American Bully XL: Warum es kein festes Gewicht gibt

American Bully XL: Warum es kein festes Gewicht gibt

Stand: August 2026 · Zuletzt geprüft: 27.08.2026 · Lesezeit: 11 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Die FCI führt keinen American Bully — auch keinen XL.
  • Ohne anerkannten Standard gibt es kein verbindliches Gewicht.
  • Über Einfuhr und Haltung entscheidet die Einordnung durch die Behörde.
  • Vier Rassen und ihre Kreuzungen dürfen nicht eingeführt werden.

Wer nach dem Gewicht eines American Bully XL sucht, findet Dutzende Zahlen. Keine davon steht in einem Standard, der in Deutschland gilt.

Die kurze Antwort

Es gibt kein verbindliches Gewicht, weil die FCI die Rasse nicht führt. Die Zahlen im Netz stammen von US-Clubs.

Der entscheidende Punkt

Vor dem Kauf zählt nicht das Kilogramm, sondern die Frage: Wie stuft meine Behörde diesen Hund ein?

Warum es kein amtliches Maß gibt

Ein Blick in die FCI-Rassennomenklatur klärt das schnell. Unter dem Buchstaben A stehen fünf Rassen mit American im Namen.

Wacher brauner Hund steht aufmerksam im Gras
Kräftiger Körperbau allein sagt nichts über die rechtliche Einstufung. Foto: sally9258 / Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Das sind American Akita, American Cocker Spaniel, American Foxhound, American Staffordshire Terrier und American Water Spaniel. Ein American Bully ist nicht darunter.

Ohne Anerkennung gibt es keinen Standard, den ein deutscher Zuchtverein anwenden könnte. Damit fehlt auch die Instanz, die Größen oder Gewichte festlegt.

Aus meiner Erfahrung führt genau das zu Streit beim Kauf. Der eine Züchter nennt 40 Kilogramm, der nächste 60 — und beide haben recht, weil niemand es festlegt. Wie es bei anerkannten Rassen aussieht, zeigt American Staffordshire Terrier.

Die Bezeichnung XL beschreibt eine Größenvariante, die US-Clubs untereinander abgestimmt haben. Für eine deutsche Behörde hat sie keine Bedeutung.

Was das Bundesgesetz sagt

Hier wird es konkret. § 2 des Hundeverbringungs- und -einfuhrbeschränkungsgesetzes verbietet die Einfuhr bestimmter Hunde.

Nicht einführbar nach § 2 Absatz 1

  • Pitbull-Terrier.
  • American Staffordshire-Terrier.
  • Staffordshire-Bullterrier.
  • Bullterrier.
  • Deren Kreuzungen untereinander oder mit anderen Hunden.

Der letzte Punkt ist der wichtigste — er ist nicht auf reinrassige Hunde beschränkt.

Dazu kommt ein zweiter Satz im selben Absatz. Für weitere Rassen, bei denen ein Bundesland eine Gefährlichkeit vermutet, gilt dasselbe Verbot für dieses Land.

Das Gesetz verweist damit ausdrücklich auf die Landesvorschriften. Welche Rassen dort stehen, unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland.

Ein Mensch hält einen wachen Hund im Freien im Arm
Vor dem Kauf gehört die Auskunft der Behörde schriftlich in die Hand. Foto: Wikimedia Commons, CC0

Das Bundesverfassungsgericht hat sich mit dem Verbot befasst. Es ist nach Maßgabe der Entscheidungsformel vom 16. März 2004 mit dem Grundgesetz vereinbar.

Was du vor dem Kauf klären musst

Aus der Rechtslage folgt eine unbequeme Wahrheit. Ob dein Hund betroffen ist, entscheidest nicht du und nicht der Züchter.

Frage Wer antwortet Wann klären
FrageSteht die Rasse auf der Landesliste? Wer antwortetOrdnungsamt des Bundeslandes Wann klärenvor dem Kauf
FrageGilt der Hund als Kreuzung im Sinne des Gesetzes? Wer antwortetzuständige Behörde Wann klärenvor dem Kauf
FrageBraucht es einen Wesenstest? Wer antwortetKommune Wann klärenvor dem Kauf
FrageGibt es Leinen- oder Maulkorbpflicht? Wer antwortetKommune Wann klärenvor dem Kauf
FrageIst die Haftpflicht gedeckt? Wer antwortetVersicherer Wann klärenvor dem Kauf
FrageDarf der Hund einreisen? Wer antwortetGrenzkontrollstelle Wann klärenvor der Reise

Alle Punkte gehören vor den Kaufvertrag, nicht danach.

