Anatomie der Hündin: Vulva bis Gebärmutter

Anatomie der Hündin: Vulva bis Gebärmutter

Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 25.08.2026 · Lesezeit: 10 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Zwei Gebärmutterhörner, zwei Eierstöcke.
  • 26 Prozent der unkastrierten Hündinnen bekommen bis zehn eine Pyometra.
  • Meist in der Gelbkörperphase nach der Läufigkeit.
  • Diagnose in der Regel einfach per Ultraschall.

Wer den Bau kennt, versteht die Warnzeichen. Und ein Organ verdient dabei besondere Aufmerksamkeit.

Die kurze Antwort

Der Geschlechtsapparat der Hündin reicht von der Vulva über Scheide und Gebärmutterhals zur zweihörnigen Gebärmutter und zu den Eierstöcken.

Der entscheidende Punkt

Die Gebärmutter ist die häufigste Quelle ernster Notfälle. Ein Viertel aller unkastrierten Hündinnen ist betroffen.

Der Aufbau von außen nach innen

Ganz außen liegt die Vulva. Ich sehe sie als das nützlichste Frühwarnzeichen, weil sie sich im Zyklus deutlich verändert und jeder Halterin auffällt.

Wacher Golden Retriever sitzt in hohem Gras
Die Vulva verändert sich im Zyklus deutlich sichtbar. Foto: Franco Vannini / Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Dahinter folgt die Scheide. Sie ist bei der Hündin vergleichsweise lang.

Am Ende der Scheide sitzt der Gebärmutterhals. Er ist die Tür zur Gebärmutter und die wichtigste Barriere gegen Keime.

Die Gebärmutter selbst sieht anders aus als beim Menschen. Sie hat einen kurzen Körper und zwei lange Hörner. Mehr zum äußeren Teil steht in Vulva beim Hund.

Am Ende jedes Horns liegt ein Eierstock. Dort reifen die Eizellen. Nach dem Eisprung entsteht dort der Gelbkörper.

Organ Funktion
OrganVulva Funktionäußerer Abschluss, verändert sich im Zyklus
OrganScheide FunktionVerbindung nach innen, relativ lang
OrganGebärmutterhals FunktionBarriere gegen aufsteigende Keime
OrganGebärmutterkörper Funktionkurz, teilt sich in zwei Hörner
OrganGebärmutterhörner Funktionhier verteilen sich die Welpen
OrganEierstöcke FunktionEizellen und Hormonbildung

Übersicht des Geschlechtsapparats der Hündin.

Warum die Gebärmutter der Schwachpunkt ist

Wacher weißer Hund wird mit dem Stethoskop untersucht
Der Ultraschall klärt eine Gebärmuttervereiterung meist einfach. Foto: Nenad Stojkovic / Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Jetzt zu den Zahlen, die jede Halterin kennen sollte. CliniPharm der Universität Zürich nennt sie sehr klar.

Bis zu ihrem zehnten Lebensjahr erkranken 26 Prozent der unkastrierten Hündinnen an einer Pyometra. Das ist eine Gebärmuttervereiterung.

Das Risiko wächst mit dem Alter. Früh im Leben liegt es bei 11 Prozent. Gegen Ende der mittleren Lebenserwartung sind es 39 Prozent.

Aus meiner Erfahrung überrascht diese Größenordnung fast jede Halterin. Ein Viertel bis ein Drittel ist keine Ausnahme, sondern die Regel. Wie du Blutwerte dabei einordnest, steht in Blutbild beim Hund.

Das mittlere Alter liegt bei sieben Jahren. Es kann aber schon im ersten Lebensjahr auftreten, dokumentiert sind Fälle mit vier und mit zehn Monaten.

Wann im Zyklus es passiert

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. In rund 60 Prozent der Fälle tritt die Erkrankung nach der Läufigkeit auf.

Wacher grauer Hund liegt entspannt auf einer Wiese
Mattigkeit nach der Läufigkeit gehört sofort abgeklärt. Foto: Kreuzschnabel / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Gemeint ist die Gelbkörperphase, also die Wochen danach. In dieser Zeit ist die Gebärmutterschleimhaut aufgebaut und der Gebärmutterhals nicht mehr dicht verschlossen.

Sie kann aber in jeder Zyklusphase vorkommen. Auch nach einer Hormongabe von außen.

Ich rate deshalb dazu, den Kalender zu führen. Wer weiß, wann die letzte Läufigkeit war, erkennt das kritische Fenster. Mehr dazu in Läufigkeit bei der Hündin.

Zeichen, bei denen es eilt

  • Deutlich mehr trinken als sonst.
  • Ausfluss aus der Scheide, besonders vier bis acht Wochen nach der Läufigkeit.
  • Appetitverlust, Erbrechen, Mattigkeit.
  • Aufgetriebener Bauch.
  • Fieber oder eine deutlich veränderte Atmung.

Eine geschlossene Pyometra hat keinen Ausfluss — sie ist die gefährlichere Form.

Woher die Keime kommen

Die Erreger stammen fast immer aus dem eigenen Körper. Am häufigsten aus der Gebärmutter isoliert werden uropathogene Escherichia coli.

