolle
MerkmalFarben Angabe laut Standard 143schwarz oder braun mit rostrotem Brand
MerkmalWiderristhöhe Rüden Angabe laut Standard 14368 – 72 cm
MerkmalWiderristhöhe Hündinnen Angabe laut Standard 14363 – 68 cm

FCI-Standard Nr. 143, deutsche Fassung.

Aus meiner Erfahrung überrascht das viele. Wer den Dobermann nur aus Filmen kennt, hält die Stehohren für rassetypisch. Wie stark Zeichnung und Bau im Standard geregelt sind, zeigt Hund schwarz braun.

🔴 Was das Gesetz verbietet

§ 6 Absatz 1 des Tierschutzgesetzes beginnt eindeutig. Verboten ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen sowie das Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres.

Danach folgen die Ausnahmen. Die erste greift, wenn ein Tierarzt den Eingriff im Einzelfall medizinisch für geboten hält.

Die zweite betrifft jagdlich zu führende Hunde. Dort muss der Eingriff für die vorgesehene Nutzung unerlässlich sein. Tierärztliche Bedenken dürfen nicht entgegenstehen.

Kopf eines Dobermanns mit naturbelassenen Hängeohren
Die Ohren sitzen seitlich an der höchsten Stelle des Oberkopfes.

Optik taucht in dieser Liste nicht auf. Das Gesetz schreibt außerdem vor, dass solche Eingriffe durch einen Tierarzt vorzunehmen sind.

Ich lese den Paragrafen als klare Rangfolge. Zuerst kommt das Verbot, danach eng umrissene Ausnahmen. Wo Zuchtrecht sonst greift, zeigt Doodle-Rassen.

Wer einen kupierten Hund aus dem Ausland übernimmt, macht sich damit nicht automatisch strafbar. Der Eingriff selbst bleibt trotzdem verboten.

Das Ausstellungsverbot

§ 10 der Tierschutz-Hundeverordnung zieht die zweite Linie. Verboten ist es, Hunde auszustellen oder Ausstellungen mit Hunden zu veranstalten, bei denen Körperteile, insbesondere Ohren oder Rute, tierschutzwidrig amputiert worden sind.

Der Paragraf endet mit einem wichtigen Satz. Er gilt entsprechend für sonstige Veranstaltungen, bei denen Hunde verglichen, geprüft oder sonst beurteilt werden.

Dobermann mit naturbelassenen Hängeohren trabt wach über ein Feld
Bewegung und Aufgaben zählen mehr als die Optik.

Das zuständige Bundesministerium beschreibt zusätzlich ein Ausstellungsverbot für Hunde mit Qualzuchtmerkmalen. Auch dieses ist nicht auf Zuchtausstellungen beschränkt.

Wenn dir ein kupierter Hund angeboten wird

  • 🔴 Frag nach dem Herkunftsland und den Papieren.
  • Lass dir die Elterntiere zeigen.
  • Kläre, ob der Hund an Veranstaltungen teilnehmen darf.
  • Rechne mit Einschränkungen im Hundesport.
  • Hol dir bei Zweifeln eine tierärztliche Einschätzung.

Meine langjährige Erfahrung sagt: Wer kupierte Hunde nachfragt, hält den Markt dafür am Leben.

Woher die Rasse kommt

Der Standard beschreibt die Entstehung recht offen. Gezüchtet wurde der Dobermann in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts, unter anderem mit Einschlag des heutigen Rottweilers.

Dazu kam ein Schäferhundtyp, der in Thüringen in schwarz mit rostroten Abzeichen vorhanden war. Ziel waren Gebrauchshunde, die wachsam und zugleich feste Hof- und Haushunde sind.

Eingesetzt wurden sie viel als Hüte- und Polizeihunde. Der Beiname Gendarmenhunde stammt aus dieser Zeit. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Rasse offiziell als Polizeihund anerkannt. Andere Gebrauchshundrassen beschreibt Hunderassen von A bis Z.