Meine langjährige Erfahrung sagt: Diese Auskunft muss schriftlich vorliegen. Eine Telefonauskunft hilft niemandem, wenn später jemand anderes entscheidet. Was ein Wesenstest verlangt, steht in Wesenstest beim Hund.

Was die Haltung verlangt

Unabhängig von der Einstufung gilt die Tierschutz-Hundeverordnung. Sie stellt klare Mindestanforderungen.

Gefordert sind Auslauf im Freien außerhalb eines Zwingers und mehrmals täglich Umgang mit der Betreuungsperson. Dazu kommt regelmäßiger Kontakt zu Artgenossen.

Ein Satz ist für kräftige Rassen besonders relevant. Auslauf und Sozialkontakte sind der Rasse, dem Alter und dem Gesundheitszustand anzupassen.

Wacher Hund springt an einem Zaun hoch
Auslauf und Sozialkontakte sind der Rasse und dem Alter anzupassen. Foto: Augiedogisijo / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Für Welpen gilt zusätzlich eine Zeitvorgabe. Bis zu einem Alter von zwanzig Wochen sind mindestens vier Stunden Umgang mit einer Betreuungsperson pro Tag vorgeschrieben.

Und noch etwas steht ausdrücklich im Text. Wer einen Hund ausbildet, erzieht oder trainiert, darf dabei keine Stachelhalsbänder und keine anderen schmerzhaften Mittel einsetzen — mehr dazu in Erziehung des Hundes.

Charakter ohne Standard beurteilen

Weil kein Standard das Wesen beschreibt, hilft nur der Blick auf das einzelne Tier. Drei Dinge lassen sich vor dem Kauf prüfen.

Erstens die Elterntiere: Wie reagieren sie auf Fremde, auf Geräusche, auf andere Hunde? Zweitens die Aufzucht: Sieht der Welpe Haushaltsgeräusche, Böden, Menschen?

Drittens die Bereitschaft des Züchters, dich schriftlich über die Rechtslage zu informieren. Wer das ausweicht, hat sie selbst nicht geprüft.

Mir ist wichtig, dass niemand die Elterntiere nur auf Fotos beurteilt. Ein Besuch zeigt in zehn Minuten mehr als jede Ahnentafel. Wie unterschiedlich verwandte Rassen ausfallen, zeigt Pitbull und Staffordshire Bull Terrier im Vergleich.

Ich rate dazu, den Kauf selbst genauso ernst zu nehmen wie die Frage an die Behörde. Vertrag, Papiere und Übergabe gehören dazu — nachzulesen in Alles über den Hundekauf.

Aussehen und Fell: was du selbst festhältst

Kein anerkannter Standard beschreibt bei diesem Hund Haar, Farbe oder Kopfform. Was in Anzeigen als typisch gilt, ist die Auswahl des Anbieters.

Ich drehe die Sache deshalb um. Nicht der Standard beschreibt den Hund, sondern du beschreibst den Hund, der vor dir steht.

Halte drei Dinge schriftlich fest. Erstens Haarlänge, Grundfarbe und Abzeichen. Zweitens, ob die Haut am Hals in Falten fällt. Drittens, wie der Hund im Stand atmet, wenn er gerade nichts tut.

Ein Punkt fällt auf Fotos aus den USA sofort auf: die spitz zugeschnittenen Ohren. Hier ist das nicht erlaubt. § 6 des Tierschutzgesetzes verbietet das Amputieren von Körperteilen. Nur wenige eng gefasste Ausnahmen lässt er zu. Wie stark ein Schnitt den Ausdruck verändert, zeigt Dobermann mit spitzen Ohren.

Fotografiere den Hund von vorn und von der Seite, dazu beide Elterntiere. Diese Bilder brauchst du später, falls jemand nach dem Erscheinungsbild fragt.

Größe und Gewicht: was ein Standard leistet

Für den American Bully XL bleibt diese Zeile leer. Es gibt keine Höhe und kein Gewicht, auf die sich jemand berufen könnte.

Wie so eine Angabe aussieht, wenn es sie gibt, zeigt der FCI-Standard Nr. 286 für den American Staffordshire Terrier. Er bevorzugt 46 bis 48 cm bei Rüden. Bei Hündinnen sind es 43 bis 46 cm.

Ein Gewicht steht dort nicht. Der Standard verlangt nur, dass Größe und Gewicht in richtiger Proportion zueinander stehen.