Genau diese Bakterien gehen laut CliniPharm überwiegend mit schweren Schäden an der Schleimhaut einher. Das erklärt, warum es so schnell ernst wird.

Zwei Umstände erhöhen das Risiko zusätzlich. Der eine ist eine vorbestehende zystische Veränderung der Schleimhaut.

Der zweite ist die Gabe von Steroidhormonen. Gestagene und Östrogene erhöhen das Risiko deutlich. Meine langjährige Erfahrung sagt hier eines: Wer die Läufigkeit per Spritze unterdrückt, entscheidet nicht harmlos. Was sonst dranhängt, steht in Kastration beim Hund.

Wie festgestellt und behandelt wird

Die gute Nachricht steht ebenfalls bei CliniPharm. Die Diagnose ist mittels Ultraschall in der Regel einfach zu stellen.

Für die Behandlung gilt eine klare Rangfolge. Die Entfernung von Gebärmutter und Eierstöcken ist die sicherste und wirksamste Methode.

In ausgewählten Fällen geht es auch ohne Operation. Welcher Fall das ist, entscheidet die Praxis und nicht der Wunsch der Halterin.

Rechtlich ordnet das Tierschutzgesetz solche Eingriffe in § 6 ein. Amputationen sind grundsätzlich verboten. Erlaubt sind sie unter anderem dann, wenn der Eingriff im Einzelfall aus tierärztlicher Sicht geboten ist. Mehr zum Thema in Gebärmutterentzündung beim Hund.

Welche Rassen häufiger betroffen sind

CliniPharm nennt eine ganze Reihe von Rassen mit erhöhter Häufigkeit, bei denen die Erkrankung teils auch früher auftritt. Das deutet auf eine genetische Veranlagung hin.

Dazu gehören Golden Retriever und Labrador Retriever. Ebenso Berner Sennenhund, Leonberger und Cavalier King Charles Spaniel.

Auch Rottweiler, Bernhardiner und Chow Chow stehen darauf. Bei diesen Rassen tritt die Erkrankung teils früher auf.

Ich halte die richtige Einordnung für wichtig. Eine erhöhte Häufigkeit ist kein Urteil über die einzelne Hündin, sondern ein Grund für genaueres Hinsehen.

Fazit: Der Geschlechtsapparat der Hündin führt von der Vulva über Scheide und Gebärmutterhals zur zweihörnigen Gebärmutter und zu den Eierstöcken. Der Schwachpunkt ist die Gebärmutter. Bis zum zehnten Lebensjahr erkranken 26 Prozent der unkastrierten Hündinnen an einer Pyometra. Das mittlere Alter liegt bei sieben Jahren. Rund 60 Prozent der Fälle treten in der Gelbkörperphase nach der Läufigkeit auf. Häufigster Erreger sind uropathogene Escherichia coli. Der Ultraschall klärt die Diagnose meist einfach, sicherste Behandlung ist die Entfernung von Gebärmutter und Eierstöcken.

Häufige Fragen zur Anatomie der Hündin

Welche Organe gehören dazu?

Vulva, Scheide, Gebärmutterhals, Gebärmutter mit zwei Hörnern und zwei Eierstöcke.

Warum hat die Hündin zwei Gebärmutterhörner?

Weil sie mehrere Welpen gleichzeitig trägt — die verteilen sich auf beide Seiten.

Anatomie der Hündin: Wie häufig ist eine Gebärmuttervereiterung?

Bis zum zehnten Lebensjahr erkranken 26 Prozent der unkastrierten Hündinnen daran.

Anatomie der Hündin: Steigt das Risiko mit dem Alter?

Ja, deutlich — von 11 Prozent früh im Leben auf 39 Prozent gegen Ende.

In welchem Alter tritt sie meist auf?

Im Mittel mit sieben Jahren, selten schon im ersten Lebensjahr.

Wann im Zyklus passiert das?

In rund 60 Prozent der Fälle nach der Läufigkeit in der Gelbkörperphase.

Welcher Erreger steckt meist dahinter?

Am häufigsten uropathogene Escherichia coli aus dem eigenen Körper.

Erhöhen Hormongaben das Risiko?

Ja. Gestagene und Östrogene erhöhen es ebenso wie eine vorbestehende Schleimhautveränderung.

Anatomie der Hündin: Wie wird die Diagnose gestellt?

Meist einfach über eine Ultraschalluntersuchung.

Was ist die sicherste Behandlung?

Die Entfernung von Gebärmutter und Eierstöcken.

Anatomie der Hündin: Welche Rassen sind häufiger betroffen?

Unter anderem Golden und Labrador Retriever, Berner Sennenhund und Leonberger.

Darf man einfach kastrieren lassen?

Amputationen sind grundsätzlich verboten. Erlaubt sind sie, wenn die Praxis den Eingriff für geboten hält.

Quellen

Über den Autor

Kevin Roth, Co-Gründer von Lucky Pets

Kevin Roth

Co-Gründer von Lucky Pets

Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.

Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.

Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Ausfluss, vermehrtes Trinken oder Mattigkeit nach der Läufigkeit gehören sofort tierärztlich abgeklärt.