Was das für Halter heißt

Ein Dobermann mit Hängeohren ist kein schlechter Dobermann. Er ist der Hund, den der Standard beschreibt. Ich finde ihn in dieser Form sogar ausdrucksstärker.

Mein Eindruck nach vielen Gesprächen: Die Optik-Debatte lenkt vom Wesentlichen ab. Diese Rasse braucht Führung, Aufgaben und Ruhe — unabhängig davon, wie die Ohren getragen werden. Ähnlich anspruchsvoll sind die Rassen in Tamaskan Black.

Und ganz praktisch: Hängeohren brauchen etwas mehr Kontrolle. Ein regelmäßiger Blick hinein gehört zur Pflege. Das dauert zehn Sekunden und erspart im Zweifel einen Termin.

Fazit: Der Dobermann trägt von Natur aus keine spitzen Stehohren. Der FCI-Standard Nr. 143 beschreibt die naturbelassenen Ohren als an der höchsten Stelle des Oberkopfes seitlich angesetzt und im Idealfall an den Wangen anliegend. Spitze Stehohren entstehen durch Kupieren, also durch teilweises Amputieren von Körperteilen. § 6 Absatz 1 des Tierschutzgesetzes verbietet genau das. Ausnahmen bestehen nur, wenn ein Tierarzt den Eingriff im Einzelfall medizinisch für geboten hält oder er bei jagdlich zu führenden Hunden für die vorgesehene Nutzung unerlässlich ist. Vorzunehmen ist er durch einen Tierarzt. § 10 der Tierschutz-Hundeverordnung verbietet zusätzlich, Hunde mit tierschutzwidrig amputierten Ohren oder Ruten auszustellen. Dieses Verbot erstreckt sich auf alle Veranstaltungen, bei denen Hunde verglichen, geprüft oder sonst beurteilt werden.

Häufige Fragen zu Ohren beim Dobermann

🔴 Hat der Dobermann von Natur aus Stehohren?

Nein. Der Standard beschreibt naturbelassene Ohren, die im Idealfall an den Wangen anliegen.

Woher kommen dann die spitzen Ohren?

Sie entstehen durch Kupieren, also durch Amputieren von Ohrgewebe.

🔴 Ist Kupieren in Deutschland erlaubt?

Nein. § 6 des Tierschutzgesetzes verbietet das Amputieren von Körperteilen.

Gibt es Ausnahmen?

Nur wenn ein Tierarzt es medizinisch für geboten hält oder bei jagdlich zu führenden Hunden.

Zählt Optik als Grund?

Nein. Das Gesetz nennt ausschließlich die genannten Fälle.

Wer darf einen erlaubten Eingriff vornehmen?

Ein Tierarzt. Das schreibt das Gesetz ausdrücklich vor.

🔴 Darf ein kupierter Hund ausgestellt werden?

Nein. Die Tierschutz-Hundeverordnung verbietet das ausdrücklich.

Gilt das nur für Ausstellungen?

Nein. Es gilt auch für Veranstaltungen, bei denen Hunde verglichen oder geprüft werden.

Wie beschreibt der Standard die Ohren?

Seitlich an der höchsten Stelle des Oberkopfes angesetzt, im Idealfall an den Wangen anliegend.

Wie groß wird ein Dobermann?

Rüden 68 bis 72 cm bei etwa 40 bis 45 kg, Hündinnen 63 bis 68 cm bei etwa 32 bis 35 kg.

Welche Farben hat er?

Zwei Varietäten: schwarz oder braun, jeweils mit rostrotem Brand.

Warum hieß er Gendarmenhund?

Wegen seiner häufigen Verwendung im Polizeidienst.

Quellen

Über den Autor

Kevin Roth, Co-Gründer von Lucky Pets

Kevin Roth

Co-Gründer von Lucky Pets

Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.

Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.

Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung und keine Rechtsberatung. Bei Fragen zu Eingriffen hilft deine Tierarztpraxis weiter.