Genauer wird der FCI-Standard Nr. 76 für den Staffordshire Bullterrier in der Fassung vom 24. Juni 1987. Erwünscht sind 35,5 bis 40,5 cm Widerristhöhe. Dazu nennt er Gewichte: 12,7 bis 17 kg bei Rüden, 11 bis 15,4 kg bei Hündinnen.

Rasse Was ihr Standard nennt
RasseAmerican Bully XL Was ihr Standard nenntkein FCI-Standard, keine Zahl
RasseAmerican Staffordshire Terrier, Nr. 286 Was ihr Standard nenntRüden 46–48 cm, Hündinnen 43–46 cm bevorzugt
RasseGewicht nach Nr. 286 Was ihr Standard nenntkeine Zahl, nur richtige Proportion zur Größe
RasseStaffordshire Bullterrier, Nr. 76 Was ihr Standard nennterwünscht 35,5–40,5 cm Widerristhöhe
RasseGewicht nach Nr. 76 Was ihr Standard nenntRüden 12,7–17 kg, Hündinnen 11–15,4 kg
RasseFCI-Gruppe beider Rassen Was ihr Standard nenntGruppe 3 Terrier, Sektion 3 Bullartige Terrier

FCI-Standard Nr. 286 in der gültigen Fassung vom 03.09.1996 sowie Nr. 76 in der gültigen Fassung vom 24.06.1987, jeweils deutsche Fassung. Jede Zeile gilt für die genannte Rasse — nicht für den American Bully XL.

Diese Zahlen gehören den beiden genannten Rassen. Über das Gewicht eines American Bully XL sagen sie nichts. Sie zeigen, was ein Standard leistet — und was hier fehlt.

Gesundheit: was ohne Zuchtaufsicht fehlt

Bei anerkannten Rassen legt ein Zuchtverband fest, welche Untersuchungen ein Elterntier braucht. Diese Instanz fehlt hier komplett.

Eine Lebenserwartung nenne ich deshalb nicht. Dazu kursieren viele Zahlen. Belegt ist keine davon.

Für jede Zucht in Deutschland gilt § 11b des Tierschutzgesetzes. Verboten ist eine Zucht, bei der erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen. Dasselbe gilt, wenn sie untauglich oder umgestaltet sind. Treten dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auf, greift das Verbot.

Erblich bedingte Verhaltensstörungen fallen ebenfalls darunter, sofern sie mit Leiden verbunden sind. Der Gesetzestext richtet sich an den Züchter. Als Käufer merkst du davon nur, was du selbst siehst.

Drei Fragen stelle ich bei jedem Hund, ganz gleich welcher Rasse. Atmet er hörbar, obwohl er nur ruhig steht? Bewegt er sich locker aus Schulter und Hüfte? Bleiben die Augen frei, ohne dass ein Lid nach innen zieht?

Lass dir die letzten tierärztlichen Befunde der Elterntiere zeigen. Ein Anbieter, der keine hat, kann dir zur Gesundheit auch nichts zusagen.

Beim Kauf: was du sehen musst

Fahr hin. Zehn Minuten vor Ort zeigen mehr als jede Anzeige.

Die Welpen sollen beim Muttertier liegen. Wer dir das verweigert, hat einen Grund dafür.

Beim Abgabealter ist die Rechtslage eindeutig. Ein Welpe darf erst im Alter von über acht Wochen vom Muttertier getrennt werden. So steht es in § 2 der Tierschutz-Hundeverordnung.

Dieselbe Vorschrift verlangt für Welpen bis zwanzig Wochen mindestens vier Stunden Umgang mit einer Betreuungsperson je Tag. Frag ruhig nach, wie der Alltag dort aussieht.

Lass dir Impfungen und Entwurmungen im Heft zeigen. Frag nach beiden Elterntieren, nach ihrem Wesen und nach ihrer Gesundheit.

Frag außerdem, was der Anbieter zur Einstufung in deinem Bundesland weiß. „Das musst du selbst klären" ist eine ehrliche Antwort. Eine Beschwichtigung ist keine.

Passt so ein Hund zu dir?

Er passt zu Menschen, die vor dem Kauf Behördenpost schreiben. Wer das lästig findet, sucht sich besser eine Rasse ohne offene Rechtsfrage.

Er passt zu Haushalten mit Zeit am Tag. Auslauf, Kontakt zu Artgenossen und Umgang mit der Betreuungsperson stehen als Pflicht in der Verordnung, nicht als Empfehlung.

Er passt zu Haltern, die körperlich mit einem kräftigen Hund an der Leine umgehen können. An einem Straßenrand entscheiden zwei Sekunden.

Er passt nicht zu jemandem, der in den nächsten Jahren umziehen könnte. Die Einstufung folgt dem Landesrecht. Nach einem Umzug über die Landesgrenze gilt sie neu, samt Auflagen und Nachweisen. Auch die Hundehaftpflicht kommt dann auf den Tisch.

Er passt nicht in einen Haushalt, der jeden Tag anders läuft. Ein Hund ohne beschriebenes Zuchtziel braucht mehr Verlässlichkeit von dir. Nicht weniger.

Und er passt nicht zu jedem, der eine Zahl sucht. Die bekommst du hier nicht. Es gibt nur eine Waage und ein paar Monate Geduld.

Fazit: Ein verbindliches Gewicht für den American Bully XL gibt es in Deutschland nicht. Die FCI führt die Rasse nicht — unter A stehen dort nur American Akita, American Cocker Spaniel, American Foxhound, American Staffordshire Terrier und American Water Spaniel. Entscheidend ist deshalb die Rechtslage. § 2 HundVerbrEinfG verbietet die Einfuhr von Pitbull-Terrier, American Staffordshire-Terrier, Staffordshire-Bullterrier und Bullterrier samt ihren Kreuzungen mit anderen Hunden. Für weitere Rassen entscheidet das Landesrecht. Kläre die Einstufung schriftlich, bevor du kaufst.

Häufige Fragen zum American Bully XL

Wie schwer wird ein American Bully XL?

Dafür gibt es in Deutschland keine verbindliche Zahl.

American Bully: Warum nicht?

Weil die FCI die Rasse nicht führt. Ohne anerkannten Standard gibt es kein amtliches Maß.

Woher stammen die Zahlen im Netz?

Von US-Clubs und Züchtern. Sie sind Orientierung, keine Vorgabe.

Welche American-Rassen kennt die FCI?

American Akita, American Cocker Spaniel, American Foxhound, American Staffordshire Terrier und American Water Spaniel.

Darf ich einen aus dem Ausland mitbringen?

Das hängt daran, wie die Behörde den Hund einordnet.

Was sagt das Bundesgesetz?

Pitbull-Terrier, American Staffordshire-Terrier, Staffordshire-Bullterrier und Bullterrier dürfen nicht eingeführt werden — samt ihren Kreuzungen mit anderen Hunden.

Gilt das auch für Kreuzungen?

Ja. Der Gesetzestext nennt Kreuzungen untereinander und mit anderen Hunden ausdrücklich.

Zählt zusätzlich das Landesrecht?

Ja. Für weitere Rassen, bei denen ein Bundesland Gefährlichkeit vermutet, gilt dasselbe Verbot.

Ist dieses Einfuhrverbot verfassungsgemäß?

Das Bundesverfassungsgericht hat es am 16. März 2004 nach Maßgabe seiner Entscheidungsformel bestätigt.

Was muss ich vor dem Kauf klären?

Wie dein Bundesland und deine Kommune den Hund einstufen. Schriftlich, vor dem Kauf.

American Bully: Wie viel Auslauf schreibt das Gesetz vor?

Auslauf im Freien außerhalb eines Zwingers, mehrmals täglich Kontakt zur Betreuungsperson und regelmäßig Kontakt zu Artgenossen.

American Bully: Sind Stachelhalsbänder erlaubt?

Nein. Sie sind bei Ausbildung, Erziehung und Training verboten.

Quellen

Über den Autor

Kevin Roth, Co-Gründer von Lucky Pets

Kevin Roth

Co-Gründer von Lucky Pets

Die Idee hinter Lucky Pets entstand aus der Erfahrung, dass viele Alltagsbeschwerden bei Hunden falsch behandelt oder einfach ausgesessen werden. Unser Ziel war eine Lösung, die im Alltag wirklich funktioniert, ohne Stress für Hund und Halter.

Gemeinsam mit Tierärzten und Ernährungsexperten entwickeln wir Ergänzungsfutter mit pflanzlichen Zutaten, das du deinem Hund einfach zum Futter gibst. In Deutschland hergestellt — und von über 80.000 Hundehaltern im Alltag erprobt.

Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung und keine Rechtsberatung. Verbindlich ist allein die Auskunft der für dich zuständigen Behörde.